로그인KAPITEL 4
ROWAN Das Erste, was ich wahrnehme, ist Schmerz. Ein pochender, schädelspaltender Schmerz, der vom Hinterkopf direkt meine Wirbelsäule hinunterzieht. Meine Handgelenke brennen wie Feuer, die Haut aufgescheuert und mit blauen Flecken übersät von – was? Davon, dass ich geschleift und grob angefasst wurde. Meine Augen reißen auf. Weiße Wände. Metallene Arbeitsflächen. Eine tief summende Lampe über mir. Ein gefliester Boden, so sauber poliert, dass ich mein Spiegelbild darin sehen kann: blass, wütend, desorientiert. Ich richte mich zu schnell auf. Mein Kopf dreht sich. „Was zum Teufel –“ Eine Tür wird aufgerissen. Zwei Wärter kommen herein – groß, bullig, mit Lederhandschuhen und Gesichtern, in die Langeweile gemeißelt zu sein scheint. „Endlich wach“, sagt einer. „Zieht ihn aus.“ „Versuch es“, zische ich. Der zweite Wärter kommt schweigend auf mich zu und greift nach meinem Kragen. Ich beiße ihn. Hart. Er stößt einen Schmerzenslaut aus und fährt zurück. „Verdammter – er hat mich gebissen!“ Ich fletsche die Zähne. „Fass mich noch einmal an – ich fordere dich heraus.“ Der erste Wärter packt mich an den Haaren und reißt meinen Kopf zurück. „Wir haben keine Zeit für diesen Mist.“ „Dann geh“, fauche ich und trete nach seinem Schienbein. Er weicht aus. Unverschämt schnell. „Haltet ihn fest“, sagt er. Der Gebissene stürzt sich auf mich. Ich ramme ihm den Ellbogen in die Rippen, drehe mich und trete erneut zu. Mein Gleichgewicht schwankt – mir ist schwindelig, ich bin schwach, weil mir die Suppressiva fehlen –, aber ich lande trotzdem einen Treffer, der hart genug ist, um ihn grunzen zu lassen. „Hör auf zu kämpfen!“, bellt er. „Zwing mich“, spucke ich aus. Sie verschwenden keine Zeit mehr mit Diskussionen. Sie sedieren mich ein wenig – gerade genug, um meine Glieder schwer werden zu lassen – und zwingen mich anschließend in ein dampfendes Bad. Ihre Hände schrubben meine Arme, als wäre ich ein Gegenstand und kein Mensch. „Ihr seid widerlich“, murmele ich. „Du riechst nach Blut und Angst“, erwidert einer. „Ach ja?“, gebe ich zurück. „Dein Mund riecht nach Abwasser.“ „Halt ihn zum Schweigen“, faucht der andere. Sie tauchen meinen Kopf unter Wasser. Für einen Moment ist alles gedämpft. Mein Herzschlag. Mein Atem. Meine Gedanken. Dann reißen sie mich wieder hoch. Mein Blick könnte sie in zwei Hälften schneiden. „Mach das noch einmal“, keuche ich, „und ich verspreche dir, dass du danach keine Finger mehr haben wirst.“ Sie ignorieren mich. Das tun sie immer. Sie zerren mich heraus, trocknen mich wie Vieh ab und drücken mir Seidenkleidung in die Hände – eng, weich, demütigend. „Zieh das an“, befiehlt einer. „Nein“, sage ich sofort. Er hebt die Hand, als wolle er mich schlagen. Ich trete näher. „Versuch es noch einmal.“ Er zögert. Aber sie gewinnen trotzdem. Weil mein Körper schwach ist. Mein Magen rebelliert. Mein Puls ist unregelmäßig. Und als ich mich nicht schnell genug bewege, kommen zwei weitere Wärter herein, drücken mich zu Boden und zwingen mir die Kleidung über Arme und Beine. Als sie fertig sind, zittere ich vor Wut und Erschöpfung. „Das sollte besser ein Vermögen wert sein“, murmelt einer der Wärter. „Er macht mehr Ärger als die letzten fünf zusammen.“ „Ich bin keine Ware“, knurre ich. Sie lachen. Ich nicht. Ein Halsband schnappt um meinen Hals. Mein Puls dröhnt. „Ihr verdammten –“ Ein Knebel wird mir in den Mund gestopft. „Du redest zu viel“, sagt einer mit einem Schulterzucken. Sie zerren mich aus dem Vorbereitungsraum, einen dunklen Flur entlang, der nach altem Blut und Parfüm riecht, und direkt hinein in – die Hölle. Die unterirdische Auktionshalle ist riesig. Ein unterirdisches Stadion, das vor Reichtum und Gefahr nur so trieft. Sitze aus rotem Samt. Kristalllaternen. Männer und Frauen in königlichen Umhängen und juwelenbesetzten Masken. In der Mitte steht unter grellen Scheinwerfern ein Glaskäfig. Mein Käfig. Sie stoßen mich hinein. Ich schlage hart auf dem Boden auf, meine Handflächen schürfen auf. Ich starre zu ihnen hinauf, während sie die Tür verriegeln. Der Wärter, den ich gebissen habe, grinst und hebt seine verbundene Hand. „Dafür wirst du später bezahlen.“ Ich lecke über meine Zähne. „Komm rein und versuch es.“ Er zuckt zurück. Gut. Die Menge murmelt aufgeregt. Der Auktionator tritt vor. „Wir präsentieren Los Nummer 17. Eine seltene, nicht registrierte Schönheit mit beeindruckendem Temperament.“ Ich schnaube. Laut. Das gefällt ihnen. Ein Adliger in der dritten Reihe lacht. „Er hat Feuer.“ „Es wird Spaß machen, ihn zu brechen.“ Ich spucke direkt gegen das Glas. Die Menge tobt. „Bezahlt dafür, eine Show zu sehen, ihr Feiglinge!“, rufe ich. Keuchen. Lachen. Noch mehr Geflüster. „Er hat eine große Klappe.“ „Er ist mutig.“ „Er ist perfekt.“ Ich schlage meine Hand gegen das Glas. „Ich bin nicht perfekt, ich bin verdammt sauer!“ Der Auktionator grinst mit Zähnen, die viel zu weiß sind, um natürlich zu sein. „Sollen wir beginnen? Startgebot: zwei Millionen.“ „Drei!“ „Fünf!“ „Sieben!“ „Zehn!“ Ich spüre, wie mir Hitze den Hals hinaufkriecht. Scham. Wut. Hilflosigkeit. Alles vermischt sich zu etwas Kochendem und Hässlichem. Ich schlage beide Fäuste gegen das Glas. „HÖRT AUF!“ Die Menge wird nur noch lauter. „Dreizehn!“ „Vierzehn!“ „Fünfzehn!“ Ich laufe wie ein gefangenes Tier im Käfig auf und ab, den Kiefer angespannt, das Herz hämmernd. Das kann nicht passieren. Das kann nicht – Und dann verändert sich die Luft. Mit einem Mal fällt das Publikum in verblüffte Stille. Ich bleibe stehen. Mein Blick hebt sich. Drei maskierte Gestalten betreten den oberen Balkon. Groß. Breit. Schweigend wie Henker. Aber ich kenne diese Aura. Ich kenne sie nur zu gut. Dante. Lucien. Kade. Mein Blut wird zu Eis. „Nein“, flüstere ich. „Nein, nein, nein – Götter, nein. Jeder, nur sie nicht.“ Lucien lehnt sich über das Geländer. „Sieh mal einer an, wen wir hier haben.“ Dante steht genau in der Mitte. Seine Haltung ist steif. Kontrolliert. Beängstigend ruhig. Kades Augen treffen auf meine – ruhig, prüfend, unergründlich. Ich wende den Blick ab. Ich versuche es. Ich scheitere. Ihre Anwesenheit ist wie Schwerkraft. Dante hebt eine behandschuhte Hand. Der Auktionator fällt beinahe in Ohnmacht. „Zwanzig …“, sagt Dante, seine Stimme hallt durch die Halle, „Millionen.“ Stille. Vollkommen. Absolut. Man könnte eine Seele den Körper verlassen hören. Der Auktionator stottert. „Z-Zwanzig Millionen?“ Lucien lacht leise. „Ach, Dante. Ich wusste gar nicht, dass du heute einkaufen gehst.“ Kade sagt nichts. Aber er wendet den Blick nicht von mir ab. Meine Sicht verschwimmt vor Wut. „Oh, zur Hölle, nein.“ Ich schlage beide Handflächen gegen das Glas. „Wollt ihr mich verarschen?!“ Das Publikum zuckt zusammen. Dante nicht. „NEIN!“, schreie ich erneut. „Auf keinen Fall! Erstattet ihnen das Geld! Sie brauchen mich nicht!“ Lucien legt den Kopf schief. „Er ist süß, wenn er wütend ist.“ „Ich bin NICHT süß!“, schreie ich. Der Auktionator räuspert sich schwach. „Verkauft für zwanzig Millionen.“ Der Wärter betritt den Käfig. Ich schwinge nach ihm. Er duckt sich. „Schnappt ihn!“ Zwei weitere stürzen herein. Hände packen meine Arme. Meine Beine. Meine Taille. Ich wehre mich, trete, knurre und spucke Flüche aus. „LASST MICH LOS!“ „WAGT ES NICHT, MICH ANZUFASSEN –“ „ICH WERDE EUCH WIEDER BEISSEN –“ „Beruhige dich“, knurrt der Wärter. „WERDE ICH NICHT!“ Mein Kopf dreht sich – die Wirkung der Suppressiva lässt nach, während das Adrenalin abstürzt. Ich stolpere, meine Knie geben beinahe nach. Die Käfigtür öffnet sich. Die Könige warten. Lucien lächelt, als würde er sich eine Komödie ansehen. Kades Augen flackern, während er mich liest wie ein Buch. Dante tritt vor, seine Stimme tief und kalt. „Das reicht.“ „Das reicht?!“, schreie ich. „Das reicht?! IHR HABT MICH GEKAUFT WIE EIN –“ „Sediert ihn“, sagt Dante. Mein Körper erstarrt. „Nein“, hauche ich. „Wagt es nicht –“ Hinter mir blitzt eine Nadel auf. „Oh, fuck –“ Bevor ich mich wegdrehen kann, bohrt sich die Spitze in meinen Hals. Die Welt beginnt zu verschwimmen. „Nein“, flüstere ich erneut, diesmal schwächer. „Nicht … schon wieder …“ Meine Knie geben nach. Das Letzte, was ich sehe, ist Dantes unergründliches Gesicht, das langsam in der Dunkelheit verschwindet, während ich das Bewusstsein verliere. Und der letzte Gedanke, den ich noch fassen kann, ist: Oh fuck … nicht schon wieder.KAPITEL 20ROWANDrei Tage später kamen die Wachen genau zu der Uhrzeit an meine Tür, die auf der Einladung angegeben war. Ihre Mienen waren unter den kunstvollen silbernen Masken, die das Thema des Balls kennzeichneten, so ausdruckslos wie immer, und ich folgte ihnen ohne einen einzigen Protest durch die gewundenen Korridore, weil Widerstand ohnehin sinnlos gewesen wäre. Mein Herz schlug etwas schneller, als ich zugeben wollte, als wir uns den Türen des großen Ballsaals näherten. Mit jedem Schritt wurden die Musik und das Lachen lauter. Der Anzug, den Dante geschickt hatte, passte perfekt. Die schwarze Seide schmiegte sich auf eine Weise an meinen Körper, durch die ich mich zugleich elegant und entblößt fühlte, als würde ich allen zur Beurteilung vorgeführt. Ich richtete die Samtmaske ein letztes Mal, bedeckte damit die obere Hälfte meines Gesichts und hoffte, dass sie die Nervosität verbarg, die in meinen Augen flackerte.Als die gewaltigen Türen aufschwangen, traf mich der Anblick
KAPITEL 19DANTEIch saß am Kopf des Obsidiantisches im Kriegsraum, meine Brüder und mein Cousin Alastair um mich herum, während Nyra am anderen Ende mit ihrer perfekten Haltung und ihren berechnenden Augen stand. Der Raum war schwer von Spannung erfüllt, denn die Bedrohungen waren schlimmer geworden, und wir alle wussten, dass der Maskenball in drei Tagen der perfekte Zeitpunkt für einen Angriff sein könnte. Fackelschein flackerte über die eingravierte Karte von Varynia vor uns, und ich hielt meinen Gesichtsausdruck vollkommen kalt und beherrscht, als die Besprechung begann.„Dann schlagen wir zuerst zu“, sagte Lucien, seine Stimme schnitt wie eine Klinge durch die schwere Stille.Kades tiefes Grollen folgte unmittelbar nach Luciens Worten. „Sie testen uns. Jede Nacht. Wir können nicht warten.“Alastair beugte sich auf seinem Sitz nach vorn und sah mich direkt an. „Dante, die Zahlen sind bestätigt. Dreifache Truppenstärke. Söldner von den Inseln. Attentäter der Schatten-Gilde. Sie um
KAPITEL 18ROWANIch muss irgendwann eingeschlafen sein, nachdem Lucien gegangen war. Die Bücher lagen überall um mich herum auf dem Bett verstreut wie kleine, verräterische Geheimnisse, und dieses schmutzige Buch, Eternal Bonds, lag noch immer offen auf meiner Brust. Die Seiten waren zerknittert davon, wie fest ich sie beim Lesen umklammert hatte. Mitten in einem weiteren heißen Kapitel waren meine Augen immer schwerer geworden. Die schmutzigen Worte waren ineinander verschwommen, bis nur noch pure Hitze und Fantasie übrig geblieben waren und der Schlaf mich schließlich vollständig übermannte.Der Traum begann beinahe unschuldig. Oder zumindest so unschuldig, wie alles sein konnte, was mit den Varyn-Königen zu tun hatte.Ich lag in einem dunklen, luxuriösen Raum. Seidenlaken fühlten sich kühl und glatt auf meiner vollkommen nackten Haut an. Ich war nackt. Vollkommen entblößt. Mein Körper bäumte sich von selbst auf, als starke Hände mich überall gleichzeitig berührten – raue, selbstsi
KAPITEL 17DANTEDie Erinnerung an Rowan Hales Gesicht hatte sich wie ein Splitter unter meine Haut gebohrt, den ich nicht herausbekam.Dieser Blick im Korridor – das Kinn aus meinem Griff gerissen, die Augen voller reinem, ungefiltertem Hass, während Blut durch sein Hemd sickerte. Die Lippen zu einer schmalen, trotzigen Linie zusammengepresst. Der Körper zitternd vor Schmerz, Erschöpfung und den fünfundzwanzig Hieben, die ich selbst angeordnet hatte … und trotzdem hatte er nicht gebettelt. Kein einziges Mal.Nicht eine einzige Bitte.Und genau das war das Problem.Ich hasste ihn dafür.Ich hasste es, wie es mein Blut heißer werden ließ, wie mein Schwanz sich bei dem Gedanken augenblicklich verhärtete und schmerzhaft gegen die Vorderseite meiner Hose drückte, während ich in der Stille meines Arbeitszimmers saß. Berichte über Sicherheitsverletzungen lagen offen vor mir, doch die Worte verschwammen. Ich konnte nur ihn sehen – schlank, blass, wütend. Schön auf eine Art, die in mir den Wu
KAPITEL 16ROWANLangsam regte ich mich, mein Körper zog mich aus dem tiefsten Schlaf, den ich seit Monaten gehabt hatte. Meine Augen flatterten auf, als sanftes Nachmittagslicht durch die schweren Vorhänge drang. Der Raum fühlte sich … anders an. Wärmer. Schwerer. Dieser Duft lag noch immer überall in der Luft – Kiefer, Rauch und etwas so dunkel Männliches, dass sich mein Magen zusammenzog.Kade.Er war weg. Das Bett neben mir war inzwischen kalt, doch seine Gegenwart lag noch überall. Sein Arm hatte eine Delle im Kissen hinterlassen, und die Laken rochen genau nach ihm. Ich konnte nicht anders. Ich vergrub mein Gesicht darin und atmete tief ein, während mein Herz raste.Gott, warum riecht er nur so verdammt gut? Wie pure Gefahr, eingehüllt in Geborgenheit. Ich könnte so leicht süchtig danach werden. Nein. Hör auf, Rowan. Er ist einer von ihnen. Schweigsam. Furchteinflößend. Viel zu intensiv.Ich biss mir fest auf die Unterlippe, während Hitze meinen Hals hinaufkroch und die Erinneru
KAPITEL 15ROWANNyra rappelte sich als Erste vom Boden auf und strich mit zitternden Händen ihr zerrissenes Kleid glatt. Ihre Wange leuchtete rot von meiner Ohrfeige, ihr Haar war zerzaust und ihr Make-up verschmiert. Sie richtete sich schnell auf, hob das Kinn und begann zu sprechen, noch bevor ich überhaupt wieder richtig zu Atem gekommen war.„Eure Majestät“, sagte sie hastig, ihre Stimme trotz ihres Zustands ruhig. „Diese unverschämte Beta hat mich ohne jeden Grund angegriffen. Ich ging lediglich durch die Flure, als er sich wie ein wildes Tier auf mich stürzte. Als Leiterin des Strategischen Nachrichtendienstes habe ich mich verteidigt, aber er hat unfair gekämpft. Er hat in diesen heiligen Korridoren nichts verloren.“Ich stemmte mich vom Marmorboden hoch, mein Rücken schmerzte von dem Sturz, während die Kratzer an meinen Armen und meinem Hals brannten. Warmes Blut rann aus einem Schnitt an meiner Lippe. Ich starrte sie an, schwer atmend.„Lügnerin“, fauchte ich. „Du hast angef







