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Kapitel 4: Die Beute und der Jäger

Author: Déesse
last update Last Updated: 2026-02-06 23:43:34

Gabriel

Die Entscheidung trifft mich mit der kalten Klarheit einer Klinge. Diese Spannung, die mich obsessiv verfolgt, dieser Wunsch, der mich zerfrisst, ich werde ihn zu einer Waffe machen. Mein Vater weigert sich, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen? Sehr gut. Ich werde sie ihm vor die Augen halten. Ich werde diese Schauspielerin entlarven, ihr die Maske der treuen Ehefrau entreißen und die Opportunistin enthüllen, die darunter verborgen ist. Sie verführen. Sie zum Brechen bringen. Meinem Vater beweisen, dass sie nicht zuverlässig ist, dass sie nicht aufrichtig ist, dass sie fähig ist, ihn mit seinem eigenen Sohn zu betrügen.

Es ist die beste Lösung. Die einzige. Das rechtfertigt alles. Das rechtfertigt die krankhafte Aufmerksamkeit, die ich ihr widme, die Pläne, die ich im Schatten schmiede. Das rechtfertigt den beschleunigten Herzschlag, der mich überkommt, wenn sie einen Raum betritt. Es ist für einen guten Zweck. Einen familiären Zweck.

Ich werde zum Strategen. Zum Jäger.

Ich wähle meine Kleidung mit besonderer Sorgfalt. Eine Jeans, die mir passt, ein T-Shirt, das die Muskeln meiner Arme und meines Oberkörpers erahnen lässt. Ich will, dass sie schaut. Dass sie sich nicht zurückhalten kann. Morgens betrete ich die Küche, während sie den Kaffee zubereitet. Ich bewege mich mit kalkulierter Langsamkeit, wissend, dass jede Bewegung beobachtet wird.

— Du bist heute früh dran, bemerkt sie, ohne mich anzusehen.

Ihre Stimme ist neutral, aber ich sehe die feine Spannung in ihrem Nacken.

— Ich hatte Dinge im Kopf. Dinge, die mich wach gehalten haben.

Ich nähere mich der Theke, stelle mich absichtlich neben sie, um eine Tasse zu nehmen. Unser Arm streift sich. Ein Blitz. Sie erstarrt, die Hand über der Kaffeemaschine schwebend. Ich rieche den dezenten Duft ihres Shampoos, eine Mischung aus Vanille und Mandel. Es ist berauschend.

— Entschuldigung, sage ich, ohne auch nur einen Zentimeter zurückzuweichen.

Ich lasse das Wort und den Kontakt in der Luft hängen. Ihr Atem geht schneller. Ich sehe es an der leichten Bewegung ihrer Schultern. Gut. Sie ist nicht gefühllos. Das ist eine gute Nachricht für meinen Plan. Eine sehr gute Nachricht.

Später finde ich sie in der Bibliothek, wie sie Bücher ordnet. Die Gelegenheit ist zu verlockend. Ich schliche mich von hinten an, lautlos wie ein Raubtier.

— Brauchst du Hilfe?

Sie zuckt zusammen und dreht sich um, eine Hand auf ihrem Herzen. Ihre Augen sind weit aufgerissen, ihr schönes Gesicht verwirrt.

— Gabriel! Du hast mir Angst gemacht.

— Das war nicht meine Absicht, lüge ich.

Ich nehme das Buch, das sie hielt. Unsere Finger berühren sich. Sie zieht ihre Hand zurück, als hätte sie sich verbrannt. Ein inneres Lächeln durchzuckt mich. Die Beute hat den Haken gebissen.

— Ich kann die oberen Regale erreichen, schlage ich vor.

Ich beuge mich über sie, um das Buch zu verstauen, hülle sie in meinen Schatten, in meine Präsenz. Ich bleibe eine Sekunde zu lange dort, mein Oberkörper fast an ihrem Rücken. Ich atme tief ein, als wollte ich ihr Wesen aufsaugen. Sie ist steif wie ein Pfahl, unfähig sich zu bewegen. Ich könnte fast den Tumult in ihrem Kopf hören.

— Hier, murmle ich nahe an ihrem Ohr.

Endlich ziehe ich mich zurück und sehe ihre erröteten Wangen, ihre leicht geöffneten Lippen. Sie ertrinkt, und sie weiß es.

— Ich... ich muss das Abendessen vorbereiten, stammelt sie und schlüpft aus dem Raum.

Ich sehe ihr nach, ein Gefühl des bösen Triumphes überkommt mich. Es ist zu einfach. Sie ist bereits halb erobert, zerfressen von einem Verlangen, das sie für schuldig hält. Ich werde erfolgreich sein. Ich werde sie in meine Fänge nehmen, und wenn mein Vater sieht, wie sie sich ergibt, wird er endlich verstehen. Er wird die Frau sehen, die sie wirklich ist.

Heute Abend, während des Abendessens, gehe ich zum nächsten Schritt über. Ich sehe sie an. Nicht herausfordernd, nein. Mit einer anhaltenden Intensität, voller Untertöne. Jedes Mal, wenn sie die Augen hebt, erwartet mein Blick sie. Ich lächle leicht, als sie stottert, während sie auf eine Frage meines Vaters antwortet. Ich werde zum Spiegel, der ihr eigenes Verwirrspiel, ihre wachsende Unruhe zurückwirft.

— Reine, du scheinst heute Abend abgelenkt, bemerkt mein Vater besorgt.

— Nein, ich... nur ein wenig müde.

Ihr Blick trifft meinen. Ich sehe Panik darin. Und etwas anderes. Ein Funke von Herausforderung, von Wut. Sie hasst diese Macht, die ich über sie habe. Aber sie kann sich nicht dagegen wehren. Das ist das Aufregendste.

Später, als die Nacht hereinbricht, geselle ich mich zu ihr auf die Terrasse, wo sie frische Luft schnappen kommt. Sie lehnt an der Balustrade, die Arme verschränkt, als wolle sie sich vor der Welt schützen. Und vor mir.

— Du läufst wieder weg, stelle ich fest.

Sie dreht sich um, ihr Gesicht vom Mondlicht erhellt.

— Was willst du, Gabriel? Warum verfolgst du mich?

— Ich verfolge dich nicht. Ich beobachte dich.

— Warum?

Ich trete näher, reduziere den Abstand zwischen uns auf nichts. Die Luft ist elektrisch.

— Weil ich sehe, was die anderen nicht sehen. Ich sehe die Frau, die sich hinter der Ehefrau verbirgt. Und diese Frau... sie interessiert mich.

Ich hebe eine Hand und streiche über eine Strähne ihrer Haare, die ihr über die Wange gefallen ist. Sie hält den Atem an, ihre Augen in meinen versunken, eine Mischung aus Angst und Faszination.

— Hör auf, flüstert sie, aber es ist ein Gebet, kein Befehl.

— Warum? Weil es falsch ist? Oder weil du Angst hast, es zu lieben?

Ich lasse meine Hand sinken, streiche kaum über die Haut ihres Halses. Sie schaudert. Ich bin so nah, dass ich sie küssen könnte. Die Versuchung ist beinahe schmerzhaft. In diesem Moment wird mir mit blinder Klarheit die gefährliche Wahrheit bewusst.

Ich spiele nicht mehr Theater. Es geht nicht mehr um meinen Vater. Es geht um mich. Ich will sie. Nicht um irgendetwas zu beweisen. Nur für sie. Für diesen Moment. Für dieses Prickeln.

Und diese Erkenntnis ist tausendmal beängstigender als jeder Verführungsplan. Denn ich bin nicht mehr der kontrollierte Jäger. Ich bin ein Mann am Rand des Abgrunds, der für die Frau fällt, die ich eigentlich zerstören sollte.

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