LOGINDie Villa fühlte sich anders an, nachdem diese Worte gesprochen worden waren.
Er lebt und er erinnert sich, wer das Feuer gelegt hat.
Es hallte nicht mehr wie ein Satz nach.
Es hallte wie ein Urteilsspruch nach.
Oriana stand erstarrt oben an der Treppe, die Zofen hielten immer noch ihre Arme, doch ihr Griff hatte sich leicht gelockert, als fürchteten selbst sie sich nun, zu laut zu atmen.
Adrian hatte sich nicht bewegt. Nicht zu ihr hin. Nicht zum Fremden hin. Nicht zur Wahrheit hin, die sich langsam vor ihm zu enthüllen begann.
Sein Gesicht war wieder undurchschaubar. Doch etwas in ihm hatte sich bereits verschoben.
Der Mann trat leicht zurück und steckte das verbrannte Foto in seinen Mantel, als gehöre es dorthin mehr als alles andere im Raum.
Dann sprach er erneut, diesmal leiser. „Bringt ihn zu mir." Einer seiner Männer nickte sofort und verließ den Raum durch die Seitentür.
Livia trat rasch vor, Panik schlich sich in ihre weibliche Stimme.
„Adrian, du kannst nicht einfach zulassen, dass dieser Fremde in dein Haus spaziert und deine Familie beschuldigt —"
Adrian hob leicht die Hand. Nicht, um sie aufzuhalten. Nur, um sie zum Schweigen zu bringen. Und sie verstummte.
Sofort.
Diese einfache Geste ließ Orianas Brust schmerzhaft eng werden. Denn er hatte Livia niemals ihretwegen zum Schweigen gebracht. Kein einziges Mal.
Adrian wandte schließlich den Kopf wieder leicht zu Oriana.
Für einen kurzen Moment trafen sich ihre Blicke.
Orianas Lippen öffneten sich. „Adrian", flüsterte sie erneut, nun schwächer. „Bitte sag mir, was hier vor sich geht."
Etwas Undeutbares lag in seinen Augen. Keine Wärme. Keine Liebe. Etwas Schwereres.
Wie eine Erinnerung, die versuchte, durch eine verschlossene Tür zu brechen. Doch dann blickte Adrian erneut weg.
Genau wie zuvor.
Und diese einzige Bewegung zerriss sie mehr als alles andere an diesem Abend.
Mateo trat instinktiv näher an Oriana heran und blockierte die Zofen davon ab, sie weiterzuziehen.
„Sie bleibt nicht hier", sagte er entschieden.
Adrians Mutter schnaubte. „Sie ist genau dort, wo sie hingehört."
Mateos Kiefer spannte sich an. „Ihr habt sie hungern lassen. Ihr habt sie gedemütigt. Ihr —"
„Genug", sagte Adrian kalt.
„Aus welchem Grund, Mom?" schrie Mateo sie an.
„Ich sagte, genug", sagte Adrian, diesmal Mateo tief in die Augen blickend.
Wieder Stille. Doch diesmal war es anders. Denn Adrian begann schließlich zu gehen. Nicht zu Oriana hin. Nicht zu Mateo hin. Nicht zu Livia hin.
Er ging auf die Türen seines Arbeitszimmers zu. „Folgt mir", sagte er beiläufig.
Die Lippen des Mannes krümmten sich leicht. „Ich hatte gehofft, dass du das sagst."
Und so verschwand Adrian im Inneren. Der Fremde folgte. Mateo zögerte nur eine Sekunde, bevor er ihnen nachging.
Oriana wehrte sich sofort gegen die Zofen. „Nein, wartet! Wohin gehen sie?!"
Doch sie verstärkten erneut ihren Griff.
Livia trat mit erzwungener Ruhe näher.
„Du bleibst hier", sagte sie sanft. „Du bist immer noch Teil der heutigen Vereinbarungen."
Oriana erstarrte. Ihre Augen trafen Livias.
„Welche… Vereinbarungen?" Livia lächelte schwach. „Das wirst du bald genug herausfinden."
Im Arbeitszimmer war die Luft kälter.
Adrian stand reglos neben dem Schreibtisch. Der Mann lehnte lässig an einem Regal, als gehöre er dorthin mehr als jeder andere im Haus.
Mateo stand angespannt und wachsam nahe der Tür.
Adrian sprach schließlich zuerst. „Was willst du?" Der Fremde neigte leicht den Kopf. „Die Wahrheit", wiederholte er.
Adrian atmete langsam aus. „Es gibt keine Wahrheit, die du nicht schon kennst."
„Oh, ich weiß genug", erwiderte der Fremde. „Aber ich möchte sie von dir hören."
Ein langes Schweigen folgte.
Dann blickte Adrian schließlich auf. „Vor dreizehn Jahren", sagte er langsam, „gab es einen Brand auf dem Anwesen der Valez." Mateos Augen verengten sich.
Adrian fuhr fort. „Es wurde als Unfall eingestuft."
Der fremde Mann lächelte leicht.
„Aber das war es nicht", fügte Adrian hinzu.
Er stritt es nicht ab. Das war der erste Riss. Mateo trat vor. „Was sagst du da?"
Adrians Kiefer spannte sich an. „Ich sage" — er hielt inne — „dass manche Wahrheiten aus einem bestimmten Grund begraben wurden."
Der Mann löste sich langsam vom Regal.
„Begraben von wem?"
Adrian antwortete nicht sofort.
Als er es tat, war seine Stimme tiefer.
„Meiner Familie."
Der Raum verstummte vollständig. Sogar Mateo erstarrte. Doch der Fremde wirkte nicht überrascht.
Nur zufrieden. „Da haben wir es", murmelte er.
Adrian sah ihn schließlich vollständig an. „Du wusstest das bereits."
„Ich vermutete es", korrigierte der Fremde. „Aber ich brauchte eine Bestätigung." Mateo runzelte die Stirn. „Warum bist du überhaupt darin verwickelt?"
Der Blick des Fremden verschob sich leicht.
„Um sie zu finden", sagte er schlicht.
Adrians Ausdruck veränderte sich daraufhin leicht. „Wen zu finden?"
Der Mann griff erneut in seinen Mantel.
Doch diesmal zog er kein Foto hervor.
Er zog eine Akte hervor. Alt. Versiegelt.
Und mit einem Namen versehen, der die Luft im Raum sofort schwerer machte.
AUFZEICHNUNGEN DER BLUTLINIE VALEZ.
Mateos Stimme senkte sich. „Das ist vertrauliche Familiendokumentation." Der Fremde nickte. „Und darin", sagte er langsam,
„steht der Name des Mädchens, das den Brand überlebt hat?"
Adrians Augen verengten sich leicht.
„Es gab keine Überlebenden."
Der Fremde sah ihn direkt an. „Es gab einen."
Stille. Eine lange, erdrückende Stille.
Dann öffnete er die Akte. Und zog ein einzelnes Blatt heraus, das er zuerst Adrian zuwandte. Adrians Blick fiel darauf.
Und zum ersten Mal an diesem Abend brach seine Beherrschung, nur ein wenig. Kaum merklich, aber echt.
Mateo bemerkte es sofort. „Was ist das?" forderte er.
Adrian antwortete nicht. Sein Blick blieb auf das Blatt geheftet.
Dann sagte es der Fremde laut. Langsam. Deutlich. „Die offizielle Aufzeichnung besagt, das Kind sei im Feuer gestorben."
Er hielt inne. Dann fügte er hinzu. „Doch jemand hat den Namen geändert."
Mateo trat näher. „Wessen Namen?"
Der Fremde blickte auf, und zum ersten Mal sagte er es direkt. „Das Mädchen, das ihr als Oriana Valez kennt —"
Eine Pause. Schwer genug, um den Raum zu ersticken. „— sollte niemals existieren."
Adrian stockte vollständig der Atem.
Mateo erstarrte. Und von draußen vor den Türen des Arbeitszimmers hallte ein schwaches Geräusch.
Ein Krachen. Gefolgt von Geschrei. Dann die panische Stimme eines Dieners. „SIE IST GEFLOHEN!"
Die Stille wurde sofort zerschmettert. Adrian wandte sich abrupt zur Tür.
Mateo stürmte nach vorn. Der Fremde schloss langsam die Akte und lächelte. Denn er wusste es bereits. Oriana war nicht mehr im Flur.
Der Krankenhausflur war erfüllt von eiligen Schritten.Schwestern bewegten sich schnell zwischen den Zimmern.Ärzte stürmten durch den Notaufnahmeeingang.Und hinter einer der geschlossenen Türen kämpfte Oriana sich durch die Schmerzen der Wehen.Adrian stand vor dem Kreißsaal.Er war unruhig, seit sie angekommen waren.Er konnte nicht sitzen.Er konnte nicht denken.Er konnte sich nicht konzentrieren.Er lief von einem Ende zum anderen und fuhr sich mit den Fingern durchs Haar.Alle paar Sekunden wanderte sein Blick zur Tür.„Oriana.“Er flüsterte ihren Namen.Er wusste nicht, warum er solche Angst hatte.Er wusste, dass sie von Ärzten umgeben war.Er wusste, dass das Krankenhaus das beste der Stadt war.Aber nichts davon konnte ihn beruhigen.Er hatte sie im Auto leiden sehen.Er hatte die Angst in ihren Augen gesehen.Und jetzt war sie hinter dieser Tür.Allein.^^^^^^^^^Plötzlich näherten sich eilige Schritte.Adrian drehte sich um.Sebastian erschien am Ende des Gangs.Sein Hemd
Oriana trat spät am Abend aus dem Gebäude des Rose Empire.Der Tag war anstrengend gewesen.Sie hatte stundenlang Verträge geprüft und sich mit den Aufgaben befasst, die plötzlich auf ihre Schultern gefallen waren, seit sie die vollständige Kontrolle über Juliannas Geschäftsimperium übernommen hatte.Sie wollte nur noch nach Hause.Ihre Hand ruhte sanft auf ihrem Bauch, als sie zu ihrem Auto ging.Ihre Schwangerschaft zeichnete sich in der Kleidung, die sie trug, deutlicher ab.Sie lächelte leicht.Bald würde sie endlich ihr Baby kennenlernen.Sie konnte es kaum erwarten.Doch als sie ihr Auto erreichte, tauchte Adrian plötzlich auf der anderen Seite des Parkplatzes auf.„Oriana.“Sie drehte sich um.„Adrian?“„Ich komme gerade aus einem Meeting in der Nähe.“Er ging auf sie zu.Doch bevor er noch etwas sagen konnte, wurde seine Aufmerksamkeit abgelenkt.Einige Meter entfernt stand jemand.Ein Mann, der vorgab, sein Handy zu benutzen.Adrians Augen verengten sich.Er erkannte ihn.Der
Am nächsten Morgen kam Oriana früher als sonst im Rose Empire an.Ihre Gedanken kreisten um das Meeting, das für den Nachmittag angesetzt war.Mit der Moretti Group.Sie hatte von dem Moment an gewusst, in dem Julianna ihr die Kontrolle über das Imperium übergeben hatte, dass die Zusammenarbeit mit Adrian unvermeidlich sein würde.Aber es zu wissen und es zu erleben, waren zwei völlig verschiedene Dinge.Oriana betrat ihr Büro und legte ihre Handtasche auf den Schreibtisch.Ihre Assistentin Elena folgte ihr.„Madam, das Team der Moretti Group hat das Meeting bestätigt.“Oriana nickte.„Wer wird teilnehmen?“„Ihr CEO, Herr Adrian Moretti, und drei weitere Mitglieder seines Führungsteams.“Ihr Herz setzte einen Schlag aus.Adrian.Selbst seinen Namen zu hören, berührte sie noch immer.Sie fasste sich schnell.„Bereiten Sie alles vor.“„Ja, Ma'am.“Die Assistentin ging.Oriana setzte sich und ging die Partnerschaftsunterlagen durch.Sie zwang sich, sich zu konzentrieren.Das hier war Ges
Die Geschäftswelt erwachte zu einer weiteren schockierenden Ankündigung.Die Moretti Group hatte einen neuen CEO.Und das war Adrian Moretti.^^^^^^^^^Adrian stand im riesigen Sitzungssaal der Moretti Group, umgeben von den Mitgliedern des Vorstands.Am Kopfende des Tisches saß Vivienne Moretti.Sie betrachtete ihren Sohn mit einer Mischung aus Stolz und Ernsthaftigkeit.„Jahrelang wurde die Moretti Group von verschiedenen Mitgliedern dieser Familie geführt“, begann Vivienne.„Doch heute ändert sich das.“Alle blieben still.Vivienne erhob sich.„Adrian Moretti wird offiziell die vollständige Kontrolle über die Moretti Group und all ihre Tochtergesellschaften übernehmen.“Einige Vorstandsmitglieder wechselten Blicke.Adrian reagierte nicht sofort.Er hatte diese Ankündigung erwartet.Doch sie offiziell zu hören, fühlte sich trotzdem anders an.Vivienne trat auf ihn zu und reichte ihm eine Mappe.„Das sind die endgültigen Dokumente.“Adrian nahm sie entgegen.„Von heute an bist du nic
„Oriana, warum hast du gezögert?“Sebastians Frage blieb im Raum stehen.Oriana stand hinter ihrem Schreibtisch und starrte ihn an.Sie hatte sich viele schwierige Momente in ihrem Leben vorgestellt.Sie hatte Verrat überlebt.Verlust.Schmerz.Sie hatte sich aus dem Nichts wieder aufgebaut.Aber vor Sebastian zu stehen, mit einem Geheimnis, das sie nicht erklären konnte, war anders.Es machte ihr Angst.„Sebastian.“Er wartete.„Ich weiß nicht, wie ich alles erklären soll, was passiert ist.“Sein Gesichtsausdruck blieb ruhig, doch seine Augen zeigten Enttäuschung.„Dann musst du gar nichts sagen.“Oriana sah ihn an.„Sag mir nur eins.“Er trat näher.„Liebst du mich noch?“Ihr Herz zog sich zusammen.Sie zögerte.„Ja, tue ich.“„Ich liebe dich, Sebastian.“Seine Augen wurden etwas weicher.„Aber während dieser Reise hat sich etwas verändert.“Oriana senkte den Blick.„Ich wurde verwirrt.“„Wegen Adrian?“Sie konnte nicht antworten.Ihr Schweigen genügte.Sebastian blickte für einen M
Oriana schlief in dieser Nacht kaum.Selbst nachdem sie nach Hause zurückgekehrt war, selbst nachdem Sebastian sie in seinen Armen willkommen geheißen hatte, blieben ihre Gedanken in diesem Hotelzimmer gefangen.Sie konnte Adrians Augen nicht vergessen.Seine Stimme.Die Art, wie er sie angesehen hatte, als er die Frage stellte, die zu beantworten sie sich so gefürchtet hatte.Liebst du mich?Sie schloss fest die Augen.„Hör auf, daran zu denken“, flüsterte sie.Aber die Erinnerungen weigerten sich zu verschwinden.Sie erinnerte sich an den Kuss.Sie erinnerte sich an alles, was in jener Nacht geschehen war, und daran, wie ihre Gefühle sie überwältigt hatten.Und am erschreckendsten war, dass sie sich erinnerte, dass es nicht das erste Mal gewesen war, dass sie mit Adrian diese Grenze überschritten hatte.Ihre Gedanken kehrten zu der Nacht zurück, in der sie versehentlich zusammen in der Firma eingeschlossen worden waren.Jene Nacht, in der das Gebäude still geworden war und sie ohne







