LOGINKapitel 273Der Tag des Umzugs war schließlich gekommen. Das stattliche Anwesen der Familie Collyn, in dem es gewöhnlich ruhig zuging, wirkte nun durch die Vorbereitungen der vergangenen Tage wesentlich lebendiger. Gemäß der von Frau Mira gebilligten rechtlichen Vereinbarung traten Aurora und Daven offiziell in das Haus ihres Onkels und ihrer Tante ein, um ein neues Kapitel in ihrem Leben zu beginnen.Ziyi wollte nicht, dass sich ihre Nichte und ihr Neffe in dieser neuen Umgebung fremd oder isoliert fühlten. Seit sie ihre Absicht geäußert hatte, die beiden zu adoptieren, war sie geschäftig damit beschäftigt gewesen, die Herrichtung zweier spezieller Schlafzimmer zu beaufsichtigen, die im zweiten Stock Seite an Seite lagen. Beide Räume waren gänzlich nach den Vorlieben von Aurora und Daven eingerichtet worden, die Ziyi sorgfältig in Erfahrung gebracht hatte.Davens Zimmer wurde von ruhigen Blau- und Grautönen dominiert, dekoriert mit einer strukturierten hölzernen Weltkarten-Wandmalere
Kapitel 272Der Meereswind wehte an diesem Nachmittag recht stark und trug den dichten, kalten Geruch von Salz über den Kai am Rande von New York. Die Sonne sank langsam dem Horizont entgegen und warf dämmrige Schattierungen von Orange und Violett über die ruhige Oberfläche des Ozeans. Sanfte Wellen bewegten sich stetig und wiegten sich leise, als hätte die furchtbare Tragödie, die sich hier vor einigen Monaten abgespielt hatte, niemals stattgefunden.Nahe dem kalten Eisengitter standen Aurora und Daven Seite an Seite. Ihre winzigen Gestalten wirkten unglaublich klein vor dem riesigen Ozean, der sich endlos vor ihnen erstreckte. Die schwarze Kleidung, die sie trugen, flatterte im Wind, passend zu der Stille, die die Umgebung einhüllte.Ihre runden Augen waren nass von Tränen, die weiterhin über ihre Wangen strömten, welche vom Abendwind nun rot angelaufen waren. Sie starrten geradewegs auf die ruhigen Wellen, als versuchten sie, durch die Dunkelheit unter dem Meer zu blicken, die den
Kapitel 271Nachdem sie ihr langes Gespräch beendet und die rechtliche Vereinbarung mit Frau Mira im Wohnzimmer abgeschlossen hatten, verließen Juna und Ziyi das Haus nicht sofort. Das Ehepaar machte sich langsam auf den Weg nach oben in den zweiten Stock des Anwesens der Ashfords. Ihr Ziel war das Hauptschlafzimmer von Calvin und Camelia, wo die Zwillinge in letzter Zeit die meiste Zeit verbracht hatten.Die Atmosphäre vor der Schlafzimmertür war schauerlich still. Als Juna den Türknauf langsam drehte, um sie nicht zu erschrecken, ließ der Anblick im Inneren des Raumes Ziyis Herz augenblicklich schmerzen.Auf dem ordentlich gemachten Kingsize-Bett, das sich ohne seine Besitzer so leer anfühlte, saßen Aurora und Daven Seite an Seite zusammengekauert. Keines der Kinder berührte seine Spielsachen. Ihre kleinen Arme umschlangen fest einen großen Fotorahmen, der das warme Lächeln von Camelia und Calvin an ihrem Hochzeitstag zeigte. Ihre geschwollenen Wangen ruhten auf dem Glas des Rahmens
Kapitel 270Eine Woche nach der Geburt der Zwillingsbabys in Singapur begann sich die Anspannung allmählich zu legen, obwohl sie immer noch eine unerträglich kalte Leere zwischen Juna und Seraphina hinterließ. Seraphina blieb weiterhin gleichgültig, was Juna schließlich dazu veranlasste, alle rechtlichen Schritte zur Regelung des Sorgerechts für seine Kinder abzuschließen. Unter der Anleitung des Anwaltsteams der Collyn Group wurden die Namen der beiden Babyjungen offiziell eingetragen.Zylan Collyn und Dylan Collyn. Zwei wunderschöne Namen, die Ziyi persönlich ausgewählt hatte, als sie sich noch im Erholungsraum in Singapur befanden. Namen, die den angesehenen Nachnamen der Familie Collyn trugen und dazu bestimmt waren, die zukünftigen Erben von Junas gesamtem Wirtschaftsimperium in ganz Asien zu werden.Nachdem sichergestellt war, dass Zylan und Dylan körperlich stark genug für eine Flugreise waren, und nachdem das vertrauenswürdigste Team privater Krankenschwestern mit ihrer Pflege
Kapitel 269Der scharfe Geruch von Antiseptikum stach Juna in die Nase, sobald er durch die Glastüren des Kreißsaals trat. Auf dem Bett mit hochgestellter Rückenlehne lag Seraphina, ihr blondes Haar war nass von Schweiß und klebte an ihrer Stirn und ihren blassen Wangen. Beide Hände umklammerten fest die Metallschienen an den Seiten des Bettes, während ihr Atem verzweifelt nach Luft rang, im Rhythmus der Anweisungen, die das Team aus Ärzten und Hebammen unaufhörlich rief.Juna trat näher und nahm auf der rechten Seite des Bettes Aufstellung. Eine gewisse Befangenheit hielt seine Schritte kurz zurück, doch als er sah, wie sich der Körper der Frau unter dem Druck der auf dem Höhepunkt befindlichen Wehen heftig verkrampfte, verblassten das Ego und die gemeinsame Vergangenheit zwischen ihnen plötzlich, abgelöst von reiner Menschlichkeit.„Atmen Sie tief ein, Frau Seraphina. Durch die Nase einatmen, langsam ausatmen“, leitete der Geburtshelfer sie an, seine Augen voll auf den Muttermund ge
Kapitel 268Die Zeit schritt weiter voran, unbeeindruckt von der Trauer, die in Manhattan zurückgeblieben war. Mehrere Monate waren seit jener tragischen Nacht auf der Brooklyn Bridge vergangen. New York hatte bereits die Jahreszeiten gewechselt, doch für die Familien Ashford und Collyn schien die Zeit genau in dem Moment eingefroren zu sein, als die schwarze Limousine in die Tiefen des Meeres gestürzt war.Im Arbeitszimmer des Hauptwohnsitzes der Collyns saß Juna hinter seinem Schreibtisch, umgeben von Stapeln von Seekarten und täglichen Berichten seiner privaten Tauchteams. Er sah spürbar magerer aus, mit tiefen Spuren der Erschöpfung unter seinen dunkel umränkten Augen. In letzter Zeit hatte sich Juna völlig der Suche verschrieben. Er hatte sein gesamtes geschäftliches Netzwerk, die fortschrittlichste Sonartechnologie und Dutzende von professionellen Tauchern mobilisiert, um weiterhin jeden Winkel der Bucht und der offenen See abzusuchen.Obwohl die Polizeibehörden und das Such- un
Calvin zog Camelia in seine Arme und schloss den Abstand zwischen ihnen mit einer abrupten Bewegung.Seine Lippen fanden die ihren ohne jedes Zögern, fordernd und intensiv, als würde die Selbstbeherrschung, die er all die Jahre aufrechterhalten hatte, innerhalb einer einzigen Sekunde zusammenbreche
Zwei Monate vergingen, ohne dass es auch nur die geringste Nachricht von Camelia gab.Calvin saß noch immer in seinem Bürostuhl und starrte auf den dunklen Bildschirm seines Handys.Keine verpassten Anrufe.Keine Nachrichten.Kein einziges Zeichen dafür, dass Camelia die Absicht hatte zurückzukehre
Die Haustür schloss sich leise hinter Samantha.Das Geräusch ihrer Schritte verklang allmählich und hinterließ eine seltsame Stille im Wohnzimmer.Calvin saß noch immer auf dem Sofa.Sein Körper war zurückgelehnt, ein Arm hing locker über der Sofalehne.Das Licht im Wohnzimmer war noch eingeschalte
Nachdem er stundenlang gewartet hatte, erhielt Calvin endlich einen Anruf von Ronal. Sofort nahm er das Gespräch entgegen.„Und?“, fragte er scharf, kaum dass die Verbindung zustande gekommen war. „Hast du herausgefunden, wo sie ist?“Am anderen Ende der Leitung holte Ronal tief Luft.„Es tut mir l







