LOGINEs war so verdammt still in diesem Verlies, dass ich das Gefühl hatte, die Luft würde mir die Kehle zuschnüren. Silas’ Hand auf meiner Hüfte fühlte sich plötzlich nicht mehr gut an. Es war kein liebevoller Griff, es war eine Markierung. Er hielt mich unter dem Seidenmantel fest, seine Finger drückten sich hart in meine Haut, als wollte er sicherstellen, dass ich keinen Millimeter von ihm wegrücken konnte. Er presste mich so fest gegen seine Brust, dass ich seinen Herzschlag spürte – ein schnelles, hartes Hämmern, das überhaupt nicht zu seiner sonst so kühlen Art passte. Er starrte Julian an, und in seinem Blick lag so viel Hass, dass es mir eiskalt den Rücken runterlief. Es war, als wollte er seinen Bruder allein durch die schiere Gewalt seines Willens auslöschen. „Hör nicht auf ihn, Maya“, raunte Silas mir ins Ohr. Seine Stimme war leise, vibrierend vor einer Wut, die kurz vorm Explodieren war. „Er labert von Lügen, weil er die Realität nicht verkraftet. Er ist ein Versager. Er ko
In der fensterlosen, hermetisch abgeriegelten Welt des Bunkers gab es kein natürliches Zeitgefühl mehr. Die Sonne, der Wind, das Vergehen der Stunden – all das war draußen geblieben, jenseits der meterdicken Stahlbetonwände und des ewigen Eises der Berge. Das künstliche Licht in den Deckenpaneelen war immer gleichmäßig gedimmt, eine ewige, künstliche Dämmerung in bernsteinfarbenen Tönen, die Silas' wachsende, paranoide Besessenheit nur noch mehr befeuerte. In dieser künstlichen Geborgenheit fühlte sich jede Minute wie eine Ewigkeit an.Ich erwachte allein in den schwarzen, kühlen Seidenlaken des riesigen Bettes. Mein Körper schmerzte dumpf von der ungeheuren, fast schon gewaltsamen Intensität der letzten Stunden – ein süßer, brennender Schmerz in meinen Muskeln, der mich bei jeder kleinsten Bewegung grausam-schön an jede einzelne, besitzergreifende Berührung seiner großen, tätowierten Hände erinnerte. Er hatte mich gezeichnet, nicht nur mit seinen Lippen, sondern mit seinem gesamten
Der Aufzug glitt lautlos in die Tiefe. Es war eine beängstigende Geschmeidigkeit, als würde er uns direkt in den Schlund der Erde befördern. Es gab keine Fenster mehr, keine Verbindung nach draußen, nur das matte Leuchten der digitalen Anzeige und das verzerrte Spiegelbild von uns beiden in den kühlen Stahlwänden. Silas stand wie eine Mauer hinter mir. Seine Hand war fest um meine Taille geschlossen, aber der Griff hatte nichts Beschützendes mehr. Er war rein besitzergreifend, fast krampfhaft, als hätte er Angst, ich könnte mich zwischen den Stockwerken einfach auflösen. Ich spürte das Zittern seiner Muskeln und diese unnatürliche, fiebrige Hitze, die von ihm ausging. Er war wie ein Kessel kurz vor der Explosion. Die Türen öffneten sich schließlich zu einem Bereich, der nichts mit der sterilen Kälte eines gewöhnlichen Bunkers zu tun hatte. Es war ein Refugium aus tiefschwarzem Marmor, schwerem Samt und einem bernsteinfarbenen Licht, das die Schatten an den Wänden tanzen ließ. Es ro
Die brennende Hitze unseres Ausbruchs auf dem Schieferboden war kaum verflogen, da wirkte das grelle Licht der Alpen schon wie ein Verhörscheinwerfer. Es fiel unerbittlich durch die Glasfronten und machte jede Spur des Morgens – den verschütteten Wein, die zerknitterte Kleidung – schmerzhaft sichtbar. Silas lag schwer über mir, sein Atem ging stoßweise. Ich spürte das Pochen seines Herzens, ein wilder, unregelmäßiger Rhythmus. Aber sein Blick war nicht mehr bei mir. Er starrte am Frühstückstisch vorbei auf den Master-Monitor in der Ecke.„Silas?“, flüsterte ich und strich über seinen Rücken, versuchte, ihn zurückzuholen.Er antwortete nicht. Er stieß sich ab, so abrupt, dass mir schlagartig eiskalt wurde. Er griff nach seinem Sakko, schlüpfte hinein und ließ mich nackt und schutzlos auf dem Stein zurück. In Sekunden war er wieder der eiskalte Herrscher von Le Sommet.„Bleib hier“, befahl er. Seine Stimme klang wie gefrorenes Metall.Er trat zum Terminal. Das blaue Leuchten des Bil
Die Tage in Le Sommet verschwammen zu einer einzigen, zähen Ewigkeit aus Schnee, Seide und dem schweren Geruch von Sandelholz. Hier oben, über der Welt, gab es keine normale Zeit mehr. Es gab nur noch das unnatürliche Licht der Sonne, das sich an den messerscharfen Gipfeln brach, und Silas’ ständige, dunkle Präsenz. Er hatte die Welt da draußen mit einer beängstigenden Gründlichkeit einfach ausgeknipst. Es gab kein Internet, keine Nachrichten, kein Telefon. Nur das ständige, fast unhörbare Surren der Belüftung und das rhythmische Blinken der Ikarus-Kameras, die wie rote Insektenaugen über jede unserer Bewegungen wachten.Ich erwachte an diesem Morgen in dem riesigen Bett aus schwarzer Seide. Der Stoff fühlte sich kühl und fast klebrig auf meiner Haut an. Silas war bereits auf, wie immer. Er saß am Fußende des Bettes, und der bloße Anblick raubte mir die Luft. Er trug ein schwarzes Sakko direkt auf der nackten Haut – ein provokanter Anblick, der seine Tätowierungen wie dunkle Narben
Die Landung auf der schmalen Asphaltpiste war hart. Das Fahrwerk schlug gegen den gefrorenen Boden, ein mechanischer Schock, der durch meine Wirbelsäule bis in den Kopf schoss. Es passte zu der bleiernen Stille, die darauf folgte. Als die hydraulische Tür mit einem Zischen aufschwang, peitschte uns die Bergluft entgegen. Sie war dünn, eiskalt und so scharf, dass sie beim ersten Einatmen wie flüssiges Glas in der Lunge brannte. Vor uns, eingebettet in die Finsternis der Gipfel, ragte das Chalet auf. Es war kein gemütlicher Ort für einen Winterurlaub. Es war ein Monolith aus dunklem Holz, Stahl und Panzerglas, der sich wie eine mechanische Festung in den schroffen Fels krallte. Hier oben gab es nichts als den Schnee und das Schweigen der Berge. Silas wartete nicht auf das Personal, das im Hintergrund wie Schatten bereitstand. Er packte meine Hand mit einem Griff, der mir fast die Knochen stauchte, und zog mich schweigend über den glitzernden Asphalt. Er trug noch immer keinen Mante