เข้าสู่ระบบIch beuge mich zu ihm, angezogen von einer unwiderstehlichen Kraft. Unsere Atemzüge vermischen sich im engen Raum, der unsere Gesichter trennt. Mein Mund ist wenige Zentimeter von seinem entfernt, so nah, dass ich die Wärme seiner Lippen spüre, dass ich ihren süßen Geschmack erahne. Aber ich küsse ihn nicht. Das ist die Regel. Die wichtigste Regel, die heilige Regel, die einzige, die mich noch schützt. Nie ein Kuss. Der Kuss ist die Intimität. Der Kuss ist die Tür, die ich nicht mehr überschreiten kann, ohne zusammenzubrechen. Also wende ich den Kopf im letzten Moment ab, feige, und lege meine Lippen auf seinen Hals, auf diese zarte Haut direkt unter dem Ohr. Er stöhnt. Ein reiner, aufrichtiger, primaler Laut, der gegen meinen Mund vibriert und sich in meinem ganzen Körper fortsetzt. Ich sauge an seiner Haut, knabbere sanft daran, spüre den Puls, der unter meiner Zunge schlägt. Meine Hand setzt ihr Werk an seinem Geschlecht fort, wechselt zwisch
Ich knöpfe mein Hemd mit ruckartigeren Bewegungen auf, als ich möchte. Seine Augen folgen der Bewegung meiner Finger, verschlingen sie, verbrennen sie. Ich spüre seinen Blick auf meiner Haut wie eine leichte Verbrennung, wie eine Glutspur. Er senkt nicht die Lider, er wendet nicht den Kopf ab aus gespielter Scham. Er schaut, intensiv, gierig, jeden Zentimeter Haut, den ich enthülle, und sein Blick ist beredter als eine Liebkosung. Mein Oberkörper ist breiter als seiner, massiver, schwerer, von Jahren des Sports und der militärischen Disziplin gezeichnet. Eine alte Narbe durchzieht meine Rippen, Erinnerung an einen Sturz vom Pferd mit zwanzig, und seine Augen verweilen darauf mit unverhohlener Neugier. Er stellt keine Frage. Es ist die einzige Regel, die er noch respektiert, und ich bin ihm fast dankbar dafür. Ich beende das Auskleiden, werfe meine Kleider mit einer Ungeduld auf einen Sessel, die mir nicht ähnlich sieht. Wir stehen uns jetzt
Ich nicke, unfähig zu sprechen. Mein Hals ist trocken wie Pappe. Meine Worte bleiben irgendwo zwischen meiner zertretenen Würde und meiner absoluten Verzweiflung stecken. Er dreht sich zu mir um, ein Whiskyglas in der Hand, und ich glaube, einen Schimmer von Neugier in seinen eisigen Augen zu erkennen, einen flüchtigen Funken, der fast sofort wieder verschwindet. – Sie sind jünger als auf den Fotos, sagt er und mustert mich über den Rand seines Glases hinweg. – Sie sind kälter, antworte ich, ohne nachzudenken, die Worte entgleiten mir, bevor ich sie zurückhalten konnte. Die Stille, die folgt, ist schrecklich, schwindelerregend, als hätte die Zeit aufgehört. Ich bereue sofort meine Worte, ich möchte sie hinunterschlucken, sie auslöschen, sie begraben. Ich werde hinausgeworfen. Ich werde die einzige Chance verlieren, meine Mutter zu retten, wegen meines großen Mundes, wegen meiner chronischen Unfähigkeit, meine Zunge im Zaum zu halten
Doch ein anderer Teil von mir, ein Teil, den ich mich weigere zu hören, weil er gefährlich und dumm ist, hofft auf etwas anderes. Hofft, dass er anders sein wird. Hofft, dass er mich wirklich ansehen wird, dass er etwas anderes sehen wird als einen zu konsumierenden Körper. Das ist dumm. Das ist gefährlich. Das ist der beste Weg zu leiden. Die Agentur war klar: Dieser Kunde will keine Verbindung. Er will keine Erzählung. Er will nicht Livio den Künstler, Livio den Sohn, Livio den Menschen mit seinen Träumen und seinen Schrecken. Er will einen Körper, Punkt. Eine Mechanik zum Vergnügen. Ein Spielzeug, das man am Morgen in den Schrank räumt. Und das ist es, was ich ihm geben muss. Nichts mehr. Nichts weniger. Nichts von mir. Ich verlasse das Badezimmer. Mein Zimmer ist unordentlich, wie immer, wie mein Kopf, wie mein Leben. Unvollendete Leinwände stapeln sich an den Wänden, urbane Landschaften, die niemand kaufen wird. Skizzen liegen auf dem Boden wie tote Blätter
Livio Moretti Meine Hände zittern. Es ist lächerlich. Absolut lächerlich. Ich bin dreiundzwanzig Jahre alt, ich bin ein Erwachsener, ich habe Schlimmeres überlebt als diese Nacht, ich habe den Verlassen meines Vaters überlebt, die Nächte ohne Heizung im Atelier, die Absagen der Galerien, die Gerichtsvollzieher, die an die Tür hämmern, und dennoch zittern meine Hände wie die eines Jungen vor seinem ersten Rendezvous. Vielleicht, weil es genau das ist. Ein erstes Rendezvous. Nur dass das Abendessen nicht vorgesehen ist. Auch nicht das Gespräch. Auch nicht die Zärtlichkeit. Auch nichts von all dem, was ein erstes Rendezvous menschlich macht, erinnerungswürdig, würdig, später erzählt zu werden. Nur ein Körper. Meiner. Geliefert in einem zu teuren Anzug, zu einer zu späten Stunde, für einen zu intimen Gebrauch. Ich betrachte mich im Spiegel meines winzigen Badezimmers. Die Glühbirne flackert über meinem Kopf und wirft ein gelbliches, schmutziges Licht auf meine von drei schlaflosen Näch
Ich lege das Tablet auf den niedrigen Marmortisch. Die Geste ist scharf, fast gereizt. Mein Whisky wird in seinem Kristallglas lauwarm, die Eiswürfel längst geschmolzen, wie meine Geduld, wie meine Fähigkeit, diese Blicke zu ertragen, die nichts verlangen, diese Körper, die nicht widerstehen, diese Nächte, die sich in einer endlosen, sterilen Schleife wiederholen. Ich mag nicht, was dieses Gesicht in mir hervorruft. Eine scharfe Neugier. Eine dumpfe Unruhe. Ein Zittern in der Tiefe meiner Lenden, von dem ich glaubte, ich hätte es unter Jahren von Disziplin und absoluter Kontrolle erstickt. Ich sollte zum nächsten Profil weiterwischen. Ein fügsameres Modell nehmen, glatter, austauschbarer. Das tue ich immer. Das sollte ich auch heute Abend tun, heute Abend wie an jedem anderen Abend, heute Abend wie ein Automat, der vergessen hat, dass er ein Herz hatte. Ich nehme das Tablet wieder auf. Meine Finger verfassen die Nachricht an die Agentur mit präzisen, mechanischen Gesten, den Gesten







