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Kapitel 4

Auteur: Ashy
last update Date de publication: 2026-10-22 06:17:01

ADAMS SICHT

Ich will die Scheidung.

Die Worte kreisen unablässig in meinem Kopf.

Von all dem Mist, den ich mir schon anhören durfte, und glaubt mir, als CEO bekomme ich jede Menge Schwachsinn zu hören, ist Arias Scheidungswunsch aus heiterem Himmel der absolute Gipfel. Ich bin ein Mann, der stolz auf seine Stärke ist und darauf, jede Situation im Griff zu haben, egal wie unerwartet sie kommt. Das gehört zum Job. Und trotzdem bringe ich kein einziges Wort heraus und kann keinen Schritt machen, bis sie zu meinem Onkel ins Auto gestiegen ist. Als ich endlich wieder zu mir komme, ist sie längst weg, und ich ersaufe in dem Schock, den sie mir hinterlassen hat.

Ich bin fassungslos über ihre Dreistigkeit, darüber, wie sie mir direkt in die Augen gesehen und mir diese Worte an den Kopf geknallt hat. Arias kalte haselnussbraune Augen haben alles Lügen gestraft, was ich bisher an ihr kannte: dieses Schüchterne, Unterwürfige. Fast noch mehr schockiert mich, dass mich das überhaupt trifft. Eigentlich hätte ich nicht mal mit der Wimper zucken dürfen, ich wollte sie ja nie heiraten. Die drei Jahre mit Aria fühlten sich an wie Fesseln, geschmiedet aus ihrer Hinterlist und der Bevormundung meines Großvaters.

Aria war mir nie wichtig, und doch hat mich das Wort „Scheidung“ so betäubt, dass ich keinen klaren Gedanken mehr fassen kann, bis die Autotür aufgeht und mich daran erinnert, dass ich immer noch wie angewurzelt vor dem Friedhof stehe. Mein persönlicher Assistent steigt aus und spricht mich an.

„Sir, Ihr Termin bei Taylor Enterprises beginnt in dreißig Minuten. Es ist über eine Stunde Fahrt von hier, wir sollten jetzt los, wenn …“

„Sagen Sie ihn ab“, sage ich und gehe zurück zum Wagen. Ich bin nicht in der Verfassung, irgendetwas zu verarbeiten, nicht mal ein Meeting, bei dem es um Millionen geht. Mein Assistent hetzt mir verwirrt hinterher.

„Aber Sir, das ist nicht der einzige Termin heute. Sie haben außerdem …“  

Er beginnt, meinen vollgepackten Tagesplan herunterzubeten, während ich endlich einsteige.

„Sagen Sie alle ab!“, fahre ich ihn an, lasse mich in die Ledersitze sinken und lockere dabei meine Krawatte, denn mir ist, als würde mir langsam die Luft wegbleiben.  

„Steigen Sie ein und machen Sie verdammt noch mal die Klimaanlage an.“  

Ich kann nicht verhindern, dass man mir Wut und Gereiztheit in der Stimme anhört. Endlich bemerkt er die negativen Wellen, die von mir ausgehen, murmelt eine Antwort, setzt sich hinters Steuer und rollt vom Friedhofsparkplatz.

Wir erreichen die Autobahn. Aus allen Düsen bläst kühle Luft, und trotzdem steigt in mir die Hitze hoch, und auch ein paar aufgeknöpfte Hemdknöpfe helfen nichts. Ich kann nur noch an Aria und die verdammte Scheidung denken. Mein Schock ist längst verflogen, jetzt köchelt in mir nichts als Wut, die an Raserei grenzt.

*Wer zum Teufel glaubt sie, wer sie ist?*  

*Woher nimmt sie die Frechheit zu glauben, sie könnte die Scheidung einfach so beschließen?*

Wenn hier jemand die Scheidung verlangen sollte, dann ich. Ich bin derjenige, der gegen seinen Willen verheiratet wurde. Sie ist diejenige, die mich so unwiderstehlich fand, dass sie mich sogar betäubt hat, nur um mich zu kriegen. Wenn jemand das Recht hätte, ihr Scheidungspapiere vor die Nase zu knallen, dann ich, aber der Gedanke ist mir nie gekommen.

Sie ist eine gute Sekretärin, pflichtbewusst, effizient, immer zu meiner Verfügung. Und sie ist nebenbei eine gute Ehefrau: Sie kommt mir nie in die Quere und quengelt nie nach Aufmerksamkeit. Aria nimmt, was ich ihr gebe: die wenige Zeit, den sporadischen Sex, die spärlichen Gespräche, alles, was ich für unsere Art von Beziehung für angemessen hielt.

Der plötzliche Umschwung lässt mich grübeln. Ich gehe alle Möglichkeiten durch, alles, was schiefgelaufen sein könnte. Da schießt mir ein Gedanke durch den Kopf, der meine Wut auf eine Weise anfacht, die ich selbst nicht verstehe.

„Finden Sie heraus, ob Aria sich in letzter Zeit mit jemandem getroffen hat. Vor allem mit Männern“, sage ich.  

Mein Assistent sucht im Rückspiegel meinen Blick. Er kann seine Überraschung nicht verbergen: Ich verlange von ihm, meine eigene Frau zu überprüfen, und dass sie sich mit anderen Männern trifft. Ich kann nichts ausschließen, und wenn Aria mich wirklich betrogen hat, dann, so wahr mir Gott helfe …

Neben mir auf dem Ledersitz vibriert mein Handy. Auf dem Display poppt Sophias Name in einer Nachricht auf. Sie fragt, wann ich als Nächstes Zeit für einen Termin in der Arztpraxis hätte. Ihre Nachricht löscht meine Wut, hinterlässt aber ein weitaus unangenehmeres Gefühl. Ich habe mir alle möglichen Gründe ausgemalt, warum meine stille Frau plötzlich die Scheidung will, aber auf die Idee, dass es daran liegen könnte, dass ich die Frau geschwängert habe, die ich einmal geliebt habe, bin ich nicht gekommen.

Ich denke an den Tag vor zwei Monaten zurück, an dem ich mich mal wieder vom Alkohol zu den schlechtesten Entscheidungen habe verleiten lassen. Alles, was ich tun sollte, war, Sophia vom Flughafen abzuholen, sie zu ihrem Hotel zu fahren und nach Hause zurückzukehren. Stattdessen habe ich die Einladung zu einem Drink in ihrem Hotelzimmer angenommen, „für alte Zeiten“, hat sie es genannt. Wir haben in dieser Nacht mehr getan, als nur etwas zu trinken, und das Ergebnis wächst jetzt in Sophias Bauch heran. Ich kann es nicht einen Fehler nennen, und doch weiß ich tief im Inneren, dass es nie hätte passieren dürfen. Ich hätte mich nie von dem Gedanken verführen lassen dürfen, wie es sich anfühlen würde, nach drei Jahren wieder in Sophia zu sein.

Ich will das Kind. Es ist mein Baby, und ich habe nicht vor, es zu verlieren, aber es hat einen Preis, von dem ich nie gedacht hätte, dass er ein Problem sein könnte: die Scheidung von Aria. Ich kann nicht zulassen, dass Aria sich von mir scheiden lässt. Ich brauche sie. Im Büro und zu Hause. Sie ist seit sieben Jahren meine Sekretärin, und niemand macht ihren Job so wie sie. Ich bezahle sie außerdem gut und sorge dafür, dass es ihr als meiner Frau an nichts fehlt. Wie will sie überhaupt ohne mich zurechtkommen? Glaubt sie, sie hätte sich mit ihrem Scheidungswunsch auf eine höhere Stufe als ich gestellt? Was für ein Spiel spielt sie jetzt mit mir? Ha! Frauen, die glauben, sie könnten ohne einen Mann und seine Unterstützung leben.

Während ich über all das nachdenke, überlege ich auch, wie ich es wieder geradebiegen kann.

Ich muss nur irgendetwas tun, um sie milde zu stimmen.

„Was mögen Frauen?“, frage ich meinen Assistenten.

Er zögert erst, überrascht von der plötzlichen Frage, dann räuspert er sich und antwortet:  

„Äh, Designertaschen, schätze ich. Und, ach ja, Blumen.“

Ich scrolle bereits durch einen Online-Shop auf meinem Handy und klicke jede teure Tasche an, die mir ins Auge fällt, bis ich schon so viele bestellt habe, dass es ihr ein ganzes Jahr reichen würde. Dann halten wir auf dem Heimweg bei einem Blumenladen. Es gibt offenbar über hunderttausend Blumensorten, und ich kann mich nicht mal entscheiden, welche ich für Aria nehmen soll, denn anscheinend haben Frauen sogar bei so etwas Nebensächlichem wie Blumen Lieblingssorten. Am Ende nehme ich Lilien, weil die Verkäuferin behauptet, es sei die Lieblingsblume der meisten Frauen.

Danach fahre ich nach Hause, mit nur einem einzigen Gedanken im Hinterkopf:  

Ich lasse nicht zu, dass Aria sich von mir scheiden lässt.

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