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Seans Sicht
„Verdammt!“, mein Motor sprang nicht an.
„Ach komm schon, nicht jetzt. Das kann ich um diese Uhrzeit nicht mit dir machen, Kumpel. Es ist Viertel nach zehn, ich muss früh nach Hause. Bitte tu das jetzt nicht.“
Ich versuchte unzählige Male, den Motor zu starten, aber mein Auto war heute Abend meine Waffe.
Kurz darauf begann es draußen wie aus Eimern zu gießen. „Oh bitte, tu das jetzt nicht, ich flehe dich an.“
„Meine Damen und Herren, ein Hoch auf das frisch vermählte Paar der Stadt! Möge ihre Ehe ewig halten!“
Während alle die Hochzeit der Tochter meines Chefs feierten, kämpfte ich draußen mit meinem Auto. Ein armer Kerl wie ich, festgefahren in einem kaputten Wagen im Regen. Oh Gott, hilf mir!
Kurz darauf fiel mir meine Freundin Bianca ein. Sie hatte mir versprochen, mich abzuholen, als ich ihr heute Morgen von meinem Auto erzählt hatte.
Ich schaute auf mein Handy, aber es gab keine Nachricht, keinen Anruf von ihr. Ich wählte ihre Nummer.
Es klingelte, aber sie ging nicht ran.
Der Regen wurde stärker.
„Bianca, komm schon …“, murmelte ich leise. Ich rief noch einmal an, und Gott sei Dank ging sie diesmal ran. „Hallo, Schatz.“
Ich verstand erst nicht, was ich hörte.
„Ahh ja, nimm mich fester, John!! Ich habe dich so vermisst, ahh …“
Verwirrt legte ich auf. Was zum Teufel ist da los?, flüsterte ich.
Ich rief sie wieder an. Ich war wütend. Sie ging nicht ran.
Ich rief noch einmal an, und diesmal ging sie ran.
Ich hörte … „Ahh! Verdammt, John, du bist der Wahnsinn. Du weißt genau, was du mit mir machst. Du triffst genau den richtigen Punkt, ich bin so atemlos, ich kann es spüren.“
„Oh ja, gib mir alles von dir, hmmm, so unglaublich. Ich könnte das die ganze Nacht machen. Ich habe uns zusammen vermisst, Baby.“
„Komm schon, Mädchen, verwöhn mich. Siehst du, ich bin so viel besser als dein schwacher Freund“, neckte John.
„Ja, John, du bist ein Tier im Bett.“
Ich konnte diesen Mist nicht mehr ertragen, ich musste schreien.
„Schatz, wo bist du und was zum Teufel machst du da?“, fragte ich. „Mit wem bist du zusammen und was treibt ihr da? Ich will jetzt eine Antwort!“
Meine Stimme hallte durch den Hörer.
„Hey Sean, es tut mir so leid, Schatz“, sagte sie. „Ich bin noch auf der Arbeit.“
„Was soll der Lärm? Mit wem schläfst du?!“
„Bianca, wag es ja nicht, mich anzulügen! Wo bist du und was machst du da?“ Verwirrt und wütend starrte ich auf mein Handy.
Es herrschte einen Moment Stille, bevor sie sprach. „Ich bin mit John zusammen.“
„John?“ Mein Herz setzte einen Schlag aus. Falls du es nicht wusstest: John war ihr zweiter Ex-Freund. Ich versuchte, stark zu bleiben.
„Du meinst, du betrügst mich mit deinem zweiten Ex-Freund?“
Ich war angewidert und verwirrt zugleich, doch bevor ich ausreden konnte, hatte sie schon aufgelegt.
Ich starrte fassungslos auf das Telefon.
„Was ist nur los mit ihr? Dieses Mädchen schläft mit ihrem Ex, diesem Ungeheuer, dem, der sie fast umgebracht hat, nachdem er sie wie einen Boxsack behandelt hatte.“
Frustriert fuhr ich mir mit den Händen über die Stirn. Die Feier im Hochzeitssaal ging weiter, aber für mich ergab nichts mehr einen Sinn.
Und der Regen wollte einfach nicht aufhören. Ich wählte die Nummer meiner Mutter. Das Telefon klingelte einmal, zweimal, dreimal.
Beim vierten Klingeln ging sie ran.
„Hallo, Sean.“
Es war nicht meine Mutter. Es war ihre Sekretärin, Frau Olivia.
„Guten Tag“, sagte ich.
„Hallo, Sean, wie geht’s?“ Ihr Tonfall klang, als wolle sie mich mit verführerischer Anmut in die Hölle ziehen.
„Alles in Ordnung, Ma’am.“ Ihre Stimme ließ mich innerlich erhitzen und die Kälte verfliegen. Ich fasste mich schnell und stammelte, denn allein ihre Stimme war kurz davor, mich zu erregen.
„Mein Auto ist heute kaputtgegangen, deshalb wollte ich, dass meine Mutter mich abholt.“
„Ach so“, sagte sie mit romantischer Stimme. „Ihre Mutter ist gerade in einer Konferenz. Sie ist erst in acht Stunden fertig.“
„In Ordnung, Ma’am“, sagte ich.
Um Himmels willen, warum bin ich plötzlich so erregt? Ich weiß, dass ich in Frau Olivia verknallt bin. Dinge passieren nicht einfach so; sie haben ihren Grund.
Ich sehnte mich nach Frau Olivia, seit sie mich bat, ihr bei einem Problem mit ihrem Handy zu helfen, und dann sah ich die privaten Fotos in ihrer Galerie.
Sie posierte völlig nackt, berührte sich intim und präsentierte ihre Kurven der Kamera.
Nach diesem Anblick war ich nie mehr dieselbe. Ich hatte mir vorgestellt, wie sie mich verwöhnt und wir vollkommen intim sind, obwohl sie so viel älter ist. Mir ist das scheißegal, und verurteilt mich nicht dafür.
Ich lehnte mich an mein Auto und zitterte am ganzen Körper, die Kälte kroch mir fast in die Knochen, obwohl alle Fenster verriegelt waren. Die Musik von der Party dröhnte immer noch laut. „Diese Show wird nie enden, da bin ich mir sicher.“
„Ich kann hier nicht mehr bleiben, ich muss rein.“ Ich rannte so schnell mich meine Beine trugen. „Mann, pass auf, wo du hinläufst!“ Mist, ich habe jemanden angerempelt.
„Tut mir leid, ich bin nur vor dem Regen gerannt. Entschuldige meine Unhöflichkeit, ich hoffe, du bist nicht verletzt?“
„Nein, Mann, alles gut“, antwortete der Typ, den ich angerempelt hatte.
Ich ging in die Halle. Sie war immer noch voller Leute. Die Veranstaltung hatte wohl gerade erst begonnen, denn es war immer noch riesig.
Ich ging durch den Seitengang und fand den Weg zur Toilette.
Ich richtete mich und reinigte meinen Neoprenanzug. Da musste ich wieder an Bianca denken. Ich rief sie an. Sie zögerte nicht, ranzugehen. „Was ist los, Sean?“, fuhr sie mich an.
„Was ist los mit dir, Bianca?“
„Mir ist nichts los, frag mich das nicht.“
„Was hast du mit diesem Monster gemacht? Du hast mich nicht abgeholt, wie du versprochen hast.“
„Ach komm schon, Sean, du übertreibst, das weißt du doch. Und ich bin beschäftigt.“
„Was soll das heißen, ich übertreibe?!“
Ich versuchte, mich zu beherrschen, war aber immer noch stinksauer. Bianca fing an zu schreien.
„Warum schreist du? Warum brüllst du mich an?“
Ich schlug mit der Hand gegen die Wand. „Ich schreie nicht! Ich spreche leise. Ich stelle nur eine einfache Frage.“
„Sean, hör mal zu: Du kannst nicht über mein Leben bestimmen. Nur weil ich mit dir zusammen bin, heißt das nicht, dass du mich ständig kontrollieren darfst.“
„Ich kontrolliere dich nicht! Ich frage dich nur, welches untreue Verhalten du heute an den Tag gelegt hast? Was soll das heißen, ich kontrolliere dich? Du hast mich betrogen und schreist mich immer noch an! Du zeigst keinerlei Reue, sondern forderst mich nur heraus.“
„Sean, ich habe die Nase voll von dir. Ich kann das nicht mehr mitmachen. Lass uns das jetzt beenden“, sagte sie.
„Was redest du da? Was meinst du mit ‚Lass uns das beenden‘?“
„Worum geht es denn?“, fragte ich geschockt.
Es herrschte einen Moment Stille, dann durchbrach sie sie.
„Es ist aus zwischen uns, Sean.“
Mein Herz setzte einen Schlag aus, und ich umklammerte mein Handy. „Was? Warum?!“
„Es ist vorbei, komm damit klar.“ Bevor ich die Worte überhaupt verarbeiten konnte, folgte der nächste Schlag.
„Ich gehe zurück zu John.“ Mein ganzes Leben brach in Sekundenschnelle zusammen. „Du machst Schluss wegen John?!“
„Nicht wirklich wegen John, Sean. Ich kann einfach nicht mehr mit dir zusammen sein.“
„Was? Deshalb hast du mich betrogen?! Bianca, du beendest unsere Beziehung einfach so? Was ist nur los mit dir? Tu das nicht, du hinterhältige Betrügerin!“, schrie ich.
Sie schwieg einige Sekunden, bevor sie leise sagte: „Tschüss, Sean.“
Dann war das Gespräch beendet. Ich erstarrte. Plötzlich herrschte absolute Stille im Badezimmer. Ich starrte fassungslos auf mein Handy.
Bianca hatte gerade mit mir Schluss gemacht? Ich konnte es nicht fassen.
Nach allem, was wir zusammen erlebt hatten, nach all den Versprechen und Plänen, beendete sie alles per Telefon.
Langsam legte ich das Handy weg und vergrub mein Gesicht in den Händen.
„Nein …“, flüsterte ich schwach.
Ich wollte es nicht glauben. Ich konnte es nicht glauben.
Seans SichtDas Erste, was ich wahrnahm, war ein gleißendes, unerbittliches weißes Licht, das mir tief in die Augen stach.Ich stieß ein leises Stöhnen aus; ein schwerer, bleierner Schmerz zog durch jeden einzelnen Muskel meines Körpers. Mein Kopf dröhnte, als würde jemand mit einem Hammer auf meinen Schädel einschlagen, und ein dumpfer, hartnäckiger Schmerz pulsierte in der Nähe meiner linken Schläfe. Ich versuchte, meinen Arm zu heben, doch er fühlte sich an, als wöge er eine Tonne.Leise, ineinander übergehende Stimmen drangen aus der Ferne an mein Ohr – ein besorgtes Gemurmel in der sterilen Stille des Raums.… Es sind schon vier Tage vergangen; ich habe doch gesagt, dass er heute aufwachen würde …… Schau mal, seine Finger bewegen sich …Ich kniff die Augen gegen das grelle Licht zusammen, holte langsam und schmerzhaft Luft und zwang meine Lider erneut auf. Die verschwommenen Umrisse über mir wurden allmählich klar und scharf.Um mein Krankenhausbett herum standen Philip, Edith u
Andrews SichtDer durchdringende, rhythmische Klingelton von Seans Handy hallte wie ein schriller Alarm durch den sterilen Krankenhausflur. „Mom.“ Das Wort leuchtete uns vom Display entgegen – ein Hohn angesichts der zerbrechlichen Stille, in der wir uns befanden.Für einen erschreckenden Moment rührte sich niemand von uns. Die Last dessen, was geschehen könnte, sollte ihr schwaches Herz bei der Wahrheit versagen, hing schwer in der Luft.„Geh ran, bevor die Lage völlig außer Kontrolle gerät“, wies ich sie in einem rauen, angespannten Flüsterton an und trat einen Schritt vor. „Edith, geh sofort ran. Bleib ruhig. Versuch, es einfach zu halten – mach bloß nichts kaputt.“Edith schluckte schwer. Ihre Hände zitterten heftig, als sie nach dem Handy auf dem Metalltisch griff. Sie wischte über das Display, hielt es sich ans Ohr und zwang sich zu einem quälend ruhigen Tonfall.„Hallo? Mrs. Victoria?“, brachte Edith hervor. Ihre Augen waren vor Schreck weit aufgerissen, ihre Hände bebten unkon
Andrews SichtDas leise Summen auf dem Krankenhausflur wirkte erdrückend. Ich stand vor dem hohen Glasfenster von Seans Krankenzimmer und beobachtete durch die Jalousien hindurch, wie sich sein Brustkorb in einem quälend langsamen, stetigen Rhythmus hob und senkte. Oh, mein Sean – es tut mir so leid, dass ich dir das angetan habe.Seine Haut war noch immer viel zu blass; der weiße Verband hob sich scharf von seinem dunklen Haar ab. Marcus stand ein paar Schritte entfernt – still und wachsam –, um gemeinsam mit mir mitten in der Nacht Wache zu halten.Mit zitternden Fingern holte ich mein Handy aus der Tasche.Es gab nur eine weitere Person, die noch vor Tagesanbruch erfahren musste, was geschehen war. Ich wählte die Nummer und hielt das Gerät an mein Ohr; meine Hände bebten.Es klingelte zweimal, dann meldete sich eine atemlose, zitternde Stimme: „Hallo? Wer ist da? Bitte!“„Hey Edith – ich bin’s“, sagte ich, wobei meine Stimme durch den Hörer klang wie trockenes Eis.Am anderen Ende
Andrews SichtDas sterile, weiße Licht in der Notaufnahme der Privatklinik brannte in meinen Augen, doch ich konnte den Blick nicht von den geschlossenen Doppeltüren des Schockraums abwenden. Jede Sekunde verstrich wie eine Ewigkeit.Als der leitende Arzt schließlich durch die Schwingtüren trat – sein Gesicht ernst und erschöpft –, stürmte ich auf ihn zu, noch bevor er einen einzigen Schritt machen konnte.„Doktor! Wie geht es ihm? Ist er wach? Bitte, sagen Sie mir etwas Gutes!“, drängte ich mit brüchiger Stimme. An meinen Händen klebten noch immer die Spuren von Seans Blut – ein Geruch, an den sich meine Nase bereits gewöhnt hatte.Der Arzt rückte sein Klemmbrett zurecht und sah mich mit einer Mischung aus professioneller Distanz und stiller Missbilligung an.„Mr. Sterling, wir konnten ihn stabilisieren. Er hat durch den Aufprall auf den Marmorboden eine schwere Gehirnerschütterung erlitten, aber das ist nicht das Hauptproblem.“Ein eisiger Knoten bildete sich in meinem Magen. „Was m
Andrews SichtDas ferne Heulen von Sirenen durchschnitt endlich die schwere, erdrückende Stille des Penthouses, doch der Klang wirkte, als käme er aus unendlicher Ferne.Meine Arme umschlangen fest Seans schlaffen, regungslosen Körper; seinen Kopf hielt ich an meine Brust gedrückt.Ein dunkler Strom aus Blut sickerte von seiner Schläfe herab und befleckte die Vorderseite meines Hemdes – warm und klebrig auf meiner Haut.Ich blickte auf, meine Sicht durch Tränen getrübt, die noch nicht über meine Wangen liefen, und starrte hinüber zu Marcus. Er hielt noch immer sein Telefon in der Hand, nachdem er den Notruf abgesetzt hatte.Das Gift, das die ganze Nacht in meinem Geist gebrodelt hatte, kochte nun plötzlich über.„Du … ist es deshalb passiert, Marcus? Was habe ich dir jemals getan?“, fuhr ich ihn an, meine Stimme bebend vor einer explosiven Mischung aus Trauer und blinder Wut.„Hast du ihm deshalb bei seinem Fluchtversuch geholfen? Schläfst du mit ihm? Ich will nicht glauben, dass das
Andrews SichtDas schwere, dumpfe Geräusch, als sein Körper auf den kalten Marmorboden aufschlug, hallte wie ein Schuss durch das Penthouse. Was war gerade passiert?Für eine erschreckende, qualvolle Sekunde schien die ganze Welt stillzustehen. Alles, was ich sehen konnte, war die Liebe meines Lebens, die regungslos auf dem Boden lag; ich konnte nicht einmal sagen, ob er noch atmete.Das Geschrei verstummte. Die Wut in meinen Adern verflog augenblicklich und machte einer widerwärtigen, eiskalten Angst Platz, die sich wie ein schwerer Klumpen in meinem Magen ausbreitete. Marcus spielte plötzlich keine Rolle mehr – er hatte eigentlich nie eine gespielt.„Sean?“, flüsterte ich, während meine Stimme unkontrolliert brach. Schweiß rann mir von der Stirn, als hätte ich gerade einen Marathon hinter mir.Ich starrte auf die kleine, regungslose Gestalt, die neben dem schweren Marmorsockel lag.Ein dünner, dunkler Streifen aus Blut zeichnete sich bereits auf dem weißen Stein ab; er sickerte aus
Seans POVPlötzlich hörte ich laute Schritte, die den Raum betraten.„Wach auf, schläfriger Junge!“Ich öffnete sofort meine Augen und sah Frau Olivia in ihrem transparenten Nachthemd vor mir stehen. Durch den dünnen Stoff konnte ich deutlich die Silhouette ihres Körpers erkennen.„Es ist Zeit, nach
Seans SichtIch ging sofort duschen. Der Gedanke an Adams überkam mich wieder. Ich wünschte, er wäre bei mir unter der Dusche, aber dann holte mich die Realität ein.Ich kam nackt aus dem Zimmer und suchte nach einer Möglichkeit, mich zu waschen.„Oh je, womit soll ich mich denn jetzt waschen?“„Se
Seans SichtEdith stand am Eingang des Flurs. Die Papiere, die sie in der Hand hielt, waren ihr aus der Hand gefallen. Ihre Augen waren weit aufgerissen vor Schock und Ungläubigkeit.Die Papiere lagen verstreut auf dem Boden.Ich stand wie erstarrt da, mein Mund war voller Speichel wie der einer Hyä
Seans SichtEs klopfte an der Tür.„Wer ist da?“, fragte ich fast weinend.„Oh, da ist jemand.“ Die Person ging.Ich setzte mich auf die Toilette und dachte darüber nach, wie es weitergehen würde.Plötzlich vibrierte mein Handy. Es war eine Nachricht von John, Biancas Ex-Freund. Mein Herz machte ein







