LOGINDante POV
Wenn sie wüsste, wie umwerfend sie aussah, wenn Wut ihr Gesicht erhellte, würde sie es als Waffe einsetzen.
Eine schändliche Schönheit verdiente keine Gnade. Ich hatte immer noch vor, sie zu töten und ihre Leiche wie eine in Knochen gemeißelte Botschaft auf dem Anwesen der Barsettis zu hinterlassen.
Sie büßte für die Sünden ihrer Eltern, so wie ich für meine gebüßt hatte. „Sie haben alles zerstört, was ich hatte.“ Ihre Stimme verstummte. „Wie?“ „Sie haben meinen Vater ermordet. Danach haben seine Feinde meine Mutter um jeden Cent und jeden Schutz gebracht, den sie je besessen hatte.
Sie hatte nichts mehr, nicht einmal Sicherheit. Sie ging zur Prostitution, nur um uns zu ernähren.“ Mein Kiefer verkrampfte sich. „Ein Freier hat sie getötet und in einen Müllcontainer geworfen. Da war ich zehn.“ Zum ersten Mal, seit sie in meine Welt getreten war, blitzten Isabellas scharfe Augen auf. Der Zorn war nicht verschwunden, aber er hatte sich verändert, als hätte sie ein Fenster geöffnet, um Mitgefühl hereinzulassen, das sie nicht fühlen wollte. „Es tut mir leid wegen deiner Mutter.“ Sie sagte es nicht leichtfertig. Isabella entschuldigte sich nur, wenn es von Herzen kam. Zu sehen, wie sie meinen Schmerz erkannte, schmerzte mich zutiefst. Schuldgefühle? Vielleicht. Es spielte keine Rolle. Es würde mich nicht davon abhalten, das zu tun, wofür ich hierhergekommen war. „Aber wenn meine Eltern deinen Vater getötet haben“, sagte sie leise, „dann muss es einen Grund gegeben haben.“ Es gab einen, einen berechtigten, aber er tilgte nicht das Trümmerfeld, das mein Leben geworden war. „Mein Vater nahm deine Tante als Sklavin und tötete sie.“ Ihr stockte der Atem. „Dante?“ Ihre Augen weiteten sich, als sie meinen tätowierten Arm betrachtete. Die Erkenntnis traf sie wie ein Blitz. „Dein Vater war Dante?“
„Ja.“ Sie atmete langsam ein und wappnete sich für mehr. „Er kaufte deine Mutter aus dem Untergrund und machte sie zu seiner neuen Gefangenen. Dein Vater rettete sie, verliebte sich in sie, und gemeinsam töteten sie mich.“ Isabella erstarrte. Ihr Gesicht verzog sich auf eine Weise, die ich noch nie gesehen hatte. Ihre Stimme brach. „Hat er meiner Mama das angetan?“ Ihre Tränen waren nicht manipulativ, sie waren Ausdruck von Herzschmerz, Ungläubigkeit und dem Entsetzen, sich vorzustellen, dass ihre Mutter etwas erleiden musste, von dem ihr nie jemand erzählt hatte. Sie vergrub ihr Gesicht in den Händen, ihre Schultern zitterten. „Nein.“ Ich wandte den Blick ab. Ihr Zusammenbruch löste ein unangenehmes Gefühl in mir aus. „Hör auf zu weinen.“ Das Geräusch beunruhigte mich – ihr scharfes Atmen, ihr zitterndes Ausatmen, die Art, wie ihr Schmerz den Raum erfüllte. Ich hatte schon Menschen getötet, weil sie weniger Lärm machten. Sie zwang sich zur Stille und senkte die Hände. „Ich habe mich für das entschuldigt, was deiner Mutter passiert ist. Warum kannst du das nicht auch für meine tun?“ „Weil ich ein Monster bin. Du nicht.“ Der Scotch brannte in meinem Hals und gab mir etwas anderes, worauf ich mich konzentrieren konnte. „Ich bin in Waisenhäusern aufgewachsen, ohne alles. Ich hätte Milliarden erben sollen. Stattdessen war ich nur ein weiteres streunendes Kind auf der Straße. Mein Erbe gestohlen. Alles weg.“ Meine Stimme wurde tiefer. „Ich habe mir alles selbst erarbeitet. Ich habe mein eigenes Glück gefunden. Aber ich habe nie vergessen, wer mir genommen hat, was mir hätte gehören sollen.“ Isabella starrte auf den Boden, ihre Augen noch immer glasig. „Es tut mir leid. Aber meine Eltern haben getan, was sie tun mussten. Hör auf, so zu tun, als wäre dein Vater ein Heiliger gewesen. Du hast zugegeben, was er war. Er hat Frauen in meiner Familie verletzt, darunter auch die Frau, nach der ich benannt bin. Wie kannst du etwas anderes erwarten? Ich bin froh, dass er tot ist.“
Mein Blick schnellte zu ihr. Sie blinzelte nicht. „Und ich sag’s nochmal: Ich bin froh, dass er tot ist.“ Meine Hand bewegte sich schneller, als ich dachte. Ich schlug sie so heftig mit der Hand nach hinten, dass sie auf den Boden knallte. „Sag’s nochmal.“ Sie drückte sich sofort hoch und weigerte sich, liegen zu bleiben. Ihre Wange glühte rot an der Stelle, wo meine Hand aufgeschlagen war. „Ich bin froh, dass dein Drecksvater tot ist. Und ich hoffe, meine Eltern haben ihn leiden lassen.“ Ich stürzte mich auf sie, meine Finger umklammerten ihren Hals. Ich hob sie hoch. Erstickte sie. Ich hatte schon Menschen auf diese Weise getötet und spürte den letzten Ruck in ihrem Rücken durch meine Handfläche. „Nimm es zurück.“ Sie krallte sich mit glühenden Augen in mein Handgelenk und weigerte sich, aufzugeben. „Nimm es zurück.“ Ihre Nägel gruben sich in meine Haut, dann spuckte sie mir ins Gesicht. Ich warf sie so heftig zu Boden, dass das Holz unter ihrem Gewicht ächzte. „Niemals.“ Sie spuckte erneut. Ihre Stimme bebte vor Wut und Trauer. „Meine Mutter ist die gütigste Frau, die ich kenne. Und was dein Vater ihr angetan hat …“ Ihre Tränen traten ihr wieder in die Augen. „Im Leben wie im Tod wird er immer mein Feind sein. Ich werde es niemals bereuen. Und ich werde meine Familie niemals verraten.“ Sie sank auf die Knie und legte den Kopf in den Nacken, sodass ihr Hals entblößt war. „Also los. Tu es. Schneid mir die Kehle durch. Mach Schluss. Ich werde nicht betteln.“ Meine Finger zuckten erneut, aber aus einem anderen Grund. Ihr Mut war ein Schlag in die Magengrube. Sie war Conti durch und durch. Lucas Feuer und Giannas Stahl, unzerbrechlich. Ich hatte Mitleid mit ihr, ich bewunderte sie, ich wollte sie töten, aber ich konnte nicht. Sie atmete schwer und sammelte ihre Luft. „Wie heißt du?“ „Du weißt es.“ „Nein“, murmelte sie mit rauer Stimme. „Du hast es nie gesagt.“ Ich hob meinen Arm und zeigte das tätowierte Dante. Da traf es sie wie ein Blitz. „Dein Vater ist dein Namensvetter. Meine Tante ist meine.“
„Der Blutkrieg ist nie zu Ende gegangen, Isabella. Er fängt erst an.“ Sie erhob sich, klein, aber unerschütterlich. „Du bist jetzt reich. Du hast überlebt. Du hast aus dem Nichts ein Imperium aufgebaut. Mein Vater würde sagen, das ist das Kennzeichen eines wahren Mannes. Du kannst dem ein Ende setzen. Du kannst den Kreislauf durchbrechen. Lass die Vergangenheit ruhen. Ich bin dazu bereit, wenn du es auch bist.“ Noch vor einem Augenblick hatte sie mir ins Gesicht gespuckt. Jetzt sprach sie wie eine Anführerin, die einen Waffenstillstand aushandeln wollte. Ihre Stärke strahlte in ruhigen, stetigen, unnachgiebigen Wellen aus. „Meine Mutter wäre nicht tot, wenn mein Vater noch lebte“, sagte ich. „Und meine Tante wäre nicht tot, wenn dein Vater sie nicht ermordet hätte.“ Ich konnte ihr nicht widersprechen. Sie hatte Recht. „Erwarte nicht, dass ich mich entschuldige, wo doch meine Familie diejenige ist, die die Folgen überlebt hat. Wir haben gekämpft, weil wir mussten. Wir haben aufgehört, weil wir Frieden wollten. Meine Eltern haben sich ein einfaches Leben aufgebaut und Wein gemacht. Wir haben den Krieg hinter uns gelassen. Das solltest du auch.“ „Ich kann nicht.“ Sie holte tief Luft. „Du kannst das nicht gewinnen, Dante. Töte mich, töte mich nicht, es spielt keine Rolle. Mein Vater wird dich jagen, bis nichts mehr von dir übrig ist. Das ist Selbstmord.“ Mein Leben hatte nie einen Sinn. Die Dunkelheit in mir machte es mir unmöglich, mir irgendetwas Normales vorzustellen.
Ich war nicht für Frieden oder Glück geschaffen. Nicht nach meiner Kindheit. Nicht nach den Jahren, in denen ich mir meinen Lebensunterhalt mit Morden verdiente. „Ich weiß.“
Isabella POVZwei Wochen vergingen, ohne dass ich auch nur ein Lebenszeichen von ihm erhielt. Ich versuchte, mich beschäftigt zu halten, genau wie meine Mutter es mir geraten hatte: Ich arbeitete an meinen Kunstwerken, ging lange laufen, erledigte Einkäufe und versuchte mich sogar am Kochen.Der Tracker steckte immer noch in meinem Knöchel, aber ich bat ihn nicht darum, ihn zu entfernen. Ich hatte Angst, dass es eine blutige Angelegenheit werden würde, und ein Teil von mir hatte auch gar nichts dagegen, das Ding drin zu lassen. Ich hatte unsere Beziehung zwar beendet, aber ich glaube, ich war noch nicht ganz bereit, sie wirklich loszulassen. Ich fragte mich, ob er inzwischen eine andere Frau gefunden oder sich Prostituierte für die Nächte engagiert hatte, um mich schneller zu vergessen – doch bei diesem Gedanken drehte sich mir der Magen um.Eigentlich sollte ich ausgehen und neue Männer kennenlernen, damit mein Herz schneller heilen konnte, aber ehrlich gesagt wollte ich keinen ander
Isabella POVIn dieser Nacht fand ich keinen Schlaf, denn meine Gedanken kreisten nur um Dante und die Art, wie er diese Worte ausgesprochen hatte: "Ich liebe dich, Isabella.“Er klang so aufrichtig, als er sie sagte und mir dabei direkt in die Augen blickte. Er versprach, den Blutfehde-Krieg endgültig aufzugeben – ganz gleich, wie ich auf sein Geständnis reagieren würde. Die Angst, die mich nachts wachgehalten hatte, war endlich gewichen; meine Familie war nun in Sicherheit, doch das reichte nicht aus, um mich zum Bleiben zu bewegen. Wir hatten keine gemeinsame Zukunft – so einfach war das.Alles, was uns verband, war leidenschaftlicher Sex und körperliches Begehren. Ich musste ihn vergessen und mein Leben neu ordnen. Ich musste einen Mann finden, der besser zu mir passte – jemanden, den mein Vater mochte und mit dem er Zeit verbringen wollte; jemanden, den ich auch an Feiertagen mit nach Hause bringen konnte. Eine Beziehung mit Dante hätte mich nur von meiner Familie entfremdet; mei
Isabella POV"Wie auch immer“, murmelte ich mit dünner, erschöpfter Stimme. "Das Leben ist kein Märchen.“"Eine Frau wie du braucht kein Märchen“, erwiderte er mit sanfter, aber bestimmter Stimme."Du hast mir erzählt, dass deine Familie will, dass du jemanden mit Macht heiratest.“ Er hob leicht die Arme und spannte seine Muskeln ganz selbstverständlich an, als würde er sich wie einen Beweis präsentieren."Nun, ich bin mächtig und unantastbar. Ich habe Geld, Einfluss, alles. Ich würde mich besser um dich kümmern, als es dein eigener Vater je getan hat.“ "Nein.“Meine Kehle schnürte sich zu, während neue Tränen hinter meinen Augen brannten. "Ich könnte niemals einen Mann lieben, der meine Familie so tief verletzt hat.“ "Ich habe nie etwas getan, Isabella“, sagte er, und seine Stimme wurde schärfer."Mach mich nicht für die Sünden meines Vaters verantwortlich.“ "Du wolltest meine ganze Familie auslöschen“, entgegnete ich scharf, während sich meine Brust schnell hob und senkte."Also ja,
Isabella POVEr löste die Umarmung wieder und sah mir ins Gesicht, während sein Daumen sanft über meine Wange strich. Sein Blick huschte leicht hin und her, als er mich ansah. Er tat etwas, das er noch nie zuvor getan hatte: Er beugte sich vor und küsste mich auf die Stirn.Er ließ den Kuss dort ruhen – sanft und warm. Die Wärme breitete sich bis in meinen Rücken und hinunter zu meinem Hintern aus, so intensiv war diese Berührung. Noch nie hatte mich ein Mann auf diese Weise geküsst. Er löste seine Lippen und sah mir wieder in die Augen. "Ich liebe dich, Baby.“Ich hörte jedes Wort, das über seine Lippen kam, doch es dauerte volle zehn Sekunden, bis ich begriff, dass diese Worte der Wahrheit entsprachen. Sie waren tatsächlich laut ausgesprochen worden, waren aus seinem Mund gekommen und an mein Ohr gedrungen. Nachdem ich mir sicher war, dass es Wirklichkeit war und kein Trugbild meiner Fantasie, holte ich tief Luft; meine Lungen lechzten nach Sauerstoff. "Was …?“ Sein Daumen glitt wei
Isabella POVAls Dante ohne Abschied ging, traf mich das härter als erwartet, denn so etwas hatte er noch nie getan. Normalerweise wurde ich ihn einfach nicht los, selbst wenn ich es versuchte. Er war ständig in meiner Nähe, als gehörte er einfach hierher.Meine Bettwäsche trug noch lange seinen Duft, nachdem er längst aufgestanden war. Seine Kaffeetasse stand in meinem Spülbecken, als wäre meine Küche seine eigene. Er benutzte meine Zahnbürste, ohne zu fragen – als wären die Grenzen zwischen Mein und Dein völlig verschwommen. Seine Kleidung lag auf dem Boden meines Schlafzimmers verstreut, doch jetzt war er fort, und die Wohnung wirkte leer.Ich mochte es nicht, ohne ihn zu schlafen. In den nächsten beiden Nächten zwang ich mich ins Bett und starrte an die Decke; ich tat so, als würde ich nicht auf jedes leise Geräusch von draußen achten. Ich redete mir ein, dass ich keine Angst vor den Schatten vor meinen Fenstern hatte.Jede Nacht schob ich den Vorhang gerade weit genug beiseite,
Dante POVMeine Schuhe knirschten leise im Schnee, während ich das Ufer hinab zum Wasser ging; die Kälte war brutal, sie biss auf eine Weise zu, die sich fast persönlich anfühlte – dieselbe beißende Kälte wie in jener Nacht.Der Himmel wurde dunkler, durchzogen von verblassenden Streifen in Rosa und Blau, während sich hartnäckig ein schwacher Orangeton am Horizont hielt. Der letzte Hauch des Tageslichts. In wenigen Minuten würde es gänzlich verschwunden sein, verschluckt von der Dunkelheit. Ich blieb genau an der Stelle stehen – an demselben Ort, den ich auf dem Gemälde gesehen hatte.Mein Blick haftete starr auf dem Wasser; der Steg schaukelte sanft im Rhythmus des Sees und hob und senkte sich in träger Bewegung. Um mich herum standen die Bäume hoch und still, ihre Äste wie Skelette vor dem schwindenden Himmel. Jedes Detail entsprach dem, was sie gemalt hatte – sogar die Abstände zwischen den Bäumen.Die offene Lichtung und auch das spärliche Laub, das noch an den Zweigen hing; alles







