ログインAdrians Gesichtsausdruck veränderte sich augenblicklich.
Es geschah so schnell, dass es fast niemand bemerkte. Doch Oriana schon.
Zum ersten Mal, seit er zurückgekehrt war, zerbrach die kalte Fassade in seinen Augen. Schock huschte über sein Gesicht.
Dann Anspannung.
Dann etwas weit Gefährlicheres.
Angst. Das angesengte Foto blieb zwischen den Fingern des Fremden, während Stille den Raum vollständig verschlang.
Livia runzelte leicht die Stirn. „Was ist das?"
Adrian antwortete nicht. Sein Blick blieb auf das Foto gerichtet, als wäre es aus einem Grab gezogen worden.
Der gefährliche Mann neigte leicht den Kopf. „Also", murmelte er. „Du erkennst es."
Mateo verengte sofort die Augen. „Erkennst was?"
Immer noch keine Antwort von Adrian. Orianas Herzschlag beschleunigte sich schmerzhaft, während die Zofen weiterhin ihre Arme nahe der Treppe festhielten. Etwas stimmte nicht. Etwas stimmte sehr nicht.
Der Fremde drehte schließlich langsam das Foto um.
Und in dem Moment, als Oriana es sah,
stockte ihr der Atem. Es war ein altes Familienfoto.
Verblasst. Halb verbrannt. An den Rändern zerstört. Doch die Gesichter waren noch erkennbar. Eine jüngere Version ihrer Mutter stand sanft lächelnd neben einem großen Mann, dessen Gesicht gewaltsam aus dem Bild gekratzt worden war.
Und zwischen ihnen stand
die kleine Oriana.
Nicht älter als acht.
Ihre Brust zog sich sofort zusammen. Sie erinnerte sich an dieses Foto. Es hatte einst in der Schlafzimmerschublade ihrer Mutter gelegen, versteckt unter alten Kleidungsstücken.
Aber —
Woher hatte dieser Mann es? Und warum wirkte Adrian so verängstigt?
Livia lachte unbeholfen. „Es ist nur ein altes Foto."
„Nein", erwiderte der Fremde leise. Sein Blick wanderte langsam zu Adrian. „Es ist ein Beweis."
Die Atmosphäre im Raum veränderte sich sofort. Mateo runzelte noch tiefer die Stirn.
„Beweis wofür?"
Immer noch schwieg Adrian.
Dieses Schweigen erschreckte Oriana mehr als alles andere, denn Adrian schwieg nie, es sei denn, etwas war wirklich von Bedeutung.
Der Fremde machte einen langsamen Schritt nach vorn. Dann noch einen. Bis er direkt vor Adrian stand.
„Du hast ihre Familie vor der Hochzeit gekannt", sagte er ruhig.
Livia blinzelte. „Was?"
Adrians Kiefer spannte sich an. „Du irrst dich." „Tue ich das?"
Die Stimme des Fremden blieb gefährlich sanft. „Ich habe Jahre damit verbracht zu suchen, was mit der Familie Valez nach dem Feuer geschah."
Seine Augen verdunkelten sich. „Und jede Spur führte irgendwie zurück zu dir."
Feuer? Oriana erstarrte.
Das Feuer. Jenes, das ihre Mutter tötete. Jenes, das alles zerstörte.
Schmerz durchzog sofort ihre ganze Brust. Sie erinnerte sich an Rauch. Schreie. Hitze. Dann Dunkelheit.
Ihre Hände begannen unkontrolliert zu zittern. Mateo blickte verwirrt zwischen ihnen hin und her. „Welches Feuer?"
Livia wirkte plötzlich unruhig.
„Adrian", flüsterte sie vorsichtig.
Doch Adrian weigerte sich weiterhin, irgendjemanden außer dem Fremden anzusehen.
„Du solltest gehen", sagte Adrian leise.
Der Fremde lächelte schwach.
Doch daran war nichts Angenehmes.
„Du bist nicht in der Position, mir Befehle zu erteilen."
Die Wachen hinter ihm bewegten sich leicht.
Der Raum wurde erstickend.
Adrians Mutter trat schließlich nervös vor.
„Sohn, was geht hier vor?" Adrian ignorierte sie völlig. Der Fremde hob das verbrannte Foto erneut hoch.
„Soll ich ihnen erzählen", fragte er leise, „was deine Familie vor dreizehn Jahren getan hat?"
Orianas Herz setzte fast aus. Vor dreizehn Jahren. Das war genau das Jahr, in dem ihre Mutter gestorben war. Genau das Jahr, in dem ihre Erinnerungen zerbrochen und lückenhaft wurden.
Sie starrte Adrian verzweifelt an. „Wovon spricht er?"
Adrian sah sie endlich an. Und die Schuld in seinen Augen war diesmal unmöglich zu übersehen.
Kalte Angst breitete sich durch Orianas ganzen Körper aus. „Nein —"
Mateo trat scharf näher.
„Adrian." Keine Antwort. „Sag mir, dass er lügt."
Immer noch Stille. Livia packte plötzlich fest Adrians Arm. „Sag etwas."
Doch Adrian entzog sich langsam ihrer Berührung.
Sein Blick wanderte zurück zum Fremden. „Du bist wegen Rache hergekommen?"
„Nicht Rache." Die Stimme des Fremden senkte sich.
„Die Wahrheit."
Orianas Atem wurde unregelmäßig.
Bruchstücke vergessener Erinnerungen blitzten schmerzhaft in ihrem Kopf auf.
Jemand schrie in jener Nacht unten.
Ein junger Adrian stand in jener Nacht nahe dem Tor.
Nein. Nein, das war unmöglich. Ihr Kopf begann heftig zu schmerzen. Der Fremde bemerkte es sofort.
Sein Ausdruck verdunkelte sich.
„Sie erinnert sich nicht, oder?"
Adrians Schweigen beantwortete es für ihn.
Mateo wirkte nun völlig verloren.
„Erinnert sich woran?"
Der Fremde wandte sich schließlich ganz Oriana zu. Und zum ersten Mal wurde seine Stimme etwas sanfter. „Du solltest niemals Adrian heiraten." Der Satz traf wie ein Donnerschlag.
Oriana starrte ihn ausdruckslos an. „Was…?"
„Du warst einer anderen Familie versprochen, lange bevor deine Mutter starb."
Livia lachte. „Das ist lächerlich."
Doch niemand sonst lachte. Denn Adrian wirkte immer noch angespannt. Immer noch schuldbewusst.
Der Fremde fuhr leise fort. „Die Familie Valez und meine hatten eine Abmachung. Eine Verbindung, die beide Blutlinien schützen sollte."
Seine Augen verengten sich leicht. „Bis deine Familie plötzlich niederbrannte."
Ihr wurde schwindelig. Nichts davon ergab einen Sinn. „Meine Mutter hat mir nie —"
„Sie wollte es dir sagen." Der Kiefer des Fremden spannte sich an. „Doch sie starb zuerst."
Der Raum verstummte erneut.
Dann blickte Mateo plötzlich scharf zu Adrian. „Du wusstest davon?"
Adrian sprach endlich. „Ja."
Das eine Wort explodierte durch den Raum.
Oriana spürte, wie ihre Knie nachgaben. Nein, nein, nein, nein. „Du wusstest es?" forderte Mateo.
Adrian atmete schwer aus. „Mein Vater hat sich darum gekümmert."
„Sich um was gekümmert?" flüsterte Oriana gebrochen. Doch tief in ihrer Brust hatte sie bereits Angst vor der Antwort.
Der Mann steckte das Foto langsam zurück in seinen Mantel. Dann sah er Adrian direkt an.
„Sag es ihr", sagte er kalt. Adrian blickte weg. Das war die einzige Antwort, die Oriana brauchte. Ihre Tränen flossen sofort noch stärker.
„Du wusstest, dass meiner Familie etwas zugestoßen ist…"
Immer noch Stille.
„Und du hast mich trotzdem geheiratet?"
Livia wirkte nun beunruhigt. „Adrian?"
Doch Adrians Gesicht blieb wieder kalt und undurchschaubar.
Der Fremde lachte leise unter seinem Atem. „Da haben wir es", murmelte er.
„Das berühmte Anwesen Blackwood."
Blackwood.
Der Name hallte in Orianas Kopf wider. Blackwood.
Warum fühlte sich der Name plötzlich vertraut an? Bevor sie weiterdenken konnte, stürmte einer der Wachen am Eingang plötzlich dringlich nach vorn.
„Boss." Der Mann drehte sich leicht um. Die Wache senkte die Stimme.
„Wir haben den Überlebenden gefunden." Alles hielt inne. Die Augen des Mannes schärften sich sofort.
Adrian erstarrte vollständig. Mateo runzelte die Stirn. Doch Oriana —
Ihr Herz wäre fast aus der Brust gesprungen, als die Wache zu Ende sprach.
„Er lebt… und er erinnert sich, wer das Feuer gelegt hat."
In dem Moment, als Oriana das alte Foto sah, setzte ihr Herz einen Schlag aus.Es war ein Bild von ihr aus vergangenen Jahren, an dem Tag, an dem sie an einen fremden Mann verkauft werden sollte. Ihr Gesicht war blass, ihre Kleidung zerrissen, und Tränen bedeckten ihre Wangen.Auf der Rückseite standen die handgeschriebenen Worte.„Ich weiß genau, wer du bist."Elena griff sofort nach dem Foto.„Das ist eine Drohung."Juliannas Miene verhärtete sich.„Wir werden herausfinden, wer das geschickt hat."Oriana betrachtete die Handschrift lange, bevor sie langsam den Kopf schüttelte.„Nein."„Es ist keine Drohung."Sie sah ruhig auf.„Es ist Martha."„Die alte Kinderfrau."Beide Frauen sahen sie an.„Sie würde mich nicht verraten."„Sie hätte nichts davon."Julianna nickte nachdenklich.„Warum schickt sie das dann?"Oriana drehte das Foto noch einmal um.„Da muss noch etwas anderes sein."Während sie es sorgfältig untersuchte, rutschte ein weiteres gefaltetes Blatt Papier hinter dem Foto h
Die Worte auf dem vertraulichen Bericht schienen die ganze Luft in Orianas Büro einfrieren zu lassen.„Die Ermittlungen gegen Serena Rose haben offiziell begonnen."Oriana las das Dokument zweimal, bevor sie es leise wieder auf den Schreibtisch legte.Ihr Gesichtsausdruck blieb ruhig.Nur das leichte Anspannen ihrer Finger verriet ihre Gedanken.Elena durchbrach die Stille.„Unser Cyber-Team hat diese Kommunikation vor weniger als einer Stunde gefunden."„Wir haben sie zurückverfolgt."„Sie haben einen der angesehensten Privatermittler Europas engagiert."Julianna, die kurz zuvor eingetreten war, runzelte die Stirn.„Das habe ich erwartet."„Das Abendessen hat Viviennes Neugier geweckt."Oriana lehnte sich in ihrem Stuhl zurück.„Nun."„Das Spiel geht in die nächste Runde."Elena trat näher.„Sollen wir jede Spur beseitigen?"Julianna sah Oriana an.„Ein Befehl von dir, und jedes einzelne Detail, das zu deiner früheren Identität führt, verschwindet für immer."Oriana schwieg einige Se
Am nächsten Morgen war das Morreti-Anwesen ungewöhnlich still.Vivienne Morreti saß in ihrem privaten Arbeitszimmer, die Morgenzeitung auf ihrem Schreibtisch ausgebreitet. Die Titelseite war erneut voller Serena Rose.„ROSE-IMPERIUM STELLT NEUEN REKORD AUF, GEWINNE STEIGEN STEIL AN."Unter der Schlagzeile befand sich ein beeindruckendes Foto von Serena beim Abendessen der vergangenen Nacht.Vivienne starrte lange auf das Bild.Da war etwas an diesen Augen.Ruhig.Intelligent.Und doch von einer Traurigkeit gezeichnet, die nur jemand tragen konnte, der zutiefst gelitten hatte.Sie schloss die Zeitung.„Nein", murmelte sie zu sich selbst. „Das ist kein Zufall."Sie griff nach ihrem Telefon und wählte eine Nummer, die sie nur selten benutzte.Der Anruf wurde fast sofort entgegengenommen.„Guten Morgen, Madam Morreti."„Ich brauche Ihre Dienste."„Ich höre zu."„Ich möchte, dass Sie jemanden untersuchen."Es folgte ein kurzes Schweigen, bevor der Mann antwortete: „Wen?"„Serena Rose."„Ic
Die kühle Nachtbrise trug den Duft blühender Rosen.Keiner von ihnen sprach für einige Momente.Schließlich brach Adrian das Schweigen.„Es tut mir leid wegen heute Abend."Oriana sah ihn an.„Du hast dich genug entschuldigt."„Ich fühle mich immer noch verantwortlich."Sie lächelte schwach.„Verantwortung ist eine schwere Last, Mr. Adrian."Sein Blick suchte den ihren.„Sind wir uns schon einmal begegnet?"Die Frage traf sie unvorbereitet.Ihr Herzschlag wurde schwerer, doch jahrelange Disziplin hielt ihr Gesicht ruhig.„Ich glaube, wir haben diese Frage bereits beantwortet."Adrian nickte still.„Vielleicht."Der Wächter öffnete die Tür der Limousine.Oriana stieg ein, ohne ein weiteres Wort.Als der Wagen davonfuhr, blieb Adrian in der Einfahrt stehen und beobachtete, bis die Lichter des Autos in der Dunkelheit verschwanden.Etwas in ihm weigerte sich, sie loszulassen.^^^^^^^Zurück auf dem Rose-Anwesen.In dem Moment, als sich die Türen des Herrenhauses hinter ihr schlossen, erla
Die zerbrochene Schale Hühnersuppe krachte auf den Speisesaalboden.Jeder Kopf wandte sich der alten Kinderfrau zu.Sie stand wie erstarrt da, ihre Hände zitterten unkontrolliert, während Tränen in ihren Augen aufstiegen.„M-Mrs. Oriana?"Der Name hing wie ein Geist in der Luft.Adrian runzelte sofort die Stirn.„Was hast du gerade gesagt?"Die alte Frau starrte Serena an, unfähig, den Blick abzuwenden.„Es... es kann nicht sein."Livia verdrehte theatralisch die Augen.„Oh, um Himmels willen."„Sie wird eben alt."Vivienne erhob sich von ihrem Platz.„Martha, was soll das bedeuten?"Die alte Kinderfrau schluckte schwer.„Ich... ich dachte..."Bevor sie den Satz beenden konnte, unterbrach Adrian sie.„Genug."Seine Stimme war bestimmt.„Miss Rose ist unser Gast."„Verwechsle sie nicht mit jemandem aus der Vergangenheit."Martha blickte hilflos zwischen Adrian und Serena hin und her.„Aber, mein Herr."„Ich sagte, genug."Die alte Frau senkte den Kopf.„Ja, mein Herr."Adrian wandte si
Die Morreti-Villa glitzerte im Abendlicht.Diamantkronleuchter waren über dem prächtigen Eingang zu sehen, während Luxuswagen die Auffahrt säumten, als einflussreiche Wirtschaftsführer und Persönlichkeiten zu Vivienne Morretis exklusivem Dinner eintrafen.Ein eleganter weißer Rolls Royce kam elegant zum Stehen.Einer der Wachmänner stieg aus und öffnete die hintere Tür.Ein Paar goldener Absätze berührte den Boden.Dann erschien Serena Rose.Sie trug ein atemberaubendes smaragdgrünes Abendkleid, das elegant hinter ihr herwallte. Eine goldene Halskette ruhte wunderschön um ihren Hals, und ihre Selbstsicherheit zog alle Blicke auf sich, noch bevor sie ein einziges Wort gesprochen hatte.Das Murmeln begann sofort.„Das ist Serena Rose."„Sie ist noch schöner in Person."„Kein Wunder, dass das Rose-Imperium so erfolgreich geworden ist."Im Inneren der Villa trat Vivienne mit einem warmen Lächeln vor.„Miss Rose."Oriana erwiderte das Lächeln höflich.„Mrs. Morreti. Danke für die Einladung







