LOGINDante POV
Die Frau hieß Isabella Conti. Ihr Haar war tintenschwarz, ihre Haut olivfarben, von der italienischen Sonne gebräunt, und ihre leuchtend grünen Augen durchdrangen die Dunkelheit. Als ich sie das erste Mal sah, war ich nur Sekunden davon entfernt, sie direkt auf dem Bürgersteig aufzuschlitzen.
Das Messer lag schon in meiner Hand, als ein Lichtstrahl ihr Gesicht traf und ich sie erkannte. Ich hatte es nicht geplant, ich hatte sie nicht verfolgt. Sie ist einfach im richtigen Moment in die falsche Gasse geraten. Ich glaube nicht an Schicksal, aber ich glaube an Karma, und Karma liefert genau das, was man verdient. Sie kam direkt auf mich zu, weil es so sein sollte.
Weil ich sie brauchte. Weil der Blutkrieg noch nicht vorbei war, er hatte nur geschlafen. Ich fuhr vom See weg und bog links ab, die kurvenreiche Bergstraße hinauf zu dem Grundstück, das ich vor Jahren gekauft hatte. Keine Nachbarn, keine Zeugen.
Nur unbarmherziges Gelände und die perfekte Abgeschiedenheit für die Dinge, die ich tun musste.
Isabella saß schweigend neben mir. Ich hatte ihr klipp und klar gesagt, dass sie nicht mehr lange zu leben hatte. Jetzt zählte sie ihre Minuten. Ich musste nur noch entscheiden, wie ich sie töten sollte, und ich wollte, dass es weh tat. Ein einfaches Ertrinken in dem zugefrorenen See wäre zu gnädig gewesen.
Ich wollte sie Conti Luca in Stücken zurückgeben, ihn denselben Schmerz spüren lassen, den meine Mutter empfunden hatte, als sie mit ansehen musste, wie mein Vater verblutete, nachdem Gianna Conti ihn erstochen hatte.
Ich hatte Bilder von Isabella aus ihrer Kindheit gesehen, aber sie hatten mich nicht auf die Realität vorbereitet. Sie hatte die ganze italienische Schärfe ihres Vaters und die Schönheit ihrer Mutter geerbt – eine verheerende Kombination. Selbst ich konnte das zugeben.
Als wir die Villa auf dem Berggipfel erreichten, war mein linker Arm schon ganz taub. Blut hatte meine Jacke und Jeans durchtränkt. Hätte ich ihn nicht sofort behandeln lassen, wäre ich im Krankenhaus gelandet, und diese Schwäche wollte ich nicht zulassen. Der Kuss vorhin war reiner Instinkt gewesen. Sie hatte sich von der ersten Sekunde an gewehrt, seit ich sie in den Lieferwagen gezerrt hatte – bei jedem Schubser, jedem Fluch, jedem Fluchtversuch.
Wenn sie nicht rennen konnte, kroch sie. Und selbst wenn sie nicht kriechen konnte, fand sie immer noch einen Weg, sich mir zu widersetzen. Ich hatte sie immer und immer wieder mit dem Taser beschossen. Genug, um einen erwachsenen Mann bewusstlos zu machen. Aber sie gab einfach nicht auf.
Das hätte mich ärgern sollen. Stattdessen beeindruckte es mich ungemein. Ich hatte noch nie jemanden wie sie getroffen. Die Umstände waren erdrückend, doch sie ließ sich nie unterkriegen. Sie flehte nie, beteuerte nie ihre Menschlichkeit oder Unschuld. Sie wusste genau, was ich war, und stellte sich mir trotzdem.
Und dann schoss sie auf mich, sie zielte auf mein Herz. Und verdammt, nichts hatte mich je so erregt. Ich fuhr den Van in die Garage neben die anderen Fahrzeuge und führte sie hinein. Das Feuer brannte hell und wärmte die Villa. Michael würde die Blutspur später beseitigen. Isabella hielt inne und suchte alles ab – die Ecken, die Regale, den Kamin – nach einer Waffe. Natürlich suchte sie danach.
Ich griff nach dem Erste-Hilfe-Kasten und ließ ihn auf die Ledercouch neben dem Kamin fallen. „Setz dich.“ Sie verschränkte die Arme, das Kinn erhoben. Flammen ließen ihre grünen Augen wie Edelsteine leuchten. Ich zog Nadel und Faden heraus. „Glaub mir, du willst nicht, dass ich dich nochmal frage.“ Ich streifte meine blutige Lederjacke ab, zog mein langärmeliges Hemd aus und warf es beiseite. Ihr Blick wanderte über meine Tattoos – Tinte bedeckte Muskeln, Narben, Einschusslöcher.
Der Ärmel an meiner linken Hand und meinem Arm war ein vollständiges Röntgenbild in Schwarz und Knochenweiß. Es war keine Kunst. Es war ein Statement. „Warum sollte ich dir zuhören?“, fuhr sie mich an. „Weil ich deine Hand ins Feuer stoßen würde, nur um dich schreien zu hören.“ Meine Augen fixierten sie, als wollte ich sie herausfordern. Sie tat es nicht. Sie setzte sich. „Ich kann einen Faden durch ein Nadelöhr fädeln“, murmelte sie. „Ich habe noch nie etwas genäht.“ „Ich erkläre es dir.“
Ich stach mit der Pinzette in die Wunde, fand die Kugel und zog sie heraus. Ich warf sie achtlos auf den Couchtisch. Nachdem ich Gaze auf die Wunde gedrückt hatte, goss ich Wodka darüber. Ich zuckte nicht einmal mit der Wimper. Dann sagte ich ihr, sie solle nähen. Sie folgte meinen Anweisungen, ihre Hände trotz allem ruhig.
Als sie fertig war, verband ich die Wunde selbst. Sie legte das blutige Werkzeug beiseite und flüsterte: „Ich hasse mich dafür, dass ich dir geholfen habe.“ „Verbrennungen wären schlimmer gewesen. Du würdest immer noch schreien.“ Michael betrat den Raum und erstarrte, als er Isabella sah. „Sir.“ „Ich habe dir gesagt, du sollst mich nicht mehr Sir nennen“, murmelte ich. „Entferne alle Waffen aus dem Haus und schließe sie im Tresor ein.
Schalte WLAN und Mobilfunk ab. Sie ist eine Kämpferin.“ „Ja, Sir.“ „Und mach Abendessen.“ Er nickte und verschwand im Flur. Ich griff nach einer Flasche Scotch, füllte ein Glas und leerte es in einem Zug. Das Brennen in meiner Brust brannte. Ich schenkte ihr noch eins ein. „Du bist unhöflich“, sagte Isabella. „Jetzt?“, fragte ich und zog eine Augenbraue hoch. „Ich war ein Arschloch, seit wir uns kennengelernt haben. Deine Ansprüche ändern sich ja rasant.“ Sie trat näher, ihre Augen blitzten. „Wenn du mich schon umbringen willst, habe ich wenigstens einen Drink verdient.“ „Willst du lieber Scotch statt edlem Conti-Wein?“ Sie griff nach der Flasche, nahm einen kräftigen Schluck und stellte sie mit einem scharfen Klirren ab.
Tropfen glänzten auf ihren Lippen. „Und jetzt?“ „Warum soll ich dich jetzt töten?“ „Worauf wartest du noch?“, fragte sie fordernd. „Ich muss es richtig machen. Ich will, dass es sich für immer in das Gedächtnis deines Vaters einbrennt.“ Ihre Augen verengten sich, voller Hass. „Was hat meine Familie dir angetan?“
Isabella POVZwei Wochen vergingen, ohne dass ich auch nur ein Lebenszeichen von ihm erhielt. Ich versuchte, mich beschäftigt zu halten, genau wie meine Mutter es mir geraten hatte: Ich arbeitete an meinen Kunstwerken, ging lange laufen, erledigte Einkäufe und versuchte mich sogar am Kochen.Der Tracker steckte immer noch in meinem Knöchel, aber ich bat ihn nicht darum, ihn zu entfernen. Ich hatte Angst, dass es eine blutige Angelegenheit werden würde, und ein Teil von mir hatte auch gar nichts dagegen, das Ding drin zu lassen. Ich hatte unsere Beziehung zwar beendet, aber ich glaube, ich war noch nicht ganz bereit, sie wirklich loszulassen. Ich fragte mich, ob er inzwischen eine andere Frau gefunden oder sich Prostituierte für die Nächte engagiert hatte, um mich schneller zu vergessen – doch bei diesem Gedanken drehte sich mir der Magen um.Eigentlich sollte ich ausgehen und neue Männer kennenlernen, damit mein Herz schneller heilen konnte, aber ehrlich gesagt wollte ich keinen ander
Isabella POVIn dieser Nacht fand ich keinen Schlaf, denn meine Gedanken kreisten nur um Dante und die Art, wie er diese Worte ausgesprochen hatte: "Ich liebe dich, Isabella.“Er klang so aufrichtig, als er sie sagte und mir dabei direkt in die Augen blickte. Er versprach, den Blutfehde-Krieg endgültig aufzugeben – ganz gleich, wie ich auf sein Geständnis reagieren würde. Die Angst, die mich nachts wachgehalten hatte, war endlich gewichen; meine Familie war nun in Sicherheit, doch das reichte nicht aus, um mich zum Bleiben zu bewegen. Wir hatten keine gemeinsame Zukunft – so einfach war das.Alles, was uns verband, war leidenschaftlicher Sex und körperliches Begehren. Ich musste ihn vergessen und mein Leben neu ordnen. Ich musste einen Mann finden, der besser zu mir passte – jemanden, den mein Vater mochte und mit dem er Zeit verbringen wollte; jemanden, den ich auch an Feiertagen mit nach Hause bringen konnte. Eine Beziehung mit Dante hätte mich nur von meiner Familie entfremdet; mei
Isabella POV"Wie auch immer“, murmelte ich mit dünner, erschöpfter Stimme. "Das Leben ist kein Märchen.“"Eine Frau wie du braucht kein Märchen“, erwiderte er mit sanfter, aber bestimmter Stimme."Du hast mir erzählt, dass deine Familie will, dass du jemanden mit Macht heiratest.“ Er hob leicht die Arme und spannte seine Muskeln ganz selbstverständlich an, als würde er sich wie einen Beweis präsentieren."Nun, ich bin mächtig und unantastbar. Ich habe Geld, Einfluss, alles. Ich würde mich besser um dich kümmern, als es dein eigener Vater je getan hat.“ "Nein.“Meine Kehle schnürte sich zu, während neue Tränen hinter meinen Augen brannten. "Ich könnte niemals einen Mann lieben, der meine Familie so tief verletzt hat.“ "Ich habe nie etwas getan, Isabella“, sagte er, und seine Stimme wurde schärfer."Mach mich nicht für die Sünden meines Vaters verantwortlich.“ "Du wolltest meine ganze Familie auslöschen“, entgegnete ich scharf, während sich meine Brust schnell hob und senkte."Also ja,
Isabella POVEr löste die Umarmung wieder und sah mir ins Gesicht, während sein Daumen sanft über meine Wange strich. Sein Blick huschte leicht hin und her, als er mich ansah. Er tat etwas, das er noch nie zuvor getan hatte: Er beugte sich vor und küsste mich auf die Stirn.Er ließ den Kuss dort ruhen – sanft und warm. Die Wärme breitete sich bis in meinen Rücken und hinunter zu meinem Hintern aus, so intensiv war diese Berührung. Noch nie hatte mich ein Mann auf diese Weise geküsst. Er löste seine Lippen und sah mir wieder in die Augen. "Ich liebe dich, Baby.“Ich hörte jedes Wort, das über seine Lippen kam, doch es dauerte volle zehn Sekunden, bis ich begriff, dass diese Worte der Wahrheit entsprachen. Sie waren tatsächlich laut ausgesprochen worden, waren aus seinem Mund gekommen und an mein Ohr gedrungen. Nachdem ich mir sicher war, dass es Wirklichkeit war und kein Trugbild meiner Fantasie, holte ich tief Luft; meine Lungen lechzten nach Sauerstoff. "Was …?“ Sein Daumen glitt wei
Isabella POVAls Dante ohne Abschied ging, traf mich das härter als erwartet, denn so etwas hatte er noch nie getan. Normalerweise wurde ich ihn einfach nicht los, selbst wenn ich es versuchte. Er war ständig in meiner Nähe, als gehörte er einfach hierher.Meine Bettwäsche trug noch lange seinen Duft, nachdem er längst aufgestanden war. Seine Kaffeetasse stand in meinem Spülbecken, als wäre meine Küche seine eigene. Er benutzte meine Zahnbürste, ohne zu fragen – als wären die Grenzen zwischen Mein und Dein völlig verschwommen. Seine Kleidung lag auf dem Boden meines Schlafzimmers verstreut, doch jetzt war er fort, und die Wohnung wirkte leer.Ich mochte es nicht, ohne ihn zu schlafen. In den nächsten beiden Nächten zwang ich mich ins Bett und starrte an die Decke; ich tat so, als würde ich nicht auf jedes leise Geräusch von draußen achten. Ich redete mir ein, dass ich keine Angst vor den Schatten vor meinen Fenstern hatte.Jede Nacht schob ich den Vorhang gerade weit genug beiseite,
Dante POVMeine Schuhe knirschten leise im Schnee, während ich das Ufer hinab zum Wasser ging; die Kälte war brutal, sie biss auf eine Weise zu, die sich fast persönlich anfühlte – dieselbe beißende Kälte wie in jener Nacht.Der Himmel wurde dunkler, durchzogen von verblassenden Streifen in Rosa und Blau, während sich hartnäckig ein schwacher Orangeton am Horizont hielt. Der letzte Hauch des Tageslichts. In wenigen Minuten würde es gänzlich verschwunden sein, verschluckt von der Dunkelheit. Ich blieb genau an der Stelle stehen – an demselben Ort, den ich auf dem Gemälde gesehen hatte.Mein Blick haftete starr auf dem Wasser; der Steg schaukelte sanft im Rhythmus des Sees und hob und senkte sich in träger Bewegung. Um mich herum standen die Bäume hoch und still, ihre Äste wie Skelette vor dem schwindenden Himmel. Jedes Detail entsprach dem, was sie gemalt hatte – sogar die Abstände zwischen den Bäumen.Die offene Lichtung und auch das spärliche Laub, das noch an den Zweigen hing; alles







