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KAPITEL 100: Das Gespraech das weitergeht

Author: Zayden Noir
last update publish date: 2026-09-18 23:41:49

Das hundertste Kapitel war ein Maimorgen auf dem Anwesen, der Maimorgen des sechsten Jahres, der Maimorgen, an dem die dritte Ausstellung von Sofia eröffnen würde, Das Gespräch der Muster, und an dem Melbourne begann, das dritte der drei Orte der dritten Phase, und an dem das sechste Jahr vollständig in Gang war, vollständig und tief und mit dem Wissen, das fünf Jahre aufgebaut hatten.

Serena stand im Obstgarten, in dem frühen Maimorgen, vor dem Reisen nach Lissabon, und sah auf die Bäume, di
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    Februar des sechsten Jahres brachte den ersten Schneefall des Winters, spät und unerwartet, wie der Schnee manchmal kam, wenn man ihn nicht mehr erwartet hatte, auf die Art der Dinge, die erschienen, wenn man aufgehört hatte, auf sie zu warten. Der Schnee lag am Morgen auf dem Obstgarten und machte die kahlen Äste weiß und still, und Serena stand am Fenster der Bibliothek und sah auf den Schneeobstgarten und dachte, dass der Schnee im Februar das Schönste war, was der Winter tun konnte: ankommen, wenn man bereits dachte, dass er vorbei war, und das Bekannte neu zeigen, in dem weißen Licht, das die Formen der Dinge schärfer machte als das graue Februarlicht. Sie arbeitete in dem Februar an dem vierten Aufsatz, dem Aufsatz über das körperliche Erbe des Ortes, und der vierte Aufsatz wuchs auf eine Art, die die anderen Aufsätze nicht gehabt hatten: langsamer und persönlicher, weil das körperliche Erbe das Persönlichste war, das Erbe, das sich nicht erklären ließ, sondern das gezeigt wer

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    Das hundertste Kapitel war ein Maimorgen auf dem Anwesen, der Maimorgen des sechsten Jahres, der Maimorgen, an dem die dritte Ausstellung von Sofia eröffnen würde, Das Gespräch der Muster, und an dem Melbourne begann, das dritte der drei Orte der dritten Phase, und an dem das sechste Jahr vollständig in Gang war, vollständig und tief und mit dem Wissen, das fünf Jahre aufgebaut hatten. Serena stand im Obstgarten, in dem frühen Maimorgen, vor dem Reisen nach Lissabon, und sah auf die Bäume, die in dem sechsten Frühling ihre Blüten trugen, die Blüten des Sechsten, die vertrautesten aller Blüten, und sie dachte an den ersten Frühling und an die erste Knospe und an den Moment, in dem sie vor diesem Baum gestanden hatte und in dem sie nicht gewusst hatte, was das Anwesen war und was sie war und was das Leben hier bedeutete. Sie wusste es jetzt. Das war der Unterschied zwischen dem ersten Frühling und dem sechsten: das Wissen. Nicht das Wissen der Fakten, das war von Anfang an da gewesen

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    Das sechste Jahr begann an einem Januarmorgen, der so klar und kalt war wie der Januarmorgen des fünften Jahres, weil der Januar immer klar und kalt war, weil das das Wesen des Januars war, das Sachliche, das Direkte, das Licht ohne Entschuldigung. Aber der sechste Januar war nicht der fünfte Januar, weil Serena nicht mehr die Person war, die in dem fünften Januar gewesen war, vollständiger und tiefer und mit dem Wissen von fünf Jahren, das in dem ersten Januar noch nicht da gewesen war. Das sechste Jahr. Das war die Zahl, die sich anders anfühlte als alle anderen Zahlen: nicht die Überraschung der Zweiten, nicht das Vertrautsein der Dritten, nicht das Vollständige der Fünften. Das Sechste war das Erste des Nächsten, das Erste jenseits des Fünften, das Erste in einem Raum, den das Fünfte geöffnet hatte und der jetzt da war, vollständig offen und voller Möglichkeiten. Serena stand am Fenster der Bibliothek und sah auf den Januarobstgarten, der seine kahle, ehrliche Form zeigte, und

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    Dezember des fünften Jahres war der Dezember des Ankommens, nicht das Ankommen von Menschen oder Dingen, sondern das innere Ankommen, das entstand, wenn man lange genug an einem Ort gewesen war, um zu wissen, was man wusste, vollständig und ohne den Rest des Nicht-Wissens, der in den ersten Jahren noch da gewesen war. Das fünfte Jahr hatte das Ankommen gebracht, das Einzige, das das Fünfte bringen konnte: das Wissen, dass man angekommen war, nicht weil man aufgehört hatte zu wachsen, sondern weil das Wachsen jetzt von einem Ort aus geschah, der der eigene war. Marta hatte das Tannengrün aufgehängt, wie in jedem Jahr, und die Kerzen standen in den Fenstern und das Haus roch nach Dezember, dem fünften Dezember, dem vertrautesten, dem tiefsten. Der Geruch war derselbe wie in dem ersten Dezember, das Harz und das Wachs und das Holz, aber der Geruch war nicht mehr das, was man einatmete, wenn man an einem fremden Ort war, sondern das, was man einatmete, wenn man zu Hause war. Das war der

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    November des fünften Jahres hatte die Stille, die November immer hatte, aber tiefer, auf die Art, wie alles im fünften Jahr tiefer war als in den Jahren davor, weil das Fundament von fünf Jahren das Tiefere trug, das kein jüngeres Fundament hätte tragen können. Die Stille des fünften Novembers war die Stille des Wissenden: nicht die Stille des Suchens, nicht die Stille des Wartens, sondern die Stille dessen, der wusste, was er wusste, vollständig und ohne Rest. Klaus hatte Heinrichs Buch auf den Nachttisch gelegt, auf seiner Seite, und Serena hatte es dort gesehen, morgens, wenn sie aufwachte, und das Sehen des Buches auf dem Nachttisch war das Sehen des Vollständigen, das angekommen war und das seinen Platz gefunden hatte. Er hatte das Buch nicht sofort gelesen. Er hatte es gehalten, die ersten Tage, und dann hatte er angefangen, langsam, auf die Art, die das Buch verdiente und die Heinrich verdiente: das langsame Lesen, das alles aufnahm, ohne etwas zu überfliegen, weil das Überf

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    Oktober brachte das fünfte Hamburg-Gespräch mit Friedrich Kern, und das fünfte hatte die Qualität, die Friedrich Kern angekündigt hatte, in dem Brief des vergangenen Winters: das Vollständige. Das Erste war das Neue gewesen, das Zweite das Wiedererkennen, das Dritte das Vertrautsein, das Vierte das Tiefste. Das Fünfte war das Vollständige, das, was nur das Fünfte sein konnte, weil es auf dem Fundament der Vier stand und weil das Fundament von vier Jahren das Vollständige trug, was das Fundament von einem, von zwei, von drei oder von vier noch nicht getragen hatte. Friedrich Kern stand auf, als sie hereinkamen, langsamer als im vergangenen Jahr, weil das Alter sein Tempo erhöht hatte, wie er es selbst gesagt hatte, aber mit derselben Würde, die er immer hatte und die das Alter nicht nahm, weil die Würde nicht im Tempo war, sondern in dem, was man war. Er war einundneunzig, und das Einundneunzigste war das, was es war: das Lebendige in seiner gereiftesten Form. Das fünfte Mal, sagte

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