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KAPITEL 3: LENAS ERSTER ZUG

Penulis: Viv Rex
last update Tanggal publikasi: 2026-04-23 00:07:15

Here is Chapter 3:

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**KAPITEL 3: LENAS ERSTER ZUG**

Mia schlief nicht.

Sie lag auf ihrer schmalen Matratze, starrte an die Decke und hörte dem Regen zu, der langsam schwächer wurde – von einem Sturm zu einem Flüstern, von einem Flüstern zu nichts. Irgendwann hörte er ganz auf. Das Anwesen wurde still. Die Uhr an der Wand zeigte halb vier.

Sie stand auf.

Nicht weil sie ausgeschlafen war. Nicht weil sie musste. Sondern weil Liegen und Denken schlimmer war als Aufstehen und Arbeiten. Arbeit war einfach. Arbeit hatte Regeln. Arbeit fragte nicht, was sie gespürt hatte, als ein Alpha sie angesehen hatte, als wäre sie die einzige Person im Raum.

Sie zog sich an, band ihr Haar zurück und ging in die Küche.

Es war noch dunkel draußen. Die Küche lag im Halbschatten, nur der alte Herd warf einen schwachen Schein. Mia zündete die Kerzen an, stellte den Wasserkessel auf und begann, das Frühstück vorzubereiten. Brot. Eier. Frischer Kaffee für Herrn und Frau Brenner. Tee für Lena – Lena trank keinen Kaffee, sie sagte, es mache ihre Haut schlechter, obwohl ihre Haut makellos war und das alle wussten.

Die Arbeit beruhigte sie.

Immer. Seit Jahren.

Solange ihre Hände beschäftigt waren, konnte sie nicht denken. Und solange sie nicht dachte, konnte sie nicht fühlen. Und solange sie nicht fühlte—

„Du bist früh auf."

Mia ließ fast den Wasserkessel fallen.

Lena stand in der Küchentür. Nicht in ihrem silbernen Ballkleid – das hatte sie gewechselt. Jetzt trug sie einen weißen Seidenpyjama, der wahrscheinlich mehr kostete als Mias gesamte Kleidung zusammen. Ihr Haar war offen, leicht zerwühlt vom Schlafen. Trotzdem sah sie aus wie jemand aus einem Magazin.

Mia hasste es, wie sehr sie das bemerkte.

„Ich mache das Frühstück," sagte Mia neutral.

„Ich sehe das." Lena trat ein, ohne zu fragen, zog einen Stuhl heraus und setzte sich. Nicht Mias wackeligen Stuhl – den anderen, stabilen, den die Familie benutzte, wenn sie in die Küche kam. „Ich wollte mit dir reden."

Mias Hände bewegten sich weiter. Brot schneiden. Gleichmäßig. Ruhig. „Worüber?"

„Über gestern Nacht."

Die Klinge des Messers traf das Holzbrett mit einem satten Laut. Mia legte es ab, drehte sich um und sah Lena an. Das war sicherer als weiterzuschneiden.

„Es gibt nichts zu reden," sagte sie.

„Wirklich?" Lena lächelte. Es war ein schönes Lächeln. Lena hatte immer schöne Lächeln – das war das Gefährliche daran. „Lukas hat dich in dem Korridor angesprochen. Ich habe es gesehen."

„Er hat mich gefragt, wie ich heiße."

„Nur das?"

Mia hielt dem Blick stand. „Nur das."

Lena betrachtete sie einen langen Moment. Ihre blauen Augen waren schwer zu lesen – immer schon gewesen. Selbst als Kinder hatte Mia nie gewusst, was Lena wirklich dachte. Was sie wollte. Was sie plante.

„Mia." Lenas Stimme wurde weicher. Fast freundlich. Das war das gefährlichste Zeichen von allen. „Ich sage dir das, weil ich mir Sorgen mache. Lukas ist nicht—" sie suchte nach Worten, „—er ist nicht jemand, mit dem du dich anlegen solltest. Er ist Alpha. Er hat Verpflichtungen. Erwartungen. Das Rudel erwartet, dass er jemanden wählt, der—"

„Der nicht ich bin," sagte Mia ruhig.

Lena hielt inne.

„Ich weiß, was ich bin," fuhr Mia fort. Ihre Stimme zitterte nicht. Das überraschte sie selbst. „Ich bin Omega. Ich bin Hausangestellte. Ich gehöre nicht in seinen Kreis und ich weiß das. Du musst dir keine Sorgen machen."

Etwas in Lenas Gesicht entspannte sich. Fast unmerklich. Als hätte sie auf diese Antwort gewartet – als hätte sie genau das hören wollen.

„Gut," sagte sie leise. „Das ist gut."

Sie stand auf, strich ihren Pyjama glatt und ging zur Tür. Dann blieb sie stehen, ohne sich umzudrehen.

„Ach ja," sagte sie beiläufig. „Ich brauche dich heute Nachmittag nicht. Du hast frei."

Mia blinzelte. Lena gab ihr nie frei.

„Die Ältesten kommen zum Mittagessen," fuhr Lena fort, immer noch ohne sich umzudrehen. „Lukas wird dabei sein. Es wäre—" eine kurze Pause, „—besser, wenn du nicht im Haus bist. Du verstehst das, oder?"

Mia verstand.

Sie verstand sehr gut.

„Natürlich," sagte sie.

Lena verschwand. Mia drehte sich um, stützte beide Hände auf die Küchentheke und atmete langsam aus. Ihre Knöchel waren weiß. Sie lockerte den Griff, Finger für Finger.

Das war Lenas erster Zug.

Und Mia hatte nicht einmal gespielt.

---

Sie verbrachte den Nachmittag im Wald.

Das war ihr Zufluchtsort – schon seit Jahren. Ein kleiner Platz zwischen drei alten Eichen, weit genug vom Anwesen entfernt, dass sie die Stimmen nicht hören konnte, aber nah genug, dass sie in zehn Minuten zurück sein konnte, wenn jemand sie rief. Sie hatte eine alte Wolldecke dort versteckt, unter dem hohlen Stamm der mittleren Eiche, zusammengerollt in einer wasserdichten Tasche.

Sie saß auf der Decke und lehnte den Rücken gegen die Rinde.

Der Wald nach dem Regen roch anders als sonst. Frischer. Schwerer. Als hätte die Erde über Nacht geatmet und wäre jetzt wacher als zuvor. Die Vögel waren zurückgekehrt – sie konnte sie hören, irgendwo in den Kronen über ihr.

Sie schloss die Augen.

Und öffnete sie sofort wieder.

Weil hinter ihren Augenlidern sein Gesicht war. Sein Blick. Die vier Worte, die er gesagt hatte, als wären sie das Selbstverständlichste der Welt.

Mein Wolf kennt deinen.

Mia zog die Knie an die Brust und legte den Kopf darauf. Sie war kein Kind mehr. Sie war achtzehn, sie hatte zehn Jahre als Omega in einem fremden Haushalt überlebt, sie kannte die Regeln des Rudels besser als die meisten, die mit ihnen aufgewachsen waren.

Die Regel Nummer eins: Omegas wurden nicht auserwählt.

Die Regel Nummer zwei: Wenn ein Alpha etwas von einer Omega wollte, war es nie das, was sie sich erhoffte.

Die Regel Nummer drei: Hoffe nie auf etwas, das du nicht haben kannst. Der Schmerz ist nicht wert.

Sie hatte diese Regeln gelernt. Hatte sie verinnerlicht. Hatte sie sich so oft wiederholt, dass sie sich anfühlten wie Knochen – wie etwas Festes, Tragendes, Unveränderliches.

Und trotzdem.

Trotzdem kribbelte es noch immer in ihren Fingerspitzen.

Ein Ast knackte.

Mia hob den Kopf.

Jemand kam durch den Wald. Schwere Schritte, aber nicht unvorsichtig – eher wie jemand, der es gewohnt war, sich in Wäldern zu bewegen. Mia stand auf, die Decke noch in den Händen, und sah zwischen den Bäumen hindurch.

Und erstarrte.

Lukas Brenner trat auf die Lichtung.

Er sah genauso aus wie gestern Nacht – dunkel, breitschultrig, mit diesem ruhigen, schweren Blick, der alles erfasste, ohne sich zu beeilen. Er trug keine Anzugjacke mehr, nur ein einfaches schwarzes Hemd, die Ärmel hochgekrempelt. Er sah aus wie jemand, der spazieren gegangen war.

Aber Mia wusste, dass Lukas Brenner nicht einfach spazieren ging.

„Du folgst mir," sagte sie. Es war keine Frage.

„Ich habe dich gesucht," sagte er.

„Das ist dasselbe."

Etwas in seinem Mundwinkel zuckte. Wieder dieser Ansatz eines Lächelns, das nie ganz ankam. „Vielleicht."

Mia trat einen Schritt zurück. Dann noch einen. „Lena hat mir gesagt, ich soll heute nicht im Haus sein."

„Ich weiß."

„Sie wollte, dass wir uns nicht sehen."

„Ich weiß."

„Und trotzdem bist du hier."

Er sah sie an. Direkt. Ohne Ausweichen. „Ja."

Mia hielt die Decke fest, als wäre sie ein Schutzschild. Was natürlich lächerlich war – eine Wolldecke gegen einen Alpha. Aber ihr Körper tat, was er konnte.

„Was willst du von mir?" fragte sie. Zum zweiten Mal in weniger als vierundzwanzig Stunden.

Diesmal antwortete er nicht sofort.

Er sah sie an – lange, ruhig, als würde er nach den richtigen Worten suchen oder prüfen, ob er ihnen trauen konnte. Dann sagte er etwas, das sie nicht erwartet hatte.

„Ich möchte, dass du mir von deinen Eltern erzählst."

Mia blinzelte. „Was?"

„Deine Eltern," wiederholte er ruhig. „Wie hießen sie?"

Die Frage traf sie wie ein Schlag. Nicht weil sie schmerzhaft war – oder nicht nur deshalb. Sondern weil niemand jemals nach ihren Eltern gefragt hatte. In zehn Jahren. Kein einziger Mensch.

„Warum?" flüsterte sie.

Lukas Brenner sah sie an. Und in seinen dunklen Augen lag etwas, das sie noch nicht gesehen hatte.

Kein Begehren. Keine Neugier. Keine Überlegenheit.

Sorge.

„Weil ich glaube," sagte er leise, „dass du nicht weißt, wer du wirklich bist."

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