LOGINAvaSeine Worte hallten in meinem Kopf wider und verfolgten meine Gedanken. Es war, als stünde er in jeder Ecke, die ich anblickte, und wiederholte dieselben Worte. Ich hasste es, wie ich darauf reagierte: wie mein Herz schmerzte, wie seine Worte wie eine heiße Flüssigkeit durch meine Wirbelsäule flossen und die Kälte in mir auslöschten. Ich hasste es, dass ich es nicht kontrollieren konnte.Ich wandelte auf einem Pfad, der zu meinem Untergang führen würde. Ich fütterte die Monster, die mich verschlingen würden.Nachstundenlangem Hin- und Herwälzen konnte ich merkwürdigerweise nicht schlafen – nicht wegen meiner Alpträume, sondern weil seine Stimme meinen Geist heimsuchte. Mein Gehirn spielte seine Worte automatisch immer wieder ab, bis sie tief in meinem Gedächtnis eingebrannt waren.Ich stieß einen Seufzer aus und sprang auf die Füße.Da Schlaf ein Luxus war, den ich mir nicht leisten konnte, wollte ich mich in Arbeit ertränken. Doch als ich nach draußen trat, lenkten mich meine Sch
AvaIch starrte auf mein Spiegelbild. Augenringe hatten sich tief in meine Haut gegraben, Sorgenfalten zeichneten mein Gesicht – ich sah blass aus, fast wie tot. Ich sah anders aus als Selena. Wir waren zwar Zwillingsschwestern, aber sie war völlig anders. Sie war die Goldene, der Stolz des Rudels und unseres Vaters. Sie war das beliebteste Mädchen an der Schule und ich … ich war kaum an der Schule angenommen worden.Die Schule fühlte sich wie die Hölle an. Das ständige Mobbing, die Anschuldigungen – in jeder Ecke, in die ich mich schlich, kannte man mein Geheimnis und schreckte nicht davor zurück, es gegen mich zu verwenden.Ich spülte das Wasser in mein Gesicht und sah zu, wie es zusammen mit dem Dreck, der an meinen Wangen klebte, hinabrollte.Wieder ein Tag an der Willowhill-Universität, an der es mehr Mobber als intelligente Studenten gab. Ich wusch den Schmutz ab und machte mich auf den Weg zum Unterricht. Ein einziger Fehltritt, und ich würde meinen Studienplatz verlieren. Nich
AlexDer Raum war duster, unheimlich und erfüllt von einer spürbaren Anspannung. Marco schlich näher; sein Schatten glitt vor ihm in das Zimmer, bevor er selbst erschien. Sein Blick fiel auf das kleine Kind, das in einer medizinischen Kapsel lag, an die mehrere Schläuche und Kabel angeschlossen waren. Sie lag da, fast leblos, aller Lebenskraft beraubt. Sein Blick wanderte weiter zu Ryan, der halbtot aussah – das dunkle Haar zerzaust, das Gesicht blass, die Augen vollkommen erloschen. Er saß an der Seite, den Blick starr auf seine Tochter gerichtet.Marco trat näher und kaschierte sein süffisantes Grinsen mit einer traurigen Miene. Er ließ sich auf den Stuhl neben Ryan sinken.„Es ist wirklich traurig“, begann er und erwartete eine Reaktion von Ryan, doch es kam keine. Er fuhr fort: „Ich kann mir den Schmerz gar nicht vorstellen, den deine Tochter durchmachen muss. Sie tut mir wirklich leid – und du auch. Es muss schrecklich sein, als Vater mitzusehen, wie das eigene Kind stirbt. Ich v
AvaEss gab einen Unterschied zwischen einer Illusion und der Realität – eine Linie, die so dünn war, dass sie für viele Augen unsichtbar blieb. Eine Linie, die ich nicht zu überschreiten wagte.Die Realität war grausam. Die Realität war, dass ich die uneheliche Tochter war; die Tochter, die meine Mutter nicht wollte, ein Fleck, den sie nicht wegschrubben konnte.Die Realität war, dass ich nichts war.Aber das Schicksal hatte eine grausam makabre Art, Witze zu reißen.In einem Moment war ich noch in einer schäbigen Wohnung eingesperrt, wo mir nichts als der kalte Boden Gesellschaft leistete, und in der nächsten Minute wurde ich in eine Welt gestoßen, von der ich nie zu träumen gewagt hätte – in ein Leben, das sich eher wie eine Illusion anfühlte.Ich konnte mich noch genau an den Tag erinnern, als Mutter wie gewohnt strahlend zur Tür hereinkam. Doch etwas sagte mir, dass es nicht an einem ihrer gewöhnlichen ONS oder am Alkohol lag; es war anders.Ich sollte recht behalten. Sie überbra
AvaWut brannte durch ihre Adern, als sie sie anstarrte. Ihre kleinen Augen bohrten sich in Rachael, gefüllt mit Schmerz, Schock und etwas, das sie nicht entschlüsseln konnte. Nicht, dass es sie gekümmert hätte.„Entschuldige dich! Sofort!“, bellte sie.„Mama …“„Untersteh dich, ‚Mama‘ zu mir zu sagen! Entschuldige dich, Jasmine.“Marco starrte sie an, Unglaube zeichnete sich auf seinem Gesicht ab, genau wie auf dem der anderen. Er schluckte und fragte sich, was genau sie gehört hatte.Wenn sie alles mitangehört hatte, was er gesagt hatte, würde er auch nicht verschont bleiben.„Rachael“, rief er, während er versuchte, ihre Wut zu besänftigen. Er sah das kleine Kind, das zusammengerollt auf dem Boden lag und zitterte, während Tränen über seine Wangen strömten. Schuldgefühle regten sich bei diesem Anblick in seinem Bauch.Vielleicht war er zu weit gegangen.„Rachael, sie ist doch nur ein Kind. Kinder sagen Dinge, die sie nicht so meinen. Du musst nicht wütend sein.“ Er ergriff ihre Hän
Ava„Wir könnten sie einfach einsperren und dem Alpha sagen, dass sie sich nicht gut fühlte.“„Der Alpha wird ein unbedeutendes Schwein wie sie nicht einmal bemerken.“ Die dunklen Augen wanderten zu mir, und ihre Lippen verzogen sich zu ihrem gewohnten, verlockend-gemeinen Lächeln. „Hoppla, ich wollte nicht unhöflich sein, Schwesterherz.“„Du warst nicht unhöflich, du hast nur die Wahrheit gesagt.“ Mutter funkelt mich finster an und redete dann weiter auf Vater ein, der nur widerwillig antwortete. Ich senkte den Kopf, meine Augen brannten von ungeweinten Tränen, während sie weitermachten und mir Worte an den Kopf warfen, die mein Herz nur noch mehr zerrissen.„Glaubst du etwa, ich will diesen Haufen Schande mitnehmen?“, herrschte Vater sie an. „Ich kann sie nicht hierlassen, es ist die Paarungszeremonie. Der Alpha hat noch keine Braut gefunden, und jede einzelne Wölfin muss anwesend sein – außerdem gehöre ich zu den Kriegern des Alpha-Klans.“„Vater“, zog Selene das Wort in die Länge,







