INICIAR SESIÓNGriers SichtWir blieben auf den Pferden, bis die Sonne hoch stand. Die Straße gen Osten führte uns die ganze Zeit. Wir überprüften jeden Seitenweg und jeden kleinen Pfad auf irgendein Zeichen, wohin Celeste gegangen war, nachdem das Wasser ihren Geruch fortgespült hatte.Wir fanden nichts. Keine neuen Fußspuren. Keine zweite Spur. Nur die normale Stille des Waldes, die jedes Geheimnis bewahrte.Kade ritt den größten Teil des Morgens an der Spitze unserer kleinen Gruppe. Er sagte fast nichts. Sein Gesicht blieb hart, genau so, wie es gewesen war, seit er zum ersten Mal gehört hatte, dass die Schwester seiner Gefährtin in die Dunkelheit gegangen war. Ich versuchte nicht, mit ihm zu reden. Manche stillen Zeiten müssen still bleiben. Jahre der Arbeit an seiner Seite hatten mir das gelehrt.Gegen Mittag wurde der Stein wieder kalt. Das pochende Gefühl darin hörte auf und wurde still. Wir waren sehr müde und dem Antwort keinen Schritt näher als am Anfang des Tages. Ich gab den Stein an Kad
Griers Sichtweise „Ich habe Angst“, sagte Priya. Die Worte kamen auf einmal heraus. Es war, als könne sie sie nicht länger in sich behalten. „Nicht nur wegen Celeste. Auch wegen mir. Und wegen dem, was ich für dich zu fühlen beginne. All dieser Ärger geschieht um uns beide herum.“ Die Worte trafen mich härter, als ich gedacht hatte. Aber ich behielt ein ruhiges Gesicht. Ich wusste, wie mutig es von ihr war, das auszusprechen. Sie hatte viele Wochen geschwiegen. „Du brauchst keine Angst davor zu haben, Priya.“ „Ich glaube doch.“ Priya wischte sich die Augen. Ihre Stimme blieb trotz der Tränen gleichmäßig. „Mein ganzes Leben lang habe ich Celeste an erste Stelle gesetzt. Jetzt stehe ich im Stallhof am frühen Morgen. Ich fürchte, dich zu verlieren, mehr als das, was der Rat ihr antun wird. Ich weiß nicht, was das über mich aussagt. Sie und ich haben einander so viel bedeutet früher.“ „Es bedeutet, dass du mehr als eine Person lieben kannst. Auch wenn es dich etwas kostet, beide
Griers Perspektive Ich stieß auf einen jungen Wächter namens Dain, der am Grenzposten stand. Er war nur etwa zwanzig Jahre alt und zitterte immer noch vor den Dingen, die er gesehen hatte. Seine Finger umklammerten ein Stück Stoff so fest, dass er es nicht losließ, selbst als ich auf ihn zukam.„Erzähl mir alles, was du beobachtet hast“, sagte ich zu ihm. Ich hielt meinen Ton ruhig, obwohl die Dringlichkeit in mir heftig drängte.„Zwei Personen standen in der Nähe des Pfades, der zur alten Steinbruchgrube führt. Ich hörte sie reden, aber die Worte blieben undeutlich. Eine war männlich und eine weiblich.“ Dains Stimme zitterte noch. „Ich kann die Frau nicht mit voller Sicherheit nennen. Das Mondlicht brach nur kurze Zeit durch die Bäume, und sie blieben weit entfernt. Ihre Gestalt, die Länge ihrer Haare und die Art, wie sie stand, ließen mich an eine Person denken, die ich kenne. Dennoch würde ich niemals vor anderen darauf schwören.“„An wen dachtest du dann?“Er hielt ziemlich lange
Griers POVElf meiner Kämpfer rannten bereits hart über den festgetretenen Boden der Trainingsfelder, bevor Kade den Befehl überhaupt zu Ende gerufen hatte. Wir schnitten geradewegs zum Nordtor. Die Späher, die unsere Wächter gesichtet hatten, waren längst verschwunden, als wir dort ankamen. Sie hatten sich zurück in die Bäume geschlichen, die zu Blackthorn gehören. Doch die Spuren, die sie hinterlassen hatten, verrieten mir etwas, das mir überhaupt nicht gefiel.„Drei Fußabdrücke“, sagte ich, während ich mich tief über den aufgewühlten Boden beugte. „Sie sind als Gruppe zusammengegangen. Nicht so verteilt, wie normale Späher es tun würden, wenn sie nur aus simpler Neugier eine Grenze prüfen.“Kade ließ sich neben mir nieder. Sein Kiefer wirkte angespannt. „Sie haben nach Informationen gesucht.“„Vorsichtig gesucht. Der, der diese Gruppe anführte, wusste genau, wo unsere Wachschichten die größte offene Stelle ließen.“ Ich stand auf und starrte auf die Baumreihe, in der die Spuren vers
Celestes SichtDrei volle Tage vergingen, bevor ich es wagte, ihn erneut zu treffen. Diese Tage verbrachte ich damit, Maribel auf jedes neue Anzeichen von Zweifel zu beobachten und zu verfolgen, wie Grier die Diener mit Fragen bedrängte, die sich meinem eigenen Zimmer näherten und doch nie ganz dort ankamen. Ich sagte mir, die Vorsicht sei nur kluge Umsicht. Ein Teil von mir weigerte sich, diese Behauptung zu glauben, nach allem, was Maribel über den Stein berichtet hatte. Dennoch fand ich nicht den Willen, ihn abzulegen. Ein sturer Teil von mir wollte das eine Ding in meinen Tagen nicht loslassen, das sich noch immer wie eine echte Wahl anfühlte, selbst wenn dieses Gefühl Gefahr mit sich brachte.Ich erreichte den Steinbruch und fand Ronan bereits wartend. Sein Gesicht trug einen ruhigeren Ausdruck als gewöhnlich.„Du wirkst besorgt“, sagte ich, als ich mich neben ihn setzte.„Vor allem Pläne. Nichts, was dich sofort betrifft – oder noch nicht.“ Er betrachtete mich eine lange Weile m
Celestes BlickwinkelRichtiger Schlaf war mir entkommen, seit dem Studium. Meine Gedanken kreisten immer wieder um jene verbrannte Botschaft und den zweiten Verräter, auf den sie hinwies. Ich blieb vollkommen wach, allein neben einer schwachen Kerzenflamme, als ein leises Klopfen an mein Fenster drang. Das Geräusch wirkte zu genau für jeden Windstoß und zu geplant für reinen Zufall.„Maribel.“ Der Name verließ meine Lippen fast ohne Lautstärke. Überraschung riss das ruhige Gesicht fort, das ich nach Griers Entdeckung jener Papiere wieder aufzubauen versucht hatte. „Warum stehst du so draußen. Du könntest den Halt verlieren.“„Ich habe in meinen frühen Tagen weit steilere Aufstiege bewältigt, Liebes. Dieser schmale Sims bedeutet wenig.“ Sie griff selbst nach dem Fensterverschluss und löste ihn mit Fingern, die stärker wirkten, als ihre Jahre vermuten ließen. Dann glitt sie hinein mit einer geschmeidigen Geschicklichkeit, die zeigte, dass sie dasselbe schon viele Male getan hatte. „Die







