Share

Kapitel 5

Author: Jadenacht
Als Stella an den Entwurf für die Reisterrassen von Drachenbucht dachte, an dem sie monatelang gearbeitet hatte, wurde der Spott in ihrem kalten Blick noch schärfer.

Zwischen Stella und Fabian trat völlige Stille ein.

Erst nach fast einer halben Minute fragte Fabian mit mühsam beherrschter Stimme: „Was soll das heißen?“

Fabian fragte weiter: „Weswegen willst du Isabelle verklagen?“

Als Fabian die Worte „gerichtliche Vorladung“ hörte, setzte sein Herz für einen Moment aus.

Fabians Blick auf Stella verlor jede Wärme.

Stella sah ihren Mann spöttisch an. „Was glaubst du denn? Fabian, du hast mir damals mitgeteilt, dass mein Entwurf für das Tourismusprojekt an den Reisterrassen von Drachenbucht abgelehnt wurde, oder?“

Stella fragte: „Wurde wirklich mein Entwurf aussortiert, oder hast du mich aus dem Wettbewerb gedrängt?“

Für einen langen Augenblick sagte keiner von beiden etwas.

Nur Regen und Wind waren vor den Fenstern zu hören. Doch selbst das Unwetter konnte die drückende Spannung zwischen Stella und Fabian nicht lösen.

Stella warf einen Blick auf Fabians Hand, die noch immer die Türkante festhielt. „Kannst du jetzt loslassen?“

Fabians Gesicht wirkte steif.

Fabian brachte mit gepresster Stimme hervor: „Es ist nicht so, wie du denkst.“

Stella erwiderte: „Du musst mir nichts erklären. Heb dir deine Worte für den Richter auf.“

Fabian rief: „Stella!“

Stella sagte nur: „Lass los!“

Fabian fragte: „Musst du die Familie wirklich so weit auseinanderreißen?“

Stella verstummte.

Stella wusste nun, wie vollkommene Ernüchterung sich anfühlte.

Stella lachte kalt. „Familie ...“

Fabian wollte seiner Frau keine vernünftige Erklärung geben. Vielleicht konnte er schlicht keine geben.

Ausgerechnet jetzt das Wort „Familie“ zu benutzen, war für Stella unerträglich widerwärtig.

Stella drückte erneut kräftiger gegen die Tür. Fabian hielt die Kante noch fester.

Fabian sagte: „Du darfst Isabelle nicht verklagen. Sie hat gerade erst entbunden.“

Stella schwieg.

Isabelle hatte gerade erst entbunden. Was für ein überzeugendes Argument.

Stella hatte wegen ihrer Schwägerin zwei Kinder verloren. Fabian glaubte ihr nicht einmal, dass sie schwanger gewesen war, und hielt alles für einen weiteren Streit.

Jetzt wollte Stella Isabelle verklagen, und plötzlich geriet Fabian in Panik.

Stella schloss die Augen, hob erneut das Bein und trat nach ihrem Mann.

Dieses Mal war Fabian vorbereitet. Sein Körper reagierte instinktiv, und er ließ die Tür los.

Bevor Fabian begriff, was geschah, schlug die Tür mit einem Knall vor seinem Gesicht zu.

Fabian hämmerte wie besessen gegen die Tür. „Stella, mach auf. Wir müssen reden!“

Stella lehnte mit unbewegter Miene an der Innenseite der Tür. „Sprich mit meinem Anwalt.“

Als Fabian draußen das Wort „Anwalt“ hörte, schnürte sich seine Brust noch stärker zusammen.

Stella ging direkt ins Schlafzimmer und schloss die Tür hinter sich.

Stella kroch unter die Decke und schirmte sich vollständig von den Geräuschen draußen ab.

Stella wusste nicht, wie lange die Klingel und Fabians Schläge gegen die Tür anhielten. Irgendwann wurde es still.

Stella schlief unruhig. Ihr geschwächter Körper ließ sie immer wieder in wirre Träume sinken.

Mitten in der Nacht rüttelte jemand Stella wach.

Jana rief besorgt: „Stella, Stella.“

In Stellas fiebrigem Körper wechselten eisige Kälte und brennende Hitze einander ab.

Stella öffnete benommen die Augen und erkannte ihre Freundin.

„Jana.“

Jana sagte hastig: „Du hast Fieber. Ich bringe dich ins Krankenhaus.“

Janas Stimme zitterte vor Sorge.

Jana war auch mitten in der Nacht unruhig geblieben. Deshalb war sie mit einer Haushaltshilfe ihrer Familie zur Parkresidenz zurückgekehrt, um Stella zu versorgen.

Zum Glück war Jana gekommen.

Hätte Stella bis zum Morgen weiter so hoch gefiebert, hätte das gefährlich werden können.

Janas Handy vibrierte ununterbrochen. Fabian rief an.

Jana war von Fabian zutiefst genervt.

Erst nachdem Jana Stella ins Auto gebracht hatte, nahm Jana den Anruf an. „Was willst du?“

Fabian sagte: „Richte Stella etwas aus. Egal, wie wütend sie auf Isabelle ist, sie soll warten, bis ihre Schwägerin sich von der Geburt erholt hat.“

Jana schrie: „Fabian, du verdammtes Arschloch!“

Stella hörte Fabians Worte benommen über den Lautsprecher. Ihr Herz wurde noch kälter.

Jana sah die geschwächte Stella an.

Jana brüllte: „Um Isabelles Erholung nach der Geburt machst du dir große Sorgen, aber deine Frau hat gerade ihr Kind ver...“

Bevor Jana den Satz beenden konnte, wurde ihr das Handy aus der Hand gerissen.

Jana drehte sich um und sah, dass Stella den Anruf sofort beendet hatte.

Jana fragte aufgebracht: „Was soll das? Lass mich Fabian zur Hölle schicken.“

Jana glaubte, vor Wut den Verstand zu verlieren.

Selbst Jana als Außenstehende wurde von Fabian zur Weißglut getrieben. Sie konnte kaum begreifen, wie ihre geliebte Freundin die vergangenen Monate ausgehalten hatte.

Jana sah Stella voller Schmerz an.

Stella sagte: „Fabian glaubt es ohnehin nicht. Wenn du ihm davon erzählst, verschwendest du nur deine Kraft.“

Jana schwieg.

Jana musste ihrer Freundin recht geben. In den vergangenen sechs Monaten hatte Stella wegen Isabelle oft genug mit Fabian gestritten.

Fabian hatte trotzdem keinerlei Rücksicht genommen. Sein Verhalten war immer schlimmer geworden, und diesmal hatte er Isabelle sogar bei der Entbindung begleitet.

Allein der Gedanke daran machte Jana erneut wütend.

Stella verengte die Augen. „Erwähne meine Fehlgeburt Fabian gegenüber nicht mehr.“

Jana fragte: „Warum?“

Warum sollte Stella es noch erzählen?

Fabian hielt Stellas Schwangerschaft und Fehlgeburt ohnehin für eine Lüge.

Nach mehreren Ehejahren bestand zwischen Stella und Fabian nicht einmal mehr grundlegendes Vertrauen. Sie wollte nichts Weiteres mehr von ihm.

Stella sagte: „Ich habe mich ohnehin für die Scheidung entschieden. Ich will einen klaren, endgültigen Schlussstrich.“

Stella wollte auch Fabians Schuldgefühle nicht.

Schuldgefühle bedeuteten nur weiteres Festhalten und endlose Verwicklungen.

Jana verstand Stellas Absicht und empfand noch mehr Schmerz für sie.

„Dieser Bastard!“ Jana war außer sich vor Wut.

Jana sagte schließlich: „Gut. Ich bringe dich jetzt zuerst ins Krankenhaus.“

Als Jana sah, wie kraftlos Stella war, sprach sie nicht weiter darüber.

Früher standen Stella und Fabian sich so nahe. Nun war ihre Beziehung an einem Punkt angekommen, an dem Stella weder Liebe noch Hass zurückbehalten wollte.

Jana brachte die geschwächte Stella ins Krankenhaus.

Im Krankenhaus trafen Jana und Stella ausgerechnet auf Fabian und Isabelle.

Fabian trug eines der Babys im Arm. Mehrere Personen folgten ihm.

Isabelle saß in einem Rollstuhl.

Eine Angestellte schob Isabelle hinter Fabian her. Die frischgebackene Mutter wischte sich die Tränen ab. „Fabian, mit dem Baby darf nichts passieren.“

Fabian beruhigte Isabelle mit sanfter Stimme. „Keine Sorge. Dem Baby wird nichts passieren.“

Zum ersten Mal in diesen sechs Monaten hörte Stella echte, aufrichtige Sanftheit in Fabians Stimme.

Fabians Ton gegenüber Isabelle war völlig anders als das oberflächliche Beschwichtigen, mit dem er seine Frau sonst abspeiste.

Stella hörte deutlich, dass Fabian Isabelle ernsthaft und geduldig beruhigte.

Als Stella und Jana an Fabian und Isabelle vorbeigingen, erkannte Fabian seine Frau.

Fabian blieb stehen und öffnete den Mund, um etwas zu sagen.

Bevor Fabian sprechen konnte, weinte Isabelle noch heftiger. „Fabian, wenn mit dem Baby etwas passiert, will ich auch nicht mehr leben.“

Schließlich wandte Fabian den Blick von Stellas kreidebleichem Gesicht ab und ging mit großen Schritten weiter.

Die übrigen Personen folgten Fabian und schoben Isabelle hinterher.

Stellas Wut spielte in diesem Augenblick keine Rolle mehr. Jana zitterte jedoch am ganzen Körper vor Zorn.

Jana rief: „Fabian, bleib stehen, du verdammter ... Stella? Stella!“

Stella glitt plötzlich aus Janas Armen zu Boden. Die Freundin fing sie erschrocken auf.

Fabian hatte gerade den Aufzug erreicht, als er Janas Schrei hörte und sich unwillkürlich umdrehte.

Fabian sah, wie Jana Stella festhielt und verzweifelt rief: „Ein Arzt! Bitte, wir brauchen sofort Hilfe!“

Fabians Herz setzte für einen Moment aus.

Fabian drückte das Baby instinktiv der Person neben sich in die Arme und lief auf seine Frau zu.

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • Scheidung! Stella dreht den Spieß um   Kapitel 30

    Hatte Henrik etwa jemanden geschickt, um Stella heimlich abzuholen?Fabian rief sich zähneknirschend ins Gedächtnis, dass er in den vergangenen sechs Monaten fast zwei Drittel seiner Zeit auf dem Familienanwesen verbracht hatte.Unter diesen Umständen war es absolut nicht ausgeschlossen, dass Stella in dieser unbewachten Zeit hinter Fabians Rücken Kontakt zu Henrik geknüpft hatte.Fabians Atem ging schlagartig flacher und schneller.„Finden Sie sofort heraus, wohin dieser verdammte Mann aus Varen Stella gebracht hat! Und außerdem ...“, stieß Fabian dunkel hervor.Bei diesen letzten Worten gefror plötzlich jede Regung auf Fabians Gesicht.„Vergessen Sie den Rest. Verfolgen Sie zuerst ausschließlich diese eine Spur.“ Fabian änderte eiskalt seine Anweisung.„Wird sofort erledigt, Herr Hartmann.“ Lukas nickte gehorsam.Lukas verließ eilig das Büro.Sobald Fabian allein war, griff er nach dem Telefon und wählte ohne zu zögern Henriks Nummer.Henrik nahm den Anruf nach nur wenigen Sekunden e

  • Scheidung! Stella dreht den Spieß um   Kapitel 29

    Nach dem Mittagessen überkam Stella eine sanfte Müdigkeit.Kaum hatte Stella sich ins Bett gelegt, riss sie das Summen einer eingehenden Nachricht aus dem Halbschlaf.Als Stella einen flüchtigen Blick auf das Display warf, entdeckte sie eine Mitteilung ihrer Bank: Die Karte war erfolgreich gekündigt worden.Die Karte war gekündigt?Stella prüfte die angezeigte Kartennummer genauer. Es handelte sich exakt um jene Karte, die Fabian früher über Lukas für Stella hatte einrichten lassen.Die Karte lief offiziell auf Fabians Namen, war jedoch mit Stellas Telefonnummer verknüpft.Nun war diese Karte also einfach gekündigt worden.Dann hatte Fabian vermutlich auch gleich die beiden Zusatzkarten sperren lassen, die er Stella damals überlassen hatte.Ein spöttisches Lächeln zuckte um Stellas Lippen ...Glaubte Fabian ernsthaft, Stella hätte die mediale Hetzjagd gegen Isabelle mit seinem Geld finanziert? Meinte Fabian wirklich, die Sperrung von Stellas Karten könnte sie aufhalten?Dann sollte Fab

  • Scheidung! Stella dreht den Spieß um   Kapitel 28

    Die Entwicklung verlief genau so, wie Stella es vorausgeahnt hatte.Während Stella als Einzige in aller Ruhe eine Mahlzeit genießen konnte, standen sämtliche Mitglieder der Familie Hartmann kurz davor, völlig die Beherrschung zu verlieren.Besonders Fabian stand zunehmend unter massivem Druck.„Herr Hartmann, die Berichterstattung über Isabelle lässt sich absolut nicht unterdrücken“, meldete Lukas, nachdem die Berichte den gesamten Vormittag über immer weitere Kreise gezogen hatten.Fabians Gesicht verfinsterte sich augenblicklich.„Was haben Sie da gerade gesagt?“, fragte Fabian und richtete einen scharfen, beinahe raubvogelhaften Blick auf Lukas. Fabians tiefe Stimme schwang dabei unmissverständlich gefährlich mit.Was sollte das heißen, die Berichte ließen sich nicht unterdrücken? In Hafenburg gab es bisher kaum etwas, das sich dem enormen Einfluss der Hartmanns entziehen konnte.„Wir haben sämtliche Accounts in Hafenburg bereits unter Kontrolle gebracht. Die IP-Adressen der Konten,

  • Scheidung! Stella dreht den Spieß um   Kapitel 27

    Stella hatte tatsächlich sämtliche Nummern der Menschen blockiert, die zu Fabians Umfeld gehörten.Auch Vincent stand auf Stellas Sperrliste.„Was soll Fabian schon auf den Kopf stellen? Mehr als die Parkresidenz und Janas Wohnung kann er schließlich nicht durchsuchen“, entgegnete Stella unbeeindruckt.„Genau. Und weil Fabian dich dort nicht gefunden hat, dreht er jetzt völlig durch“, bestätigte Vincent.„Also hat Fabian dich geschickt, um mich zu suchen?“, fragte Stella und zog argwöhnisch die Brauen zusammen.„Natürlich. Du brauchst mir aber nicht zu verraten, wo du dich aufhältst“, gab Vincent offen zu.Stella schwieg kurz und ließ den Blick durch die Galerie schweifen.Bevor Stella jedoch etwas einwenden konnte, versicherte Vincent hastig: „Keine Sorge. Ich habe Fabian mit keinem Wort erzählt, dass dir Ateliers und Galerien gehören.“Gerade jetzt, da der Streit derart eskalierte, wollte Vincent Fabian in dieser Angelegenheit nicht blind helfen.Fabian hatte in den vergangenen Monat

  • Scheidung! Stella dreht den Spieß um   Kapitel 26

    Fabian war in Hafenburg für seine kompromisslosen Methoden bekannt, die selbst Adrians an Härte übertrafen. Deshalb begegneten ihm die Menschen mit besonderer Vorsicht und Ehrfurcht.Schon die respektvolle Art, in der man von den beiden Hartmann-Brüdern sprach, verriet, wie dominant und durchsetzungsstark sie waren.Doch dieses Mal ...Dieses Mal konnte vermutlich selbst Fabian die Entwicklung nicht mehr kontrollieren.„Ist die Verbreitung erfolgreich ins Ausland verlagert worden?“, erkundigte sich Stella ruhig.„Ja“, bestätigte Gregor. „Inzwischen veröffentlichen zahlreiche private Accounts im Ausland die Berichte. Fabian und Verena können sie unmöglich unterdrücken.“Stella nickte zufrieden und sagte: „Gut. Das Thema soll mindestens eine weitere Woche lang an Aufmerksamkeit gewinnen.“Isabelle setzte vermutlich auf die Fähigkeit der Hartmanns und ihrer einflussreichen Mutter, die öffentliche Debatte innerhalb kürzester Zeit zu ersticken.Deshalb machte sie sich im Augenblick wahrsche

  • Scheidung! Stella dreht den Spieß um   Kapitel 25

    Die öffentliche Debatte in Hafenburg kochte immer höher.Zahlreiche Reporter belagerten inzwischen das Krankenhaus, in dem Isabelle lag. Einige versuchten sogar, heimlich Fotos von ihr zu schießen.Helene reagierte blitzschnell und ließ umgehend Leibwächter vor Isabelles Krankenzimmer postieren.Isabelle las die abstoßenden Beschimpfungen im Netz. Als Adrian vor einem halben Jahr gestorben war, hatte es einen ähnlich massiven Medienandrang gegeben.Damals hatten die Menschen die junge Witwe jedoch bemitleidet und ihr Trost zugesprochen.Nun waren die Kommentare voller blanken Hasses und kaum noch zu ertragen.„Mama, ich muss Adrian finden. Ich will zu Adrian. Er wird mich beschützen. Ich muss zu ihm!“, wimmerte Isabelle und sah Helene mit tränenverschleiertem Blick an.Helene hatte vor Anspannung heftige Kopfschmerzen.Als Helene bemerkte, dass Isabelle erneut in eine Krise zu geraten drohte, hatte sie panische Angst, dass Isabelles Kaiserschnittnaht wieder aufreißen könnte.Helene bli

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status