LOGINNovember und Dezember des neunten Jahres und der Beginn des zehnten: das Ende dieser Geschichte, das kein Ende war, sondern die Übergabe, die Übergabe des Gesprächs an alle, die es weiterführen würden, weil das Gespräch das Lebendige war und weil das Lebendige keine Geschichte hatte, die endete, weil das Lebendige weiterging. Serena hatte in dem November das letzte Kapitel des Buches begonnen, das letzte Kapitel, das die Geschichte und das Gespräch zusammenfasste, das Kapitel, das das Ende war, das kein Abschluss war, sondern die Übergabe. Das letzte Kapitel des Buches beginnt, sagte Klaus, an dem Morgen, als Serena mit dem Schreiben begann. Das letzte Kapitel, sagte Serena. Das Ende, das die Übergabe ist. Das Ende als die Übergabe, sagte Klaus. Das ist das vollständige Bild des Endes: das Ende, das übergibt. Das letzte Kapitel hatte sich geschrieben, weil das vollständige Fundament das Schreiben möglich machte, das sich von selbst führte, das Schreiben, das kein Suchen mehr hat
September und Oktober des neunten Jahres brachten das neunte Hamburg-Gespräch mit Friedrich Kern, das letzte Oktober-Gespräch dieser Geschichte, das Gespräch, das das Neunte war und das das Tiefste war, weil das Neunte das Dritte des Dritten des Zweiten Zyklus war, das Tiefste auf dem vollständigen Fundament von acht vorangegangenen Oktober-Gesprächen. Friedrich Kern war zweiundneunzig und drei Viertel Jahre alt, und er war kleiner geworden, aber die Augen waren dieselben, die Augen des vollständigen Sehens, die Augen, die das Wesentliche sahen und die das Unwesentliche nicht sahen, weil das lange Leben das Unwesentliche weggelassen hatte und nur das Wesentliche behalten hatte. Das neunte Gespräch, hatte Friedrich Kern gesagt, als sie ankamen. Das letzte. Das letzte?, hatte Klaus gefragt. Friedrich Kern hatte ihn angesehen, mit den wachen Augen. Das letzte Oktober-Gespräch dieser Art. Das sage ich nicht als Traurigkeit. Das sage ich als Wahrheit. Das Wahre sagen, weil es wahr ist
August des neunten Jahres brachte die neunte Ernte, die Ernte des Zweiten des Zweiten Zyklus, und die neunte hatte das, was nur das Neunte haben konnte: das Tiefste des vollständigen Wissens, das Tiefste, das auf dem Fundament von acht Ernten stand und das deshalb das war, was keine der acht vorangegangenen sein konnten. Hannes hatte bei der Ernte gesagt, kurz und vollständig: Das ist die vollständigste Ernte. Nicht die Schwerste und nicht die Leichteste. Die vollständigste. Die Bäume wissen jetzt alles, was sie wissen müssen. Das ist die Ernte des vollständigen Wissens. Die Ernte des vollständigen Wissens, sagte Serena. Das ist das neunte Jahr in seiner Ernte-form: das vollständige Wissen der Bäume, das vollständige Wissen des Ortes. Das vollständige Wissen des Ortes, sagte Klaus. Das ist das Tiefste der neunten Ernte: der Ort, der vollständig weiß, was er ist. Der Ort, der vollständig weiß, was er ist, sagte Serena. Das Anwesen, das weiß, was es ist: das Gespräch, das vollständ
Juli des neunten Jahres brachte die Reise nach New York, die Konferenz, den weiteren Raum in seiner vollständigsten Form. Serena reiste allein, wie sie immer allein gereist war, zu den Orten des Projekts und des Gesprächs, und New York empfing sie mit der Energie, die New York hatte: das Direkte und das Schnelle und das Ohne-Absicherung, das New York war und das New York dem Gespräch gab. New York ist das Gespräch ohne Absicherung, in seiner städtischen Form, hatte Serena in das Notizbuch geschrieben, am ersten New Yorker Tag. Das ist die Stadt, die das Gespräch lebt, vollständig und ohne Absicherung. Das ist das Ferrante-Muster in der New Yorker Form: das Direkte und das Präzise und das Entscheiden ohne Bedauern, in acht Millionen Menschen gleichzeitig. Die Konferenz hatte zwei Tage gedauert, und die zwei Tage hatten das gegeben, was nur New York geben konnte: die Begegnungen, die keine Vorbereitung hatten und die sich aus dem vollständigen Gespräch ergaben, das die Konferenz war.
Juni des neunten Jahres brachte Carlas siebten Besuch, das Zweite des Zweiten Zyklus der Besuche, das Tiefere, auf das sie gewartet hatte, das Tiefere, das das Sechste ermöglicht hatte. Carla kam an einem Junidienstag an, mit dem Zug, früh am Morgen, und Serena holte sie ab, und die Fahrt vom Bahnhof war die stillste aller Fahrten, die stillste, weil das vollständige Kennen keine Worte mehr brauchte und weil die Stille das vollständigste Gespräch war. Das Tiefere, hatte Carla gesagt, als sie in das Anwesen traten, ohne Begrüßungsritual, weil das siebte Mal keine Begrüßungsrituale mehr brauchte. Das Tiefere, hatte Serena geantwortet. Und das war genug, weil das Tiefere sich selbst ankündigte und weil das Ankündigen das Gespräch war, das keine weiteren Worte brauchte. Der siebte Besuch hatte von Anfang an die Qualität des vollständig Tiefen: nicht das Tiefe des Ersten, das das Neue war, nicht das Tiefe des Vierten, das das Ineinander war, nicht das Tiefe des Fünften, das das Vollst
Mai des neunten Jahres brachte das Gespräch zwischen Serena und Carla über das, was nach dem neunten Jahr kommen würde, das Gespräch über das Zehnte, das keine Angst hatte und keine Sentimentalität, nur das ruhige Gespräch zweier Frauen, die wussten, was sie trugen und was sie weitertragen würden. Carla hatte in einem langen Brief, dem längsten, den sie je geschrieben hatte, über das geschrieben, was sie in dem sechsten Besuch und in den Jahren des Gesprächs gelernt hatte: Das Gespräch hat mir das gegeben, was ich in vierzig Jahren Tragens nicht so vollständig hatte: das Wissen, dass das Tragen das Richtige ist. Nicht das Pflicht-Tragen. Das Richtige-Tragen. Das Tragen, das keine Absicherung braucht, weil es das Richtige ist. Das Richtige-Tragen, sagte Serena zu Klaus, als sie den Brief las. Das ist Carla, im neunten Jahr: das Tragen, das keine Absicherung mehr braucht. Das Tragen ohne Absicherung, sagte Klaus. Das ist das vollständige Bild des Tragens: das Tragen, das keine Absic







