INICIAR SESIÓN~Jay~
Elijah durch die Menge zu folgen, fühlte sich an, als ginge ich zu meiner eigenen Hinrichtung. Er war ruhig, gelassen und machte dieses „Profi-Bodyguard-Butler-Hybrid"-Ding, das er so gut beherrscht. Und ich? Ich versuchte, vor Leuten, die Champagner im Wert meines ersten Autos schlürften, keinen ausgewachsenen Nervenzusammenbruch zu bekommen. Wir bogen um die Ecke in einen der Seitenflure, weg vom Lärm des großen Ballsaals, und da war er. Der Mann. Der Mythos. Der Seelenzerstörer. Mein Vater. Er stand da wie ein General in einem Kriegsfilm, in einem perfekt geschnittenen Anzug, mit einem Gesichtsausdruck, der kälter war als das Innere eines Eiswagens. Das Erste, was er sagte, weil es natürlich das Erste war, was er sagte: „Warum steht dir alles ins Gesicht geschrieben?" Ich blinzelte. „Mir … was?" In meinem Kopf: Meint er das gerade ernst? Er arrangiert meine Verlobung, ohne mir auch nur ein Wort zu sagen, und wundert sich, dass ich nicht wie ein Lottogewinner grinse? Nach außen: „Äh … vielleicht, weil du mich gerade vor einem ganzen Ballsaal mit einer Verlobung überrascht hast?" Sein Kiefer spannte sich an. „Hör auf, dramatisch zu sein." Ich verschränkte die Arme. „Oh, tut mir leid. Ich bin beim nächsten Mal entspannter, wenn du den Lauf meines Lebens beiläufig umkrempelst, ohne mir auch nur Bescheid zu geben." „Warum benimmst du dich plötzlich so verrückt?", schoss er zurück. Ich warf ihm den ungläubigsten Blick der Welt zu. „Oh Mann, ich weiß auch nicht … vielleicht, weil du meine Verlobungsfeier organisierst, ohne es mir zu sagen?" Oder vielleicht, weil dein geliebter Sohn vielleicht schwanger ist, dachte ich innerlich. „Hör auf, wie eine Frau zu jammern", sagte er, seine Stimme triefte vor Verachtung. „Heirate einfach das Mädchen, halte die Familien bei Laune und blamier mich nicht." Tja, ich bin schwanger wie eine, ugh, aber stattdessen lachte ich tatsächlich. Nicht auf die „Ha-ha"-Art. Eher auf die „Wow, ich werde dieses Gebäude gleich in Brand setzen"-Art. „Dad, das kann nicht dein Ernst sein –", begann ich. „Doch", fiel er mir scharf ins Wort. „Und du wirst dich benehmen. Verstanden?" Meine Wirbelsäule versteifte sich. Meine Lippen wurden zu einem schmalen Strich. Ich hasste es, dass mein Schweigen für ihn als Gehorsam zählte. Aber ich würde nicht im Flur den Dritten Weltkrieg anfangen. Er warf mir einen letzten kalten Blick zu und ging davon, schon fertig mit mir. Denn das ist es, was mein Vater tut: Er wirft Atombomben auf mein Leben und geht, bevor sich der Fallout legt. Ich stand benommen da und erwartete halb, dass Ashton Kutcher mit einer Kamera herausspringen und „Du bist bei Punk'd!" rufen würde. Stattdessen erschien meine Mutter. „Oh, sieh mal einer an", sagte ich mit all dem Sarkasmus, den ich aufbringen konnte, „die Frau, die ihren Sohn hätte warnen können, was ihr wunderbarer Ehemann plante." Sie seufzte, ganz Eleganz und einstudierte Hilflosigkeit. „Jayden –" „Nein, wirklich, Mutter. Du hättest mir eine Nachricht schicken können. Ein Rauchzeichen senden. Eine Notiz an eine Taube binden. Irgendetwas." Bevor sie antworten konnte, schlenderte meine Schwester herein, in einem Kleid, das wahrscheinlich mehr kostete als mein Auto, und mit dieser Art von Grinsen, bei dem man Enten mit Brot bewerfen möchte. „Ach bitte", sagte sie. „Du hast erwartet, dass Mutter Liebste dich warnt? Das ist niedlich." Ich kniff die Augen zusammen. „Du genießt das, oder?" Sie lächelte süß. „Ungemein." Ich verschränkte die Arme und lehnte mich an die Wand. „Ungemein, ja? Schön, dass mein langsamer emotionaler Zusammenbruch dir erstklassige Unterhaltung bietet." Das Grinsen meiner Schwester wurde nur breiter. „Oh, entspann dich, Jay. Es ist doch nur eine Ehe. Menschen überleben sie ständig. Manche genießen sie sogar." „Ja, nun, manche Leute genießen auch Bungee-Springen von Klippen. Das heißt nicht, dass ich mich anmelde." Sie legte den Kopf schief und tat so, als würde sie mich mustern. „Weißt du … du benimmst dich komisch, seit du heute Abend hereingekommen bist." Ich erstarrte. „Definiere ‚komisch'." Ihr Grinsen wurde richtig bösartig. „Als wärst du … abgelenkt. Nervös. Du fährst aus der Haut, jedes Mal, wenn du jemandem in die Augen siehst. Besonders –", sie sah zum Ballsaal hinüber, „Alex." Meine Kehle wurde trocken. „Alex?", wiederholte ich viel zu schnell. „Mhm." Sie verschränkte die Arme und spiegelte mich. „Die Art, wie du ihn ansiehst … als hättest du einen Geist gesehen. Oder …", sie beugte sich gerade so weit vor, dass es mir unangenehm wurde, „als hättest du ihn nackt gesehen." Ich erstickte fast an meiner eigenen Würde. „Wie bitte?! ICH BIN EIN MANN WIE ER!" Ihr Grinsen war haiartig. „Entspann dich, kleiner Bruder. Ich sage nur … es ist komisch. Du hast den Typen kaum getroffen und benimmst dich schon, als hättet ihr eine geheime Vergangenheit." Ich lachte. Zu laut. Zu falsch. „Vergangenheit? Bitte. Ich kenne ihn nicht mal. Habe ihn erst heute Abend getroffen. Auf meiner Überraschungsverlobungsfeier. Mit der ich immer noch total d'accord bin. Keinerlei emotionales Trauma. Alles gut hier. Alles in Ordnung." „Aha", sagte sie, offensichtlich nicht überzeugt. „Red dir das nur weiter ein." Sie wandte sich zum Gehen, hielt dann inne und sah mit einer perfekt geschwungenen Augenbraue zu mir zurück. „Oh, und Jay?" „Was?" „Deine zukünftige Braut ist hübsch, aber bitte hör auf, so zu tun, als wolltest du ihr die Kleider vom Leib reißen … tu uns allen den Gefallen und mach es beim Abendessen nicht so offensichtlich. Das Letzte, was diese Familie braucht, ist ein weiterer Skandal." Sie zwinkerte und ging davon, und ließ mich wie einen Idioten stehen, der sich fragte, ob sie bluffte oder ob sie tatsächlich etwas mitbekommen hatte. Ich atmete langsam aus, rieb mir die Schläfen und murmelte leise: „Töte mich jetzt." Elijah tauchte wieder auf, wie eine geisterhafte Erinnerung daran, dass mein Leben nicht mir gehörte. „Sir, Ihr Vater verlangt wieder nach Ihnen." „Super", murmelte ich und richtete mein Jackett. „Denn was ich jetzt wirklich brauche, ist eine weitere Runde psychologische Kriegsführung der Familie Hale." Und damit folgte ich Elijah zurück in Richtung Ballsaal und wappnete mich für die nächste frische Hölle, die mich erwartete.~Dahlia~Während das Geplauder weiterging und meine Freundinnen sich kichernd über Brautkleider und Flitterwochenziele unterhielten, saß ich da, lächelte und nickte an den richtigen Stellen … doch in Gedanken war ich ganz woanders.Traditionell. Das hatte ich gesagt. Es klang gut, vernünftig sogar. Aber glaubte ich das überhaupt selbst?Jayden Hale sah aus wie ein Mann, der eine Frau allein mit einem Blick gegen die Wand drücken konnte. Breite Schultern. Diese stille, wachsame Intensität. Eine Ausstrahlung, die andere Männer dazu brachte, ihm freiwillig Platz zu machen. Aber hinter verschlossenen Türen? Da war er vorsichtig. Distanziert. Als gäbe es eine Grenze, die er sich weigerte zu überschreiten.Es ging nicht nur um Sex. Es ging darum, wie sehr er sich bei allem zurückhielt. Eine Berührung, die einen Moment länger dauerte, aber nie weiterging. Ein Kuss, der endete, bevor ich genug davon hatte. Dadurch fühlte ich mich, als würde ich ihm hinterherlaufen. Als müsste ich ihn anbettel
~Dahlia~Ich stand vor meinem Schminktisch, tupfte etwas Schimmer auf meine Wangenknochen und brachte die letzte Locke meiner Haare in Form. Mein Spiegelbild grinste mich an. Oder vielleicht war ich es selbst, die so selbstzufrieden lächelte. Heute ging es nicht einfach nur ums Shoppen. Es ging darum, gesehen zu werden. Darum, allen noch einmal vor Augen zu führen, wer ich war und zu wem ich gehörte.Als ich das Boutique-Café erreichte, in dem meine Freundinnen auf mich warteten, erfüllte ihr Geplauder bereits die Luft. In dem Moment, als ich eintrat, drehten sich drei Köpfe wie auf Kommando zu mir um.„Mädchen, du strahlst ja richtig!“, sagte Maya und zog das letzte Wort in die Länge, als hätte sie gerade eine heilige Offenbarung verkündet.„Was hast du denn erwartet? Sie ist mit dem begehrtesten Junggesellen der Stadt verlobt!“, warf Sienna ein und nippte mit einem wissenden Grinsen an ihrem Latte.„Ich weiß, oder?“, fügte Tasha hinzu. Ihre Augen funkelten, als hätte man ihr gerade
~Lena~„Also … du bist tatsächlich schwanger, hm?“Die Worte fühlten sich in meinem Mund seltsam an, als gehörten sie nicht in diese Welt. Aber da stand es, schwarz auf weiß, und ließ keinen Raum für Zweifel. Diese ganze Schwangerschaftsgeschichte war doch völliger Schwachsinn.Ich starrte Jay an und verschränkte die Arme fest vor der Brust. „Wie ist das möglich? Wie zur Hölle konnte das passieren?“ Meine Stimme klang härter, als ich beabsichtigt hatte, aber ich konnte nichts dagegen tun. „Wer weiß davon? Und wage es ja nicht, mir zu sagen, dass es niemand ist. Ich will Namen hören. Welche Ärzte haben dich untersucht?“Jay öffnete den Mund, doch ich redete bereits auf ihn ein, ohne ihm die Gelegenheit zu geben, etwas zu sagen.„Und vor allem …“ Ich beugte mich nach vorn und sah ihm direkt in die Augen. „Mit wem hast du geschlafen?“Die letzte Frage klang sogar in meinem eigenen Kopf seltsam, sodass ich schließlich über meinen absurden Gedanken lachen musste.Mit wem hast du geschlafen
~Lena~Ich schlief in dieser Nacht kein einziges Mal.Ich blieb noch lange in Jays Wohnung sitzen, nachdem er sich endlich in den Schlaf geweint hatte. Sein Schlaf war unruhig und unregelmäßig, als hätte selbst die Erschöpfung nicht ausgereicht, um ihm ein wenig Frieden zu schenken. Immer wieder gingen seine Worte in meinem Kopf herum. Ich versuchte verzweifelt, sie irgendwie logisch zu erklären, doch ganz gleich, wie oft ich sie hin und her drehte, sie ergaben einfach keinen Sinn.Jay. Mein Bruder. Schwanger.Das war unmöglich. Und doch hatte ich schon erlebt, wie das Unmögliche Menschen zerbrechen konnte. Ich hatte es in unserer Kindheit gesehen, als die Erwartungen unseres Vaters so schwer auf Jay lasteten, dass er manchmal kaum noch atmen konnte. Ich hatte es daran erkannt, wie er in der Öffentlichkeit alles hinter dieser eiskalten Maske versteckte, die niemand zu durchdringen vermochte.Aber das hier? Das war etwas anderes. Es ging nicht einfach nur um Druck. Es war eine Angst, d
~Lena~Ich hatte ein ungutes Gefühl, sobald Jay meine Anrufe nicht entgegennahm. Ich wusste, dass ich ihn nicht allein hätte ausgehen lassen sollen, schon gar nicht, wenn es ihm nicht gut ging. Unsere Eltern interessierten sich nicht wirklich für uns, solange wir uns an ihre Regeln hielten und sie nicht enttäuschten. Deshalb war es für uns zur Gewohnheit geworden, uns umeinander Sorgen zu machen. Selbst wenn ich ständig mit ihm verglichen wurde, war er immer noch der Einzige in meiner Familie, dem ich wirklich etwas bedeutete.Er ging immer ans Telefon, selbst wenn er nur kurz angebunden knurrte, dass er beschäftigt sei, und anschließend auflegte. Aber diesmal? Nichts. Nicht beim ersten Anruf. Nicht beim fünften.Beim sechsten zog sich mein Magen vor Sorge zusammen.Also schnappte ich mir meine Schlüssel und fuhr direkt zu seiner Wohnung, in der Hoffnung, ihn dort anzutreffen.In dem Moment, als ich eintrat, blieb ich wie angewurzelt stehen.Jay saß auf dem Boden neben dem Sofa. Seine
~Jay~Als am nächsten Morgen die Sonne aufging, war ich schon hellwach.Das Abendessen lief in meinem Kopf ab wie ein schlechter Film, jedes Wort, jeder Blick, jedes Mal, wenn Alex' Stimme die Spannung durchschnitt. Aber unter all dem war der eine Gedanke, den ich nicht abschütteln konnte: Ich brauche Antworten. Jetzt.Noch einen Tag zu warten, kam nicht infrage.Ich sagte meinen Eltern, ich hätte ein frühes Arbeitstreffen. Da ich in der Nacht davor dort übernachtet hatte, ließen sie mich nicht gehen, oder besser gesagt, Lena und Mom ließen mich nicht gehen, sie machten sich Sorgen um meine Gesundheit. Lena bot an mitzukommen, aber ich wimmelte sie ab. Das war nichts, in das ich jemand anderen hineinziehen konnte. Noch nicht.Die Praxis des Spezialisten lag in einem dieser modernen Glasgebäude in der Innenstadt, von der Sorte, in der die Lobby leicht nach Zitronenpolitur und Geld riecht. Ich meldete mich unter falschem Namen an, zog meine Baseballkappe tiefer und hielt den Kopf gesenk







