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Kapitel 3

Autor: Gizem Rae
last update Data de publicação: 2026-05-11 16:39:47

(Luisa)

Ich las weiter. Jede Zeile war gefüllt mit Fachtermini, mit Zahlen, Prozentangaben, juristischen Formulierungen. Ich spürte seinen Blick auf mir, prüfend, lauernd, als wartete er nur auf den kleinsten Fehler. Aber ich las durch – fließend, sicher, mit klarer Stimme. Je länger ich sprach, desto mehr verschwand das Zittern.

Ich las weiter, ließ mir seine spitzen Kommentare gefallen. Jeder Satz von ihm war wie ein Schlag, ein Test, ein Nadelstich. Er wollte, dass ich einknickte – doch ich klammerte mich an das Papier, an meine Stimme, an das Wissen, das ich mir im Studium erkämpft hatte.

„‚…die Bruttojahreseinnahmen im dritten Quartal beliefen sich laut Prognose auf 137,9 Millionen…‘“ – ich stockte.

Mein Blick huschte über die Zeile. Dann noch mal. Ich runzelte die Stirn. Da stimmte etwas nicht.

„Das ist falsch“, sagte ich leise – dann hob ich den Kopf und sah ihn direkt an. „Die Zahl kann nicht stimmen.“

Er saß bewegungslos da, hob langsam eine Braue. „Oh? Wirklich?“

Ich nickte, blätterte zurück.

„Wenn ich die Summe der ersten beiden Quartale nehme – 46,3 Millionen und 49,8 – dann ergibt das bereits 96,1 Millionen. Die dritte Angabe müsste höher sein, weil laut Anlage die Wachstumsrate zum Vorquartal 12 % betrug. Das wären dann mindestens 55,7 Millionen. Es können also keine 137,9 Millionen gesamt sein. Der Bericht hat einen Rechenfehler.“

Er sah mich an, als hätte ich ihm gerade ins Gesicht geschlagen.

Langsam – ganz langsam – stand er auf. Ging um den Tisch herum. Blieb wieder direkt vor mir stehen.

„Wie… heißen Sie nochmal?“

„Luisa. Luisa Williams.“

Ein dunkles, kaum merkliches Schnauben. Er griff ihr das Papier aus der Hand, überflog es, zog dann die Augenbraue hoch.

„Hmpf. Sie haben recht.“

Dann drehte er sich zur Seite, sprach fast beiläufig: „Sie haben gerade einen Rechenfehler entdeckt, den drei Senioranalysten übersehen haben. Nicht schlecht, Miss Williams.“

Ich wagte kaum zu atmen. War das… Anerkennung?

Doch dann drehte er sich wieder um – und dieser kalte, arrogante Blick war zurück.

„Nur weil Sie einmal etwas richtig gemacht haben, heißt das nicht, dass Sie clever sind. Vielleicht war’s auch einfach Glück.“ Er trat näher. Sein Blick bohrte sich in meinen.

„Aber ich werde Sie beobachten.“ Er drehte sich um, ging wieder zu seinem Platz.

—-——

Es war inzwischen 16 Uhr. Meine Hand verkrampfte sich leicht vom vielen Schreiben, mein Magen knurrte leise – doch ich hatte es geschafft, mir nichts anmerken zu lassen. Der Bildschirm flimmerte vor mir, die Zahlen, die ich gerade abglich, begannen zu verschwimmen. Ich sah kurz auf die Uhr.

Noch zehn Minuten bis Feierabend.

Ich atmete tief durch. Fast geschafft. Mein Blick wanderte unbewusst zu seinem Büro. Die Glastür war halb offen. Er saß noch immer dort, perfekt aufgerichtet, in dieser kühlen, kontrollierten Aura – als wäre es ihm egal, ob Tag oder Nacht war.

Dann, plötzlich, seine Stimme.

„Miss Williams.“ Ruhig, aber laut genug, dass ich aufschreckte.

Ich drehte mich sofort um. „Ja, Sir?“

Er sah nicht einmal hoch, blätterte weiter durch Unterlagen.

„Sie können für heute gehen.“

Ich zögerte einen Moment. Wartete fast auf einen Zusatz. Einen sarkastischen Kommentar. Einen weiteren Befehl.

Doch nichts kam.

Er blätterte einfach weiter.

Ich stand langsam auf, packte meine Sachen und warf einen letzten Blick in seine Richtung. Nichts. Keine Regung. Keine Anerkennung. Aber auch kein Spott.

Nur diese Ruhe.

Als ich gerade zur Tür gehen wollte, hörte ich plötzlich seine Stimme wieder – diesmal etwas tiefer, fast beiläufig:

„Vergessen Sie nicht: Pünktlich heißt bei mir fünf Minuten zu früh.“

Ich nickte. „Ja, Sir.“

Und verließ das Büro.

Als ich zum Aufzug lief, spürte ich es. Ohne hinzusehen. Seine Blicke. Hart. Brennend.

Ich drückte den Knopf. Stille.

Der Aufzug kam. Türen öffneten sich.

Ich trat ein, lehnte mich gegen die Wand und atmete erst dann durch, als die Türen sich schlossen. Das vertraute Summen setzte ein, das Licht flackerte kurz – und dann begann die Abfahrt.

Meine Schultern sanken einen Hauch nach unten.

Ich murmelte leise: „Arschloch…“

Ein bitteres, erschöpftes Lächeln legte sich auf meine Lippen. „…und genau noch sechs Monate.“

Unten in der Lobby angekommen, öffneten sich die Aufzugtüren mit einem leisen Ping. Ich trat hinaus – mit erhobenem Haupt, die Schultern gerade, das Gesicht ausdruckslos. Genau so, wie man es mir beigebracht hatte: Zeige nie, wenn du zitterst.

Einige Blicke trafen mich sofort.

Tuscheln.

„Sie weint nicht…“

„Hat er sie etwa nicht gefeuert?“

„Vielleicht hat sie ja was, das andere nicht haben…“

„Ja Brüste, wir wissen ja das der Boss auf sowas steht“

Ich hörte es. Ich ignorierte es.

Ich ging einfach weiter, meine Tasche fest an mich gedrückt. Der Klang meiner Absätze hallte auf dem glänzenden Marmor. Dann trat ein Mann an meine Seite – Mitte 30, teurer Anzug, selbstsicherer Gang, charmantes Lächeln.

„Du bist die Neue, stimmt’s?“ sagte er mit einem Seitenblick, während er locker mit mir Schritt hielt.

Ich drehte leicht den Kopf, blieb ruhig.

„Luisa Williams. Praktikantin bei Mr. Black.“

Er grinste. „Mutig, dich darauf einzulassen.“

„Ich wurde nicht gefragt“, erwiderte ich trocken.

Er lachte leise. „Klar. Man wird Alec Black nicht zugeteilt. Man wird ihm zum Fraß vorgeworfen.“

Ich schwieg. Er musterte mich aus dem Augenwinkel, dann streckte er mir beiläufig die Hand entgegen.

„David Carter. Leiter der PR-Abteilung. Wenn du irgendwann mal durchatmen willst – bei uns ist es weniger… giftig.“

Ich schüttelte seine Hand. Fest. „Danke. Ich merk’s mir.“

Er grinste. „Willkommen im Haifischbecken.“

Dann bog er ab, ließ mich stehen.

Ich stand an der Haltestelle, zog meinen Mantel enger um mich und sah auf mein Handy. Keine Nachrichten. Kein verpasster Anruf. Nur die Uhrzeit – 16:48 Uhr.

Der Wind war kühl, aber angenehm auf meiner überhitzten Haut. Mein Kopf pochte leicht. Der Tag war… viel gewesen. Zu viel.

Der Bus kam mit quietschenden Bremsen an. Ich stieg ein, nickte dem Fahrer höflich zu, und ließ mich auf einen freien Platz am Fenster sinken. Außer mir stiegen nur ein älterer Mann und eine Frau mit Einkaufstaschen ein.

Die Sitze waren halb leer. Es war ruhig.

Ich legte meine Stirn gegen das Glas, sah hinaus, wie die Stadt an mir vorbeizog.

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