Beranda / Romantik / Seine Wärme / Kapitel 1: Das gebrochene Urteil

Share

Seine Wärme
Seine Wärme
Penulis: Déesse

Kapitel 1: Das gebrochene Urteil

Penulis: Déesse
last update Tanggal publikasi: 2026-07-23 04:39:56

Théo

---

Der Gerichtssaal hält den Atem an. Ich atme nicht mehr.

Der Saal ist überfüllt, erstickend, erdrückend, Körper dicht an dicht auf den Holzbänken, kurze Atemzüge, Flüstern, das wie Gebete klingt. Doch ich höre nur das Hämmern meines Herzens, das in meinen Schläfen widerhallt, eine dumpfe Trommel, die schneller wird, die hämmert, die droht, meine Brust zu zersprengen. Meine Hände umklammern das Holz der Schranke so fest, dass meine Knöchel weiß hervortreten, dass meine Nägel sich in die Handflächen graben, ohne dass ich den Schmerz spüre. Vor mir steht die Gestalt meines Vaters aufrecht, zu aufrecht, als weigere er sich nachzugeben, selbst jetzt, da alles um ihn herum zusammenbricht, selbst jetzt, da ihm der Boden unter den Füßen wegbricht, selbst jetzt, da die Welt, die er in zweiundfünfzig Jahren aufgebaut hat, nur noch Staub ist.

Jacques Delmas. Mein Vater. Seit dreißig Jahren ein tadelloser Finanzmanager. Treuer Ehemann. Liebender Vater. Und heute: Angeklagter.

Der Vorsitzende Richter blättert mit einer Langsamkeit in seinen Papieren, die mich zum Schreien bringt, die mich über die Schranke springen und ihm diese verfluchten Blätter aus den Händen reißen lassen will. Jede umgeblätterte Seite ist ein Fallbeil, das näher kommt, jede Sekunde eine Ewigkeit der Qual. Meine Mutter, neben mir sitzend, umklammert meinen Unterarm so fest, dass ihre Nägel sich in mein Fleisch bohren und rote Halbmonde auf meiner Haut hinterlassen. Ich spüre nichts. Meine Schwester Isabelle, neunzehn, weint lautlos hinter uns. Ich höre ihr ersticktes Schluchzen, jenes, das sie in ihrem Schal zu verbergen sucht, tief in ihrer Kehle zurückzuhalten, um unseren Schmerz nicht noch zu vergrößern. Ihre Schultern lassen die Bank stoßweise erzittern.

Das grelle Neonlicht lässt den Schweiß auf meiner Stirn glänzen, er läuft mir in die Augen, salzig, brennend, ich wage nicht, ihn wegzuwischen. Ich bleibe erstarrt, eine Statue aus Fleisch und Angst.

Veruntreuung von Geldern. Vertrauensmissbrauch. Bildung einer kriminellen Vereinigung. Ungeheuerliche Worte, monströs, Worte, die niemals im selben Satz mit dem Namen meines Vaters hätten ausgesprochen werden dürfen. Worte, die zu nichts von dem passen, was ich kannte, was ich erlebt, was ich geliebt habe. Mein Vater, hereingelegt von Kollegen, die ins Ausland geflohen sind und eine finanzielle Leiche hinterlassen haben, geleerte Konten, gefälschte Bilanzen, ein ruiniertes Unternehmen. Er ist geblieben. Er hat an die Gerechtigkeit geglaubt. Er hat geglaubt, wenn er ehrlich ist, kooperiert, seine Bücher öffnet, alle Fragen beantwortet, wäre er geschützt.

Naiv. Wir waren alle naiv.

Die Staatsanwältin, eine hagere Frau mit eisigem Blick, beendet ihr Plädoyer. Ihre Stimme ist ein Messer, das die Luft zerschneidet, das den Ruf meines Vaters in Stücke hackt, das ihn auf eine Summe von Zahlen und Verdächtigungen reduziert. Sie spricht von Verantwortung, von verratenem Vertrauen, von der Notwendigkeit eines Exempels. Ich höre kaum zu. Ich sehe meinen Vater an. Er dreht leicht den Kopf zu mir, unsere Blicke treffen sich für den Bruchteil einer Sekunde, ein Blitz im Sturm. Er versucht zu lächeln, um mich zu beruhigen, um mir zu sagen, dass alles gut wird, dass es nur eine Formalität ist. Das Lächeln eines Mannes, der weiß, dass er fallen wird, der seinen Fall bereits akzeptiert hat und nur seinem Sohn den Anblick seiner Angst ersparen will.

Dann ergreift der Vorsitzende das Wort. Seine Stimme ist ernst, feierlich, sie hallt unter dem hohen Glasdach wie eine Totenglocke.

Untersuchungshaft wird beantragt. Bis zum Prozess. Bis zur Wahrheit, falls es sie überhaupt noch irgendwo gibt.

Meine Mutter keucht auf, ein rauer, herzzerreißender Laut, der aus den Tiefen ihres Wesens kommt. Isabelle stößt einen kleinen Schrei aus, sofort erstickt, als schäme sie sich ihres eigenen Schmerzes. Ich bleibe erstarrt, als wäre die Zeit in dem exakten Moment stehen geblieben, in dem mein Leben aus den Fugen geriet, in dem sich alles, was ich für fest hielt, als Sand erwies.

In diesem Augenblick sehe ich ihn.

Ihn.

In der zweiten Reihe der Richter, kaum sichtbar hinter seinen Kollegen, halb im Schatten, beobachtet ein Mann um die vierzig die Szene mit einer Intensität, die mir das Blut in den Adern gefrieren lässt, die mein Herz für den Bruchteil einer Sekunde anhält, die mir sämtliche Härchen am Körper aufstellt. Groß, breite Schultern unter der schwarzen Robe, dunkles, an den Schläfen grau meliertes Haar, ein markanter Kiefer, schmale und doch unglaublich sinnliche Lippen. Sein Gesicht ist wie mit dem Meißel gehauen, harte Züge, eine kalte, fast beunruhigende Schönheit. Aber es sind seine Augen, die mir zuerst auffallen.

Graue, fast metallische Augen, starr auf mich gerichtet.

Nein, nicht auf mich. Auf meinen Mund.

Ich spüre seinen Blick wie eine Verbrennung, wie eine Flamme, die meine Haut leckt, ohne sie zu berühren. Er beobachtet meine Lippen, wie ich sie beiße, um nicht zu weinen, wie ich sie zusammenpresse, um meine Würde zu bewahren, wie ich sie nervös befeuchte, wenn die Angst meine Kehle austrocknet. Er verfolgt jede Mikrobewegung mit einer Aufmerksamkeit, die mich lähmt, die mich an Ort und Stelle festnagelt, die mir das Gefühl gibt, nackt vor ihm zu sein, ausgesetzt, verletzlich. Wer ist das? Warum sieht er mich so an? Warum starrt er mit diesem Hunger in den Augen auf meinen Mund?

Der Vorsitzende verkündet die Entscheidung. Mein Vater wird in Untersuchungshaft genommen. Mit sofortiger Wirkung.

Das Chaos bricht aus. Meine Mutter bricht zusammen, ihr Körper rutscht von der Bank, ich muss sie auffangen. Isabelle schreit, ein schriller, herzzerreißender Schrei, der das Stimmengewirr des Saals durchdringt. Die Gendarmen nähern sich meinem Vater, legen ihm Handschellen an. Das metallische Klicken ist das schrecklichste Geräusch, das ich je gehört habe. Er lässt es geschehen, würdevoll, aber ich sehe, wie seine Schultern leicht herabsinken, sein Kopf sich neigt, sein Widerstand erlischt.

Papa.

Ich will zu ihm rennen, über die Bänke springen, den Saal durchqueren, ihn in die Arme nehmen, ihn beschützen, doch der Gerichtsdiener versperrt mir den Weg, eine Mauer aus Fleisch und Uniform. Mein Vater dreht sich ein letztes Mal um, sucht meine Mutter mit den Augen, sieht mich, und seine Lippen formen lautlos, mit einer Langsamkeit, die jede Silbe herzzerreißend macht:

— Kümmere dich um sie.

Dann verschwindet er durch eine Seitentür, verschluckt von der Dunkelheit des Korridors, fortgebracht in seine Zelle, ins Unbekannte, ins Unrecht.

Ich bleibe stehen, aufrecht, verloren. Die Menge strömt um mich herum, gleichgültig, eilig, es hinter sich zu bringen, zu ihren Beschäftigungen zurückzukehren. Die Journalisten notieren ihre Artikel mit gelangweilter Miene. Die Schaulustigen kommentieren mit gedämpfter Stimme, während sie zum Ausgang gehen. Und ich bin erstarrt, unfähig, mich zu bewegen, unfähig zu denken, unfähig zu atmen.

Da spüre ich erneut diesen Blick.

Er ist immer noch da, der Richter mit den grauen Augen. Er ist aufgestanden, seine schwarze Robe unterstreicht seine hohe Statur, seine Macht, seine Autorität. Er überragt den sich leerenden Saal, reglos, wie die Statue eines ewigen Richters. Er starrt jetzt nicht mehr auf meinen Mund. Er sieht mir direkt in die Augen, und seine Lippen deuten etwas an, das ein Lächeln sein könnte. Ein winziges Lächeln, kaum wahrnehmbar, ein Zucken der Mundwinkel, das mir jedoch etwas verspricht.

Was? Ich weiß es nicht. Aber ich spüre bereits, dass ich es bald wissen werde. Ich spüre, dass dieser Mann in mein Leben treten wird, dass unsere Wege miteinander verbunden sind, dass dieser auf meinen Mund gerichtete Blick kein Zufall war.

Er dreht sich auf dem Absatz um und entfernt sich, seine schwarze Robe wallt hinter ihm wie ein Rabenflügel, wie ein Omen, wie ein Fluch.

Meine Mutter zieht mich am Arm, holt mich in die Realität zurück. Wir müssen hinaus, nach Hause, die Angehörigen benachrichtigen, die Verteidigung organisieren, überleben. Ich folge ihr wie ein Automat, meine Beine bewegen sich von selbst, mein Körper funktioniert ohne meinen Geist. Doch in meinem Kopf bleibt ein Bild eingebrannt, glühend, unauslöschlich: das dieses Mannes, seiner grauen Augen und seines auf meine Lippen gehefteten Blickes.

Ich weiß noch nicht, dass er Édouard Delacroix heißt.

Ich weiß noch nicht, dass er Untersuchungsrichter ist.

Ich weiß noch nicht, dass er mein Leben zerstören wird, bevor er es mir zurückgibt, verwandelt, verklärt, für immer von ihm gezeichnet.

Lanjutkan membaca buku ini secara gratis
Pindai kode untuk mengunduh Aplikasi

Bab terbaru

  • Seine Wärme    Kapitel 164 : Der eifersüchtige Leibwächter 2

    Livio hat sich umgezogen, den Seidenmorgenmantel gegen eine Sporthose und ein enges T-Shirt getauscht, das einen schlanken, aber erstaunlich muskulösen Körper enthüllt. Nervige Arme, ein flacher Bauch, wohlgeformte Beine. Er ist nicht wie ein Krieger gebaut, aber er hat die Geschmeidigkeit eines Tänzers, die Leichtigkeit einer Raubkatze.— Gehen Sie in Deckung, sage ich und werfe ihm ein Paar Boxhandschuhe zu.Er fängt sie ungeschickt und zieht sie mit einer Linkischkeit an, die mich fast lächeln lässt. Fast.— Füße auseinander. Schulterbreite. Knie gebeugt. Hände vors Gesicht.Er gehorcht, ungeschickt, unausgeglichen. Ich kreise um ihn wie ein Raubtier um seine Beute, korrigiere seine Haltung mit fester Hand, tippe auf seine Schultern, richte seinen Rücken auf.— Sie haben noch nie Kampfsport gemacht?— Nein. Ich bin Maler, kein Boxer.— Dann werden Sie es lernen. Wenn jemand Sie angreift, müssen Sie sich wehren kö

  • Seine Wärme    Kapitel 163 : Der eifersüchtige Leibwächter

    Die Nachricht trifft mich wie ein Keulenschlag. Livio beschützen. Ständig bei ihm sein. Ihm überallhin folgen, über ihn wachen, für sein Leben geradestehen. Der Mann, der meinen Platz in Raphaëls Herzen eingenommen hat, der Mann, der in drei Nächten geschafft hat, was ich in sechs Jahren nicht geschafft habe, ich soll ihn jetzt beschützen, als wäre er mein Herr.— Herr Delacroix, sage ich mit einer Stimme, die ich bemüht neutral halte, meine Aufgabe ist es, Sie zu beschützen, Sie. Nicht Ihre... Gäste.— Ihre Aufgabe ist es, mir zu gehorchen, Malik. Und ich befehle Ihnen, Livio Moretti zu beschützen, wie Sie mich selbst beschützen würden. Mit derselben Hingabe. Derselben Effizienz. Ist das klar?Unsere Blicke kreuzen sich, und ich sehe in seinen eisigen Augen eine Entschlossenheit, die keine Anfechtung dulden wird. Er weiß, dass ich einen Befehl von ihm niemals ablehnen werde. Er weiß, dass meine Loyalität absolut, bedingungslos, pathologisch ist.

  • Seine Wärme    Kapitel 161: Das Bedürfnis nach Schutz

    Raphaël DelacroixDie Tür der Suite schlägt hinter mir mit einem dumpfen Geräusch zu, das in der Stille des leeren Salons widerhallt. Ich mache kein Licht. Ich bleibe im Halbdunkel stehen, den Rücken gegen die Tür gelehnt, die Augen auf die Lichter von Paris gerichtet, die hinter der Glasfront funkeln. Mein Herz schlägt zu schnell, meine Hände zittern noch, und der Geruch von Alessandros Parfüm scheint wie ein hartnäckiges Gift in meine Kleidung eingedrungen zu sein. Alles, was er heute Abend gesagt hat, dreht sich in meinem Schädel im Kreis, jedes Wort eine Klinge, jedes Lächeln ein Gift. Er weiß von Livio. Er weiß von der Agentur. Er weiß von meiner kranken Mutter. Er weiß alles, und diese Allwissenheit macht mir mehr Angst als jede ausdrückliche Drohung.Ich sollte keine Angst haben. Ich bin Raphaël Delacroix, der Herr des Turms, der Paris beherrscht, der Mann, der Finanzimperien in die Knie gezwungen hat, der Milliardär, den die Mächtigsten umwerben und fü

  • Seine Wärme    Kapitel 162 : Das Bedürfnis nach Schutz 2

    Seine Hand legt sich auf meine Wange, Handfläche offen, Finger gespreizt. Seine Haut ist rau, mit getrockneter Farbe befleckt, und diese Unvollkommenheit erschüttert mich mehr als alle Vollkommenheiten der Welt.— Ich möchte Sie um etwas bitten, sage ich in einem Hauch.— Alles, was Sie wollen.— Bleiben Sie. Nicht für eine Nacht. Nicht für zwei. Bleiben Sie eine Woche. Vielleicht länger. Ich brauche... ich brauche, nicht allein zu sein. Nicht jetzt. Nicht mit Alessandro, der herumschleicht.Er sieht mich an, seine bernsteinfarbenen Augen mit meinen verschmolzen. Ich erwarte, dass er zögert, dass er verhandelt, dass er seine Arbeit, sein Leben, sein Atelier vorbringt. Aber er tut nichts davon.— Einverstanden, sagt er einfach. Ich bleibe. Eine Woche, einen Monat, so lange Sie mich brauchen. Aber unter einer Bedingung.— Welcher?— Keine Regeln mehr zwischen uns. Kein Protokoll. Keine Maske. Wenn ich bleibe, dan

  • Seine Wärme    Kapitel 160: Das Abendessen mit dem Dämon

    Er fixiert mich mit einer neuen Intensität, seine haselnussbraunen Augen plötzlich dunkler, tiefer. Er streckt die Hand über den Tisch und legt sie auf meine. Die Berührung seiner Haut wirkt auf mich wie eine Brandwunde.— Es tut mir leid, Raphaël. Wirklich. Wenn ich gewusst hätte, dass ich dir so viel Leid zufügen würde, wäre ich nie so gegangen.— Du lügst. Du wusstest genau, was du tust. Du hast es immer gewusst.— Vielleicht. Aber heute lüge ich nicht. Heute möchte ich nur… die verlorene Zeit aufholen. Nicht unbedingt als Liebhaber. Aber als Freunde. Wiederfinden, was wir hatten, bevor alles kippte.— Das ist nicht möglich. Das wird nie möglich sein.— Warum? Weil du in deinen kleinen Künstler verliebt bist?Die Frage überrumpelt mich. Bin ich in Livio verliebt? Der Gedanke durchfährt mich zum ersten Mal, blitzartig, erschreckend. Ich denke an seine bernsteinfarbenen Augen, an seine farbverschmierten Finger, an seinen Mund, der es gewagt hat, meine Regeln herauszufordern. Ich denk

  • Seine Wärme    Kapitel 159 : Das Abendessen mit dem Dämon

    Raphaël DelacroixDie Tour d'Argent hat sich nicht verändert. Dieselben dunklen Täfelungen, dieselben gestärkten weißen Tischdecken, dieselben Kristalllüster, die ein gedämpftes Licht auf die steinreichen Gäste verbreiten. Der Blick auf Notre-Dame ist immer noch spektakulär, die Seine, die sich zwischen den Quais wie ein Silberband unter dem Mond schlängelt. Hier hat Alessandro mir vor sieben Jahren einen Heiratsantrag gemacht. Hier hat er mir einen Ring mit blauem Diamanten angeboten und gesagt, er wolle den Rest seines Lebens mit mir verbringen, vor all diesen Fremden, die uns mit einer Mischung aus Neugier und Wohlwollen betrachteten. Ich hätte an jenem Abend wissen müssen, dass die schönsten Kulissen die schlimmsten Verrätereien beherbergen. Ich hätte begreifen müssen, dass dieser Mann eine in Seide gehüllte Schlange war, ein als Prinz Charming verkleideter Räuber.Aber ich war blind. Ich war verliebt. Und heute Abend, sieben Jahre später, sitze ich am selben Tisch, demselben Mann

Bab Lainnya
Jelajahi dan baca novel bagus secara gratis
Akses gratis ke berbagai novel bagus di aplikasi GoodNovel. Unduh buku yang kamu suka dan baca di mana saja & kapan saja.
Baca buku gratis di Aplikasi
Pindai kode untuk membaca di Aplikasi
DMCA.com Protection Status