LOGINDas Telefonat mit Mia war seltsam. Nicht, weil sie irgendetwas Seltsames gesagt oder getan hatte. Im Gegenteil. Eigentlich hatte sie mir mit ihren Worten sogar gutgetan. Aber trotzdem hatte sich danach etwas verändert. Vielleicht lag es daran, dass sie gesagt hatte, sie wäre eine Freundin für mich. Eine Freundin. Das war irgendwie schön zu hören. Auch wenn wir bisher noch nicht besonders viel miteinander zu tun gehabt hatten, mochte ich Mia. Sie war nett. Direkt. Manchmal ein bisschen verrückt, aber auf eine gute Art. Und vor allem stand sie auf meiner Seite. Zu wissen, dass jemand Sara nicht einfach alles glaubte, was sie erzählte, tat gut. Vielleicht sogar mehr, als es sollte. Ich legte mein Handy zur Seite und zog die Beine wieder an mich. Mein Blick wanderte durch mein Zimmer. Und natürlich landete ich irgendwann wieder bei Sara. Sie bereitete mir mehr Fragen als Antworten. Ich fragte mich wirklich, wie man so blind sein konnte. Wie konnte man ernsthaft glauben, d
„Weißt du was? Ich hab gleich Pause. Ich muss dir dringend erzählen, was hier gerade passiert.“ Das war die letzte Nachricht, die ich von Mia bekommen hatte. Das war jetzt bestimmt zwanzig Minuten her. Und irgendwie war ich seitdem nur noch nervös. Ich wusste nicht einmal genau, was mich erwartete. Aber wenn Mia schon ankündigte, dass sie mir unbedingt etwas erzählen musste, konnte es eigentlich nichts Gutes sein. Meine Beine hatte ich an mich gezogen und den Arm weiterhin auf dem Kühlakku liegen. Dann. Endlich. Mein Handy klingelte. Ich nahm sofort ab. „Ja, Mia?“ „Oh Gott, ey! Ich bin gerade draußen eine rauchen. Das da drin war gerade besser als jeder Kinofilm.“ Ich atmete tief durch. „Okay. Dann erzähl mal.“ „Also. Markus hat heute einen Auftritt. Nichts Wildes. Sara, das kleine Püppchen, war erstmal nicht da.“ Ich verzog das Gesicht. „Mia.“ „Was denn? Ist doch so.“ Ich musste trotz allem kurz lachen. „Erzähl weiter.“ „Also. Sara war nicht da. Bedeutet, Markus h
Ich saß wieder oben auf meinem Bett und war vor allem eines: voller Fragen.Warum um alles in der Welt reagierte ich plötzlich so auf Julian?Lag es wirklich nur daran, dass Nina mir mittlerweile so oft eingeredet hatte, dass ich auf ihn stand, dass mein Kopf irgendwann angefangen hatte, ihr zu glauben?Oder …Nein.Aber was, wenn doch?Was, wenn ich wirklich mittlerweile Gefühle für ihn hatte?Allein der Gedanke daran fühlte sich gleichzeitig vollkommen falsch und erschreckend richtig an.Ich ließ mich nach hinten auf mein Bett fallen und starrte an die Decke.Wann hatte das überhaupt angefangen?Vielleicht im Freizeitpark.Oder schon vorher.Vielleicht in der Nacht, in der ich zum ersten Mal in seinen Armen eingeschlafen war.Oder bei der zweiten.Vielleicht heute.Als er wegen meines Arms alles stehen und liegen gelassen hatte.Oder als er vor meiner Wohnung noch einmal ausgestiegen war, nur um mich zu umarmen.Ich schloss die Augen.Das war doch nicht normal.Freunde umarmten sich
Julian packte mich schneller, als ich es für möglich gehalten hatte, in sein Auto gesetzt. „Wir fahren ungefähr zwanzig Minuten bis zum Krankenhaus. Hältst du das aus?“ Er sah mich besorgt an. „Als ob ich eine andere Wahl hätte.“ Er schüttelte grinsend den Kopf und stieg auf der Fahrerseite ein. „Du könntest auch einfach zugeben, dass du ein bisschen Angst hast.“ „Hab ich nicht.“ „Natürlich nicht.“ „Julian.“ „Prinzessin.“ Ich verdrehte die Augen und lehnte meinen Kopf gegen die Kopfstütze. „Fahr einfach.“ „Wird gemacht.“ Die Fahrt verlief erstaunlich ruhig. Die Musik lief nur leise im Hintergrund und obwohl mein Arm bei jeder kleineren Bewegung schmerzte, fühlte ich mich irgendwie sicher. Schon wieder. Es war wirklich seltsam. Bei anderen Menschen konnte ich kaum entspannen, wenn sie am Steuer saßen. Selbst bei kurzen Fahrten beobachtete ich oft die Straße, die anderen Autos und jede noch so kleine Bewegung. Bei Julian tat ich es nicht. Ich sah aus dem Fenster und ve
„Nina, er hat doch selber gegen Ende gesagt, dass es kein Date ist.“Ich rollte mich auf den Rücken und starrte an die Decke.Unser Nicht-Date gestern war wirklich schön gewesen. Es gab keinen Stress. Keine unerwünschten Gäste. Keine Sara. Um ehrlich zu sein hatte Julian es sogar geschafft, dass ich für ein paar Stunden nicht mehr an sie denken musste.Und das, obwohl ausgerechnet diese Bar der Ort war, an dem sie mir meine Freundschaft praktisch vor die Füße geworfen hatte.„Katy.“„Was?“„Du sahst heiß aus. Das weiß ich genau.“Ich verdrehte die Augen.„Danke.“„Und du hast gesagt, er hatte auch ein Hemd an.“„Ja.“„Und er wollte dich ausgerechnet an dem Tag sehen, bevor er in den Urlaub fliegt.“„Ja und? Wenn du um die Ecke wohnen würdest, wäre ich auch am Abend bevor du fliegst nochmal bei dir.“„Das ist etwas völlig anderes.“„Warum?“„Weil ich deine beste Freundin bin.“„Und Julian ist mein Freund.“„Aha.“Ich hörte schon an ihrer Stimme, dass sie grinste.„Was bedeutet dieses A
Irgendwie war es heute in der Bar ganz anders als beim letzten Mal.Von Markus war nirgends auch nur das kleinste Anzeichen zu sehen. Mia war ebenfalls nicht da. Keine bekannten Gesichter, kein Trubel und vor allem niemand, der uns irgendwie hätte stören können.Wir saßen alleine an einem Tisch in einer kleinen Ecke der Bar.Eigentlich war das nichts Besonderes.Eigentlich.Trotzdem wirkte es plötzlich überhaupt nicht mehr wie ein normales Treffen zwischen zwei Freunden.Und warum um alles in der Welt fiel mir erst jetzt auf, dass er ein Hemd trug?Ich starrte für einen Moment auf den Stoff und ärgerte mich sofort über mich selbst.Hemd.Er trug tatsächlich ein Hemd.Warum hatte ich das vorher nicht bemerkt?Vielleicht, weil ich gerade damit beschäftigt gewesen war, mir einzureden, dass ich nicht darüber nachdenken sollte, wie ich aussah.Und jetzt saß ich hier und dachte darüber nach, wie er aussah.Ganz toll, Katy.„Was?“Ich sah auf.Julian sah mich direkt an.„Was?“„Du hast mich







