LOGINNADIA
Ich öffnete die Augen und bereute es im selben Augenblick.
Mein Kopf schmerzte. Er pochte, als würde er jeden Moment explodieren.
Selbst das Sonnenlicht, das durch die Fenster fiel, reichte nicht aus, um meine verschwommene Sicht zu klären.
Dann stieg mir ein scharfer, stechender Geruch in die Nase.
Ich stank nach Alkohol. Nach Unmengen von Alkohol.
„Ahh“, stöhnte ich leise. „Ich hätte wirklich nicht so viel trinken sollen.“ Meine Finger rieben über meine Stirn, während ich versuchte, den Trampelpfad wild gewordener Gedanken in meinem Kopf zum Stoppen zu bringen.
Ich schlug die Augen auf und sah mich im Raum um.
Eine Minute lang wusste ich nicht, wo ich war, doch dann dämmerte es mir. Ich war in Elias’ Zimmer.
Mein Blick fiel auf ein Glas Wasser neben einigen Schmerzmitteln auf dem Nachttisch und wanderte weiter zum Badezimmer, aus dem das Geräusch einer laufenden Dusche zu hören war.
Ich blickte zurück zum Glas und griff danach. Es war ja wohl das Mindeste, dass er sich um mich kümmerte, schließlich war er überhaupt erst der Grund dafür, dass ich so zugerichtet war.
Zu erfahren, dass der eigene Ehemann sein Unternehmen vorsätzlich in die Insolvenz treibt, um den Lebensstil seiner Geliebten zu finanzieren, ist eine Nachricht, die keine Frau jemals in ihrem Leben hören möchte.
Aber ich hatte es letzte Nacht gehört, und es hatte mich so hart getroffen, dass ich zu einer Flasche Whisky gegriffen und meine Sorgen auf dem Grund der Flasche ertränkt hatte.
Ich nahm einen großen Schluck Wasser, warf die Schmerzmittel in den Mund, schluckte und spülte sie mit noch mehr Wasser hinunter.
Ich lehnte mich an das Kopfteil des Bettes zurück und schloss die Augen.
Eine Szene spielte sich in meinem Kopf ab, und ich stellte mir vor, wie die Konfrontation mit Elias ablaufen würde. Würde er es zugeben? Oder würde er mir direkt ins Gesicht lügen?
Vielleicht konnte ich ihn zur Vernunft bringen …
Meine Augen schnellten auf. Meine verschwommene Sicht richtete sich auf die Badezimmertür, wo das Wasser noch immer prasselte.
Natürlich! Das war jetzt nicht der Zeitpunkt, um das zu betrauern oder zu beweinen, was aus unserer Ehe hätte werden können.
Es war an der Zeit, Elias zu zeigen, wozu ich fähig war.
Wenn ich ihm beweisen konnte, dass ich ihm aus dieser Insolvenz heraushelfen konnte, dass er diese Goldgräberin gar nicht brauchte …
Ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus, als der Plan in meinem Kopf zu etwas Wunderschönem und Magischem heranwuchs.
Vorsichtig setzte ich die Füße auf den Boden, richtete mich auf und ging auf das Badezimmer zu, wobei meine Hände an der Wand entlanggleiteten, um mir Halt zu geben.
Ich griff nach der Türklinke und drückte sie nach unten – erleichtert stellte ich fest, dass unverschlossen war.
Ich trat ein und starrte auf die Glasscheibe der Dusche, die nun von Wasserdampf beschlagen war.
Ich schloss die Tür hinter mir, trat an die Glastür heran und schob sie auf.
Elias stand unter der Dusche, den Rücken mir zugewandt, und meine Augen wanderten über seinen Körper. Ich starrte auf die ausgeprägten Muskeln an seinem Rücken, seine breiten Schultern und die Linien, die zu seinem knackigen Hintern führten.
Du hast es doch schon immer geliebt, wenn ich spontan war, oder? Nun, hier ist etwas Spontanes für dich.
Ich schob die Tür hinter mir zu, doch bevor er sich zu mir umdrehen konnte, überwand ich den Abstand zwischen uns.
Meine Arme schlangen sich um seinen Körper, und mein Gesicht presste sich an seinen Rücken.
Mein Nachthemd von letzter Nacht saugte das Wasser, das von seinem Rücken tropfte, rasch auf.
„Elias“, flüsterte ich, während meine Hände über seine definierten Bauchmuskeln und die V-Linie glitten.
Seit wann fühlte er sich eigentlich so … durchtrainiert an?
„Es tut mir leid wegen letzter Nacht. Ich hätte nicht so mit dir reden dürfen“, begann ich, während eine Hand seinen Bauch streichelte und die andere weiter nach unten wanderte. „Ich war einfach verletzt und wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte.“
Meine Hand wanderte zu seiner Härte und liebkoste sie sanft.
Ich spürte den Moment, in dem er sich an mir anspannte. „Siehst du denn nicht, wie viel du mir wirklich bedeutest?“
Er war viel zu groß, und selbst mit beiden Händen konnte ich seine ganze Länge kaum umfassen.
Dennoch hörte ich nicht auf.
Meine Hände bewegten sich, streichelten ihn, meine Finger rieben über seine Spitze, während das Wasser es meiner Hand leichter machte, über ihn zu gleiten.
Zu spüren und zu hören, wie er auf meine Berührung reagierte, ließ mich lächeln.
„Gib mir eine Chance, nur eine einzige. Und ich werde dir zeigen, dass ich so viel besser bin als Chloe. Ich kann dir alles geben, was sie dir nicht geben kann.“
Lass mich dir beweisen, was in mir steckt …
Ich presste meine Lippen gegen seinen Rücken.
In diesem Moment bewegte er sich. Die Dusche wurde abgestellt, und große Hände legten sich über meine, wo ich gerade das Objekt seiner Erregung hielt.
Er neigte den Kopf und blickte über die Schulter zu mir herab. Seine Lippen bewegten sich.
„Was machst du da?“
Fast wie ein Donnerhall fuhr seine Stimme durch meinen benebelten Zustand, und meine verschwommene Sicht klärte sich augenblicklich.
Ich erstarrte.
Zu viel Angst, um auch nur zu atmen, in der Hoffnung, dies sei nur eine Täuschung. Aber das war es nicht.
Der Mann im Badezimmer war nicht Elias! Es war Killian!
Als hätte mein Gehirn die Information gerade erst verarbeitet, traf mich die Realität meiner derzeitigen Lage wie ein Schlag.
Ich riss mich von ihm los, rannte aus dem Badezimmer – von dem mir nun klar wurde, dass es das Gästezimmer war – und stürzte in mein Schlafzimmer.
Ich stürmte hinein, warf die Tür hinter mir zu und sank auf die Knie.
Ich … ich … ich habe das Glied meines Stiefsohns befummelt!
Mein Blick fiel auf meine zitternden Hände … dieselben Hände, die gerade noch—
„Aber wie können die beiden sich nur so verdammt ähnlich sehen?!“, fragte ich laut. Mein Atem ging unregelmäßig, als ich mich auf die Füße zwang und im Spiegel meinem blassen, zu Tode blamierten Ebenbild gegenüberstand.
Danke an den verdammten Alkohol, den ich getrunken hatte – ich konnte nicht einmal meinen Ehemann von seinem Sohn unterscheiden!
Ich fuhr mir mit den Händen durch die Haare. „Oh Gott, was soll ich nur tun? Ich kann ihm doch nicht mehr unter die Augen treten! Ich sterbe vor Scham!“
Aber ich muss ihm unter die Augen treten. Ich muss mich bei ihm entschuldigen. Ich habe den Mann schließlich gerade sexuell belästigt!
„Verdammt noch mal! Warum hat er denn nichts gesagt?! Er stand einfach nur da und hat es geschehen lassen!“, ich hätte mir beinahe die Haare ausgerissen.
Als hättest du ihm überhaupt eine Chance dazu gelassen.
„Oh, bringt mich einfach um. Bringt mich jetzt gleich um.“
Nachdem ich gefühlte Stunden in meinem Schlafzimmer auf und ab gelaufen war, zog ich mich schließlich fürs Frühstück an, bereit, Killian unter die Augen zu treten und mich hoffentlich am Tisch bei ihm zu entschuldigen, falls Elias nicht da war.
Wie ich vorhergesehen hatte, war Elias nicht da, und nur Killian saß mit finsterer Miene am Esstisch. Er sah wütend aus.
Natürlich war er das. Die Frau seines Vaters hatte ihn buchstäblich in seinem Badezimmer belästigt!
Verdammt! Ich wandere ins Gefängnis.
Ich schluckte schwer und machte zögerliche Schritte auf ihn zu.
Er blickte nicht auf, fast so, als hätte er mich gar nicht gehört. Ich überwand den Abstand zwischen uns und blieb wenige Schritte entfernt stehen.
„K-Killian.“
Sein Blick traf meinen, und mein restliches Selbstbewusstsein löste sich in Wohlgefallen auf.
Meine Augen huschten nervös zur Seite, und meine Finger spielten mit dem Saum meines Kleides.
„Ich möchte mich—“
„Hier, nimm das“, sagte er und warf einen braunen Umschlag auf den Esstisch.
Du meine Güte! Er hat noch nicht einmal Zeit verschwendet, um mich zu verklagen! Ich wandere ins Gefängnis. Ich wandere ins Gefängnis, nur weil ich keinen Alkohol vertrage.
„Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe, und ich schwöre dir, es war keine Absicht—“
„Wovon redest du da eigentlich?“, er runzelte die Stirn.
„Reiche bitte keine Anzeige gegen mich ein, ich flehe dich an“, mein tränennasser Blick wanderte zu dem Umschlag. „Ich will nicht ins Gefängnis.“
„Was zum—Bist du immer noch betrunken? Mein Vater hat mir gesagt, ich soll dir das geben.“
Ich blinzelte. „Oh.“
Ich wischte mir die Tränen ab, griff nach dem Umschlag und riss das Siegel auf.
Ich zog das Dokument heraus, und mir rutschte das Herz in die Hose.
„Scheidungspapiere?“
Nadias PerspektiveEs sind bereits drei Tage vergangen, seit ich mit Killian verheiratet bin. Ich habe ihn in diesen drei Tagen auch nicht viel gesehen.Er war extrem beschäftigt mit der Arbeit; er ging immer früh am Morgen aus dem Haus und kam erst spät abends zurück. Manchmal hatte ich dann schon geschlafen. Ein andermal habe ich noch auf Instagram gescrollt.Das Haus war langweilig. Vielleicht wird es Zeit, dass ich etwas tue – ich sollte mir einen Job suchen.Ich hatte mich schon immer dafür interessiert, arbeiten zu gehen, aber Elias hatte mich von der Idee abgebracht. Er meinte, es würde nicht gut aussehen, wenn ich als Frau eines wohlbekannten Milliardärs mir die Seele aus dem Leib arbeiten würde.Ich wollte damals nichts tun, was sein Ansehen schädigen könnte, und hatte ohne Zögern zugestimmt. Aber mittlerweile war ich schlauer, und ich war mir ziemlich sicher, dass Killian mich auch nicht daran hindern würde zu arbeiten.Und wo wir gerade von Elias sprechen: Er hat seit jener
Killians Perspektive„Wie ist das möglich?“, fragte Vater.„Nun, Vater, darf ich dich daran erinnern, dass du nicht mehr mit ihr verheiratet bist …“, begann ich, nahm Nadias Hand und stellte sicher, dass er es sah. „Und sie hat jedes Recht zu entscheiden, wen sie heiraten möchte – und sie hat sich entschieden, mich zum glücklichen Mann zu machen.“„Bist du verrückt geworden?“, schrie Vater. „Du wirst doch nicht etwa eine Frau heiraten, von der dein Vater seit nicht einmal vierundzwanzig Stunden geschieden ist?“„Korrektur, Dad: Ich werde sie nicht heiraten“, stellte ich klar. „Wir sind bereits verheiratet. Ich bin sicher, du hast den Ring an ihrem Finger bereits bemerkt.“„Du hast ihn abgelegt?“ Sein Blick wanderte zu Nadias Ringfinger, an dem zuvor sein Ring gesessen hatte. Ich sah zu, wie er vor Wut kochte.„Hätte ich ihn etwa anbehalten sollen? Komm schon, Elias, ich dachte, du wärst schlau genug zu wissen, dass man Ringe zurückgibt, wenn sich Paare trennen“, machte Nadia ein
Nadias Perspektive„Es ist ein Vertrag“, antwortete er.„Vertrag? Was für ein Vertrag?“, fragte ich.„Ein Ehevertrag natürlich. Wir müssen einen Vertrag unterzeichnen. Du weißt schon, die Mappe mit der Laufzeit, den Regeln und all dem“, erklärte er.„Komm schon, Killian“, spottete ich. „Ich weiß verdammt noch mal, was ein Vertrag ist.“„Entschuldige, ich wollte nicht, dass es so rüberkommt“, entschuldigte er sich.„Reichst du mir dann den Vertrag?“ Ich streckte meine Hand aus, ohne auf seine Entschuldigung einzugehen.„Hier bitte.“ Er legte mir den Vertrag in die Hand und bedeutete mir mit einer Geste, mich zu setzen.„Wann hattest du überhaupt die Zeit, einen Vertrag aufzusetzen? Wir waren doch den ganzen Tag zusammen“, fragte ich und setzte mich.„Ich habe da meine Wege, mach dir keine Sorgen.“ Er zwinkerte mir zu und setzte sich mir gegenüber. Ich rollte mit den Augen, bevor ich die Seiten des Vertrags aufschlug und sie durchlas.„Ein Jahr und sechs Monate“, las ich leise
Nadias Sicht„Entschuldigen Sie, ich wollte nicht neugierig sein“, entschuldigte sich die Frau, holte einige Papiere hervor und begann, darauf zu schreiben.Nachdem sie fertig war, schob sie die Dokumente zu uns hinüber, erklärte uns alles Wissenswerte und ging die Details mit uns durch, bevor sie uns aufforderte, zu unterschreiben.Wir machten ein Foto und erhielten unsere Heiratsurkunde. Nun liefen wir aus dem Standesamt, während die Menschen um uns herum jubelten und uns gratulierten.Aber es sorgte nicht dafür, dass ich mich besser fühlte – was es eigentlich sollte. Mir war klar, dass diese Leute keine Ahnung hatten, dass ich eigentlich mit Elias Hawthorne verheiratet gewesen war, abgesehen von der Standesbeamtin.Und nun war ich hier, um die Ehe mit seinem Sohn einzugehen. Aber vielleicht sollte ich mich einfach etwas entspannen. Die Tat war vollbracht, und das Mindeste, was ich tun konnte, war zu versuchen, nicht alles zu zerdenken.„Hast du Hunger? Wollen wir irgendwo etw
Nadias SichtKillian blickte zu mir zurück, als er das Klackern meiner Absätze auf dem Fliesenboden hörte. Ich sah, wie sein Gesicht aufleuchtete, als er meine Erscheinung in sich aufnahm, während in seinen Augen etwas aufblitzte, das ich nicht benennen konnte.Ich nehme an, das war ein Ja von ihm.„Willst du mich jetzt den ganzen Tag anstarren?“, fragte ich und sah ihn mit einem leichten Lächeln an.„Vielleicht. Wer weiß, womöglich starre ich dich wirklich noch den ganzen Tag an“, platzte es ohne Zögern aus ihm heraus. „Du siehst wirklich wunderschön aus.“Ich wandte mich von ihm ab – nicht etwa, weil ich sein Kompliment nicht annehmen konnte, sondern weil mein Gesicht glühend heiß geworden war und es mir zu unangenehm war, dass er mich so sah.Das ist eben diese eine Sache mit Killian: Er hat immer das letzte Wort und bringt mein Herz ins Stolpern.Ich räusperte mich und antwortete ihm schließlich: „Danke.“„Gerne geschehen, Hübsche. Und jetzt lass uns gehen und heiraten.“ Er streck
Nadias SichtIch ging im Zimmer auf und ab und dachte über all die Gründe nach, warum sein Angebot falsch und unverschämt war.Er ist der... Nein, ich schüttelte den Kopf. Der Sohn meines baldigen Ex-Mannes.Er ist jüngere als ich, was würde Elias sagen?Was ist mit der Gesellschaft?Was, wenn sie denken, ich sei so ein schamloses Mädchen, das sich einfach jedem an den Hals wirft?„Ich fange an, mir Sorgen um dich zu machen“, sprach Killian schließlich. „Du läufst viel zu viel hin und her.“„Lass mich bitte einfach, ich muss gründlich darüber nachdenken“, bat ich und ging weiter auf und ab.Aber wenn ich ihn heirate, bekomme ich meine Rache an dem Mann, der mir zehn Jahre meines verdammten Lebens gestohlen hat. Der Gedanke daran, was ich in all diesen Jahren hätte erreichen können, schürte meinen Zorn auf ihn nur noch mehr.Aber hier stehe ich nun, mit nichts. Weniger als tausend Kröten auf dem Konto und kurz davor, aus dem Haus geworfen zu werden. Entweder sage ich Ja zu Kil







