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KAPITEL 5

Author: Anonymous Lee
last update publish date: 2026-08-27 16:33:14

KAPITEL 5

ROWAN

Ich wache schreiend auf.

Nicht elegant. Nicht würdevoll. Einfach laut, rau und ungefiltert, denn in dem Moment, in dem mein Bewusstsein zurück in meinen Schädel donnert, fühle ich nichts als Panik – glühend heiße Panik – und den Instinkt, HIER RAUSZUKOMMEN.

Ich fahre hoch, atme schwer, meine Kehle zugeschnürt, mein Herz donnert, während ich den fremden Raum in mich aufnehme: riesige Wände mit goldenen Verzierungen, dunkle Samtvorhänge, ein Kronleuchter, von dem Kristalle herabhängen, ein Bett, das so weich ist, dass es schon beleidigend wirkt, eine Tür aus verstärktem Stahl.

Und ich denke nicht einmal nach.

Ich stürze mich auf die Tür und beginne dagegenzuhämmern.

„LASST MICH RAUS!“

Meine Fäuste krachen gegen das Metall, Schmerz vibriert durch meine Arme, während ich wieder und wieder und wieder zuschlage.

„MACHT VERDAMMT NOCH MAL DIE TÜR AUF!“

Noch ein Schlag.

Noch ein Schrei.

Meine Handflächen brennen, wahrscheinlich bluten sie schon, aber ich höre nicht auf, denn das kann nicht echt sein, das kann nicht passieren, ich kann nicht hier sein.

Ich ramme meine Schulter gegen die Tür. „HEY! IST DA JEMAND? LASST MICH RAUS, ODER ICH SCHWÖRE, ICH WERDE –“

Das Schloss klickt.

Ich erstarre.

Die Tür schwingt sich langsam auf, mit einer bedrohlichen, absichtlichen Ruhe.

Dante Varyn steht im Türrahmen.

Sein Gesichtsausdruck ist unergründlich, aus Stein gemeißelt, doch seine Aura schlägt wie ein Sturm in den Raum. Lucien und Kade sind nicht hier. Nur Dante. Und ich.

Er tritt ein. „Du bist wach.“

„Oh, herzlichen Glückwunsch zu dieser Beobachtung“, fahre ich ihn sofort an. „Willst du eine Medaille?“

Sein Kiefer spannt sich an.

„Wo bin ich?“, verlange ich zu wissen, obwohl ich die Antwort bereits kenne. „Warum bin ich hier?!“

„Du wurdest gekauft“, sagt er schlicht.

Ich sehe rot.

„Oh, wie reizend. Das wusste ich gar nicht!“, spucke ich aus. „Sehr zivilisiert. Entführst du jetzt Schüler? Füttert das dein Ego? Ist es das, worum es hier geht?“

Seine Augen blitzen auf – kaum merklich –, aber ich bemerke es.

„Pass auf, wie du mit mir redest“, sagt Dante mit tiefer Stimme.

„Nein“, sage ich und trete auf ihn zu. „Wie wäre es, wenn DU darauf achtest, wie DU ein Königreich führst? Deine Schule – du weißt schon, die mit deinem Namen auf jedem verdammten Ziegelstein – wurde infiltriert. IN-FIL-TRIERT. Und das Einzige, woran ihr Leute danach denken konntet, war, mich in irgendeine unterirdische Auktion zu schleppen wie Vieh!“

Die Luft knistert.

Dantes Aura breitet sich so gewaltsam aus, dass meine Haut kribbelt, aber ich höre nicht auf.

„Du bist doch der allmächtige König, oder?“, fahre ich fort, meine Stimme wird lauter. „Du konntest nicht einmal deine eigene verdammte Akademie beschützen. Und was jetzt? Willst du mir etwa erzählen, du hättest es ‚geregelt‘?“

Er kocht vor Wut, seine Stimme wird kalt und kontrolliert. „Die Verantwortlichen für die Auktion wurden beseitigt.“

„‚Beseitigt‘“, äffe ich ihn nach. „Was soll das heißen? Gefeuert? Eine Ohrfeige bekommen? Wurden sie aufgefordert, sich zu entschuldigen?“

„Tot“, sagt Dante scharf.

Ich blinzle.

Er fährt fort, sein Ton flach, beinahe gelangweilt. „Der Ring wurde über Nacht zerschlagen. Seine Anführer wurden hingerichtet. Jeder Wärter in dieser Einrichtung ist tot. Der Auktionsort wurde niedergebrannt. Die Bedrohung ist neutralisiert und die Schule wurde für die nächsten sechs Monate geschlossen.“

Mein Mund öffnet und schließt sich, bevor ich ihn wieder öffne.

Er sagt es, als würde er eine Einkaufsliste vorlesen.

„Du … hast sie alle getötet?“, frage ich.

„Ja.“

„Oh.“ Ich schlucke. „Okay, dann.“

Dante starrt mich an. „Ist deine Krise vorbei?“

„Nein“, fahre ich sofort zurück. „Eigentlich fängt sie gerade erst an.“

Ein Muskel in seinem Kiefer zuckt. „Rowan –“

„Und die Schließung der Schule?“, unterbreche ich ihn. „Das ist dein großer, brillanter Plan? Das ist deine Lösung? Du willst sie für sechs Monate schließen – ganze sechs Monate – weil deine Sicherheitsvorkehrungen inkompetent sind?“

„Es ist eine Vorsichtsmaßnahme.“

„Es ist dumm.“

Stille.

Eine dicke, schwere Stille, die sich so straff zieht, dass sie jeden Moment reißen könnte.

Dante macht einen langsamen Schritt auf mich zu.

„Sag das noch einmal.“

Ich zucke mit den Schultern. „Welchen Teil? Den, in dem deine Sicherheitsvorkehrungen miserabel sind? Oder den, in dem du dumm bist?“

Seine Augen werden dunkler. „Rowan.“

„Oh, sag meinen Namen nicht so“, sage ich und fuchtele mit der Hand. „Du magst zwanzig Millionen wie Kleingeld herumgeworfen haben, aber du besitzt nicht meinen Mund.“

„Offensichtlich nicht“, murmelt er.

„Und meinen Verstand besitzt du auch nicht“, fahre ich fort, während die Wut erneut aufflammt. „Wenn du Lösungen willst, dann hör vielleicht auf mit den dramatischen Gesten und benutz dein Gehirn. Wenn du die Zugangspunkte mit den IDs deiner persönlichen Wachen codierst, würdest du jede Sicherheitslücke sofort schließen. Installiere Bannkreise zur Erkennung von Abtrünnigen – ECHTE, nicht diesen billigen Mist, den deine Angestellten benutzen – und du würdest Eindringlinge stoppen, bevor sie überhaupt die Tore erreichen. Und bilde deine Lehrer neu aus, denn die Hälfte von ihnen könnte nicht einmal ein Kleinkind abwehren, geschweige denn einen abtrünnigen Alpha.“

Dante starrt mich an.

Ich verschränke die Arme. „Siehst du? Nützlich. Effektiv. Logisch. Alles, was deine sechsmonatige Schließung nicht ist.“

„Du redest gefährlich“, sagt er leise.

„Gut“, schieße ich zurück. „Vielleicht sollte es endlich jemand tun.“

Seine Aura schlägt nach oben.

Er tritt so schnell vor, dass ich kaum Zeit zum Atmen habe.

Er senkt sein Gesicht zu meinem.

„Glaubst du, ich werde dich nicht bestrafen“, sagt er leise, „nur weil du wütend bist?“

„Ich glaube“, zische ich, „dass du es zu sehr gewohnt bist, dass Menschen zu deinen Füßen zittern.“

Seine Nasenflügel beben.

„Und ich glaube“, fahre ich fort, „dass es dir nicht gefällt, wenn jemand darauf hinweist, wie dumm deine Entscheidungen sind.“

Er streckt die Hand aus – nicht, um mich zu schlagen, nicht, um mich zu packen –, sondern um auf die Wachen zu zeigen, die in der Tür warten.

„Nehmt ihn“, sagt Dante kalt.

Ich blinzele. „Was?“

Er sieht mich nicht an.

Das muss er auch nicht.

Seine Stimme ist ein endgültiges Urteil.

„Werft ihn in den Kerker.“

Ich stolpere zurück. „Warte – was?!“

Die Wachen stürmen vor. Ich versuche, mich loszureißen, doch zwei Hände packen meine Arme.

„Nein – HEY – DANTE!“

Er dreht sich noch immer nicht um.

„Lasst mich los!“, brülle ich und wehre mich gegen den Griff der Wachen. „Meinst du das ernst? Wegen WAS? Weil ich dich dumm genannt habe? Weil dein Ego zerbrechlich ist? Weil ich die Wahrheit gesagt habe?!“

Dante steht dort, regungslos und schweigend, wie eine Statue, die aus Winter gemeißelt wurde.

Die Wachen zerren mich rückwärts, während ich trete, schreie und fluche.

„DAS IST WAHNSINN!“

„LASST MICH LOS!“

„DU AUFGEPLUSTERTER – ARROGANTER – KÖNIGLICHER – ZIEGELSTEIN –“

Nichts.

Keine Reaktion.

Nicht das kleinste Zucken.

Dante gibt den letzten Befehl, ohne den Kopf zu heben.

„Schließt ihn weg.“

Oh, dieser Mann und ich werden uns gegenseitig zugrunde richten.

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