LOGINDie nächsten Sekunden bringe ich kein Wort heraus. Seine Worte haben mich getroffen wie ein Güterzug. Ich warte. Ich warte darauf, dass sich sein harter Blick aus Reue erweicht, nachdem er mir so brutale Worte an den Kopf geworfen hat, aber das passiert nicht. Er funkelt mich an, die Nasenflügel vor Zorn gebläht.
„Adam, wie … wie kannst du so etwas zu mir sagen?“, bringe ich hervor. Mein Blick wandert zu Sophia, die sich inzwischen hinter seiner großen, muskulösen Gestalt verkriecht. „Und das auch noch vor ihr?“
„Weil es die Wahrheit ist!“, brüllt er erneut, sodass ich zusammenzucke und ein kleiner, hilfloser Laut aus mir herausbricht. Adam hat mich noch nie angeschrien. Und auch wenn es wehtut, es zuzugeben: Er spricht tatsächlich die Wahrheit aus. Er hat es mir nur noch nie ins Gesicht gesagt, und ich hätte nie gedacht, dass er es tun würde. Ich habe es immer gewusst, und doch zerreißt es mich, es aus seinem Mund zu hören. Es fühlt sich an, als würden tausend Nadeln in mein Herz stechen und mich vor Schmerz ausbluten lassen.
Er fährt sich mit den Fingern durchs Haar, sichtlich gereizt. Als hätte er dieses Gespräch lieber nicht mit mir geführt. Und gerade als ich glaube, es sei vorbei, redet er weiter und macht mich damit noch mehr kaputt.
„Du warst nichts weiter als eine kleine Sekretärin, die sich in mein Leben geschlichen hat. Wenn du dich mir an diesem Abend nicht aufgedrängt hättest, wäre nichts von alledem passiert! Diese Ehe hätte es nie gegeben, und das weißt du genau.“
Er zerrt die Vergangenheit hervor. Unsere Vergangenheit. Die Nacht, die für mich alles bedeutet hat und für ihn offensichtlich nichts. Ich schlucke und schlucke, bis mein Mund und mein Hals völlig trocken sind. Ich darf nicht weinen. Nein, ich darf keine Schwäche zeigen. Nicht vor Adam und schon gar nicht vor Sophia. Also dränge ich die Tränen zurück, ehe sie mir über die Wangen laufen können.
„Ich habe mich dir nie aufgedrängt, Adam. Warum glaubst du mir nicht?“, presse ich hervor, aber er hebt die Hand, damit ich aufhöre zu reden, und ich presse die Lippen zusammen.
„Steh nicht da und tu nicht so unschuldig, Aria, denn das bist du ganz sicher nicht. Ich habe nur die Wahrheit gesagt, und es ist mir egal, ob du sie nicht verkraftest“, sagt er und fixiert mich.
„Dass sich das, was heute passiert ist, ja nicht wiederholt. Kenn deinen Platz, dann habe ich auch keinen Grund, so mit dir zu reden. Ist das klar?“Er betont jedes Wort seiner Warnung und kehrt mir den Rücken zu, noch ehe ich überhaupt den Mund aufmachen kann.
„Geht es dir gut?“
Ich kann nicht fassen, wie seine Stimme von einer Sekunde auf die andere von hart auf sanft umschlägt, als er sich um Sophia kümmert. Sophia setzt eine Miene auf, bei der ich die Hände zu Fäusten balle. Eine Miene, die ganz klar sagt, dass es ihr nicht gut geht.„Der Kaffee war heiß, und ich muss wohl ins Krankenhaus, damit keine Narbe zurückbleibt“, sagt sie mit leiser Stimme. Ich blicke an mir herunter, auch ich bin vom selben Kaffee durchnässt. Er war nicht annähernd heiß genug, um eine Verbrennung zu verursachen, aber Adam glaubt ihr auf der Stelle. Er zieht sie in eine Umarmung, und die Demütigung geht über mich hinweg wie ein Eimer Eiswasser.
„Ich fahre dich. Warte hier, ich hole meine Schlüssel“, sagt er, löst sich von ihr und eilt zu seinem Schreibtisch, um die Autoschlüssel zu holen, bevor er wieder an ihre Seite tritt. Er nimmt ihr die Handtasche ab und führt sie hinaus. Die beiden sind so ineinander versunken, dass sie meine Existenz völlig vergessen und mich mitten im Raum allein zurücklassen.
Stille legt sich über mich, und ich bleibe mit meinen Gedanken zurück und lecke die Wunden, die seine Worte gerissen haben. Ich habe Adam nie davon überzeugen können, dass ich mich ihm nicht aufgedrängt habe. Bis heute glaubt er, ich hätte ihn betäubt, um mit ihm zu schlafen, an dem Abend vor drei Jahren, als wir mit seiner Familie zu Abend gegessen haben. Den Ausdruck puren Ekels und Entsetzens auf seinem Gesicht, als wir am nächsten Morgen beide in den Armen des anderen aufwachten, werde ich nie vergessen.
Seitdem wusste ich, dass Adam mich niemals lieben würde, und trotzdem habe ich gehofft. Mit den Jahren schwindet diese Hoffnung immer mehr, und sein Großvater ist die einzige Stütze, die ich bei alldem habe.
Seufzend gehe ich zurück in mein Büro und greife nach meinem Handy. Meine Augen weiten sich, als ich sehe, dass eine Nummer die ganze Zeit, die ich in Adams Büro war, immer wieder angerufen hat. Mir wird eiskalt vor Angst, denn ich erkenne die Nummer: Es ist die des Krankenhauses.
Ich rufe sofort zurück, das Herz rast mir in der Brust. Beim zweiten Klingeln wird abgenommen.
„Frau Miller, wir versuchen schon den ganzen Nachmittag, Sie zu erreichen!“, sagt eine Frauenstimme.
„Warum? Ist etwas passiert? Geht es meiner Großmutter gut?“, frage ich, die Worte überschlagen sich, so sehr packen mich Angst und Panik.
„Sie müssen ins Krankenhaus kommen, Ihre Großmutter …“
Den Rest höre ich mir gar nicht mehr an. Ich renne aus dem Raum und rufe mir ein Taxi, das mich zum Krankenhaus bringt. Ich laufe direkt zu ihrem Zimmer, aber die Laken und Decken werden schon ordentlich zurechtgelegt, und das Bett ist leer. Noch mehr Panik. Noch mehr Angst.
„Wo ist meine Großmutter?“, frage ich. „Wo ist sie?“
Die Pflegerin, die gerade das Zimmer reinigt, schenkt mir einen mitleidigen Blick, bei dem mir übel wird.
„Es tut mir leid, Frau Miller, aber Ihre Großmutter ist vor zehn Minuten verstorben und wurde bereits in die Leichenhalle des Krankenhauses gebracht. Es tut mir wirklich leid“, sagt sie.
Um mich herum bleibt die Welt stehen, und ich weiß nicht, wie ich es schaffe, auf meinen eigenen Beinen bis zur Leichenhalle zu gehen, wohin die Pflegerin mich führt. An der Tür bleibt sie stehen und zeigt auf meine Großmutter, die auf einer Liege im Raum liegt, ihr Körper von Kopf bis Fuß mit einem weißen Laken bedeckt.
Mit zitternden Beinen gehe ich zur Liege, und in dem Moment, in dem ich das Laken zurückschlage und ihr blasses Gesicht sehe, breche ich in lautes Schluchzen aus. Ich wünschte, ich könnte einen Monat zurückgehen und den Unfall verhindern, der sie so zugerichtet hat. Den Unfall, der mir meine einzige lebende Familie genommen hat.
„Oma …“, flüstere ich mit gebrochener Stimme und greife nach ihrer Hand. Sie ist so kalt, so leblos, und die Tränen strömen mir über die Wangen, als ich daran denke, wie warm diese Hände waren, wenn sie mein Gesicht umfasst haben.
„Es tut mir leid … es tut mir so leid“, schluchze ich, klammere mich an sie und hasse mich dafür, dass ich in ihren letzten Momenten nicht bei ihr war. Ich hätte bei ihr sein müssen, aber ich war zu sehr damit beschäftigt, mir Sorgen um meinen Platz im Leben meines Mannes zu machen.
Die Pflegerin kommt ins Zimmer und sagt: „Sie hat uns gebeten, Ihnen das hier zu geben.“
Ich wische mir die Tränen ab, schniefe und nehme etwas entgegen, das wie ein Schlüsselanhänger aussieht. Ich verstehe nicht, warum das Abschiedsgeschenk meiner Großmutter ein Schlüsselanhänger sein sollte, aber es ist mir auch egal. Ihre kalten Hände haben mir die Wirklichkeit brutal vor Augen geführt. Oma ist tot. Ich sinke neben der Liege auf die Knie, weine und murmle und flehe sie an, zu mir zurückzukommen.
„Aria.“
Adams Stimme ertönt hinter mir. Ich bin überrascht und erleichtert zugleich, ihn dort zu sehen. Vermutlich hat das Krankenhaus auch ihn kontaktiert, und da er ohnehin mit Sophia hier war, ist er vorbeigekommen. Sophia steht ebenfalls im Raum, aber ich ignoriere sie. Ich konzentriere mich auf Adam, denn ich brauche ihn. Ich brauche jemanden, der mich in den Arm nimmt und mir sagt, dass alles gut wird.„Adam“, schluchze ich, gehe zu ihm und umarme ihn, ohne nachzudenken, während mir erneut die Tränen kommen. Sein Körper versteift sich bei meiner Berührung, aber ich lasse nicht los. Ich brauche seine Wärme. Ich brauche ihn, denn er ist wirklich alles, was mir noch bleibt, und ich ertrage es nicht, auch ihn zu verlieren. Ich rechne damit, dass er mich wegstößt, aber er tut es nicht. Er erwidert die Umarmung zwar auch nicht, doch das ist mir egal, während ich hemmungslos schluchze. Irgendwann ebben meine Tränen ab, ich schniefe immer wieder und löse mich langsam von ihm.
Er räuspert sich, zückt sein Handy und sagt: „Ich rufe an, damit die Vorbereitungen für ihre Beerdigung anlaufen.“ Er dreht sich um, um zu gehen, und Sophia folgt ihm, aber ich ertrage es nicht, ihm dabei zuzusehen, wie er mir den Rücken kehrt und verschwindet. Ich greife nach seiner Hand.
„Bleib.“
Ich klinge so schwach und hilflos, aber das ist mir völlig egal. „Bitte geh nicht. Bleib bei mir“, flehe ich.Adam öffnet den Mund, um etwas zu sagen, doch ein greller Schrei lässt uns beide zusammenfahren. Wir wirbeln gleichzeitig herum, und da hockt sie, hält sich den Bauch und verzieht das Gesicht vor Schmerz. Adam ist im Nu bei Sophia, und mein Herz sackt mir noch tiefer in den Magen.
„Sophia, geht es dir gut?“, fragt er, die Sorge deutlich in der Stimme.
Sie schüttelt den Kopf.
„Es gibt etwas, das ich dir schon die ganze Zeit sagen wollte, aber ich wusste nicht, wie.“ Sie hält sich den Bauch und sieht dabei direkt mich an.„Was denn?“, fragt Adam, noch immer voller Sorge.
„Adam … ich … ich bin schwanger.“
ARIAS SICHTAdam ist entsetzt über meine Dreistigkeit. Früher, wenn man mich in der Öffentlichkeit so angegangen ist, war ich immer sehr unterwürfig. Jetzt hat sich alles geändert. Wie er es ausdrückt: Ich habe mich verändert. Es ist eine komplette Verwandlung, das Sprengen meiner Fesseln. Die Frau, die jetzt vor ihm steht, ist hartnäckiger und widerstandsfähiger.„Wir sind in der Öffentlichkeit, und du kannst nicht einmal den Mund halten, Aria?!“In Adams Augen sehe ich die Erwartung, dass ich mich füge und die Rolle der Unterwürfigen spiele, während Eva als Siegerin dasteht. Es ist ein Drehbuch, das er in- und auswendig kennt: Ich schweige und füge mich, und andere diktieren die Regeln meines Daseins.„Interessiert es mich etwa, was du von mir denkst oder von mir erwartest?“Adam wirkt frustriert, weil er mit mir streitet. Er gibt auf, und ich liebe es. Ich werde alles tun, um ihn bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu verletzen. Ich verschone niemanden.In diesem Moment kommt Regi
ARIAS SICHTAls der Wein in mein Kleid sickert, durchfährt mich eine Welle aus Schock und Unglauben. Wie können sie nur so tief sinken? Doch als ich in ihre Gesichter blicke, verzerrt aus Entsetzen und Überraschung, zuckt ein Schmunzeln um meine Mundwinkel.Sie hatten Wut erwartet, Empörung, vielleicht sogar Tränen, aber stattdessen finden sie mich mitten in dem Chaos, das sie angerichtet haben, regelrecht aufblühen.Die Taschentücher, die mir die Damen in der Nähe reichen, lehne ich ab. Meine Entschlossenheit wird stählern, als ich Evas und Sophias Blicken trotzig standhalte. Ich werde sie nicht wanken sehen, nicht jetzt, niemals. Das ist mein Moment, mein besonderer Tag, und nichts, nicht einmal ein Schwall Wein, wird ihn ruinieren.Aber unter der Oberfläche brodelt eine schwelende Wut, nicht über ihren Versuch, mich zu sabotieren, sondern über die Dreistigkeit ihres Tuns. Wie können sie es wagen, diesen Tag zu beschmutzen, diesen Moment, für den ich so hart gearbeitet habe?In dies
EVAS SICHTIch sehe, wie Aria auf ihrem Handy Instagram öffnet, zu Stella Newtons offiziellem Account geht und auf ihr Profil tippt. In Stellas neuestem Beitrag zeigt diese, wie sie ihr jüngstes Kleid anfertigt, und zu meinem blanken Entsetzen ist es genau das, was Aria gerade trägt.Die Damen, die sich um uns versammelt haben, schnappen nach Luft, als sie das Video sehen. Ich höre sie alles Mögliche sagen.„Wow! Die hat vielleicht ein Glück, ein Kleid von Stella Newton zu bekommen!“„Habt ihr eine Ahnung, wie schwer es ist, überhaupt einen Termin in ihrer Boutique zu kriegen?“„Ich wollte sie für dieses Event um ein Kleid bitten, aber ich stand auf der Warteliste.“Während ich zusehe, wie Aria in ihrem Stella-Newton-Kleid herumstolziert, überrollt mich eine Welle von Wut, die mit jedem ihrer Schritte heißer brennt. Wie kann sie es wagen, ihr unverdientes Privileg so zur Schau zu stellen? Der Anblick ihres Selbstbewusstseins und ihres Stolzes facht das Feuer in mir nur weiter an und w
ARIAS SICHTAls Regis und ich bei der Veranstaltung ankommen, fällt mir sofort auf, dass sich Regis’ Team selbst übertroffen hat und jedes Detail bis zur Perfektion ausgearbeitet hat.Die Luft knistert vor Energie, vibrierend vor Vorfreude und Aufregung. Der Veranstaltungsort selbst ist ein architektonisches Meisterwerk, eine nahtlose Verbindung aus moderner Eleganz und zeitlosem Charme. Beim Eintreten empfängt mich der sanfte Schein funkelnder Lichterketten, der einen warmen, einladenden Zauber über den Raum legt. Der Saal ist in ein weiches, goldenes Licht getaucht, und es entsteht eine Atmosphäre aus Intimität und Luxus.Mein Blick schweift durch den Raum und nimmt die erlesene Dekoration auf, die uns umgibt. In jeder Ecke stehen üppige Blumenarrangements, deren leuchtende Farben den eleganten Räumlichkeiten einen Hauch von Natürlichkeit verleihen. Die Tische sind mit zartem Leinen und funkelndem Kristall gedeckt, das das Licht in einem blendenden Spiel von Pracht zurückwirft.Ehrl
ARIAS SICHTRegis hat mich zu einer Party eingeladen. Eigentlich war mir nicht danach, aber er meinte, jetzt sei der richtige Zeitpunkt, mich auf meine Karriere zu konzentrieren. Damit hat er in gewisser Weise recht. Um alles zu vergessen, was Adam mir angetan hat, brauche ich dieser Tage Ablenkung. Oder besser gesagt: Ich muss egoistischer sein und mich selbst ernster nehmen.Ein Teil von mir will zu Hause bleiben und über die Ereignisse nachgrübeln, die mein Leben durcheinandergebracht haben. Aber wenn ich es positiv sehe: Ich bin jetzt frei. In dieser Beziehung war ich von Anfang an allein. Ich habe Blut, Schweiß und Tränen gelassen, und was habe ich dafür bekommen? Lügen, Verrat, Demütigungen und den Verlust meiner Freiheit.Wenn ich an meinen Vater denke, macht mich das noch wütender. Bei keinem Mann habe ich mich je sicher gefühlt, nicht bei Adam und jetzt auch nicht bei meinem Vater. Ich frage mich, wie meine Brüder wohl sein werden. Der einzige Mann, der mir wirklich Halt gibt
REGIS’ SICHT„Ich bereue es, überhaupt in diese Firma und in Adams Leben getreten zu sein“, höre ich Aria sagen.Ich verstehe, wie sie sich fühlt. Die Worte treffen mich, auch wenn sie leise und erschöpft klingen. Aber wäre sie nicht in diese Firma gekommen, hätte ich nie eine so wunderbare Frau wie Aria kennengelernt. Diese Wahrheit steht fest, und ich würde sie um nichts in der Welt ändern.Wie könnte ich den Tag vergessen, an dem ich Aria zum ersten Mal sah? Sie kam in ihrem schwarzen Bleistiftrock, den Pumps mit mittlerem Absatz, der dunkelgrauen Bluse und mit zum Pferdeschwanz gebundenem Haar daher – und da war es um mich geschehen. Diese großen, schönen Augen, ihr bezauberndes Lächeln, ihre melodische Stimme und ihre schlanke Gestalt haben meine Welt auf den Kopf gestellt. Alles an ihr war ruhig, souverän und doch so unglaublich anziehend.„Willkommen bei der Miller Corporation“, hatte Aria in der Lobby gesagt und mir die Hand geschüttelt. Ihr Händedruck war fest und höflich,







