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Kapitel 3

last update publish date: 2026-06-22 16:45:56

Das Erwachen des Blutes

Der Schmerz in meiner Seite brannte wie Feuer, das sich durch meine Adern fraß. Lucians Arme hielten mich fest umschlungen, während er durch den dichten Wald rannte. Jeder seiner Schritte sandte Wellen der Qual durch meinen Körper, doch sein Duft, diese Mischung aus wilder Stärke und tiefer Reue, umhüllte mich wie ein schützender Mantel. Mein Wolf winselte in mir, drängte mich, mich an ihn zu schmiegen, den Bund anzunehmen. Aber der Verrat, der frische Dolchstoß und die Worte von Darius hallten noch immer in meinem Kopf wider. Cousine. Fluch. Alles verband sich zu einem Netz aus Lügen, das ich zu entwirren versuchte, während die Welt um mich verschwamm.

„Halte durch, Elara“, murmelte Lucian nah an meinem Ohr. Seine Stimme war rau, gebrochen von Sorge. „Ich bringe dich in Sicherheit. Thorne, sichere den Pfad!“ Sein Beta nickte und verschwand mit den verbliebenen Kriegern in den Schatten, um mögliche Verfolger abzuwehren. Das Blut aus meiner Wunde sickerte warm über meine Haut und tränkte Lucians Hemd. Ich spürte, wie meine Kräfte schwanden. Der Wandel hatte mich bereits geschwächt, und dieser Verrat aus den eigenen Reihen von Lucian machte alles noch schlimmer.

Wir erreichten eine verborgene Höhle am Fuße eines Berges, versteckt hinter Ranken und Felsen. Lucian legte mich vorsichtig auf eine Decke, die einer seiner Männer ausgebreitet hatte. Das Licht des nahenden Morgens filterte schwach herein, tauchte alles in ein düsteres Grau. Mira und die anderen Geretteten kauerten in einer Ecke, ihre Augen voller Angst. „Elara, was passiert hier?“, flüsterte Mira, doch Lucian scheuchte sie sanft weg.

„Gib uns einen Moment.“ Er kniete sich neben mich, seine großen Hände zitterten leicht, als er mein Gewand beiseiteschob, um die Wunde zu betrachten. Die Berührung war sanft, fast ehrfürchtig, doch ich spürte die unterdrückte Wut in ihm. „Das ist nicht tief, aber vergiftet. Der Dolch trug das Zeichen der alten Flüche.“

Ich biss die Zähne zusammen und sah ihn an. Seine grauen Augen mit den goldenen Flecken waren voller Schatten. „Warum sollte einer deiner eigenen Männer mich angreifen? Und was meint Darius damit, dass ich seine Cousine bin? Sprich endlich, Lucian. Keine halben Wahrheiten mehr.“

Er seufzte schwer, riss ein Stück Stoff von seinem Hemd und presste es auf die Wunde. Der Druck ließ mich aufkeuchen. „Deine Familie war nicht menschlich, wie du dachtest. Deine Mutter stammte aus einer alten Linie, verbunden mit den ersten Wölfen. Darius ist der Sohn ihres Bruders, ein Rivale, der seit Jahren nach Macht strebt. Der Fluch in eurem Blut macht euch zu Schlüsseln für alte Rituale. Mein Vater wusste davon. Er hat mich manipuliert, damit ich dich zurückweise, um zu verhindern, dass du unser Rudel mit dieser Macht destabilisierst. Ich habe es geglaubt. Bis es zu spät war.“

Seine Worte trafen mich wie weitere Dolche. Erinnerungen an meine Kindheit flackerten auf: die seltsamen Geschichten meiner Mutter über Monde und Schicksale, die Narben an ihren Armen, die ich nie erklärt hatte. „Und der Biss? Der Verrat vor dem Rudel?“ Meine Stimme brach.

Lucian beugte sich tiefer, seine Stirn berührte fast meine. „Der Biss war der einzige Weg, dich zu retten. Sie wollten dich töten. Ich habe dich teilweise gewandelt, um den Bund zu aktivieren und dich stark genug zu machen für die Flucht. Es war ein verzweifelter Akt. Jeden Tag seitdem habe ich es bereut. Der Bund hat mich gequält, Elara. Nächte, in denen ich allein heulte, weil ich dich verloren hatte.“

Tränen liefen über meine Wangen. Die Dunkelheit in seiner Stimme, die echte Qual, berührte etwas in mir. Mein Wolf drängte stärker, wollte ihn trösten, ihn beanspruchen. Doch der Schmerz in meiner Seite erinnerte mich an die Realität. „Beweise es. Hilf mir jetzt.“

Er nickte und rief nach Selene. Eine Frau mit silbernem Haar und weisen Augen trat ein, eine Heilerin aus den verborgenen Zirkeln. Sie hatte uns auf dem Weg begleitet. „Der Fluch reagiert auf ihr Blut. Ich kann ihn vorübergehend lindern, aber der volle Mond wird mehr enthüllen.“ Selene mischte Kräuter und murmelte alte Worte. Die Salbe kühlte die Wunde, doch ein inneres Brennen blieb.

Während sie arbeitete, hielt Lucian meine Hand. Seine Finger verschränkten sich mit meinen, stark und warm. In diesem Moment der Schwäche erlaubte ich mir, die Anziehung zu spüren. Die Luft knisterte. Als Selene ging, zog Lucian mich vorsichtig an sich. „Lass mich dir zeigen, dass ich mich geändert habe.“ Sein Kuss war diesmal langsamer, tiefer. Voller Reue und Verlangen. Seine Lippen erforschten meine, seine Hände glitten über meinen Rücken, vermieden die Wunde. Hitze breitete sich aus, eine dunkle, verbotene Leidenschaft. Ich erwiderte den Kuss, mein Körper reagierte trotz allem. Der Bund sang laut in mir, verband unsere Herzen in einem Rhythmus aus Feuer und Sehnsucht.

Wir sprachen nicht viel in diesen Stunden. Stattdessen teilten wir Berührungen, die heilten und quälten zugleich. Er erzählte leise von den Nächten, in denen er mein Bild gesucht hatte, von Entscheidungen, die er getroffen hatte, um das Rudel besser zu machen, inspiriert von meiner Stärke. „Ich habe Rogues aufgenommen, weil ich hoffte, du würdest unter ihnen sein. Dein Zufluchtsort war ein Zeichen. Ich bin gekommen, um dich zurückzuholen, nicht als Alpha, sondern als Mann, der dich liebt.“

Seine Worte wickelten sich um mein Herz. Doch Zweifel nagten. War das echte Erlösung oder nur ein weiterer Trick des Bundes? Die Wunde heilte langsam, und ich spürte, wie meine Kräfte zurückkehrten. Mira brachte Essen, und wir aßen schweigend. Draußen patrouillierten die Wachen.

Als der Tag voranschritt, verließen wir die Höhle. Der Weg zum Schattenfang Territorium war lang und gefährlich. Lucian ritt neben mir, sein Pferd dicht an meinem. Thorne berichtete von weiteren Spionen. „Die Ältesten fordern eine Prüfung. Sie glauben, Elara bringt den Untergang.“

Ich lachte bitter. „Vielleicht tun sie das zu Recht. Darius will mich für den Fluch. Was ist das genau?“

Lucian erklärte es in gedämpftem Ton. „Ein alter Bund zwischen unseren Linien. Dein Blut kann den Blutmond verstärken oder brechen. Darius will es nutzen, um alle Rudel zu unterwerfen. Mein Vater hat es gefürchtet und versucht, es zu stoppen, indem er uns trennte.“

Die Enthüllungen lasteten schwer auf mir. Jede Meile brachte neue Fragen. Wir rasteten an einem Fluss, wo ich meine Wunde wusch. Lucian stand Wache, doch seine Blicke wanderten immer wieder zu mir. Die Spannung zwischen uns wuchs. In einem unbeobachteten Moment zog er mich ins Unterholz. „Ich kann nicht länger warten“, flüsterte er. Seine Hände waren fordernd, seine Küsse hungrig. Wir teilten einen intensiven, dunklen Moment der Nähe, Körper an Körper, der Bund pulsierend. Es war keine volle Vereinigung, doch es reichte, um mich zittern zu lassen vor Verlangen und Angst. Die Reue in seinen Augen war echt, als er sich zurückzog. „Ich werde warten, bis du bereit bist. Vollkommen.“

Die Nacht brach herein, und wir setzten den Weg fort. Plötzlich hörten wir Geräusche. Verfolger. Darius’ Truppen holten auf. Ein Kampf brach aus, kürzer diesmal, aber brutal. Ich kämpfte trotz der Verletzung, mein Wolf stärker als je zuvor. Lucian schützte mich mit seinem Leben, tötete mehrere Angreifer mit roher Kraft.

Nach dem Gefecht fanden wir ein Lager der Feinde. Dort lag ein Dokument. Lucian las es und erstarrte. „Es ist schlimmer. Darius hat Verbündete in meinem Rudel. Und... es gibt Hinweise, dass du mehr bist als eine Cousine. Du könntest die Auserwählte der Prophezeiung sein.“

Bevor ich antworten konnte, ertönte ein Schrei. Thorne kam zurück, blutend. „Alpha! Die Ältesten haben zugeschlagen. Sie haben Selene gefangen und fordern Elaras Auslieferung. Sonst zerstören sie alles.“

Mein Herz sank. Lucian brüllte vor Wut. „Wir reiten sofort. Elara, bleib nah bei mir.“

Wir galoppierten durch die Dunkelheit. Die Wunde pochte, doch der Bund gab mir Kraft. Als wir die Grenzen des Territoriums erreichten, sahen wir Rauch am Horizont. Das Rudel war in Aufruhr. Krieger warteten, einige loyal, andere feindselig.

Lucian hob mich vom Pferd und trug mich in die große Halle. Die Ältesten saßen dort, ihre Gesichter hart. „Die Fremde bringt den Fluch!“, rief einer. „Opfert sie, um das Rudel zu retten.“

Lucian stellte sich schützend vor mich. „Sie ist meine Gefährtin. Wer sie anrührt, stirbt.“

Die Spannung war greifbar. Ich spürte Blicke, Neid und Angst. In diesem Moment fühlte ich eine neue Macht in mir erwachen, das Blut meiner Linie. Doch dann, als Lucian sprach, kam der nächste Schlag. Ein Bote stürmte herein. „Darius naht mit einer Armee. Und er hat Beweise, dass Lucian vor Jahren nicht nur Elara verraten hat, sondern auch ihren wahren Gefährtenstatus verborgen hielt, um selbst die Macht zu erlangen.“

Lucian wandte sich mir zu, sein Gesicht aschfahl. Die Wahrheit in seinen Augen war schmerzhaft. Hatte er noch mehr verborgen? Der Bund zog, doch der Verrat drohte erneut.

Während die Halle in Chaos ausbrach und Darius’ Heulen in der Ferne erklang, flüsterte ich: „Sag mir alles, Lucian. Jetzt.“ Doch ein plötzlicher Angriff von innen, ein Pfeil aus den Reihen der Ältesten, zielte direkt auf mich. Lucian warf sich dazwischen, getroffen in die Schulter. Blut floss, und er sackte zusammen.

„Elara... lauf...“, keuchte er. Die Welt explodierte in Kampf. Darius’ Truppen brachen durch die Tore. Mein Blut kochte, der Wolf brüllte.

Würde Lucians Reue ausreichen, um uns beide zu retten, oder würde dieser Verrat der Anfang vom Ende sein? Die Prophezeiung erwachte, und mein Schicksal hing am seidenen Faden des nächsten Mondes.

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