LOGINDas Erste, was ich sah, als ich das Arbeitszimmer des Königs betrat, war die Hand einer Frau, die an seiner Brust ruhte.Das Zweite war ihr Mund auf seinem.Ich blieb so plötzlich stehen, dass die Dokumente in meinen Händen fast entglitten.Einen Moment lang konnte ich mich nicht bewegen.Die Frau stand zwischen den Beinen des Königs und beugte sich über seinen Schreibtisch, als gehöre sie dorthin. Ihr teures Kleid war vorne tief ausgeschnitten, und sie machte keine Anstrengung, zu verbergen, wie sie sich an ihn presste.Und Axel...Er küsste sie.Meine Finger krallten sich um die Papiere.Ich hätte mich umdrehen sollen. Ich hätte die Tür leise schließen und so tun sollen, als hätte ich nichts gesehen.Stattdessen stand ich da wie eine Närrin und starrte auf etwas, das mich nichts anging.Warum hat es mich gestört?Er war der König. Er konnte küssen, wen er wollte. Er konnte jede Nacht eine andere Frau in sein Bett einladen, wenn es ihm gefiel.Ich hatte kein Recht, etwas dabei zu emp
Saiya schlug mit der Handfläche auf den Tisch.„Wie oft muss ich es wiederholen? Diese Gläser gehören auf die rechte Seite!“Die junge Magd nahm schnell das Glas, das sie falsch hingestellt hatte.„Es tut mir leid, Oberschwester.“„Leid?“ Saiya trat auf sie zu. „Wird ‚leid‘ das Chaos beseitigen, wenn der König es findet?“Das Mädchen senkte den Kopf.Saiya griff nach dem hölzernen Lineal auf dem Tisch und schlug ihr über die Hand.„Sei das nächste Mal vorsichtiger.“Die Magd zuckte zusammen und hielt die Finger an die Brust.„Jetzt an die Arbeit, alle. Ich will keinen weiteren Fehler sehen.“Die anderen Mägde eilten davon.Saiya beobachtete sie mit zusammengekniffenen Augen. Sie genoss es, Autorität über sie zu haben. Es erinnerte alle daran, dass sie keine gewöhnliche Dienerin war.Sie hatte zu hart gearbeitet, um unten zu bleiben.Und sie hatte nicht die Absicht, für immer dort zu bleiben.Sie richtete ihre Uniform und blickte zum Hauptgebäude.Der König sollte bald von seiner Bespr
VAELRIC„Mutter!“Ich rannte durch den brennenden Flur und hustete, als sich meine Lungen mit Rauch füllten.„Mutter!“Die Flammen kletterten an den Wänden empor und verschlangen alles auf ihrem Weg. Teile der Decke stürzten hinter mir ein, aber ich blieb nicht stehen.Ich musste sie finden.Ich musste meine Familie finden.„Vater!“Ich stieß die erste Tür auf.Leer.Das zweite Zimmer stand in Flammen. Ich bedeckte mein Gesicht mit dem Arm und stolperte hinein.„Bitte! Ist jemand hier?“Etwas bewegte sich unter dem zerbrochenen Tisch.Ich stürzte darauf zu, fiel auf die Knie und zog das brennende Holz weg.„Mutter?“Sie war es nicht.Ich taumelte rückwärts und starrte auf den leblosen Körper unter dem Tisch.„Nein. Nein, nein, nein...“Meine Hände begannen zu zittern.Ich konnte nicht atmen.Dann hörte ich einen Schrei.„AXEL!“Ich wirbelte herum.Meine Mutter stand am Ende des Flurs und streckte die Hand nach mir aus. Blut bedeckte ihr Kleid.„Mutter!“Ich rannte auf sie zu.Doch bev
LAELITHDer Speisesaal war geschäftig, als ich am nächsten Morgen ankam.Die Dienstmädchen deckten die Tische, polierten die Gläser und bereiteten den Raum für die Gäste des Tages vor. Ich bot meine Hilfe an, und sie nahmen sie gerne an.Ich verbrachte die nächste Stunde damit, Teller zu tragen und Stühle zurechtzurücken. Es tat gut, nützlich zu sein, anstatt allein in meinem Zimmer zu sitzen.Nachdem wir fertig waren, ging ich zu den Trainingsplätzen.Einige Männer übten mit Holzschwertern. Ich blieb stehen und sah zu, bis einer von ihnen mich bemerkte.„Möchtest du es auch mal versuchen?“Ich lächelte. „Warum nicht?“Er warf mir ein Holzschwert zu, und ich fing es auf.Wir begannen zu trainieren, und schon bald versammelten sich die anderen um uns, um zuzusehen. Es gelang mir, mehrere Angriffe abzuwehren, bevor ich die Schulter meines Gegners traf.„Nicht schlecht!“, rief jemand.Ich lachte.Genau in diesem Moment lernte ich Lucien kennen.Er war ein junger Mann mit dunklen Haaren u
LAELITH Ich beschloss, nie wieder in die Nähe der Ställe zu gehen.Die Strafe, die Thomas meinetwegen erhalten hatte, reichte aus, damit ich mich furchtbar fühlte. Ich konnte nicht aufhören, an sein Gesicht zu denken, als der König ihm befohlen hatte, sieben Tage lang allein die Ställe zu reinigen.Er hatte nur versucht, mich zu verteidigen.Und ich hatte alles noch schlimmer gemacht.Allmählich begriff ich, dass ich es dem König nie würde recht machen können, ganz gleich, wie sehr ich mich bemühte.Er hasste es, mich in seinem Palast zu haben. Ich sah es in seinen Augen, sooft er mich ansah. Er misstraute mir, und es kümmerte ihn ganz gewiss nicht, ob ich mich wohlfühlte oder nicht.Ich hasste ihn dafür, dass er mich so klein fühlen ließ.Aber ich durfte es mir nicht leisten, das zu zeigen.Er war noch immer der Einzige, der zwischen mir und Asteria stand. Wenn er beschloss, mich fortzuschicken,
LAELITH Zum ersten Mal, seit ich im Palast angekommen war, wachte ich mit dem Wunsch auf, zu lächeln.Es lag nicht daran, dass ich vergessen hätte, was in der vergangenen Nacht geschehen war. Ich erinnerte mich noch genau daran, wie ich vor dem König gestanden und ihn angefleht hatte, mich nicht fortzuschicken, und wie er mich entlassen hatte, als bedeute mein Leben nichts.Aber ich konnte nicht den ganzen Tag weinen.Ich musste etwas tun.Wenn ich dem König schon nicht vergelten konnte, dass er mich gerettet hatte, konnte ich mich wenigstens für die Menschen nützlich machen, die in seinem Palast arbeiteten.So kam es, dass ich in den Ställen landete.Mehrere Männer arbeiteten dort, misteten die Boxen aus, fütterten die Pferde und richteten das Zaumzeug her. Einige von ihnen grüßten mich, als ich eintrat.„Guten Morgen, meine Dame."Beinahe hätte ich ihn korrigiert.Ich war







