LOGIN**LORETTA**Michelle legte den Gang ein, mit einem Grinsen, das von einem Ohr zum anderen reichte.„Mädels“, verkündete sie laut genug, dass Zara, die neben ihr auf dem Beifahrersitz saß, zusammenzuckte.„Operation Mädelsabend eintausendeins ist offiziell im Gange. Schnallt euch an, schnappt euch euren Tequila und Popcorn, denn heute Abend werden wir Arbeit, Deadlines, Verantwortungen und lächerlich heiße Männer mit blauen, blauen Augen vergessen.“Zara starrte Michelle unter ihrer Brille hervor an, als wäre sie ein Laborexperiment. „Erinner mich noch mal, warum wir eigentlich befreundet sind?“ fragte sie trocken.„Weil du mich liebst, Zara.“ Michelle grinste so breit, dass es fast cartoonhaft wirkte. „Weil ich die einzige Quelle für Spaß bin, die du hast, Introvertierte, die du bist.“Zara murmelte etwas, das ich nicht ganz verstand, weil ich mir die Hand vor den Mund hielt und versuchte, mein Lachen zu unterdrücken. Ein Blick zu Holly an meiner Seite verriet mir, dass es ihr nicht b
**ELION**„Mr. Fitzpatrick, es ist mir eine Ehre, Sie endlich kennenzulernen“, sagte er, während wir uns die Hand schüttelten.Ich nickte ihm höflich zu. Ich hatte genau diesen Satz schon öfter gehört, als ich zählen konnte. Irgendwann klang es nicht mehr nach Bewunderung, sondern nur noch nach Protokoll.Harlan hingegen war weitaus einladender. Er trat vor und bot ihm mit einem leichten Lächeln die Hand.„Willkommen bei der Elite Group, Heath.“Der Gesichtsausdruck des Mannes veränderte sich sofort; ein Anflug von Entschuldigung huschte über sein Gesicht, noch bevor er sprach. „Das sollte ich klarstellen“, sagte er und nahm Heaths Handschlag an. „Ich bin nicht Heath.“Meine Augen verengten sich. Ich hob einen Finger, und innerhalb weniger Sekunden erschien einer der Kellner mit einem silbernen Tablett an meiner Seite. Ich stellte mein halb getrunkenes Whiskyglas darauf, und der junge Mann verschwand ebenso schnell, wie er gekommen war. Ich steckte eine Hand in die Tasche und strich ü
**ELION**Der Elite Club lag unter einem der ältesten Gebäude Seattles, verborgen hinter einem privaten Aufzug, der nur auf eine ausgewählte Anzahl von Fingerabdrücken reagierte.Für jeden Außenstehenden der Elite Group war dies nur ein weiterer Luxus-Büroturm. Für uns war es der Geburtsort. In diesemselben Gebäude hatten mein Vater und sein Team gestanden und eine Vision geschaffen, die nun durch ihre Kinder lebte.Wenn er nur noch am Leben wäre, um all das zu sehen.Jetzt hatte ich dieses Gebäude in unser geheimes Hauptquartier umgewandelt, wo wir Dinge besprachen, die zu vertraulich fürs Büro waren, und Entscheidungen trafen, die nicht nur den Aktienmarkt, sondern die gesamte Welt beeinflussten.Ich trat aus dem Aufzug in die vertraute Wärme von poliertem Eichenholz, Ledermöbeln und leisem Jazz, der träge durch den Raum trieb.Ja, Jazz.Denn anscheinend hatten die anderen Mitglieder beschlossen, dass es weit angemessener sei, den Ort in einen altmodischen Herrenclub umzubauen, stat
**LORETTA**„Wer ist Beatrice?“ Die Frage verließ meine Lippen, bevor ich sie stoppen konnte; sie waberte zwischen uns wie erstickender Rauch und erstickte die Wärme, die sich zuvor zwischen uns ausgebreitet hatte.Elions gesamter Körper veränderte sich. Sein Daumen erstarrte an meiner Wange, sein Kiefer versteifte sich – nicht vor Wut, eher wie jemand, der von einer Frage überrascht wurde, die er nicht erwartet hatte.Seine Augen glitten über mein Gesicht und musterten mich mit neuem Blick. „Was hat George dir über sie erzählt?“ Die Art, wie er sprach, war ruhig und kühl, aber ich kannte Elion zu gut; hinter diesem blanken Ausdruck hielt er einen Hurrikan an Emotionen eingeschlossen.Ich zwang einen zittrigen Atem durch die Nase. „Er sagte … du wärst mit ihr zusammen gewesen, wenn es nicht um mich gegangen wäre.“ Aus irgendeinem Grund konnte ich das genaue Wort nicht aussprechen, das mein Vater benutzt hatte. Dass sie „glücklich“ zusammen gewesen wären. Vielleicht, weil ich mich schu
**LORETTA**Sein Taschentuch war personalisiert.Ich zog den makellosen weißen Baumwollstoff zurück und starrte auf die kleinen Initialen, die ordentlich in eine Ecke gestickt waren.E.F.Sogar etwas so Gewöhnliches wie ein Taschentuch trug seine Unterschrift – sehr Elion-Fitzpatrick-mäßig. Ein wässriges Lachen entwich mir, bevor ich es stoppen konnte. Nur Elion würde ein Taschentuch besitzen, das wahrscheinlich mehr kostete, als erlaubt sein sollte.„Danke“, hauchte ich, meine Stimme heiser vom früheren Weinen. Es war nichts, worauf ich stolz war – vor meinem Vater zu weinen wie ein kleines Mädchen. Ich war kein kleines Mädchen mehr. Ich war eine dreiundzwanzigjährige Frau, die in ein paar Monaten vierundzwanzig würde, aber die Worte, die George Sterling gesagt hatte, trafen den Teil von mir, der immer noch klein, jung und zerbrochen war.Ich drückte das Taschentuch noch einmal an meine Nase; sein Duft nach Gewürz und etwas zutiefst … Männlichem eroberte meine Sinne.Elion bog ab und
**LORETTA**„Ich … ich tue es nicht.“ Die Worte kamen schwach heraus, ohne die Überzeugung, die sie brauchten.Vater sah mich mit etwas an, das beinahe Mitleid und Hass zugleich war. „Doch, Loretta.“ Sein Ton war diesmal nicht hart; er war nur zutiefst überzeugt, und das tat am meisten weh.„Wegen dir liegt Abel überhaupt im Bett. Wegen dir lebt meine Frau, deine Mutter, heute nicht mehr.“Meine Kehle schnürte sich zu, bis das Atmen schmerzhaft wurde, meine Schultern zitterten unkontrollierbar, und ich schmeckte das Salz meiner Tränen auf den Lippen.„Nein …“, flüsterte ich, meine Stimme kaum hörbar. „Sag das nicht. Ich wollte … ich wollte es nicht.“„Aber jedes Mal, wenn ich dich ansehe, sehe ich den Tag, an dem meine Familie auseinanderfiel. Es spielt keine Rolle, ob du es absichtlich herbeigeführt hast oder nicht.“ Seine Worte raubten meinen Beinen die Kraft.„Ich war nur ein Kind“, würgte ich hervor.Seine Augen loderten vor so tiefem Hass, dass ich mich fragte, wie ich ihn all di







