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Seine Drei Alphas
Seine Drei Alphas
Author: Anonymous Lee

KAPITEL 1

Author: Anonymous Lee
last update Petsa ng paglalathala: 2026-08-27 16:32:32

KAPITEL 1

ROWAN

„Beweg dich, Beta-Abschaum.“

Die Worte sind scharf und schneiden durch den Lärm des Flurs, gefolgt von einem Stoß, der meine Schulter gegen die kalte Marmorwand prallen lässt. Eine Sekunde lang überlege ich, es einfach zu ignorieren, denn genau das habe ich die letzten drei Jahre getan – ignorieren, verschwinden, mich aus allem heraushalten. Doch der zweite Stoß ist härter, begleitet von einem Lachen und derselben Stimme, die sagt: „Was? Hat die Katze deine Zunge gefressen?“

Und das war’s.

Ich drehe mich langsam und bewusst um, meine Geduld bereits an den Rändern am Brennen. „Kannst du verdammt noch mal nicht sehen?“, fahre ich die beiden perfekt herausgeputzten Idioten an, die offensichtlich noch nie erfahren haben, wie es sich anfühlt, ins Gesicht geschlagen zu werden.

Der Größere schnaubt, seine Augen weiten sich, als könne er nicht glauben, dass jemand es gewagt hat, ihm zu widersprechen. „Was hast du gerade gesagt?“

Ich neige den Kopf. „Oh, du hast mich schon verstanden. Ich habe gefragt, ob du verdammt noch mal nicht sehen kannst. Oder blenden dich die königlichen Haarprodukte?“

Der Kleinere stößt ein erschrockenes Lachen aus, das er mit einem Husten überspielt, als der Größere ihn finster ansieht. „Du hast ja ein ganz schön freches Mundwerk, Beta“, knurrt der Größere.

„Ja“, sage ich und trete einen Schritt vor, „und Ohren habe ich auch, was bedeutet, dass ich hören kann, wie dumm du klingst.“

Keuchen geht durch den Flur. Ich spüre die Blicke auf mir – Dutzende davon – Schüler, die mich beobachten, tuscheln und sich jedes einzelne Wort merken. Großartig. Ich habe mir gerade ein Ziel auf den Rücken gemalt.

Der Größere verzieht höhnisch das Gesicht und kommt näher. „Weißt du, wer mein Vater ist?“

„Oh Götter, diese Nummer“, murmele ich und verdrehe die Augen. „Ihr Adligen solltet euch wirklich mal besseres Material einfallen lassen.“

Am anderen Ende des Flurs bricht bei einigen mutigen Schülern Gelächter aus, doch es verstummt schnell, als der große Adlige sich zu ihnen umdreht. Er wendet sich wieder mir zu, Wut verzerrt sein Gesicht. „Das wirst du bereuen.“

„Das tue ich jetzt schon“, erwidere ich trocken und gehe an ihm vorbei. „Mit dir zu reden hat meine letzte Gehirnzelle getötet.“

Der Flur ist für einen halben Herzschlag still, bevor hinter mir ein Flüstern ausbricht – halb entsetzt, halb beeindruckt.

Ich habe gerade erfolgreich vier Jahre Unsichtbarkeit in weniger als dreißig Sekunden ruiniert.

Ich habe Jahre damit verbracht, die Kunst des Vergessens perfektionieren – mich in den Schatten der Royal Varyn Academy einzufügen, einer Schule, die so riesig und übertrieben prunkvoll ist, dass sie selbst als Königreich durchgehen könnte. Was sie gewissermaßen auch ist. Die Varyn-Könige besitzen diesen Ort – schon seit Generationen. Jedes Klassenzimmer, jedes Wohnheim, jeder Grashalm auf den makellos gepflegten Rasenflächen gehört der königlichen Familie. Die Akademie ist nicht einfach nur eine Schule; sie ist eine politische Brutstätte für Adlige und Erben, die davon träumen, der Krone zu dienen. Menschen wie ich – fälschlicherweise als Betas registriert, mit gefälschten Papieren und einem Talent dafür, Ärger zu verursachen – gehören nicht hierher.

Und trotzdem habe ich es irgendwie so lange geschafft zu überleben. Bis heute.

Ich atme tief durch und sage mir, dass ich mich beruhigen soll. Rausgeworfen zu werden ist keine Option. Ein Ausbruch wird mir nicht helfen. Aber Götter, diese Leute machen es verdammt schwer, nicht zu explodieren.

Als ich den nächsten Korridor erreiche, dringen Stimmen an mein Ohr – eine Gruppe Schüler flüstert neben dem Treppenhaus.

„Die Varyn-Könige kommen heute zu Besuch.“

Mein Herz setzt einen Schlag aus. Ich bleibe mitten im Schritt stehen.

„Du lügst“, sagt ein Mädchen, ihre Stimme voller Unglauben.

„Ich schwöre“, erwidert eine andere. „Mein Bruder arbeitet beim Sicherheitsdienst. Sie haben gerade die Nachricht bekommen. Die Könige kommen, um den Campus zu inspizieren.“

Nein. Nein, nein, nein.

Ich sage mir, dass es nur ein Gerücht ist, aber mein Körper verrät mich – jeder Nerv ist hellwach, jedes Geräusch plötzlich viel zu laut. Mein Gehör schärft sich und fängt Gespräche auf, die aus dem ganzen Gebäude zu mir dringen.

Ich schüttle den Kopf und gehe weiter, während ich leise vor mich hin murmele: „Alles gut. Nur Stress. Dir geht’s gut.“

Als ich den Unterrichtsraum erreiche, bin ich halb davon überzeugt, dass ich mir das alles nur eingebildet habe.

„Rowan“, ruft Professor Maris und blickt von ihrem Stapel Papier auf. Sie ist eine der wenigen anständigen Lehrerinnen, die noch übrig sind. „Könntest du mir bitte einen Kaffee vom Kiosk im Innenhof holen? Wenn ich diesen Raum verlasse, setzt noch jemand das Ding in Brand.“

Ich seufze, nicke aber. „Klar. Ich bin gleich wieder da.“

Ein paar Schüler kichern, als ich hinausgehe. „Lieblingsschüler“, murmelt jemand.

„Eifersucht steht dir nicht“, schieße ich zurück, ohne mich umzudrehen.

Ich nehme den Seitengang zum Innenhof und stoße die schweren Glastüren auf. Die Luft draußen ist frisch, Sonnenlicht spiegelt sich auf der polierten Kuppel. Adlige entspannen sich an den Brunnen, während Wachen lässig patrouillieren.

Die Barista begrüßt mich mit einem gelangweilten Lächeln. „Wie immer?“

„Ja“, sage ich und reiche ihr ein paar Münzen. „Einen Extra-Shot. Sie stirbt heute innerlich.“

Sie lacht. „Tun wir das nicht alle?“

Als ich den Kaffee bekomme, bereue ich es bereits, überhaupt nach draußen gegangen zu sein. Meine schlechte Laune ist nicht verschwunden – sie köchelt nur weiter unter meiner Haut.

Dann passiert es.

Das Geräusch von Stiefeln auf Marmor. Schwer. Gleichmäßig.

„Macht den Weg frei!“, ruft eine Wache. „Platz für Ihre Majestäten!“

Im Innenhof bricht das Chaos aus. Die Schüler stellen sich hastig in Reihen auf und verbeugen sich tief, die Köpfe gesenkt. Wachen strömen in den Bereich und bilden ordentliche Absperrungen.

Mein Magen zieht sich zusammen.

Ich kann nicht hier sein.

Ich beginne, mich davonzustehlen, den Kaffeebecher fest umklammert, und murmele: „Geh einfach zurück zum Unterricht, Rowan. Nicht hinsehen. Nicht –“

„Beweg dich“, zischt jemand hinter mir.

Es ist der große Adlige von vorhin. Natürlich ist er es. Das Universum hasst mich wirklich.

„Ich bewege mich ja“, fauche ich und versuche, an ihm vorbeizutreten.

Er grinst. „Nicht schnell genug, Beta.“

Ich presse die Zähne zusammen. „Sag das noch mal.“

„Beta“, zieht er das Wort in die Länge, laut genug, dass die Wachen in der Nähe es hören können. „Abschaum.“

Meine Finger schließen sich fester um den Becher. „Du reizt dein Glück wirklich aus.“

„Was ist los?“, höhnt er. „Hast du Angst, dass die Könige sehen, was du wirklich bist?“

Ich blinzele. „Was zum Teufel soll das heißen?“

Er antwortet nicht. Er stößt mich einfach.

Hart.

Der Kaffee kippt, aber irgendwie schaffe ich es, ihn aufzufangen. Gerade so.

Ich wirble zu ihm herum, bereit zuzuschlagen, doch er grinst. „Ups“, sagt er höhnisch. „Meine Hand ist abgerutscht.“

Ich mache einen Schritt nach vorn, meine Stimme tief. „Mach es noch einmal.“

Sein Grinsen wird breiter – und er tut es.

Der Stoß lässt mich nach vorn taumeln. Der Becher fliegt mir aus der Hand, in perfekter Zeitlupe. Ich schwöre, ich kann jeden einzelnen Tropfen Kaffee sehen, wie er durch die Luft wirbelt, als würde das Universum meinen Untergang genüsslich auskosten.

Und dann trifft er ihn.

Den Mann, der an uns vorbeigeht.

Den ältesten Varyn-König.

Dante Varyn.

Der dampfende Kaffee spritzt über seine Brust und läuft über das goldene Insigne auf seinem Hemd. Die Welt hält den Atem an.

Keuchen geht durch den Innenhof. Jemand stößt tatsächlich ein Wimmern aus.

Der Adlige, der mich gestoßen hat, wird blass. „Oh Götter –“

Dante blickt auf die Sauerei hinab und dann zu mir.

Sein Blick ist ruhig. Zu ruhig. Eiskalt.

Lucien, der zu seiner Rechten steht, grinst, als wäre dies die beste Unterhaltung, die er den ganzen Monat bekommen hat. „Nun, das ist mal etwas Neues“, sagt er leise.

Kade bleibt hinter ihnen stehen, seine Augen unergründlich, während er alles beobachtet.

Mein Gehirn schreit. Mein Mund öffnet sich. Kein Wort kommt heraus.

Die Wachen setzen sich bereits in Bewegung. Ich höre ihre Stiefel, ihre Waffen, das kollektive Geräusch jedes einzelnen Schülers, der den Atem anhält.

Ich will verschwinden. Ich will mit dem Marmor verschmelzen. Ich will zehn Sekunden zurückgehen und stattdessen über meine eigenen Füße stolpern.

„Oh“, flüstere ich.

Lucien hebt eine Augenbraue, offensichtlich amüsiert. „Oh?“

Ich schlucke schwer. Meine Stimme sinkt zu einem Flüstern, das eigentlich nur für mich bestimmt ist, aber laut genug, dass die nächstgelegenen Wachen es hören.

„Oh, ich bin verdammt noch mal tot.“

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