Masukaus Wrens Perspektive)
Elder Thane mochte den Klang seiner eigenen Stimme. Tradition. Blutlinien. Die Zukunft des Rudels für eine weitere Generation gesichert. Celeste stand die ganze Zeit mit erhobenem Kinn da, seit sie laufen konnte auf diesen Moment vorbereitet. Ich beobachtete aus meiner Ecke und versuchte, nicht zu oft zu Kade zu schauen. Es funktionierte nicht. Seine Augen fanden meine alle paar Minuten, schnell, schuldbewusst, als könnte er es nicht lassen, selbst während er neben der Frau stand, die er gleich beanspruchen würde. Grier bemerkte es. Kiefer angespannt, Arme verschränkt, sagte nichts. „Er macht das ständig“, sagte Grier neben mir. „Was macht er.“ „Du weißt genau, was.“ Ich antwortete nicht. Elder Thane kam endlich zu dem Teil, auf den alle gewartet hatten. Er hob die Hände, und der Raum wurde still – die Art von Stille, in der alle gleichzeitig dasselbe wollen. „Alpha Kade Calloway. Tritt vor und sprich die Worte der Absicht vor diesem Rudel.“ Kade bewegte sich eine Sekunde zu lange nicht. Einige Leute in der vorderen Reihe begannen, Blicke auszutauschen. Dann trat er vor, und seine Stimme klang ruhig, formell, nichts wie die Stimme, die er an diesem Morgen auf der Einfahrt zu mir benutzt hatte. Er sprach die alten Worte, die jeder Alpha vor einer Beanspruchung sprach, und versprach, zu schützen, zu versorgen und an der Seite seiner gewählten Gefährtin zu führen. Celestes Augen glänzten die ganze Zeit über vor Tränen. Die eigentliche Beanspruchung würde heute Abend nicht stattfinden. Nicht die Bindung, nicht der Biss, nichts davon. Heute Abend war nur das Versprechen, vor Zeugen gesprochen, der formelle Schritt vor der echten Zeremonie, die noch Wochen entfernt lag. Ich hatte das vergessen, bis Elder Thane es klar sagte, und etwas in meiner Brust lockerte sich bei der Erinnerung ein wenig. Wochen, nicht heute Nacht. Die Menge begann sich zu den Tischen an der Rückwand zu bewegen, und für einen Moment geriet die ganze Halle in Bewegung – Leute umarmten Celeste, gratulierten Edwin und Vivian, der Lärm schwoll wieder zu etwas Festlichem an. Ich blieb in meiner Ecke, und da fand mich Kade, als er sich von einer Gruppe von Eldern löste, die ihm gratulierten. „Wren.“ „Du solltest nicht hier sein.“ „Ich weiß.“ Sein Kiefer war angespannt, seine Augen müde auf eine Weise, die sie an diesem Morgen nicht gewesen waren. „Ich habe es ernst gemeint. Mitternacht. Die Trainingsscheune.“ „Kade, jeder kann dich sehen.“ „Es ist mir egal.“ „Es sollte dir nicht egal sein. Du bist gerade dort vorne gestanden und hast dich vor dem gesamten Rudel meiner Schwester versprochen.“ „Ich weiß, was ich getan habe.“ Etwas huschte über sein Gesicht, verschwand, bevor ich es benennen konnte. „Das ändert nichts an dem, was ich dir sagen muss.“ „Dann sag es jetzt.“ „Nicht hier.“ Seine Augen huschten zur Menge, zu Celeste, die nur wenige Meter entfernt mit einer Gruppe Gratulanten lachte. „Mitternacht, Wren. Bitte.“ Er ging zurück in die Menge, bevor ich antworten konnte, und ich stand noch einen Moment da, die Brust eng, bevor ich zur Seitentür hinausschlüpfte. Ich schlüpfte trotzdem hinaus, brauchte Luft, die Kälte traf mich hart nach der Hitze der Halle. Ich stand da und schluckte sie, als wäre ich unter Wasser gewesen. „Wieder weglaufen.“ Priya. Arme verschränkt, dasselbe Lächeln. „Ich brauchte Luft.“ „Klar.“ Sie trat näher, Absätze knirschten auf dem Kies. „Die meisten Leute wären heute Abend glücklich für ihre Schwester.“ „Ich bin glücklich für sie.“ „Du siehst aus, als würdest du gleich kotzen. Oder vielleicht ist das einfach nur dein Gesicht.“ Sie neigte den Kopf. „Ich habe gesehen, wie Kade dich vorhin angesehen hat. Auf der Einfahrt.“ Mein Magen sackte ab. „Du hast nichts gesehen.“ „Ich habe genug gesehen.“ Ihr Lächeln wurde schärfer. „Weiß Celeste, wie viel Zeit ihr Gefährte damit verbringt, ihre Schwester anzusehen?“ „Es gibt nichts zu wissen.“ „Vielleicht noch nicht.“ Sie zuckte mit den Schultern und trat zurück zur Tür. „Ich habe ein gutes Gedächtnis, Wren. Ich erinnere mich an Dinge. Besonders an nützliche. Und ich werde euch beide von jetzt an sehr genau beobachten.“ Sie ließ mich allein im Dunkeln zurück, mein Herz hämmerte immer noch gegen meine Rippen. Ich ging nicht sofort wieder rein. Stattdessen nahm ich den langen Weg, vorbei am Trainingsgelände, vorbei an der alten Eiche, die Kade und ich als Kinder hochgeklettert waren, bevor irgendetwas davon zwischen uns stand. Die Rinde war an einer Stelle glatt abgewetzt, wo wir immer gesessen hatten, und ich strich ohne nachzudenken mit den Fingern darüber, so wie ich es immer tat, wenn ich an diesem Baum vorbeikam. Eine alte Frau stand nahe der Baumgrenze, silbernes Haar lose um die Schultern, und beobachtete mich. Ich kannte sie nicht. Ein Gesicht wie dieses hätte ich mir gemerkt. „Du bist hier draußen allein“, sagte sie. Ihre Stimme war fester, als ihre Gestalt vermuten ließ. „Ich brauchte Luft.“ „Heute Abend brauchen alle Luft.“ Sie musterte mich. „Du siehst nicht aus wie die anderen da drinnen.“ „Das bin ich auch nicht.“ „Nein.“ Sie sagte es langsam, als koste sie das Wort. „Das bist du nicht.“ Meine Haut kribbelte. „Kenne ich dich?“ „Noch nicht.“ Ein kleines, seltsames Lächeln. „Aber du wirst, Wren Ashby. Früher, als du denkst. Es steckt mehr in dir, als dieses Haus dich jemals hat sehen lassen.“ „Ich weiß nicht, was das bedeutet.“ „Noch nicht“, sagte sie erneut, und etwas an der Art, wie sie es wiederholte, ließ die Worte weniger wie einen Zufall und mehr wie ein Versprechen wirken. „Deine Familie hat Dinge vor dir verborgen. Alte Dinge. Die Art von Dingen, die nicht für immer begraben bleiben.“ „Welche Dinge?“ „Dinge, die deine Mutter am Tag deiner Geburt begraben hat und seitdem jedes Jahr dafür gesorgt hat, dass sie begraben bleiben.“ Ihre Augen ließen meine nicht los. „Du spürst es manchmal, nicht wahr? Einen Zug, bevor etwas passiert. Ein kaltes Gefühl in der Brust, kurz bevor etwas schiefgeht.“ Mein Atem stockte. Das hatte ich nie jemandem erzählt. Nicht Maribel, nicht Kade, keiner einzigen Seele in sechsundzwanzig Jahren. „Woher weißt du das?“ Irgendwo in der Nähe der Halle rief eine Stimme, scharf und nah. Ich drehte mich eine halbe Sekunde lang dahin, gerade lange genug, um Maribels Stimme zu hören, die meinen Namen rief. Als ich zurückblickte, war die Frau verschwunden. Keine Fußspuren im Gras. Kein Geräusch ihres Weggehens, als hätte die Baumgrenze sie einfach verschluckt. Ich stand einen Moment da, der Puls laut in meinen eigenen Ohren, und spielte nach, was sie gesagt hatte. Alte Dinge. Die Art von Dingen, die nicht für immer begraben bleiben. Meine Eltern hatten nie über unsere Familiengeschichte gesprochen, außer den üblichen Rudelgeschichten, die sowieso jeder kannte – die Gründung, die alten Kriege, dieselbe Handvoll Namen, die bei jedem Treffen wiederholt wurden. Maribel fand mich einen Moment später und schnitt mit schnellen, besorgten Schritten durch die Dunkelheit. „Da bist du ja“, sagte sie außer Atem. „Ich habe überall gesucht. Die Zeremonie ist vorbei. Vivian will, dass alle wieder rein kommen für den Toast.“ „Ich komme.“ Sie musterte mein Gesicht, so wie sie es immer tat, wenn sie vermutete, dass ich etwas verheimlichte. „Du siehst blass aus.“ „Mir geht’s gut“, sagte ich, dieselbe müde Antwort, die ich immer gab. „Hm.“ Sie glaubte mir nicht, ließ es aber gut sein, hakte ihren Arm in meinen und führte mich zurück zum Licht und Lärm der Halle. Ich schaute einmal zurück zur Baumgrenze, bevor wir die Tür erreichten. Nichts bewegte sich. Kein Zeichen der Frau, kein Hinweis darauf, dass sie jemals dort gestanden hatte. Aber ihre Worte blieben bei mir den ganzen Weg zurück nach drinnen, leise und seltsam, und setzten sich tief in meiner Brust fest wie ein Stein, der in stilles Wasser fällt. Alte Dinge. Die Art von Dingen, die nicht für immer begraben bleiben.Griers Perspektive„Welche Familie?“, fragte ich. Die Frage fühlte sich schwerer an, als ich gedacht hatte. Eine einzige Antwort konnte alles verändern, was ich über die Gefahr um dieses Rudel herum glaubte.Priya wartete einen Moment. Ihre Augen wanderten zum Haus. Sie wirkte, als fürchte sie, die Wände könnten ihre Worte hören und sie irgendwohin bringen, wo sie nicht sicher waren. „Thanes.“Der Name traf mich hart. Ich war nicht vorbereitet. „Elder Thane.“„Ich weiß nicht, ob Thane das selbst tut. Vielleicht benutzt jemand in seinem Haus sein Siegel, und er weiß nichts davon. Ich kenne nur das Siegel, Grier. Ich habe seine Ratsbriefe jahrelang immer wieder auf diesem Schreibtisch gesehen. Ich erkenne das Zeichen sofort.“ Priyas Stimme blieb ruhig. Ihre Hände zitterten ein wenig. „Das Siegel war in der Ecke jenes Briefes auf Celestes Schreibtisch. Es war so klar, wie ich dich jetzt sehe.“Ich saß lange still da. Ich dachte darüber nach, was das von jeder Seite bedeutete. Ich suchte
Griers SichtweiseIch zog mich sehr schnell an. Priya richtete ihre Kleidung ebenfalls. Kade wartete im Flur vor seinem Arbeitszimmer. Sein Gesicht wirkte viel härter als das müde Gesicht von letzter Nacht.„Zeig es mir“, sagte ich.Er führte mich hinein. Ich sah sofort, warum der Verlust ihn so schwer traf. Das Fenster war genauso geschlossen wie zuvor. Es war von innen verschlossen. Keine Spuren am unteren Rand oder an den Seiten. Das Türschloss war in Ordnung. Keine Kratzer. Keine Anzeichen von Gewalt. Ein sauberer Zugang, der eigentlich einen Schlüssel erfordert hätte.„Bist du sicher, dass du es richtig abgeschlossen hast?“, fragte ich. Die Antwort kannte ich bereits. Kade würde mich nicht wegen eines einfachen Fehlers rufen.„Ich bin sicher, Grier. Ich habe den Schlüssel drehen sehen. Ich habe gespürt, wie es sich verriegelt hat.“ Er ging zu dem kleinen Kästchen, in dem der Stein gelegen hatte. Jetzt war das Kästchen leer. Nur eine weiche Vertiefung blieb im Tuch zurück, wo der
Grier SichtIch setzte mich. Sie kniete auf dem Boden zwischen meinen geöffneten Beinen. Das war die erste klare Stellung. Sie umfasste den Ansatz meines Schwanzes mit einer Hand und leckte einen langen, nassen Streifen von unten bis zur Spitze. Dann öffnete sie den Mund und nahm den Kopf hinein, saugte langsam, während ihre Zunge gegen die Unterseite drückte. Sie bewegte den Kopf auf und ab und nahm jedes Mal mehr von meiner Länge, bis ihre Lippen fast ihre Hand erreichten. Die nasse Hitze ihres Mundes und der weiche Druck ihrer Zunge ließen mich stöhnen.„Dein Mund fühlt sich so verdammt gut an“, sagte ich zu ihr. „Saug mich tiefer. Benutz deine Zunge. Ich will den hinteren Teil deines Rachens spüren.“Sie summte um meinen Schwanz und schob sich tiefer. Ihre freie Hand umfasste meine Eier und rollte sie behutsam, während sie saugte. Sie blieb lange in dieser Stellung, wippte mit dem Kopf, zog sich zurück, um die volle Länge zu lecken, und nahm mich dann wieder tief. Speichel machte
Griers SichtWir blieben auf den Pferden, bis die Sonne hoch stand. Die Straße gen Osten führte uns die ganze Zeit. Wir überprüften jeden Seitenweg und jeden kleinen Pfad auf irgendein Zeichen, wohin Celeste gegangen war, nachdem das Wasser ihren Geruch fortgespült hatte.Wir fanden nichts. Keine neuen Fußspuren. Keine zweite Spur. Nur die normale Stille des Waldes, die jedes Geheimnis bewahrte.Kade ritt den größten Teil des Morgens an der Spitze unserer kleinen Gruppe. Er sagte fast nichts. Sein Gesicht blieb hart, genau so, wie es gewesen war, seit er zum ersten Mal gehört hatte, dass die Schwester seiner Gefährtin in die Dunkelheit gegangen war. Ich versuchte nicht, mit ihm zu reden. Manche stillen Zeiten müssen still bleiben. Jahre der Arbeit an seiner Seite hatten mir das gelehrt.Gegen Mittag wurde der Stein wieder kalt. Das pochende Gefühl darin hörte auf und wurde still. Wir waren sehr müde und dem Antwort keinen Schritt näher als am Anfang des Tages. Ich gab den Stein an Kad
Griers Sichtweise „Ich habe Angst“, sagte Priya. Die Worte kamen auf einmal heraus. Es war, als könne sie sie nicht länger in sich behalten. „Nicht nur wegen Celeste. Auch wegen mir. Und wegen dem, was ich für dich zu fühlen beginne. All dieser Ärger geschieht um uns beide herum.“ Die Worte trafen mich härter, als ich gedacht hatte. Aber ich behielt ein ruhiges Gesicht. Ich wusste, wie mutig es von ihr war, das auszusprechen. Sie hatte viele Wochen geschwiegen. „Du brauchst keine Angst davor zu haben, Priya.“ „Ich glaube doch.“ Priya wischte sich die Augen. Ihre Stimme blieb trotz der Tränen gleichmäßig. „Mein ganzes Leben lang habe ich Celeste an erste Stelle gesetzt. Jetzt stehe ich im Stallhof am frühen Morgen. Ich fürchte, dich zu verlieren, mehr als das, was der Rat ihr antun wird. Ich weiß nicht, was das über mich aussagt. Sie und ich haben einander so viel bedeutet früher.“ „Es bedeutet, dass du mehr als eine Person lieben kannst. Auch wenn es dich etwas kostet, beide
Griers Perspektive Ich stieß auf einen jungen Wächter namens Dain, der am Grenzposten stand. Er war nur etwa zwanzig Jahre alt und zitterte immer noch vor den Dingen, die er gesehen hatte. Seine Finger umklammerten ein Stück Stoff so fest, dass er es nicht losließ, selbst als ich auf ihn zukam.„Erzähl mir alles, was du beobachtet hast“, sagte ich zu ihm. Ich hielt meinen Ton ruhig, obwohl die Dringlichkeit in mir heftig drängte.„Zwei Personen standen in der Nähe des Pfades, der zur alten Steinbruchgrube führt. Ich hörte sie reden, aber die Worte blieben undeutlich. Eine war männlich und eine weiblich.“ Dains Stimme zitterte noch. „Ich kann die Frau nicht mit voller Sicherheit nennen. Das Mondlicht brach nur kurze Zeit durch die Bäume, und sie blieben weit entfernt. Ihre Gestalt, die Länge ihrer Haare und die Art, wie sie stand, ließen mich an eine Person denken, die ich kenne. Dennoch würde ich niemals vor anderen darauf schwören.“„An wen dachtest du dann?“Er hielt ziemlich lange







