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Kapitel 5: Dante

Author: Rose D' Arc
last update publish date: 2026-06-01 12:12:20

Ich hatte nicht vorgehabt, es wieder zu tun. Es war der verdammte Wind, dachte ich zuerst. Dann hörte ich es. Das Klicken und das Murmeln, wo vorher nichts gewesen war.

Ich hatte mich Stunden vor Sonnenuntergang wieder im Schlafzimmer verschanzt, hatte dort zu Abend gegessen und so getan, als wäre das alles vorbei, wenn ich am nächsten Morgen aufwache.

Dass ich morgens wieder in meinem Hotelzimmer wäre und die Stadt so schnell verlassen würde, wie ich gekommen war.

Ich öffnete die Augen beim erneuten Klicken.

„Ughh“, stöhnte ich und stand auf. Wenn das ein Test oder so war, dann würde ich richtig sauer werden.

Ich trug nur Socken und schlich lautlos über den Boden und öffnete die Schlafzimmertür. Nichts.

Meine Nackenhaare stellten sich jetzt auf und jeder Instinkt in mir sagte mir, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. In meinem Job war das kein Instinkt, den ich gefahrlos ignorieren konnte.

Ich bewegte mich durch den Flur und lauschte weiter auf jedes Geräusch.

Leises Murmeln hörte ich, sobald ich am Fuß der Treppe war.

Dann eine laute Frauenstimme, schrill wie eine Banshee.

„Wo ist Marcus?! Wo hast du ihn versteckt?!“

Ich hörte das Spannen einer Waffe. Aber das war nicht das, was meine Aufmerksamkeit erregte. Es war die Bewegung, so schnell, dass ich sie fast verpasst hätte. Jemand war draußen unter den Büschen, wurde mir klar.

Ich presste mich gegen die Wand, um dem Blick des Unbekannten zu entgehen, und bewegte mich näher zum Fenster, während ich mir sehnlichst wünschte, meine Waffe dabei zu haben.

Ich ließ den Blick durch den Raum schweifen und sah Nero, der sich gegenüber der Frau erhob, deren Stimme ich schon gehört hatte. Dann fing ich wieder die Bewegung des Unbekannten auf. Er hob eine Waffe und wollte gerade abdrücken.

Ich weiß nicht, was mich dazu brachte zu schreien. War es Pflichtgefühl oder wollte ich einfach derjenige sein, der den Don selbst zur Strecke bringt, um mich zu rächen?

So oder so, Nero war unten, hinter einem Stuhl in Deckung, während die Frau wie am Spieß schrie.

Ich bewegte mich schnell, weil ich wusste, dass der Angreifer als Nächstes auf mich losgehen würde.

Ich stürzte mich durch das zerbrochene Fenster auf den Mann und riss ihn zu Boden. Ich hielt seine Waffe hoch, während er sich wehrte, und drückte ihm den Lauf gegen den Hals.

„Dante, lass ihn am Leben!“, Neros Befehl ließ mich innehalten und ich hasste mich dafür, wie leicht es mir fiel, ihm zu gehorchen.

Ich ließ von dem Mann ab und einige Wachen eilten herbei, um den Gefangenen aufrecht zu halten.

„Fick dich“, knurrte der Mann, während er sich gegen die bulligen Wachen wehrte, gefolgt von einem Schwall Flüchen, die meisten davon in anderen Sprachen.

 „Lass sie gehen, du Bastard!“

Das erregte meine Aufmerksamkeit und auch Neros. Er drehte sich zu der blonden Banshee von vorhin, die erbleichte und einen Schritt zurückwich.

„Sie?“, der Don neigte den Kopf und verengte die Augen, die zwischen den beiden hin und her huschten. „Du meinst die Mutter meines Sohnes? Warum in aller Welt sollte ich auf Abschaum wie dich hören und sie gehen lassen?“

„Sie ist meine Verlobte!“, brüllte der Gefangene.

Plötzlich zerriss ein Schrei die Luft und ich sah die blonde Frau, die zurückwich.

„Ich kenne ihn nicht!“, begann die Blonde wieder zu kreischen und ich zuckte innerlich zusammen.

„Oh, aber er kennt dich, Layla. Gut genug, um für dich zu töten“, Neros Blick war absolut mörderisch. Ich unterdrückte ein Zittern, obwohl ich nicht das Ziel seines Zorns war.

„Layla, Liebes“, stotterte der Gefangene schockiert. „Aber du hast mir gesagt, du musst frei sein! Du hast gesagt, du würdest mich heiraten, wenn er tot ist!“

„Nein! Du lügst! Nero-“

Peng!

Es geschah in einem Augenblick.

Der Mann sackte zu Boden mit einem Einschussloch im Kopf. Die Luft war still. Nicht mal eine Grille zirpte.

„Also, Layla“, Nero war unglaublich blasiert, als er sich umdrehte und die Waffe auf seine erstarrte Frau richtete. „Gib mir einen Grund, warum ich dich nicht töten sollte.“

Sie öffnete die Lippen und sie zitterten.

„Bitte...“, ihre Worte waren kaum hörbar.

„Bringt sie in Block A. Sie bleibt dort, bis ich entscheide, wie ich mit ihr verfahre.“

„Ja, Don“, chorierten die Wachen. Layla stieß jetzt ein lautes Heulen aus.

Ich sah zu, wie sie tretend und schreiend über den Vorgarten gezerrt wurde und an der Ecke zusammen mit den Wachen verschwand.

Ich machte einen Schritt zurück. Ich wollte keine weitere Sekunde in Don Vecchios Nähe verbringen, wenn ich es vermeiden konnte.

Doch bevor ich verschwinden konnte, spürte ich plötzlich Neros Augen auf mir.

„Ich habe die richtige Wahl getroffen, dich auszusuchen“, murmelte er. Ich konnte kaum atmen, so wie seine Augen auf mir lagen. „Dante Solace.“

Plötzlich traf mich die Erkenntnis, dass er wusste, wer ich war. Er wusste, wessen Sohn ich war.

Ich wich wachsam einen Schritt zurück und sah mich um. Wir waren allein. Nicht mal eine Wache in Sicht.

„Wirst du mich dann töten?“, ich erwartete es.

Ich erinnerte mich daran, wie ich vor Jahren den Körper meines Vaters in einer Gosse liegen sah, mitten auf der Straße. Ein Einschussloch in Kopf und Herz, und seine Eingeweide quollen heraus, damit die Vögel daran picken konnten, bis die Polizei die Leiche in die Leichenhalle brachte.

Würde meine auch so enden?

Zu meiner Überraschung blieb sein Gesicht unergründlich entspannt, als er leise lachte.

„Und warum sollte ich das tun?“ Er war jetzt näher bei mir, so nah, dass ich sein Parfüm riechen konnte. Es entfaltete etwas in mir, dunkel und verlockend, dass ich mich fragte, wie seine Lippen wohl schmeckten.

Abscheu durchfuhr mich. War ich in weniger als einem Tag so blind geworden für seine Worte und seinen Charme? War ich so wankelmütig?

Dieser Gedanke durchzuckte mich und traf mich so hart, dass ich die Hände zu Fäusten ballte. Ich wandte mich von Nero ab, konnte kaum denken, doch plötzlich lag seine Hand an meinem Kinn und zwang mich, seinem Blick zu begegnen.

„Du gehörst mir, Dante. Ein wertvoller Besitz. Und ich beschädige keine Dinge, die mir gehören“, beendete Nero mit dem teuflischsten Grinsen.

Ich war sprachlos. Ein Teil von mir wollte nachgeben, seinen Worten glauben. Aber dann erinnerte ich mich an Layla. Die Mutter seines Sohnes.

Wenn er das mit ihr tun konnte, was würde er dann mit mir tun, wenn er wüsste, dass ich ihn mehr hasste als jeden anderen auf dieser Welt?

Warte nur, Nero Vecchio, versprach ich mir. Wenn du denkst, ich werde deine Spielfigur, dann irrst du dich. Ich

werde dein vergifteter Kelch sein. Ich werde dein Leben beenden, so wie du das meines Vaters beendet hast.

…

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