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2: Lily

作者: Fallenwild
last update 公開日: 2026-07-03 16:16:25

Tyler’s Haus ist bereits zum Bersten voll, als ich ankomme. Ich dränge mich an den Leuten vorbei und suche die Menge mit den Augen nach Ethan ab.

Das Wohnzimmer quillt über vor Menschen, die alle noch auf dem Hochgefühl des Meisterschaftssiegs schweben. Ich entdecke Naomi an der provisorischen Bar und will gerade zu ihr gehen, als ich Ethans Stimme höre.

„Du hältst dich wohl für etwas ganz Besonderes, oder?“

Ich folge dem Klang in die Küche und schiebe mich durch einen Kreis von Zuschauern. Ethan steht da, den Zeigefinger gegen Lucas Brust gebohrt, das Gesicht rot angelaufen – ein sicheres Zeichen, dass er schon viel zu viel getrunken hat.

Luca sieht gelangweilt aus, eine Schulter lässig gegen den Kühlschrank gelehnt. „Nimm deine Hand weg, Palmer. Sofort.“

„Oder was?“ Ethan drückt fester. „Willst du mich schlagen?“

„Du willst es lieber nicht herausfinden…“ Lucas Blick streift mich kurz, dann richtet er sich wieder auf Ethan. „Glaub mir.“

Ich schiebe mich zwischen die beiden, bevor Ethan antworten kann. „Hey! Was ist hier los?“

Ethans Augen verengen sich, als er mich sieht. „Na sieh mal einer an, wer sich doch noch bequemt hat. Sag du ihm doch, warum dieser Typ hier mir gerade erklärt hat, dass ich dich nicht verdiene.“

Ich fahre herum und starre Luca wütend an. „Du hast was getan?“

Luca zuckt mit den Schultern. „Nur die Wahrheit gesagt. Ich wusste nicht, dass sie seine Gefühle so sehr verletzen würde.“

„Halt dich aus meinen Angelegenheiten raus“, zische ich.

„Gerne.“ Er will gehen, doch Ethan versperrt ihm den Weg.

„Nein, lass uns das hören. Sag ihr, was du wirklich denkst, Archer. Sag ihr, wie du schon die ganze Zeit…“

„Zurück, Palmer.“ Lucas Stimme ist gefährlich leise geworden. „Das war deine letzte Warnung.“

Ich packe Ethans Arm und ziehe ihn weg. „Hört auf, das ist lächerlich. Wir haben gerade die Meisterschaft gewonnen. Könnt ihr zwei nicht…“

„Es gibt kein Wir“, faucht Ethan und reißt seinen Arm los. „Er nimmt sich immer den ganzen Ruhm.“

„Das ist nicht fair“, sage ich, obwohl ein Teil von mir weiß, dass es stimmt. Luca war heute Abend wirklich unglaublich. „Du hast auch gut gespielt. Das ganze Team…“

„Spar dir das.“ Ethan wendet sich ab, hält dann inne und sieht Luca mit einem höhnischen Grinsen an. „Ach ja, und übrigens? Der einzige Grund, warum sie dich verteidigt, ist Mitleid. Armer kleiner Waisenjunge, den niemand wollte und den man einfach weggeschickt hat.“

„Ethan!“ Ich stoße ihn hart. „Was zur Hölle stimmt nicht mit dir?“

Für einen Moment glaube ich, Luca würde zuschlagen. Seine Hände ballen sich zu Fäusten, ein Zittern durchläuft seinen Körper. Doch dann geht er einfach um uns herum und verschwindet. Ethan sieht gleichzeitig erleichtert und enttäuscht aus, dass es keinen Kampf gab.

Ethan dreht sich zu mir, als erwarte er, dass ich ihn beglückwünsche.

„Du musst dich beruhigen. Ich weiß nicht, was zwischen euch beiden vorgefallen ist, aber das war grausam.“

„Ach, jetzt verteidigst du ihn also wirklich?“

„Hör auf, dich wie ein Arschloch zu benehmen.“

„Wie auch immer.“ Er greift nach einem Bier auf der Theke. „Ich brauche noch einen Drink.“

„Warte.“ Ich packe seinen Arm. „Eigentlich müssen wir reden. Über vorhin. Über…“

„Nicht jetzt, Lily.“ Er reißt sich los, sodass Bier auf den Boden schwappt. „Ich bin nicht in der Stimmung für eine deiner Diskussionen.“

Die Art, wie er es sagt – als wären meine Gefühle eine lästige Unannehmlichkeit, als wäre es unvernünftig von mir, Respekt zu wollen –, lässt meinen letzten Rest Geduld reißen.

„Fein“, sage ich und trete zurück. „Such mich, wenn du bereit bist, dich wie ein Erwachsener zu benehmen.“

Ich drehe mich um und gehe weg, ignoriere das Getuschel, das mir folgt. Ich brauche nur eine Minute zum Atmen und um klar zu denken.

Ich wandere durch die Party, nehme einen Becher von etwas Starkem von jemandem, den ich kaum kenne, und dann noch einen. Der Alkohol brennt in meiner Kehle, löst aber den Knoten in meiner Brust ein wenig. Nach zwei Drinks beschließe ich, Ethan noch einmal zu suchen. Wir müssen das klären. Ich muss ihn nach diesem Parfüm fragen.

Ich schaue im Garten nach, im Fernsehzimmer, in der zur Tanzfläche umgebauten Garage. Keine Spur von ihm. Schließlich gehe ich nach oben, in der Hoffnung, dass er sich in einem der ruhigeren Zimmer abkühlt.

Genau in diesem Moment sehe ich sie.

Sie stehen halb verborgen hinter einem Automaten im oberen Flur, aber nicht verborgen genug. Ethan hat Megan Davis, unsere Cheerleader-Captain, gegen die Wand gedrückt. Seine Hände sind in ihren langen blonden Haaren vergraben, während er ihren Hals küsst. Sie kichert, und dieses Geräusch bohrt sich direkt in meine Seele.

„Ethan“, stöhnt sie laut genug, dass ich es hören kann. „Wir sollten nicht… Was ist mit…“

„Sie muss es nicht wissen“, murmelt er, seine Hände gleiten hinunter zu ihrer Taille. „Außerdem bist du diejenige, die ich will.“

Die Zeit steht still, während ich dort stehe und zusehe, wie mein Freund – mein Freund seit fast zwei Jahren – einer anderen seine Zunge in den Hals schiebt. Derselbe Freund, der mir vor kaum fünfzehn Minuten vorgeworfen hat, ich würde zu viel für jemand anderen empfinden.

Ich erinnere mich nicht, mich bewegt zu haben. Plötzlich bin ich da. Megans Augen weiten sich panisch, als sie mich über Ethans Schulter entdeckt.

„Lily…“, beginnt sie, aber ihre Ausreden interessieren mich nicht.

Ich tippe Ethan auf die Schulter. Er dreht sich um, sein selbstgefälliges Lächeln erstirbt, sobald er mich erkennt.

„Lily, ich…“

Das Klatschen meiner Hand auf seiner Wange ist so befriedigend, dass ich es fast noch einmal tun möchte.

Ethans Gesicht wird unter der Röte blass. „Lily, ich kann das erklären…“

„Spar dir die Mühe.“ Ich trete zurück und mustere die beiden mit einer Ruhe, die ich nicht fühle. „Ihr habt einander verdient. Ich hoffe, sie genießt es, mit einem Verlierer zusammen zu sein, der nicht mal gewinnen kann, ohne allen anderen die Schuld zu geben.“

„Du überreagierst“, sagt Ethan und greift nach meinem Arm, doch ich reiße mich los. „Komm schon, es war nur…“

„Nur was? Nur ein Kuss? Nur ein schneller Fick nach dem Training?“ Meine Stimme wird lauter, und es ist mir egal, wer es hört. „Wie lange schon, Megan? Wie lange fickst du schon meinen Freund?“

Megans Gesicht zerfällt. „Ich wollte nicht…“

„Spar dir das.“ Ich sehe zwischen ihnen hin und her, Ekel steigt in meiner Kehle auf. „Wir sind fertig, Ethan. Ruf mich nie wieder an.“

Am Ende des Flurs hat sich bereits eine Menge versammelt, angelockt vom Lärm. Ich sehe den Schock in ihren Gesichtern, die Handys, die schon filmen.

Ich will gehen, als Naomi sich durch die Menge drängt.

„Lily!“ Sie packt meinen Arm und zieht mich weg. „Komm, lass uns hier verschwinden.“

Sie schleift mich die Treppe hinunter und hinaus auf die hintere Veranda. Erst dort merke ich, dass ich zittere.

„Es tut mir so leid“, sagt sie und reibt meine Arme. „Geht es dir gut?“

„Du hast es gewusst.“ Es ist keine Frage. Die Schuld steht ihr ins Gesicht geschrieben. „Du hast gewusst, dass er fremdgeht.“

Naomi schaut weg und beißt sich auf die Lippe. „Ich habe es erst vor Kurzem erfahren, ich schwöre. Letzte Woche beim Nachttraining… Ich dachte, es wäre vielleicht nichts. Ich wusste nicht, wie ich es dir sagen soll. Du warst schon so gestresst. Und ehrlich? Die meisten Sporttypen sind so. Das sind pure Testosteron-Maschinen. Glaubst du wirklich, die sparen sich diese Energie nur fürs Spielfeld auf?“

„Du bist meine beste Freundin. Du hättest es mir sagen müssen.“

„Ich weiß. Es tut mir leid. Ich dachte…“

„Was dachtest du? Dass ich lieber vor allen gedemütigt werde, als es von dir zu hören?“

Ich schiebe mich an ihr vorbei und gehe wieder hinein. Ich brauche einen Drink. Mehrere Drinks. Ich muss das Bild von Ethan und Megan aus meinen Augen brennen.

„Lily, warte—“ Ich gehe einfach weiter und ignoriere ihre Rufe.

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