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Kapitel 4

ผู้เขียน: Major_Canis
„Sag mal … bist du völlig verrückt geworden?“

Althea verstand nur zu gut, warum ihre beste Freundin so reagierte, mit einem Gesichtsausdruck, der vor blanker Fassungslosigkeit förmlich erstarrte. Sie hatte Lydia alles erzählt – und obwohl keine einzige Träne gefallen war, wusste Lydia genau, wie tief der Schmerz ging. Manche Wunden sitzen so tief, dass selbst Tränen keine Kraft mehr haben.

„Sag, was du willst“, meinte Althea mit einem kaum sichtbaren Lächeln. „Aber ich glaube … das ist die einzige Chance, die mir das Leben lässt.“

„Du hast doch mich, Althea. Du bist nicht allein auf der Welt“, sagte Lydia genervt. „Ich habe dir unzählige Male gesagt, dass die Callisters kein Ort für dich sind. Du bist zu gut, zu weich … und sie würden dich immer zerreißen.“

Altheas Blick sank auf die inzwischen lauwarme Tasse Tee. Ihre Finger umklammerten sie, als könne die verbliebene Wärme das Chaos in ihrer Brust beruhigen.

„Ich weiß“, flüsterte sie kaum hörbar. „Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte … wäre ich nie ein Teil dieser Familie geworden.“

Ein bitteres Lächeln huschte über ihr Gesicht – eins, das sie nur für sich selbst zuließ. Für ein Leben, das sich anfühlte wie eine Welle, die immer wieder über ihr zusammenbrach.

Lydia seufzte tief, beugte sich zu der gebrochen wirkenden Althea vor. „Warum wartest du überhaupt diesen Monat ab? Am Ende lässt Daven sich doch sowieso scheiden.“

Althea nickte langsam. „Wie ich dir schon gesagt habe … wer weiß? Vielleicht verbringt Daven irgendwann in diesem Monat eine Nacht mit mir.“

Sie lächelte schwach und schmerzvoll, der Kopf sank noch tiefer. „Mein Leben ist wirklich erbärmlich, oder?“

Zwischen ihnen fiel eine schwere Stille.

„Aber vielleicht…“, sagte Althea leise. „Vielleicht hat Gott Mitleid mit mir. Vielleicht werde ich schwanger.“

„Fürchtest du dich nicht?“, fragte Lydia behutsam. „Was, wenn Daven es eines Tages erfährt?“

„Warum sollte ich Angst haben? Es wäre nur eine Nacht – so wie all die Nächte, die er mit anderen Frauen verbringt“, antwortete Althea leise. „Ich werde ihm Gründe genug liefern. Ich erwarte nichts von ihm. Mein Kind und ich … keiner von uns wird jemals den Namen Callister tragen.“

Lydia stieß einen langen, schweren Atemzug aus. Die Hoffnungslosigkeit, die Althea mit sich trug, war nur allzu verständlich. Und wenn dies wirklich das war, was Althea wollte, konnte Lydia nichts anderes tun, als an ihrer Seite zu bleiben.

„Und du willst das Haus wirklich verkaufen?“

„Ja“, sagte Althea sofort.

Lydia sah sie an – mit Bewunderung, aber auch mit tiefer Traurigkeit. „Aber dieses Haus … es war deiner Mutter. Ihr habt dort so viele Erinnerungen geschaffen.“

Althea schwieg einen Moment, bevor ein wehmütiges, fast zerbrechliches Lächeln ihre Lippen streifte. „Ich möchte keine Spur von mir in dieser Stadt lassen, Lydia. Ich habe meinen Entschluss gefasst. Diesmal gehe ich wirklich.“

***

Der Himmel war längst dunkel, als Daven die Haustür aufschloss. Das vertraute Klicken hallte durch das große, stille Haus – leise, aber schneidend klar. Seine schwarzen Schuhe klackten über den Marmorboden, sein dunkelgrauer Anzug war etwas zerknittert. Und am Kragen haftete noch der feine Duft eines edlen Parfüms – die Spur des heimlichen Abendessens, das er eben mit Vanessa verbracht hatte.

Er seufzte, zog träge an seiner Krawatte, um sie zu lockern, und trat tiefer ins Haus. Die Lichter im Wohnbereich brannten noch, und ihr warmer Schein stand in scharfem Kontrast zu der eisigen Nacht draußen.

„Willkommen zu Hause, Daven.“

Er blieb mitten im Schritt stehen.

Am Eingang zum Esszimmer stand Althea – ein schlichtes, beigefarbenes Hauskleid, das Haar ordentlich hochgesteckt, ein paar weiche Strähnen, die ihr Gesicht umspielten. Und dieses Lächeln … warm, offen, ehrlich. Ihre braunen Augen suchten seinen Blick, als wäre die Welt nicht eben erst über ihr zusammengebrochen.

Für einen Moment sah Daven sie einfach nur an. Normalerweise hätte er diesen Gruß ignoriert. Aber heute Abend … heute Abend ließ es sich nicht so leicht wegschieben.

„Ich habe gekocht“, sagte Althea. „Ich habe gehört, es war heute ziemlich kalt … also dachte ich, eine Rindfleischsuppe und warmes Brot würden dir guttun.“

Daven folgte ihrem Blick zum Tisch. Alles war liebevoll hergerichtet: die dampfende Suppe, das frische Brot, der kleine, sorgfältig angerichtete Salat. In der Mitte brannte eine einzelne Kerze, warf ein warmes, ruhiges Licht auf die Wände.

Er atmete aus. „Ich habe schon gegessen.“

Althea nickte. „Schon gut. Aber … es wäre schade, wenn alles kalt wird. Vielleicht probierst du wenigstens ein bisschen.“

Ihre Stimme war sanft, nicht drängend. Und dennoch zog Daven den Stuhl zurück und setzte sich – ohne einen Kommentar, ohne Widerstand. Vielleicht war es die Müdigkeit. Vielleicht der leise, hoffnungsvolle Glanz in Altheas Augen.

Vielleicht war es einfach das Versprechen, das er ihr gemacht hatte.

Ein Abendessen mit seiner Frau gehörte wohl auch dazu.

Althea setzte sich ihm gegenüber und goss ihm ein Glas Wasser ein. „Bitte“, sagte sie leise. Sie rührte ihr eigenes Essen nicht an – sie sah ihn nur an, ruhig, aufmerksam.

„Wie war dein Tag?“, fragte sie sanft. „Ist die Besprechung heute Morgen gut verlaufen?“

Daven hob den Löffel, probierte die Suppe und schluckte – ohne ein Wort.

Althea lächelte leise. Sie verstand. Daven war nie jemand gewesen, der sich öffnete. Schon gar nicht gegenüber einer Frau, die nur durch eine Entscheidung der Familie zu seiner Ehefrau geworden war.

„Ich habe von der koreanischen Textilfusion gehört, die nach Mighatan expandieren will. Werden sie nicht als Konkurrenten der Callisters gehandelt?“

Daven hob leicht den Kopf.

„Nicht direkt“, murmelte er. „Aber sie haben Einfluss auf die Rohstoffmärkte, auf die wir abzielen.“

Althea nickte, nachdenklich. „Ich dachte, du würdest eher an eine Allianz denken als an Konkurrenz.“

Daven erstarrte für einen kurzen Moment, dann legte er langsam den Löffel ab.

„Du verstehst überraschend viel.“

„In den Nachrichten wurde viel darüber berichtet“, sagte Althea bescheiden. „Ich habe nur ein wenig mitgelesen.“

Daven hob leicht eine Braue. Er antwortete nicht sofort. Doch zum ersten Mal seit langer Zeit sah er Althea wirklich an – ohne Abneigung, ohne gereizte Müdigkeit. Mit etwas, das einem Funken Interesse ähnelte.

Althea lächelte. Nicht stolz. Einfach dankbar, dass er ihr zuhörte.

„Ich möchte ein wenig von dem begreifen, was deine Welt ausmacht. Wenigstens … wenn ich irgendwann gehe, möchte ich wissen, wer du wirklich bist.“

Das Wort „gehen“ hing schwer zwischen ihnen wie dichter Nebel.

Daven schwieg, nahm nur den Löffel wieder auf und aß schweigend weiter.

Zwischen ihnen breitete sich eine Stille aus – ungewohnt ruhig, beinahe sanft.

Schließlich sagte Daven, mit seiner üblichen Monotonie, die heute jedoch etwas weicher wirkte:

„In zwei Tagen findet in der Mighatan-Botschaft ein Dinner statt. Der japanische Botschafter wird anwesend sein.“

Althea wandte sich ihm zu. „Klingt wichtig.“

„Er interessiert sich besonders für Callister Enterprise“, sagte Daven. „Er hat mir persönlich die Einladung geschickt.“

„Das ist doch großartig, oder?“ In Altheas Stimme lag ein warmer, vorsichtiger Enthusiasmus.

„Die Einladung ist… mit Begleitung.“

Sie lächelte weiter, gelassen. „Dann nimm doch jemanden mit, Daven.“

„Meine Frau.“

Althea erstarrte.

„Ich soll mit meiner Ehefrau erscheinen, Althea.“

Die Worte trafen sie wie ein Schlag. Ein unerklärlicher Schmerz breitete sich in ihrer Brust aus. Sie war sich sicher gewesen, dass Daven Vanessa mitnehmen würde.

Warum sagte er ihr das?

Um ihr ihre Grenzen aufzuzählen? Um sie daran zu erinnern, welchen Platz sie in diesem Haus einnahm?

Dabei wusste Althea das längst. Schmerzhaft genau.

„Mach dich auf das Dinner bereit, Althea.“

Daven stand auf, stützte die Hand auf den Tisch und ging zur Treppe. Doch kurz bevor er verschwand, blieb er einen Atemzug lang stehen und sagte – ohne sich umzudrehen:

„Die Suppe war gut.“

Althea hatte noch nicht wirklich begriffen, was er da gesagt hatte. Nicht ganz. Doch…

„Träume ich?“, murmelte sie und legte die Hände auf ihre plötzlich heißen Wangen. „Daven … hat mein Essen gelobt?“

Und noch unglaublicher: „Er will, dass ich mitkomme? Als seine Frau?“

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