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ARIAS SICHT
Mein Mann und Chef Adam lacht über jeden Witz, der über die Lippen seiner ersten großen Liebe kommt, während ich die beiden durch die Glastüren beobachte, die sein Büro von meinem trennen. Eigentlich wollte ich in Ruhe ein paar Unterlagen vorbereiten, die seine Unterschrift brauchen, und seine Termine für den Tag planen, so wie ich es seit sieben Jahren als seine Sekretärin tue. Doch seit Sophias Auftauchen bekomme ich keinen Handschlag mehr auf die Reihe.
Jedes Mal, wenn Adam lacht, versetzt es mir einen Stich ins Herz. Mir kommen fast die Tränen bei dem Gedanken, dass er in meiner Nähe noch nie so gelacht hat. Ich starre auf ihre schlanke Gestalt, auf ihr volles schwarzes Haar, das selbst dann wieder perfekt fällt, wenn sie lachend den Kopf in den Nacken wirft, und auf die Anmut in jeder ihrer Bewegungen. Sophia ist die Verkörperung weiblicher Eleganz, und jeder Zug an ihr ist der Beweis dafür, warum Adam bis heute nicht von ihr losgekommen ist, obwohl sie sich vor Jahren getrennt haben. Obwohl er mich geheiratet hat.
Plötzlich werden die dunklen Jalousien in seinem Büro heruntergelassen und nehmen mir die Sicht auf die beiden. Jetzt sehe ich nur noch Schwarz. Es ist, als wollte Adam verhindern, dass ich herumschnüffle. Dabei bin ich seine Frau, und zwischen uns sollte es keine Geheimnisse geben, erst recht nicht, wenn es um eine Frau geht, die er einmal so sehr geliebt hat.
Ich erinnere mich noch genau, wie sehr es mich getroffen hat, als sie vorhin auf mich zukam und ihre Absätze so mondän über die Bürofliesen klackten. Ich sah zuerst nur die Füße in glänzenden roten High Heels, bevor ich den Kopf hob und ihr ins Gesicht blickte.
„Aria, ich wusste gar nicht, dass du immer noch hier arbeitest! Ich fasse es nicht, dass Adam dich weiter schuften lässt, obwohl ihr verheiratet seid. Der Mann ist echt ein Fall für sich, was?“
Sie lächelte süß, mit blutroten Lippen, die an mir furchtbar aussehen würden, wenn ich mich je an diesen Farbton wagen würde. Ich brachte kein Wort heraus. Ich war wie gelähmt, nach all den Jahren plötzlich vor ihr zu stehen, zumal sie noch immer diese Aura von Reichtum und Selbstbewusstsein ausstrahlte, die ich schon immer mit ihr verbunden habe. Für einen Moment fühlte ich mich unsicher in meinem grauen Büro-Outfit, mit dem straffen Dutt und kaum einem Hauch von Make-up.
„Sophia!“
Adams Stimme riss mich aus meiner Starre. Er trat aus seinem Büro, und direkt vor meinen Augen umarmte er sie fest, wie eine alte Freundin, bevor er sie zurück in sein Büro führte, ohne mir auch nur einen Blick zu schenken.
Jetzt sind sie allein in seinem Büro, die Jalousien zugezogen, sodass ich sie nicht sehen kann. Ich höre nur ihre gedämpften Stimmen und ab und zu sein Lachen. Jedes Mal, wenn sie lachen, rutsche ich unbehaglich auf meinem Stuhl herum und kralle mich an der Tischkante fest. Ich bin viel zu aufgewühlt, um irgendetwas zu schaffen, solange die beiden sich da drin verschanzt haben.
Ich starre auf den Kalender auf meinem Tisch. Das heutige Datum ist mit rotem Stift markiert, und ich seufze tief. Weiß er überhaupt, dass heute unser dritter Hochzeitstag ist? Jedes Jahr kommt es mir so vor, als wäre ich die Einzige, die daran denkt, und jetzt, mit Sophias Auftauchen, ist mir schon klar, dass dieser Tag einfach vorbeiziehen wird wie jeder andere.
Ich wusste, dass sie heute kommen würde. Nur weil ich seine Sekretärin bin, erfahre ich überhaupt, was Adam lieber vor mir verbergen würde. Er hatte mich über eine neue Geschäftspartnerin informiert, die erst vor zwei Monaten ins Land zurückgekehrt war und jeden Moment im Büro auftauchen würde. Was ich nicht wusste, oder besser gesagt, was er mir absichtlich verschwiegen hat: Diese sogenannte Geschäftspartnerin war Sophia Bradley. Und vielleicht ist das auch der Grund, warum er seit ihrer Rückkehr noch kälter und gleichgültiger zu mir ist als sonst.
Diese Erkenntnis tut weh, aber noch mehr schmerzt, dass ich nichts dagegen tun kann. Ich hatte nie einen Platz in Adams Herz, er dagegen war immer der Einzige in meinem. Ich habe ihn von dem Moment an geliebt, als er mir vor Jahren das Leben gerettet hat, aber dasselbe kann ich von ihm nicht behaupten.
Er erinnert mich immer wieder daran, auch ohne ein Wort zu sagen: Unsere Ehe ist nichts weiter als ein Versuch, den Wunsch seines Großvaters zu erfüllen. Und ich weiß, hätte er seinen Willen bekommen, hätte er mich keines zweiten Blickes gewürdigt, geschweige denn geheiratet.
Die Zuneigung des Großvaters ist vermutlich der einzige Grund, warum ich in dieser lieblosen Ehe noch bei Verstand bin. Der alte Mann lässt keine Gelegenheit aus, mir zu zeigen, wie sehr er mich ins Herz geschlossen hat, aber wann hätte das je gereicht? Ich bin mit Adam verheiratet, nicht mit seiner Familie.
Die Uhr tickt unaufhörlich, und Adam bleibt weiter bei ihr.
Plötzlich verstummt ihr Lachen, und ich kann kaum noch ein Wort von ihrem Gespräch verstehen. Ich halte es nicht mehr aus und stehe auf, bevor mich die Unruhe umbringt. Ich bin seine Frau, und ich habe ein Recht darauf zu erfahren, was da vor sich geht. Damit es natürlich wirkt, mache ich schnell zwei Tassen Kaffee. Immerhin bin ich seine Sekretärin, und das gehört zu meinen Aufgaben.
Kalter Schweiß bricht mir auf der Stirn aus, als ich mit unsicheren Schritten auf sein Büro zugehe. Ich atme scharf ein, öffne die Tür und trete ein. Mir krampft sich das Herz zusammen, als ich die beiden sehe, entspannt und vertraut, wie sie dicht nebeneinander auf einem der Sofas in seinem Büro sitzen. Ich schlucke schwer und versuche, mit so viel Selbstbewusstsein wie möglich zum Tisch hinüberzugehen.
„Ich habe Kaffee gemacht“, sage ich, aber die beiden nehmen meine Anwesenheit nicht einmal zur Kenntnis, völlig versunken ineinander und in das, worüber sie gerade reden. Ich mustere Sophia einen Moment lang. Sie zwirbelt eine Strähne ihres kirschblonden Haars um den Finger, sitzt mit übereinandergeschlagenen Beinen da und zeigt dabei reichlich viel Oberschenkel. Sie strahlt so breit, dass ich nicht sagen kann, ob es echt ist.
Ich will mich umdrehen und gehen, aber meine Füße gehorchen mir nicht. So kann ich nicht einfach abziehen. Wie lange will ich noch schweigen und alles runterschlucken?
„Chef“, sage ich und sehe Adam direkt an. Wir sind verheiratet, doch er versäumt nie, mich daran zu erinnern, dass ich ihn bei der Arbeit als meinen Vorgesetzten anzusprechen habe. Adam macht nicht einmal Anstalten, mich anzusehen, und Wut steigt in mir auf und beginnt langsam zu brodeln.
„Chef“, sage ich noch einmal, und diesmal wendet er sich mir endlich zu, mit einem kalten Blick, der mich fast einknicken lässt. Aber ich halte seinem Blick stand.
„Ich muss etwas mit Ihnen besprechen. Es ist wichtig.“ Ich lüge ihm dreist ins Gesicht. Ich spüre, wie Sophias Blick sich in mich bohrt, aber ich versuche, sie nicht anzusehen, aus Angst, mein Mut könnte mich verlassen, wenn ich es tue.
Adam winkt nur ab.
„Das kann warten. Du siehst ja, dass ich Besuch habe.“
„Es kann nicht warten“, sage ich, noch entschlossener, aber er lächelt schon wieder und hört Sophia zu wie ein verliebter Teenager. Ich rufe ihn noch ein paarmal, und als ich es nicht länger aushalte, spreche ich ihn stattdessen mit seinem Namen an.
„Adam!“
Die beiden sehen zu mir auf, mit ganz unterschiedlichen Mienen. Adam ist außer sich vor Wut, Sophia sichtlich genervt. Ich weiß, dass sie mich nie leiden konnte. Damals, als ich nur seine Sekretärin und sie seine Freundin war, hat sie an allem, was ich tat, etwas auszusetzen gehabt.
„Adam, was soll das? Lässt du dir von deinen Angestellten so auf der Nase herumtanzen?“ Sie sagt es mit unverhohlenem Abscheu und Verachtung.
Ihre Worte schlagen bei mir ein wie ein Blitz, so sehr, dass ich auflache. Angestellte? Sie wagt es, so von oben herab mit mir zu reden, obwohl sie ganz genau weiß, dass ich nicht bloß eine Angestellte bin.
Adam steht auf, und sein großer Schatten fällt über mich, während ich das Kaffeetablett fest umklammere.
„Aria, raus. Sofort.“ Sein Befehl trifft mich so tief, dass meine Hände zittern und meine Lippen beben.
„Warum sollte ich? Ich habe jeden Grund, in diesem Raum zu sein, und jedes Recht, zu verlangen, dass du mir zuhörst.“
Sophia springt sofort auf.
„Anscheinend hat deine Frau ein Hühnchen mit mir zu rupfen, und ich werde mir diese Beleidigungen nicht länger anhören.“
Sie rauscht davon, und natürlich folgt Adam ihr. Ich versuche, ihr auszuweichen, aber es misslingt, als ihre Schulter hart gegen meine rammt, viel zu heftig, um zufällig zu sein. Ich verliere den Halt am Tablett und taumle nach vorn, und im nächsten Moment ergießt sich der heiße Kaffee über ihr sündhaft teuer aussehendes Kleid und über meins. Sie kreischt auf und weicht vor mir zurück, nur um mich im nächsten Augenblick wütend anzufunkeln.
„Was zur Hölle ist los mit dir?“, faucht sie. Adam ist in weniger als einer Minute an ihrer Seite, macht sich Sorgen um ihr bekleckertes Kleid und reicht ihr sogar sein Taschentuch, während ich dastehe, kaffeedurchnässt, und mein Mann sich um eine andere Frau kümmert. Mir brennen Tränen in den Augenwinkeln, aber was sagt es über mich aus, wenn ich vor dieser Frau weine?
„Ich fasse es nicht! Was habe ich dir je getan? Von mir aus kannst du mich hassen, so viel du willst, aber alles hat Grenzen, und die hast du gerade überschritten“, faucht sie weiter, zitternd vor ungezügelter Wut.
Adam dreht sich zu mir um, die Augen dunkel vor Zorn. Mich überläuft ein Schauer. Es ist ein unvorstellbarer Schmerz zu wissen, dass er wegen einer anderen Frau wütend auf mich ist.
„Entschuldige dich. Sofort!“, befiehlt er, und ich lache bitter auf. Wie kann er da stehen und ihre Partei ergreifen, wo ich nichts falsch gemacht habe?
„Warum sollte ich das tun? Ich habe nichts falsch gemacht. Sie ist in mich hineingelaufen!“, verteidige ich mich, mit brüchiger Stimme und zitternden Lippen.
„Das habe ich nicht getan!“, sagt Sophia abwehrend, aber ihre Augen erzählen etwas anderes.
„Du hast mich gehört, Aria. Entschuldige dich bei ihr. Auf der Stelle“, sagt Adam erneut und sieht mich dabei durchdringend an. Fast muss ich lachen: Nach drei Jahren Ehe sieht er mir ausgerechnet dann direkt in die Augen, wenn eine andere Frau im Spiel ist.
Ich schüttle den Kopf, weil ich das alles nicht fassen kann.
„Du glaubst also ihr und nicht mir? Ihre Worte zählen, und meine sind egal? Ich bin deine Frau.“
„Eine Frau, die ich nie heiraten wollte!“, brüllt er zurück und zerschmettert, was von meinem gebrochenen Herzen noch übrig ist.
ARIAS SICHTAdam ist entsetzt über meine Dreistigkeit. Früher, wenn man mich in der Öffentlichkeit so angegangen ist, war ich immer sehr unterwürfig. Jetzt hat sich alles geändert. Wie er es ausdrückt: Ich habe mich verändert. Es ist eine komplette Verwandlung, das Sprengen meiner Fesseln. Die Frau, die jetzt vor ihm steht, ist hartnäckiger und widerstandsfähiger.„Wir sind in der Öffentlichkeit, und du kannst nicht einmal den Mund halten, Aria?!“In Adams Augen sehe ich die Erwartung, dass ich mich füge und die Rolle der Unterwürfigen spiele, während Eva als Siegerin dasteht. Es ist ein Drehbuch, das er in- und auswendig kennt: Ich schweige und füge mich, und andere diktieren die Regeln meines Daseins.„Interessiert es mich etwa, was du von mir denkst oder von mir erwartest?“Adam wirkt frustriert, weil er mit mir streitet. Er gibt auf, und ich liebe es. Ich werde alles tun, um ihn bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu verletzen. Ich verschone niemanden.In diesem Moment kommt Regi
ARIAS SICHTAls der Wein in mein Kleid sickert, durchfährt mich eine Welle aus Schock und Unglauben. Wie können sie nur so tief sinken? Doch als ich in ihre Gesichter blicke, verzerrt aus Entsetzen und Überraschung, zuckt ein Schmunzeln um meine Mundwinkel.Sie hatten Wut erwartet, Empörung, vielleicht sogar Tränen, aber stattdessen finden sie mich mitten in dem Chaos, das sie angerichtet haben, regelrecht aufblühen.Die Taschentücher, die mir die Damen in der Nähe reichen, lehne ich ab. Meine Entschlossenheit wird stählern, als ich Evas und Sophias Blicken trotzig standhalte. Ich werde sie nicht wanken sehen, nicht jetzt, niemals. Das ist mein Moment, mein besonderer Tag, und nichts, nicht einmal ein Schwall Wein, wird ihn ruinieren.Aber unter der Oberfläche brodelt eine schwelende Wut, nicht über ihren Versuch, mich zu sabotieren, sondern über die Dreistigkeit ihres Tuns. Wie können sie es wagen, diesen Tag zu beschmutzen, diesen Moment, für den ich so hart gearbeitet habe?In dies
EVAS SICHTIch sehe, wie Aria auf ihrem Handy Instagram öffnet, zu Stella Newtons offiziellem Account geht und auf ihr Profil tippt. In Stellas neuestem Beitrag zeigt diese, wie sie ihr jüngstes Kleid anfertigt, und zu meinem blanken Entsetzen ist es genau das, was Aria gerade trägt.Die Damen, die sich um uns versammelt haben, schnappen nach Luft, als sie das Video sehen. Ich höre sie alles Mögliche sagen.„Wow! Die hat vielleicht ein Glück, ein Kleid von Stella Newton zu bekommen!“„Habt ihr eine Ahnung, wie schwer es ist, überhaupt einen Termin in ihrer Boutique zu kriegen?“„Ich wollte sie für dieses Event um ein Kleid bitten, aber ich stand auf der Warteliste.“Während ich zusehe, wie Aria in ihrem Stella-Newton-Kleid herumstolziert, überrollt mich eine Welle von Wut, die mit jedem ihrer Schritte heißer brennt. Wie kann sie es wagen, ihr unverdientes Privileg so zur Schau zu stellen? Der Anblick ihres Selbstbewusstseins und ihres Stolzes facht das Feuer in mir nur weiter an und w
ARIAS SICHTAls Regis und ich bei der Veranstaltung ankommen, fällt mir sofort auf, dass sich Regis’ Team selbst übertroffen hat und jedes Detail bis zur Perfektion ausgearbeitet hat.Die Luft knistert vor Energie, vibrierend vor Vorfreude und Aufregung. Der Veranstaltungsort selbst ist ein architektonisches Meisterwerk, eine nahtlose Verbindung aus moderner Eleganz und zeitlosem Charme. Beim Eintreten empfängt mich der sanfte Schein funkelnder Lichterketten, der einen warmen, einladenden Zauber über den Raum legt. Der Saal ist in ein weiches, goldenes Licht getaucht, und es entsteht eine Atmosphäre aus Intimität und Luxus.Mein Blick schweift durch den Raum und nimmt die erlesene Dekoration auf, die uns umgibt. In jeder Ecke stehen üppige Blumenarrangements, deren leuchtende Farben den eleganten Räumlichkeiten einen Hauch von Natürlichkeit verleihen. Die Tische sind mit zartem Leinen und funkelndem Kristall gedeckt, das das Licht in einem blendenden Spiel von Pracht zurückwirft.Ehrl
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REGIS’ SICHT„Ich bereue es, überhaupt in diese Firma und in Adams Leben getreten zu sein“, höre ich Aria sagen.Ich verstehe, wie sie sich fühlt. Die Worte treffen mich, auch wenn sie leise und erschöpft klingen. Aber wäre sie nicht in diese Firma gekommen, hätte ich nie eine so wunderbare Frau wie Aria kennengelernt. Diese Wahrheit steht fest, und ich würde sie um nichts in der Welt ändern.Wie könnte ich den Tag vergessen, an dem ich Aria zum ersten Mal sah? Sie kam in ihrem schwarzen Bleistiftrock, den Pumps mit mittlerem Absatz, der dunkelgrauen Bluse und mit zum Pferdeschwanz gebundenem Haar daher – und da war es um mich geschehen. Diese großen, schönen Augen, ihr bezauberndes Lächeln, ihre melodische Stimme und ihre schlanke Gestalt haben meine Welt auf den Kopf gestellt. Alles an ihr war ruhig, souverän und doch so unglaublich anziehend.„Willkommen bei der Miller Corporation“, hatte Aria in der Lobby gesagt und mir die Hand geschüttelt. Ihr Händedruck war fest und höflich,







