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Kapitel 3

Author: Major_Canis
Es wäre gelogen zu behaupten, dass es Althea nicht verletzen würde. Und es wäre scheinheilig zu behaupten, sie sei nicht traurig oder enttäuscht. Aber … was hätte sie tun können? Nichts konnte diesen Lauf der Dinge aufhalten. Nicht einmal der Mann, auf den sie einst zu vertrauen glaubte, war auf ihrer Seite geblieben. Er war der Erste, der ihr Herz gebrochen hatte.

Althea war nicht blind. Sie sah ganz genau, wie wenig Mühe Daven sich gab, sein Verhältnis zu seiner Geliebten zu verbergen. Und dennoch zeigte er sich vor seiner Großmutter als perfekter, aufmerksamer Ehemann – ein makelloser Schein, der nichts mit der Wahrheit zu tun hatte.

„Gott“, flüsterte sie, die Augen fest geschlossen, während die Nacht um sie dichter wurde. Morgen wartete ein weiterer Tag, den sie überstehen musste. „Bitte hab Erbarmen. Nur ein wenig Güte, Herr … bitte, schenke mir diesen einen Wunsch.“

Als sie ihm gesagt hatte, was sie sich wünschte, hätte sie nie gedacht, dass Daven zustimmen würde.

Und genau deshalb durfte sie diese Chance – vielleicht ihre einzige – nicht verstreichen lassen.

Ein Kind.

Althea wünschte sich ein Kind. Einen Gefährten für die kommenden Jahre. Ein kleines Wesen, das sie ohne Bedingungen lieben konnte. Jemanden, der „Mama“ sagen würde – selbst wenn das vielleicht das einzige warme Wort wäre, das sie in ihrem ganzen Leben je hören würde.

Und sie wusste … dies könnte ihre einzige Hoffnung sein.

Sie war allein auf der Welt. Sie verlangte nichts von Daven. Im Gegenteil: Sie hatte längst beschlossen, zu verschwinden – irgendwo weit weg, ein stilles Leben zu führen, nur sie und ihr Kind. An einem Ort, den Daven niemals betreten würde. Denn dann würde er längst sein perfektes Leben mit der Frau leben, die er wirklich liebte.

Das war ihr Wunsch. Und selbst wenn andere es töricht oder verrückt nennen würden, hielt sie daran fest. Sie hoffte – mit jeder Faser ihres Herzens – dass Gott ihr gnädig sein würde. Dass ihr Wunsch sich erfüllen würde.

Deshalb stand Althea an jenem Morgen vor dem hohen Spiegel ihres Zimmers. Mit kleinen, vorsichtigen Bewegungen strich sie den frisch geschnittenen Pony zurecht. Ein wenig unsicher, aber sie schenkte ihrem Spiegelbild ein Lächeln. Ihr Gesicht war fein geschminkt – nicht übertrieben, nur so sehr, dass es eine Schönheit hervorhob, die sie selten zeigte.

Heute wollte sie einfach einmal schön aussehen.

Althea trug ein schlichtes Kleid in zartem Nude, das ihre schlanke Figur sanft umspielte. Sie strich über den Stoff und lächelte leise. Heute Morgen hatte sie vor, Daven ein besonderes Frühstück zu kochen.

„Ich bin so weit“, flüsterte sie sich selbst zu. „Wenn Daven mich nur einmal in der Küche in den Arm nehmen würde –“ Ugh!

Hitze schoss ihr ins Gesicht. All die romantischen Romane, die sie früher verschlungen hatte, wirbelten ihr durch den Kopf – voller verträumter Szenen von Ehemann und Ehefrau, die sich in jeder Ecke des Hauses in die Arme fielen, voller Wärme, voller Leidenschaft.

„Wie kannst du nur so naiv sein, Althea?“, tadelte sie sich selbst. „Daven würde niemals so etwas tun.“

Und doch … fand Hoffnung manchmal Platz genau dort, wo alles unmöglich schien.

Leider zerplatzte diese Hoffnung in dem Moment, als unten die Klingel ertönte – begleitet vom klackenden Rhythmus hoher Absätze und einem scharfen, spöttischen Lachen.

„Wer könnte das sein?“, murmelte Althea, während sie die Treppe hinunterging. Das zarte Lächeln, das sie vor dem Spiegel geübt hatte, verflog langsam und machte einem ruhigen, vorsichtigen Ausdruck Platz.

Im Wohnzimmer saß eine Frau, die sich so selbstverständlich ausbreitete, als gehöre ihr das ganze Haus. Ein tief bordeauxroter Jumpsuit, glänzende High Heels.

Vanessa Blake.

Arrogant. Schön. Und sich ihrer Wirkung bis ins letzte Detail bewusst. Ihr Gesicht war genau das, was man aus dem Fernsehen und zahllosen Werbeanzeigen kannte. Und tatsächlich musste Althea zugeben – Vanessa sah aus wie eine Göttin, die vom Himmel herabgestiegen war.

Leider … sprachen ihr Lächeln und ihre Art eine ganz andere Sprache. Vor allem, wenn sie Althea ansah.

„Oh?“ Vanessa drehte sich um, ihr Blick glitt langsam über Althea hinweg, von Kopf bis Fuß. Ein spöttisches Grinsen hob sich auf ihren Lippen. „Du kannst dich also doch hübsch machen.“

Althea blieb vollkommen ruhig. „Kann ich dir irgendwie helfen, Frau Blake?“

„Ah, gleich zur Sache?“ Vanessa stand langsam auf und strich mit der Hand über ihre Designer-Tasche. „Bietest du mir nichts an? Kein Getränk? Gar nichts?“ Mit einer perfekten, fast schon arroganten Bewegung warf sie ihr Haar über die Schulter. „Man sollte meinen, du wüsstest wenigstens, wo dein Platz ist. In diesem Haus bist du schließlich am ehesten diejenige, die Gäste bedient. Dein Gesicht passt hervorragend zu dieser Rolle, Althea.“

Althea lächelte – bewusst.

„Ich bin nicht hier für Höflichkeiten“, sagte Vanessa spöttisch. „Ich wollte einfach selbst sehen, was mein Verlobter mit einer Frau wie dir anstellt. Einer Frau ohne Anstand. Als du Daven um Zeit gebeten hast, dachte ich, du bluffst. Aber jetzt sehe ich – du bist wirklich verrückt geworden.“

„Ich kann noch sehr klar denken, Frau Blake.“

Vanessa lachte – schrill, höhnisch, amüsiert über ihr Elend. „Klar denken? In diesem Kleid? Hoffst du ernsthaft, Daven zu verführen?“ Sie trat näher heran, die Augen funkelnd. „Du bist nichts weiter als eine billige Frau.“

Bevor Vanessa nach ihr greifen konnte, war Althea schneller. Ihre Hand schloss sich fest um Vanessas Handgelenk – nicht gewaltsam, aber bestimmt genug, um sie sofort zu stoppen.

„Du kannst mich billig nennen, Frau Blake. Das interessiert mich nicht. Aber im Moment bin ich immer noch Daven Callisters Ehefrau.“

Ihr Blick blieb fest. Ihr Griff ebenfalls.

„Pass auf, du Schlampe!“, zischte Vanessa. Dann lachte sie – ein dünnes, scharfes Lachen, splitternd wie Glas. „Oh, Liebling … dieser Titel – ‚Daven Callisters Ehefrau‘ – steht nur auf einem Stück Papier. Das weiß jeder.“

„Und jeder weiß auch, dass deine Hochzeit noch nicht stattgefunden hat“, sagte Althea ruhig, aber bestimmt. „Bis dahin bin ich seine Frau. Und ich werde diese Rolle erfüllen, Frau Blake.“

Vanessas Blick verengte sich gefährlich. „Du glaubst wirklich, du könntest ihn berühren? Ihn ins Bett kriegen? Du bist erbärmlich.“

„Ich erwarte nichts“, sagte Althea und hob das Kinn ein Stück. „Du musst dich wirklich nicht bedroht fühlen, oder? Schließlich steht längst fest, wer die eigentliche Gewinnerin ist.“

Sie ließ Vanessas Hand los und trat zurück. Keine Sekunde länger wollte sie die Frau berühren, die Daven liebte.

Wäre ihre Entschlossenheit nicht so fest gewesen, wäre sie an diesem Morgen wahrscheinlich schon bei Vanessas bloßem Anblick in Tränen ausgebrochen.

Vanessa rieb ihr Handgelenk. Diese Frau! Wie wagte sie es? Das würde sie ihr heimzahlen – bis zum letzten Blutstropfen.

„Weißt du, Althea …“, begann Vanessa, ihre Stimme süß und messerscharf zugleich, „ich habe mich immer gefragt, warum Daven dich überhaupt geheiratet hat. Du bist ein Niemand. Keine Herkunft, die zählt, keine Verbindungen, kein Name, den man sich merkt.“

Wären diese Worte von Kate Callister gekommen, ihrer Schwiegermutter, hätte Althea sie vielleicht hinnehmen können. Aber aus Vanessas Mund – einer Außenstehenden, die von den Callisters behandelt wurde, als wäre sie längst Familie – trafen diese Worte Althea härter als jede andere Stimme. Vanessa durfte alles sagen. Niemand würde sie je stoppen.

Althea schwieg, hielt sich mühsam an ihrer Ruhe fest. Sie wusste genau, was Vanessa wollte – irgendwo einen Riss finden und genau dort hineinstoßen. Und mein Gott, wie sehr musste sie kämpfen, damit die Tränen nicht flossen.

„Früher dachte ich, Daven hätte dich aus Mitleid geheiratet“, fuhr Vanessa fort. „Aber jetzt glaube ich … er hat endlich erkannt, wie gierig du bist. So still, so unschuldig gibst du dich – aber hinter dieser Fassade bist du doch berechnend, oder?“

„Es reicht jetzt, Vanessa“, sagte Althea ruhig. „Wenn du nur hier bist, um mich zu beleidigen, mache ich da nicht mit. Ich habe nicht vor, jemanden bloßzustellen.“

„Bloßstellen?“ Vanessa lachte hell und grausam. „Schatz, du hast dich schon selbst bloßgestellt, allein mit diesem Outfit. Was dachtest du denn? Dass Daven dich sieht und plötzlich dahinschmilzt? Dass er mich stehen lässt – wegen dir?“

„Das habe ich nie erwartet“, sagte Althea gelassen, erstaunlich fest. „Ich tue nur das Einzige, was mir gerade bleibt – ich erfülle meine Rolle.“

„Deine Rolle?“ Vanessa verzog den Mund zu einem süßlich-giftigen Lächeln. „Du klingst wie eine Witwe in Trauer. Tragisch. Und noch lächerlicher, weil dein Mann höchst lebendig ist … und eine andere liebt.“

Althea biss sich auf die Lippe, senkte den Blick und atmete tief ein. „Ich weine nicht. Nicht vor ihr“, dachte Althea. Doch bevor sie antworten konnte, erklangen Schritte von oben.

Daven.

Er trat aus seinem Zimmer, in einem grauen Hemd und einer maßgeschneiderten Hose. Der Schnitt war locker, aber seine Augen – wach, scharf – erfassten die Situation sofort: Vanessa viel zu nah an Althea, und Altheas Gesicht so bleich, als müsste sie etwas in sich niederkämpfen.

Bevor er etwas sagen konnte, füllte eine andere, schneidende Stimme den Raum.

„Was geht hier vor? Warum dieser Lärm so früh am Morgen?“

Kate Callister erschien auf der Treppe, flankiert von ihren Töchtern Karina und Felicia. Drei Blicke voller Verachtung richteten sich auf Althea.

Vanessa legte sofort los, die perfekte Drama-Prinzessin. „Kate … ich wollte nur meine Sorge äußern. Schau sie dir an – Althea macht sich so zurecht, nur um Daven zu verführen. Ich fürchte, sie vergisst langsam, wo ihr Platz ist.“

„Um Himmels willen.“ Kate musterte Althea von oben bis unten. „Was soll das, Althea? Wo ist dein Anstand geblieben?“

„Ich trage nichts Unangemessenes“, sagte Althea leise. „Ich bin es gewohnt, mich zu Hause so zu kleiden.“

Karina kicherte spöttisch.

„Unglaublich. Seit einem Jahr wohnst du hier, und schon benimmst du dich, als würde dir das Haus gehören?“

Und Karina war nicht die Einzige. Auch Felicia stieß sofort nach.

„Die wird von Tag zu Tag dreister!“, fauchte sie und stieß Althea so heftig gegen die Schulter, dass diese ins Wanken geriet und beinahe fiel. „Mach endlich die Augen auf, Althea! Du gehörst nicht hierher! Du bist völlig fehl am Platz!“

„Genug!“

Davens Stimme durchschnitt den Raum wie ein Peitschenhieb. Alle wandten sich ihm zu.

„Du verteidigst sie doch nicht etwa?“, fragte Karina ungläubig.

Er seufzte schwer. „Ich verteidige niemanden. Ich will nur einen Morgen ohne Drama. Die Arbeit belastet mich genug.“

Vanessa schob trotzig die Lippen vor. „Aha. Das klingt, als würdest du sie verteidigen, Liebling.“

Daven schüttelte kaum merklich den Kopf. „Das wird nie passieren.“

Er trat zu Vanessa, strich ihr sanft die Haare zurück – und übersah dabei völlig den Schmerz, der Altheas Gesicht überschattete, nur ein paar Schritte entfernt.

Ob es ihn kümmerte?

Nicht im Geringsten.

„Ich bitte euch, hört mit diesem Streit auf. Ich brauche Ruhe.“ Sein Ton war lasch, fast leer, aber hart genug, um alle zum Schweigen zu bringen.

Kate schnaubte verärgert. „Gut, dann eben woanders. Ich frühstücke nicht hier.“

Sie drehte sich um und rauschte davon, Karina und Felicia dicht hinter ihr – beide warfen Althea beim Vorbeigehen einen vernichtenden Blick zu.

Auch Vanessa blieb noch kurz stehen, funkelte Althea voller unterdrückter Wut an und wendete sich dann mit schnellen, verärgerten Schritten ab.

Kaum waren die vier verschwunden, senkte sich Stille über den Raum.

Daven fuhr sich müde übers Gesicht. „Was immer zwischen euch passiert – macht es heute Morgen nicht zu meinem Problem.“

Althea stand noch immer ruhig da, obwohl ihr Herz brannte. Endlich hob sie den Blick zu ihrem Mann.

„Dann lass mich bitte dein Frühstück machen. Es dauert nur fünf Minuten. Du hast doch noch nichts gegessen, oder?“

Daven antwortete nicht gleich. Er sah sie nur einen Moment lang an, mit einem völlig undurchschaubaren Blick, ehe er knapp nickte. „In Ordnung. Aber verschwende nicht meine Zeit.“

Althea senkte leicht den Kopf und ging leise in die Küche. Fünf Minuten später kam sie zurück – mit einem perfekt arrangierten Tablett: Toast, ein Spiegelei, heißer Kaffee, sogar die Serviette sauber gefaltet.

Daven saß bereits am Tisch, vertieft in die Dokumente auf seinem Tablet.

„Bitte“, sagte Althea und stellte das Tablett vor ihm ab. „Es ist nichts Besonderes, aber … ich hoffe, es hilft dir, gut in den Tag zu starten.“

Daven warf dem Frühstück einen kurzen Blick zu und begann wortlos zu essen.

Althea setzte sich ihm gegenüber, die Hände gefaltet auf dem Schoß. Einen Moment zögerte sie, dann hob sie die Stimme.

„Du hast dein Versprechen nicht vergessen, oder?“, fragte sie leise. „Ich wollte dich nur daran erinnern.“

Daven legte das Besteck ab und sah sie ohne jede Regung an. „Nein.“

Althea nickte langsam. „Dann werde ich meinen Teil als deine Frau erfüllen – so, wie es meine Aufgabe ist. Ich mache dir Frühstück, achte darauf, dass du nichts Wichtiges für die Arbeit vergisst“ – sie lächelte schwach – „und alles andere, was Eheleute normalerweise füreinander tun.“

Daven seufzte und rieb sich kurz die Schläfen. „Ich will heute kein weiteres Drama. Du kennst die Regeln, Althea. Bring mich nicht dazu, meine Entscheidung zu bereuen.“

„Das werde ich nicht“, sagte Althea und richtete sich innerlich auf. Ihre braunen Augen suchten seine, fest und ohne ein Zittern. „Ich möchte dich nur um eine einzige Sache bitten … nur für diesen Morgen.“

Daven sah sie an, völlig unbeeindruckt. „Und was wäre das?“

„Könntest du mir … einen Morgengruß geben? Einen Kuss?“

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