LOGINAm ersten Tag meiner Arbeit wusste ich bereits, dass CEO Alexander Hart ein gefährlicher Mann war. Er drückte mich gegen den Schreibtisch und sagte mit tiefer Stimme: „Wenn du über letzte Nacht sprichst, bist du gefeuert.“ Dabei war es doch er gewesen, der betrunken meine Arme nicht loslassen wollte – und dabei den Namen seiner verstorbenen Ex-Freundin flüsterte. Ich schluckte meine Demütigung hinunter, redete mir ein, dass all diese Nähe nur eine Illusion gewesen war, und versuchte verzweifelt zu beweisen, dass ich nur eine professionelle Assistentin war. Bis zur Firmenfeier. Jemand hatte mir etwas ins Glas getan. In dem Moment stürmte er auf mich zu, zog mich in seine Arme und fragte mit geröteten Augen: „Wer hat dir erlaubt, den Drink von jemand anderem anzunehmen?“ Der ganze Saal verstummte. Seine Verlobte saß noch immer unter der Bühne und klatschte lächelnd. Ich schob ihn weg und wischte den Alkohol von meinen Lippen. „Alex, ich bin deine Assistentin. Nicht der Ersatz für deine verstorbene Liebe.“ Er erstarrte für einen Moment. Dann hob er mich vor allen Anwesenden hoch und erklärte: „Von diesem Moment an bist du das nicht mehr.“
View MoreDer Wecker klingelte um sechs Uhr morgens. Emma Keller öffnete nur widerwillig die Augen und starrte einige Sekunden lang an die weiße Zimmerdecke ihrer kleinen Wohnung. Ihr Herz schlug schneller als gewöhnlich. Heute war kein gewöhnlicher Tag. Heute begann ihr neues Leben.
Sie setzte sich langsam auf, strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und griff nach dem Brief, der seit einer Woche auf ihrem Nachttisch lag.
Hart Corporation
Allein der Name genügte, um jedem in der Geschäftswelt Respekt einzuflößen. Das Unternehmen gehörte zu den größten und erfolgreichsten Konzernen des Landes. Tausende Menschen hatten sich auf die ausgeschriebene Stelle beworben. Dass ausgerechnet sie ausgewählt worden war, kam ihr noch immer unwirklich vor.
Emma lächelte leicht.
„Das schaffst du“, flüsterte sie sich selbst zu.
Nach einer schnellen Dusche zog sie ihr sorgfältig vorbereitetes Outfit an. Eine cremefarbene Bluse, ein schwarzer Bleistiftrock und schlichte schwarze Pumps. Ihr braunes Haar band sie zu einem eleganten Pferdeschwanz zusammen. Im Spiegel betrachtete sie sich einen Moment lang.
„Professionell. Ruhig. Selbstbewusst.“
Zumindest hoffte sie das.
In Wahrheit fühlte sie sich alles andere als selbstbewusst.
Nachdem sie ihre Tasche genommen hatte, verließ sie die Wohnung und machte sich auf den Weg zur U-Bahn. Während der gesamten Fahrt wiederholte sie im Kopf mögliche Begrüßungen und Antworten auf Fragen, die ihr neuer Chef stellen könnte.
Doch nichts hätte sie auf das vorbereiten können, was sie erwartete.
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Eine Stunde später blieb Emma vor einem riesigen Wolkenkratzer stehen.
Die vollständig verglaste Fassade spiegelte den klaren Morgenhimmel wider. Menschen in eleganten Anzügen gingen mit schnellen Schritten ein und aus. Luxuslimousinen hielten im Minutentakt vor dem Haupteingang.
Über der Eingangshalle prangte in silbernen Buchstaben:
HART CORPORATION
Emma schluckte.
„Wow...“
Sie holte tief Luft und betrat das Gebäude.
Die Lobby war noch beeindruckender.
Weiße Marmorböden glänzten unter riesigen Kronleuchtern. Moderne Kunstwerke schmückten die Wände. Das leise Plätschern eines Brunnens verlieh der luxuriösen Atmosphäre eine unerwartete Ruhe.
An der Rezeption lächelte eine perfekt gekleidete Frau.
„Guten Morgen. Wie kann ich Ihnen helfen?“
„Mein Name ist Emma Keller. Ich beginne heute als persönliche Assistentin des CEOs.“
Das Lächeln der Empfangsdame wurde noch freundlicher.
„Natürlich, Frau Keller. Der Personalchef erwartet Sie bereits im vierzigsten Stock.“
Emma erhielt eine Besucherkarte.
„Bitte benutzen Sie den Aufzug auf der rechten Seite.“
„Vielen Dank.“
Der Aufzug bewegte sich lautlos nach oben.
Stockwerk um Stockwerk.
Mit jedem Meter stieg ihre Nervosität.
Die Türen öffneten sich.
Ein großer Mann mit grauen Haaren kam auf sie zu.
„Sie müssen Frau Keller sein.“
„Ja.“
„Willkommen. Mein Name ist Herr Schneider. Ich leite die Personalabteilung.“
Er führte sie durch mehrere moderne Flure.
Überall arbeiteten Menschen konzentriert an ihren Computern.
Niemand sprach laut.
Jeder schien genau zu wissen, was zu tun war.
„Hier wird höchste Professionalität erwartet“, erklärte Herr Schneider.
Emma nickte.
„Unser CEO duldet keine Fehler.“
Ihr Magen zog sich zusammen.
„Er ist streng, aber fair. Wenn Sie gute Arbeit leisten, werden Sie viel lernen.“
Sie erreichten ein großes Büro.
„Dies wird Ihr Arbeitsplatz.“
Emma betrachtete den eleganten Schreibtisch.
Ein neuer Laptop.
Ein Telefon.
Ein Tablet.
Alles war perfekt vorbereitet.
„Sie werden direkt mit Herrn Hart zusammenarbeiten.“
Emma lächelte nervös.
„Vielen Dank.“
Herr Schneider sah auf seine Uhr.
„Herr Hart wird in wenigen Minuten eintreffen.“
Kaum hatte er den Raum verlassen, hörte Emma plötzlich hektische Schritte.
Mehrere Mitarbeiter eilten durch den Flur.
„Der CEO ist da.“
„Schnell!“
„Die Unterlagen!“
Sofort veränderte sich die Atmosphäre.
Alle wirkten plötzlich angespannt.
Die Aufzugtüren öffneten sich.
Ein Mann trat heraus.
Groß.
Breite Schultern.
Schwarzer Maßanzug.
Makelloses weißes Hemd.
Eine elegante silberne Uhr an seinem Handgelenk.
Sein dunkles Haar war perfekt gestylt.
Seine eisblauen Augen wirkten kühl und berechnend.
Alexander Hart.
Der jüngste Milliardär des Landes.
Der Mann, über den Wirtschaftsmagazine jede Woche berichteten.
Ohne nach links oder rechts zu sehen, ging er mit festen Schritten durch den Flur.
Alle Mitarbeiter standen auf.
„Guten Morgen, Sir.“
Er nickte kaum merklich.
Keine Zeit für Höflichkeiten.
Keine unnötigen Gespräche.
Er war ganz Geschäftsmann.
Emma hielt unwillkürlich den Atem an.
Noch nie hatte sie jemanden gesehen, der allein durch seine Anwesenheit einen ganzen Raum beherrschen konnte.
Als Alexander an ihr vorbeiging, fiel plötzlich ihre Mappe zu Boden.
Blätter verteilten sich über den Marmorboden.
„Oh nein...“
Emma kniete sich sofort hin.
Im selben Moment bückte sich auch Alexander.
Beide griffen nach demselben Blatt.
Ihre Hände berührten sich.
Für einen winzigen Augenblick schien die Welt stillzustehen.
Emma blickte auf.
Ihre Blicke trafen sich.
Seine eisblauen Augen ruhten auf ihr.
Ohne ein Wort.
Ohne jede Regung.
Dann hob er das Dokument auf und reichte es ihr.
„Sie sollten besser auf Ihre Unterlagen achten.“
Seine Stimme war tief.
Ruhig.
Beherrscht.
Emma spürte, wie ihre Wangen heiß wurden.
„Es... es tut mir leid, Sir.“
Alexander betrachtete sie noch einen kurzen Moment.
„Sie sind die neue Assistentin.“
Es war keine Frage.
Er wusste es bereits.
„Ja.“
„Kommen Sie in fünf Minuten in mein Büro.“
Ohne auf eine Antwort zu warten, setzte er seinen Weg fort.
Die Tür seines riesigen Eckbüros schloss sich hinter ihm.
Emma blieb wie angewurzelt stehen.
Ihr Herz schlug so laut, dass sie glaubte, jeder müsse es hören.
Sie hatte ihren Chef gerade erst kennengelernt.
Und trotzdem hatte sie das Gefühl, dass dieser Mann ihr Leben für immer verändern würde.
Fortsetzung folgt…
Emma konnte nicht sprechen.Für mehrere Sekunden war sie nicht einmal sicher, ob sie noch atmete.Der Mann, der wenige Meter vor ihr stand, war nicht irgendein Fremder. Er war ein Gesicht aus alten Fotografien, aus Geschichten, aus Familienakten und aus den wenigen Erinnerungen, die sie von ihrer Kindheit noch besaß.Richard Hart.Ihr Großvater.Der Mann, dessen Tod seit Jahren als Tatsache behandelt worden war.Der Mann, dessen Name immer wieder in den dunkelsten Geheimnissen von Obsidian aufgetaucht war.Der Mann, der angeblich tot war.Und nun stand er vor ihr.Lebendig.Älter, als Emma ihn von den Fotografien kannte, aber unverkennbar.Sein Haar war fast vollständig grau geworden. Eine tiefe Narbe verlief an seinem rechten Kiefer entlang. Seine Haltung war noch immer aufrecht, beinahe befehlend, doch in seinen Augen lag etwas, das Emma nicht erwartet hatte.Erschöpfung.Als hätte dieser Mann zu lange mit einer Wahrheit gelebt, die niemand sonst tragen durfte.Alexander stellte sic
Das schloss, das niemand öffnen durfteNiemand bewegte sich.Der letzte Satz stand noch immer auf dem Bildschirm.ALEXANDER IST NICHT DER ZWEITE SCHLÜSSEL.Darunter erschien langsam eine weitere Zeile.ER IST DAS SCHLOSS.Emma starrte auf die Worte, während ihr Herz immer schneller schlug. Sie hatte geglaubt, inzwischen genug über Alexander zu wissen. Sie hatte geglaubt, die größten Geheimnisse seiner Familie bereits gesehen zu haben. Doch jedes Mal, wenn sie dachte, sie hätte endlich den Kern der Wahrheit erreicht, öffnete sich eine neue Tür.Und hinter dieser Tür wartete eine noch größere Lüge.Alexander stand neben ihr.Sein Gesicht war ausdruckslos geworden.„Ich verstehe das nicht.“Victor antwortete nicht.Samuel ebenfalls nicht.Adrian hingegen bewegte sich plötzlich auf den Computer zu.„Wartet.“Emma sah ihn an.„Was?“„Das Video.“Er öffnete die Systemprotokolle.„Es wurde nicht gerade abgespielt.“Alexander trat näher.„Was meinst du?“„Es war bereits in unserem System.“Ad
Die Tür zum Konferenzraum stand noch immer offen.Emma bewegte sich keinen Zentimeter.Ihr Blick lag auf dem Fremden, der gerade eingetreten war und ein altes Foto in der Hand hielt. Das Bild zeigte sie als Kind. Neben ihr stand Anna. Im Hintergrund war ein Teil des alten Hart-Anwesens zu erkennen.Doch das war nicht das Beunruhigende.Es war die Tatsache, dass der Mann dieses Foto in der Hand hielt, als hätte es ihm gehört.Alexander trat einen Schritt näher zu Emma.„Wer sind Sie?“Der Mann antwortete nicht sofort. Er legte das Foto langsam auf den Tisch.„Jemand, der lange genug gewartet hat.“Victor verschränkte die Arme.„Du solltest nicht hier sein.“Der Fremde sah ihn an.„Und du solltest überhaupt nicht mehr hier sein.“Für einen kurzen Moment herrschte absolute Stille.Emma sah zwischen den beiden Männern hin und her.„Ihr kennt euch.“„Leider“, sagte Victor.Der Fremde lächelte schwach.„Victor kennt mich. Aber er kennt nur die Version von mir, die man ihm gezeigt hat.“Emma
Die Tür hinter Anna stand offen.Emma konnte sich nicht bewegen.Niemand konnte es.Das Licht im Raum flackerte einmal.Dann zweimal.Hinter Anna erschien eine Gestalt.Langsam.Ohne Eile.Der Mann trat aus dem Schatten.Emma sah sein Gesicht.Und für einen Moment vergaß sie zu atmen.„Nein.“Das Wort verließ ihre Lippen kaum hörbar.Alexander sah ebenfalls zur Tür.Sein Gesicht verlor jede Farbe.„Das... kann nicht sein.“Adrian wich zurück.Sophia begann zu weinen.Samuel dagegen blieb vollkommen ruhig.Als hätte er genau auf diesen Moment gewartet.Der Mann blieb hinter Anna stehen.Er war älter als auf den alten Fotos, aber Emma erkannte ihn sofort.Das Gesicht.Die Augen.Die Haltung.Alles.„Papa?“Der Mann sah sie an.Daniel Weber.Der Mann, den Emma ihr ganzes Leben lang ihren Vater genannt hatte.Der Mann, von dem sie geglaubt hatte, er sei weit entfernt von all den Geheimnissen.Der Mann, der sie großgezogen hatte.Der Mann, dem sie vertraut hatte.Er sah sie an.Seine Augen












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