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Kapitel 6

Penulis: Sascha Dahl
Als Selina wieder zu sich kam, lag sie in einem fremden Zimmer.

Ihr Kopf schmerzte höllisch, die Lider waren bleischwer. Es dauerte eine Weile, bis ihr verschwommener Blick wieder klar wurde.

Das Zimmer war ungewöhnlich geräumig. Über dem Bett hing ein großes Ölgemälde, die Decke schlicht mit indirekter LED-Beleuchtung eingefasst, die jetzt ausgeschaltet war. Eine minimalistische Deckenleuchte reflektierte kühles Licht aus dem angrenzenden Badezimmer.

Die dunkelgrauen Vorhänge waren vollständig zugezogen und hielten jedes Außenlicht ab – unmöglich zu sagen, ob Tag oder Nacht war.

Selina richtete sich auf. Als die Decke von ihr glitt, bemerkte sie, dass sie nackt war. Ihre Kleidung lag achtlos auf dem Boden verstreut.

Zum Glück fühlte sie außer den Kopfschmerzen kein weiteres Unbehagen. Das Laken war glatt, und ihr Körper schmerzte nicht.

Sie beugte sich vor, um nach ihren Sachen zu greifen – da erklang ein leises Klicken. Die Zimmertür öffnete sich.

Jemand kam herein!

Selinas Herz rutschte in die Hose. Sie klammerte die Decke fest und starrte zur Tür.

Die Person stand im Gegenlicht, doch ihre Silhouette war klar: ein großer, schlanker Mann. Als er näher kam, wurden seine Züge deutlicher – markant, mit kühlen Augen. Es war Kai!

War das sein Zimmer?

Sie war doch von Lucas’ Leuten betäubt worden. Wie war sie hier gelandet?

Selina war völlig verwirrt.

Kai trug einen maßgeschneiderten dunklen Mantel über einem tadellosen Anzug. Während er eintrat, zog er den Mantel aus und warf ihn aufs Sofa. Sein Blick fiel auf Selina im Bett.

Eine Fremde in seinem Zimmer – seine Stirn furchte sich sofort.

„Was machst du hier?“

Sein scharfer Blick traf sie. Selina, in seine Decke gehüllt, mit zerzaustem Haar, nur die Schultern entblößt. Auf dem Teppich lagen ihr Pullover, ihre Jeans und … ein Set heller Unterwäsche, das wie welke Blütenblätter neben seinen Lederschuhen lag.

Sein Adamsapfel bewegte sich. Er wandte den Blick ab und trat einen Schritt zur Seite.

„Selina.“ Kai sprach ihren Namen langsam und betont aus, seine Stimme klang eiskalt. „Welches Spiel spielen Sie hier?“

„Ich weiß auch nicht, wie ich hierhergekommen bin. Ich wurde betäubt.“

„Betäubt?“

„Ja. Könnten Sie mir vielleicht helfen …“

„Nein!“ Kai unterbrach sie schroff. „Träumen Sie weiter. Ich schlafe nicht mit verheirateten Frauen.“

Schlafen?

Selina musste trotz ihrer pochenden Kopfschmerzen spöttisch lachen.

Obwohl ihr Kopf zu bersten drohte, entwich Selina ein kurzes, spöttisches Lachen.

„Beruhigen Sie sich, Herr Hartmann. Man hat mir ein Narkotikum gegeben – kein Liebesmittel. Und selbst wenn nicht: Mit Ihnen zu schlafen, liegt mir fern.“

Sie atmete tief durch. „Ich meine, könnten Sie sich bitte umdrehen, damit ich mich anziehen kann?“

Die Atmosphäre war gespannt.

Kai presste die Lippen zusammen und drehte sich abrupt um.

Selina raffte ihre Kleider vom Boden und zog sich eilig an.

In der kurzen Stille erklang plötzlich lautes, heftiges Hämmern an der Tür des Nachbarzimmers.

„Selina! Du verdammtes Miststück! Ich wusste, dass du es nicht lassen kannst! Wie kannst du es wagen, mich so zu betrügen! Mach auf! Mach sofort die Tür auf!“

Diese Stimme gehörte Lucas.

„Ihr dreckigen Betrüger, kommt sofort raus! Ich will sehen, welcher Bastard es wagt, meine Frau anzufassen! Macht auf! Ihr dreckigen Hunde! Mach auf! Ihr gottverdammten Miststücke – verpisst euch endlich aus da!“

Aus dem Nebenzimmer drangen wütendes Gebrüll und schrille Schreie.

Selina verstand sofort. Von dem Moment an, als Sonja ihr das Mittel verabreicht hatte, bis zu diesem inszenierten Ehebruch – alles war eine schmutzige Falle von Lucas. Nur war irgendetwas schiefgelaufen, und sie war aus Versehen in Kais Zimmer gelandet.

Auch Kai durchschaute die Situation schnell.

Er ging zur Wand, die an das Nebenzimmer grenzte, lauschte einen Moment, und ein eiskalter Zug legte sich um seine Lippen.

„Ihr Ehemann gibt sich wirklich Mühe, dass Sie bei der Scheidung mit leeren Händen dastehen.“ Er betonte die Worte „Ihr Ehemann“ besonders.

In all den Jahren hatte Selina nie das Gefühl einer Schicksalsgemeinschaft wirtschaftlicher Art mit Lucas geteilt. Doch die Scham, in diesem Moment mit diesem Mann rechtlich verbunden zu sein, durchfuhr sie wie ein Eiszapfen.

Und sie verspürte kalte Angst.

Zum Glück war sie im falschen Zimmer gelandet. Sonst würde sie jetzt von diesem heuchlerischen Mann öffentlich an den Pranger gestellt werden.

Nebenan schien Lucas zu begreifen, dass er die falsche Person beim Ehebruch ertappt hatte.

„Was ist hier los? Wo ist sie? Hieß es nicht, Selina betrügt mich hier? Wo ist sie? Wo ist sie?“

Der Lärm draußen verstummte kurz.

„Es ist doch hier.“

„Vielleicht wurde sie ins falsche Zimmer gebracht? Nebenan?“

Wütende Schritte näherten sich Kais Tür.

„WUMMS! WUMMS! WUMMS!“

Lucas hämmerte gegen die Tür.

Das brutale Schlagen dröhnte wie Kriegstrommeln und ließ Selinas Herz rasen.

„Mach auf! Selina, wagt es doch! Ihr dreckigen Betrüger, kommt raus!“

Selina geriet in Panik. Lucas war herrschsüchtig und von einem gnadenlosen Starrsinn. Wenn er sich in den Kopf gesetzt hatte, diese Tür zu öffnen, dann würde er das auch tun – koste es, was es wolle. Notfalls hob er sie heute noch aus den Angeln.

Sie durfte nicht auf diese Weise „ertappt“ werden. Auf keinen Fall.

Selina hob den Kopf und sah Kai an.

„Helfen Sie mir...“ flüsterte sie Kai zu.

Kai, unversehens in diese Situation hineingezogen, zeigte einen Anflug von Ungeduld. Dennoch blieb er äußerlich ruhig, fast gleichgültig.

Er antwortete nicht und machte keine Anstalten, die Tür zu öffnen oder etwas zu unternehmen. Er sah Selina nur schweigend an.

„Warum sollte ich Ihnen helfen?“

„Ich bin in Ihrem Zimmer. Wir sitzen im selben Boot.“

„Ich habe Sie nicht angefasst. Ich bin nicht Ihr Liebhaber. Selbst wenn er hereinstürmt, kann er mir nichts.“ Kais Tonfall war die verkörperte, anwaltliche Distanz. „Sie hingegen haben sich durch unerlaubtes Betreten meines privaten Bereichs des Hausfriedensbruchs sowie einer zivilrechtlichen Eigentumsverletzung schuldig gemacht. Beides sind klare Tatbestände.“

Die Worte trafen Selina wie ein Eimer eiskaltes Wasser.

„Selina, wenn du nicht sofort rauskommst, trete ich die Tür ein! Ich werde allen zeigen, wie du mich betrügst!“

Da die Tür verschlossen blieb, schien Lucas immer sicherer, dass sie hier war.

Eingekeilt zwischen ihrem besessenen Ehemann, der wie ein tollwütiger Hund wütete, und ihrem Ex-Freund, der ihr kalt den Fuß in den Rücken setzte – Selina fühlte sich in eine ausweglose Falle getrieben.

Gut. Wenn sie ihr keine Wahl ließen, würde sie den Weg der verbrannten Erde gehen – und alle mit sich in den Abgrund reißen.

Selina zögerte nur Sekunden – dann stürmte sie auf Kai zu, stellte sich auf die Zehenspitzen, schlang blitzschnell die Arme um seinen Hals und presste ihre Lippen auf seine entblößte Haut, in einem Akt, der jenseits von Zärtlichkeit, jenseits selbst der Vernunft lag.

Kein sanfter Kuss. Ein verzweifeltes Saugen – als wolle sie ihm den Atem nehmen.

Kai erstarrte. Er spürte ihre Lippen an seinem Hals – weich, feucht, ein leichter Schmerz. Und ihren Duft, der ihn umfing. Damit hatte er nicht gerechnet.

„Selina! Bist du wahnsinnig geworden!“

Kai stieß sie von sich, doch es war zu spät. Auf seinem Hals zeichnete sich bereits ein frischer, roter Fleck ab.

„Du hast mich nicht angerührt – aber ich dich. Damit bist du jetzt mein Liebhaber.“ Selina rang nach Luft, ihr Gesicht glühte. „Kai. Entweder du stehst jetzt zu mir – oder du bist gleich in aller Munde mein Liebhaber. Such’s dir aus.“

Sie sah ihm direkt in die Augen. Ein tragisch-provozierendes Lächeln umspielte ihre Lippen.

Kai hob die Hand und berührte mit den Fingerspitzen sanft die geküsste Stelle.

„Sehr gut.“ Seine Stimme war tiefer, leicht heiser geworden. „Selina, du hast wirklich Mut.“
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