LOGINAlpha Kaden wählte Macht über Liebe und wies seine vorbestimmte Gefährtin Aria vor der gesamten Herde zurück, um die Tochter eines rivalisierenden Alpha zu heiraten. Gedemütigt und gebrochen wurde Aria mit nichts als ihrem zerbrochenen Band und brennendem Zorn verstoßen. Doch die Zurückweisung entflammte etwas Intensiveres in ihr. Aus der Asche ihres Schmerzes erhebt sich Aria und entdeckt ihre wahre Blutlinie - eine, die sie viel mächtiger macht, als je jemand vermutet hätte. Als sie als Luna des mächtigsten Rudels der Region zurückkehrt, erkennt Kaden zu spät, was er verloren hat. Die Gefährtin, die er weggeworfen hat, hält nun sein Schicksal in ihren Händen, und sie ist nicht das gebrochene Mädchen, das er beiseite gedrängt hat. Jetzt wird er flehen. Er wird sich krümmen. Er wird mit Bedauern brennen, während er sieht, wie sie alles beansprucht, was hätte ihm gehören sollen - ohne ihn. Aber kann ein Band, das wirklich severiert wurde, jemals wiederhergestellt werden? Und verdient ein Mann, der sich für Ehrgeiz anstelle seiner Gefährtin entschieden hat, eine zweite Chance? In einer Welt, in der das Gefährtenband heilig ist, kommt es mit einem Preis, es zu brechen. Und Aria ist hier, um zu kassieren.
View MoreDie verlassene Hütte am Rande des Shadowpine-Territoriums war zu unserem Zufluchtsort geworden. Zu unserem Geheimnis.
Ich drückte meinen Rücken gegen die raue Holzwand, während Kadens Lippen die Kurve meines Halses nachzeichneten und seine warmen Hände an meiner Taille ruhten. Das Band zwischen uns – unsere Verbindung als Gefährten – pulsierte wie ein lebendiges Wesen und ließ meine Haut überall dort aufleuchten, wo er mich berührte.
„Wir sollten nicht hier sein“, flüsterte ich, während sich meine Finger in sein dunkles Haar vergruben. „Wenn uns jemand sieht …“
„Sollen sie doch.“ Kaden löste sich gerade weit genug von mir, um mir in die Augen zu sehen; sein bernsteinfarbener Blick wirkte intensiv im Mondlicht, das durch das zerbrochene Fenster fiel. „Ich habe es satt, dich zu verstecken, Aria. Ich habe es satt, so zu tun, als wärst du mir nicht alles.“
Mein Herz setzte einen Schlag aus. „Das sagst du jetzt, aber dein Vater …“
„Mein Vater bestimmt nicht über mein Schicksal. Das tue ich.“ Sein Daumen strich mit überwältigender Sanftheit über meinen Wangenknochen. „In drei Wochen findet die Alpha-Zeremonie statt. Sobald ich den Eid abgelegt habe und die Macht besitze, können wir offen zusammen sein. Kein heimliches Treffen mehr. Keine Lügen mehr.“
Ich wollte ihm glauben. Göttin, wie sehr ich ihm glauben wollte.
Doch ich hatte gesehen, wie Alpha Marcus mich ansah. Als wäre ich Dreck an seinen teuren Stiefeln. Eine Omega-Waise ohne Abstammung aus einem Rudel, ohne politischen Wert, ohne Bedeutung, abgesehen von den niederen Diensten, die ich in der Küche des Rudelhauses verrichtete.
„Drei Wochen“, wiederholte ich leise.
„Drei Wochen“, versprach Kaden. Er legte seine Stirn an meine, und das Band zwischen uns flammte so hell auf, dass ich kaum noch atmen konnte. „Dann wirst du meine Luna sein. Meine Gefährtin. Mein Ein und Alles. Ich werde vor das gesamte Rudel treten und dich als die Meine beanspruchen – und wer auch immer ein Problem damit hat, kann mich um meine Position herausfordern.“
Der heftige Beschützerinstinkt in seiner Stimme ließ mich trotz meiner Ängste lächeln. Das war der Kaden, den ich kannte. Der Junge, der mich weinend hinter dem Rudelhaus gefunden hatte, nachdem die anderen Omegas sich über meine aufgetragenen Kleider lustig gemacht hatten. Der Teenager, der mir das Kämpfen beigebracht hatte, damit ich mich verteidigen konnte. Der Mann, der mich eines Tages angesehen und nicht eine wertlose Waise gesehen hatte, sondern seine vorbestimmte Gefährtin. „Ich liebe dich“, hauchte ich.
„Ich liebe dich mehr.“ Er küsste mich erneut – tief und voller Besitzanspruch –, und für einen Moment ließ ich zu, dass ich alles andere vergaß. Das Flüstern. Die Zweifel. Die kalte Berechnung, die ich in letzter Zeit in Alpha Marcus’ Augen gesehen hatte, wann immer er seinen Sohn beobachtete.
Das Heulen eines Wolfes zerriss den Augenblick.
Wir lösten uns augenblicklich voneinander. Kadens ganzer Körper spannte sich an; er legte den Kopf schief und lauschte auf etwas, das ich nicht recht hören konnte. Die Verbindung zum Rudel. Als Erbe des Alphas hatte er Zugang dazu. Ich hatte nichts dergleichen.
„Was ist los?“, fragte ich.
„Grenzpatrouille.“ Sein Kiefer spannte sich an. „Sichtung eines Abtrünnigen an der Ostgrenze. Ich muss los.“
Enttäuschung rang mit Verständnis. Er war der zukünftige Alpha. Sein Rudel stand an erster Stelle. Das würde immer so sein.
Das sollte auch immer so sein.
„Geh“, sagte ich und trat einen Schritt zurück. „Ich warte noch ein paar Minuten, bevor ich gehe. Niemand wird erfahren, dass wir zusammen waren.“
Etwas huschte über sein Gesicht. Schuldgefühle? Frustration? Es verschwand, noch bevor ich es benennen konnte.
„Drei Wochen, Aria.“ Er ergriff meine Hand und drückte einen Kuss auf meine Fingerknöchel. „Drei Wochen, dann ist das alles vorbei. Ich verspreche es.“
Dann war er fort; noch während des Sprungs verwandelte er sich in seinen gewaltigen schwarzen Wolf und verschwand im Wald.
Ich stand allein in der Hütte – das Mondlicht tauchte alles in silbernes Licht – und versuchte, die kalte Schwere zu ignorieren, die sich in meinem Magen ausbreitete.
Drei Wochen fühlten sich an wie eine Ewigkeit.
Der Rückweg zum Rudelhaus dauerte länger als gewöhnlich. Ich hielt mich im Schatten und mied die Hauptwege, auf denen patrouillierende Wölfe hätten fragen können, warum eine Omega nach Mitternacht durch das Revier streifte. Die Lüge lag mir bereits auf der Zunge: Ich konnte nicht schlafen. Brauchte frische Luft. Nichts Verdächtiges.
Ich war gut darin geworden, zu lügen – in den vergangenen sechs Monaten. Seit sich das Band zwischen Seelengefährten bei der Feier zur Sommersonnenwende zwischen Kaden und mir geschlossen hatte. Seit wir beide begriffen hatten, dass das, was auch immer zwischen uns bestand, nicht öffentlich sein durfte. Noch nicht.
Nicht, bis er die Macht hatte.
Das Rudelhaus ragte vor mir auf; seine Fenster waren größtenteils dunkel. Ich schlüpfte gerade durch den Dienstboteneingang, die Hand noch am Türknauf, als mich eine Stimme wie angewurzelt stehen ließ.
„Spät unterwegs, was?“
Ich drehte mich langsam um. Alpha Marcus stand im Flur; trotz der späten Stunde war er noch vollständig angekleidet. Seine Augen schimmerten im Dunkeln – berechnend und kalt.
„Ich konnte nicht schlafen, Alpha“, sagte ich wie automatisch und senkte unterwürfig den Blick. „Ich bin spazieren gegangen. Ich bitte um Entschuldigung, falls ich …“
„Mein Sohn glaubt, ich würde es nicht bemerken.“ Er trat näher, jeder seiner Schritte war bedächtig. „Er glaubt, ich sei blind für seine nächtlichen Ausflüge. Seine Ablenkung. Seine … Bindungen.“
Mein Blut gefror in den Adern.
„Ich weiß nicht, was Sie meinen, Alpha.“
„Wirklich nicht?“ Er blieb nur wenige Zentimeter vor mir stehen, und ich zwang mich, nicht zusammenzucken. „Lass mich eines ganz klar sagen, Mädchen: Kaden wird in drei Wochen Alpha sein. Er wird dieses Rudel in eine neue Ära der Stärke und des Wohlstands führen. Er wird eine Bündnisehe eingehen, die unsere Position unter den Rudeln des Kontinents festigt.“
Bündnisehe. Diese Worte trafen mich wie ein körperlicher Schlag.
„Er wird nicht“, fuhr Alpha Marcus fort, während seine Stimme zu einem tödlichen Flüstern sank, „seine Zukunft und das Vermächtnis dieses Rudels für ein Omega-Niemand wegwerfen – mit verdünntem Blut und ohne …“
„Verbindungen. Verstehst du mich?“
Ich konnte nicht sprechen. Konnte nicht atmen.
„Was auch immer für eine kindische Fantasie du da hegst, beende sie. Denn wenn du es nicht tust, werde ich dafür sorgen, dass du so vollständig verschwindest, dass dich selbst die Mondgöttin nicht finden wird.“
Er ging weg und ließ mich zitternd in der Dunkelheit zurück.
Drei Wochen, hatte Kaden gesagt.
Als ich die Treppe zu meinem winzigen Zimmer im Dienstbotenquartier hinaufstieg, versuchte ich, an seinem Versprechen festzuhalten. Versuchte zu glauben, dass Liebe genügen würde.
Doch Alpha Marcus’ Drohung hallte in meinem Kopf wider, und zum ersten Mal seit dem Entstehen der Bindung spürte ich etwas Schlimmeres als Angst.
Ich spürte Zweifel.
Wir schrieben das Jahr 2394. Dreihundert Jahre waren vergangen, seit Aria Silvermoon im Schlaf gestorben war – in dem Glauben, gescheitert zu sein.Dr. Zara Moonwhisper stand vor dem versammelten Interplanetaren Rudelrat und bereitete sich darauf vor, ihren Vortrag über das „Aria-Legacy-Projekt“ zu halten. Nach heutigen Maßstäben war sie jung – gerade einmal siebenundneunzig Jahre alt –, doch sie hatte ihre gesamte akademische Laufbahn der Erforschung der historischen Ursprünge der modernen Wolfsgesellschaft gewidmet.Der Ratssaal schwebte in der Schwerelosigkeit: eine transparente Kugel, die die Erde umkreiste, inmitten Tausender anderer diplomatischer Stationen. Durch die Wände konnte Zara den blauen Planeten unter sich sehen; seine Oberfläche war übersät mit blühenden Rudelterritorien, die sich über alle Kontinente und Ökosysteme erstreckten.Wölfe lebten inzwischen auf dem Mars. In den Mondkolonien. Auf Raumstationen im gesamten Sonnensystem. Wohin auch immer sie gingen, trugen si
Zweihundert Jahre nach Arias Tod stand die Continental Pack Historical Society vor einer existenziellen Frage: Sollte das ursprüngliche Schutzgebiet geschlossen werden?Das Gebäude wurde zwei Jahrhunderte lang als Museum und Gedenkstätte erhalten. Millionen von Wölfen hatten es besucht, die Trainingsplätze durchstreift, in der Bibliothek gelernt und in den Räumen meditiert, in denen sich einst gebrochene Wölfe wieder aufgerappelt hatten.Doch die Instandhaltungskosten waren astronomisch. Trotz ständiger Restaurierung verfiel das Gebäude. Die Sicherheitsbedenken wuchsen, da das Gelände sowohl Ziel von Vandalen als auch von übereifrigen Denkmalschützern wurde. Allein die Versicherungskosten überstiegen die gesamten Betriebskosten mancher Akademien.Direktorin Amaya Winterborn präsentierte dem Verwaltungsrat die Analyse. Sie war 48 Jahre alt, Nachfahrin eines von Arias ersten Schülern und trug die Last zweier Jahrhunderte institutioneller Geschichte.„Wir haben drei Optionen“, erklärte s
Der hundertste Jahrestag von Arias Tod fiel auf einen klaren Herbstmorgen im Jahr 2094.Die Gemeinschaft der Rudel, die sich zu ihrem Gedenken versammelt hatte, ähnelte kaum noch jener Welt, in die Aria einst hineingeboren worden war. Starre Hierarchien waren in neunundachtzig Prozent der Rudel flexiblen, auf Leistung basierenden Systemen gewichen. Der Begriff „Omega“ hatte heute eine andere Bedeutung: Er bezeichnete eher eine spezialisierte Rolle als angeborene Wertlosigkeit. Zurückgewiesene Gefährten waren statistische Ausnahmen und keine alltäglichen Tragödien mehr.Der Wandel war so umfassend, dass sich junge Wölfe die Alternative gar nicht mehr vorstellen konnten. Sie lernten im Geschichtsunterricht über die Rudelkultur der Zeit vor Aria, so wie Menschen den Feudalismus studierten: interessant, aber ohne Belang – eine längst vergangene Unterdrückung, die die moderne Gesellschaft hinter sich gelassen hatte.River, inzwischen einundneunzig Jahre alt und an den Rollstuhl gefesselt,
River war 61, als sie mitten in einer hitzigen Ratssitzung einen Herzinfarkt erlitt. Noch im einen Moment diskutierte sie über die Ressourcenverteilung, im nächsten lag sie auf dem Boden, die Hand an der Brust, nach Luft ringend.Sie überlebte, doch die Ärzte machten unmissverständlich klar: Sofort in den Ruhestand gehen, sonst würde der nächste Anfall sie töten. Ihr Körper hatte 35 Jahre lang ständige Krisenbewältigung ertragen müssen. Er konnte nicht mehr.„Ich muss zurücktreten“, sagte River vom Krankenbett aus zum Rat. „Findet einen würdigen Nachfolger. Jemanden, der führen kann, ohne buchstäblich an dem Stress zu sterben.“Das Problem war nur, dass niemand den Posten wollte.Die Leitung der Continental Pack Historical Society hatte sich weit über die reine Archivverwaltung hinaus entwickelt. Sie bedeutete, faktisch die spirituelle Führerin der Akademiebewegung zu sein. Die höchste Autorität in allen Fragen rund um Arias Vermächtnis. Schiedsrichterin in Streitigkeiten über Mission











