Home / Romantik / Vom Alpha Erwählt – Doch Verflucht / KAPITEL 2: DIE NACHT, DIE ALLES ÄNDERTE

Share

KAPITEL 2: DIE NACHT, DIE ALLES ÄNDERTE

Author: Viv Rex
last update publish date: 2026-04-22 19:30:54

Here is Chapter 2 — natural, not AI-sounding:

---

Mia konnte nicht sprechen.

Die vier Worte hingen zwischen ihnen wie Rauch – unsichtbar, aber schwer. Mein Wolf kennt deinen. Sie kannte diese Worte. Jeder Wolf kannte diese Worte. Sie waren die Worte, die ein Alpha sagte, wenn er seinen Schicksalspartner gefunden hatte. Die Worte, auf die manche Wölfe ein ganzes Leben lang warteten.

Diese Worte waren nicht für sie.

Konnten nicht für sie sein.

„Das—" ihre Stimme brach. Sie räusperte sich. „Das ist nicht möglich."

„Nein," sagte Lukas. Er bewegte sich nicht. Stand einfach da, mit diesem ruhigen, dunklen Blick, als hätte er alle Zeit der Welt. „Und trotzdem."

Mia wich einen Schritt zurück. Ihr Rücken traf die Küchentür, und ihre Hand fand instinktiv den Türknauf – ein alter Reflex. Zehn Jahre als Omega hatten ihr beigebracht, immer zu wissen, wo der nächste Ausgang war.

„Du musst mich verwechseln," sagte sie.

„Ich verwechsle dich nicht."

„Ich bin Omega."

„Ich weiß, was du bist."

„Dann weißt du auch, dass das—" sie machte eine hilflose Handbewegung zwischen sich und ihm, „—nicht funktioniert. Das gibt es nicht. Alphas und Omegas werden nicht—" sie brach ab. Das Wort wollte nicht kommen. Als wäre es zu groß für ihren Mund.

Lukas sah sie an. Einfach nur an. Ohne Ungeduld, ohne Spott, ohne dieses mitleidige Lächeln, das sie von anderen Wolves so gut kannte. Er sah sie an, als wäre sie die einzige Person im Raum – nein, im ganzen Anwesen – die wirklich existierte.

Das war fast schlimmer als Spott.

„Was hast du gespürt," sagte er, „als unsere Blicke sich trafen?"

Mia presste die Lippen zusammen.

Sie würde es nicht sagen. Sie würde niemals sagen, was sie gespürt hatte – diesen Sturz, dieses Kribbeln, diese seltsame Wärme, die sich angefühlt hatte wie Erkennen. Wie nach Hause kommen. Wie etwas, das schon immer da gewesen war und nur darauf gewartet hatte, geweckt zu werden.

Wenn sie es aussprach, wurde es real.

Und wenn es real wurde, musste sie mit den Konsequenzen leben.

„Nichts," sagte sie.

Die Stille danach war lang.

Lukas neigte den Kopf – eine kleine, langsame Bewegung, wie jemand, der eine Antwort hört, die er erwartet hat, aber nicht erhofft hatte. Dann, so leise, dass sie die Worte fast nicht hörte:

„Du lügst sehr schlecht."

Mia öffnete den Mund. Schloss ihn wieder. Was sollte sie darauf antworten? Er hatte Recht. Sie log schrecklich. Ihre Mutter hatte das immer gesagt – dass Mia nie lügen konnte, weil man ihr alles im Gesicht ansah. Ihre Mutter war seit zehn Jahren tot, aber anscheinend hatte sich daran nichts geändert.

„Und Sie stellen sehr seltsame Fragen," sagte sie schließlich.

Etwas bewegte sich in seinem Gesicht. So schnell, dass sie nicht sicher war, ob sie es wirklich gesehen hatte. Ein Anflug von etwas. Fast wie ein Lächeln.

Fast.

„Lukas."

Die Stimme kam von hinten – scharf und weiblich und so vertraut, dass Mias Magen sich sofort zusammenzog. Sie musste sich nicht umdrehen. Sie kannte diese Stimme seit zehn Jahren.

Lena Brenner stand am Ende des Korridors.

Ihr silbernes Kleid glänzte im Kerzenlicht. Ihr Haar fiel perfekt über ihre Schultern. Ihr Gesicht war eine makellose Maske aus Ruhe und Freundlichkeit – aber ihre Augen waren es nicht. Ihre Augen gingen von Lukas zu Mia, von Mia zu Lukas, und in dem Moment, in dem sie bei Mia ankamen, wurde etwas darin kalt.

Eiskalt.

„Die Ältesten warten," sagte Lena zu Lukas. Ihre Stimme klang genau richtig – besorgt, sanft, zuvorkommend. Als wäre sie nicht gerade dabei, Mia mit einem einzigen Blick zu Asche zu verbrennen. „Die zweite Zeremonie fängt gleich an."

Lukas wandte sich nicht sofort um.

Er sah noch einen Moment lang Mia an. Nur einen Moment. Aber in diesem Moment sagte er nichts – und trotzdem war es das Lauteste, was Mia je gehört hatte.

Dann drehte er sich um und folgte Lena in den Ballsaal.

Mia stand allein im Korridor.

Ihre Knie zitterten. Nicht vor Kälte – der Korridor war warm, beheizt durch die Dutzende Kerzen, die überall brannten. Nein. Sie zitterte, weil das Kribbeln in ihren Fingerspitzen nicht aufgehört hatte. Es war stärker geworden. Tiefer. Als hätte jemand in ihrem Inneren eine Tür geöffnet, die jahrelang verschlossen gewesen war.

Sie wollte diese Tür wieder schließen.

Sie musste diese Tür wieder schließen.

Mia schob die Küchentür auf und trat ein. Wärme. Kerzenschein. Der vertraute Geruch nach Essen und Holz und dem alten Herd, den sie seit drei Jahren jeden Morgen anzündete. Sie setzte sich auf ihren Stuhl – den einzigen Stuhl in der Küche, den alle anderen ignorierten, weil er wackelte – und legte die Hände flach auf die Knie.

Atmen. Einfach atmen.

Das war nicht passiert. Oder es war passiert, aber es bedeutete nichts. Der Vollmond machte Wölfe verrückt – alle wussten das. Die Magie dieser Nacht konnte Gefühle vortäuschen, die nicht real waren. Lukas Brenner hatte sich geirrt. Oder er testete sie. Oder er wollte sie aus irgendeinem Grund, den sie nicht verstand, aus der Fassung bringen.

Ja. Das war es.

Das musste es sein.

Drei Stunden später lag Mia in ihrem kleinen Zimmer unter dem Dach und starrte an die Decke. Der Regen schlug immer noch gegen das Fenster. Der Mondball war vorbei. Das Anwesen war still.

Sie schloss die Augen.

Und sah sein Gesicht.

Und hörte seine Stimme, ruhig und unausweichlich wie der Regen:

„Mein Wolf kennt deinen."

Sie öffnete die Augen wieder.

Schlaf würde heute Nacht nicht kommen.

---

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • Vom Alpha Erwählt – Doch Verflucht   KAPITEL 113: WAS BLEIBT

    Drei Monate nach der Hochzeit. Juli.Der Apfelbaum trug jetzt kleine grüne Früchte.Noch nicht reif. Aber da. Das Weiß der Blüten war längst gefallen, der Boden hatte es aufgenommen, und jetzt wuchsen die Äpfel langsam heran, unsichtbar fast, wenn man nicht genau hinsah.Mia sah sie jeden Morgen.Das war ihr Ritual geworden. Der Kaffee, das Fenster, der Baum. Nicht lange. Nur kurz genug, um zu sehen, ob sich etwas verändert hatte.Jeden Tag ein bisschen mehr.Das war gut.---Eisenberg hatte im Mai geantwortet.Ein kurzer Brief, handschriftlich, was Mia überrascht hatte. Kein formelles Dokument. Keine Drohung. Keine Zustimmung.Er schrieb:Lieber Lukas Brenner, liebe Mia Voss,ich habe die letzten Monate beobachtet. Nicht aus Misstrauen. Aus Interesse. Ich wollte sehen, ob das, was ihr aufgebaut habt, Bestand hat – oder ob es zusammenbricht, sobald der erste Druck nachlässt.Es hat Bestand.Ich bin nicht einverstanden mit allem, was ihr tut. Das werde ich nie sein. Aber ich habe verst

  • Vom Alpha Erwählt – Doch Verflucht   KAPITEL 112: DIE ERSTE NACHRICHT NACH DER HOCHZEIT

    Der Morgen nach der Hochzeit brachte keine Ruhe.Mia wachte auf, weil ihr Telefon vibrierte, früh, vor sieben, was niemand tat, der wusste, was gestern gewesen war.Sie sah den Namen.Reiter.Sie setzte sich auf.Lukas wachte auch auf, spürte ihre Bewegung.„Was ist?" fragte er.„Reiter," sagte Mia, und öffnete die Nachricht.Sie las sie zweimal.Dann reichte sie Lukas das Telefon.Die Nachricht lautete: Die Gruppe im Westen ist gespalten. Drei wollen jetzt sofort kommen, heute wenn möglich. Die vier anderen haben gedroht, alles öffentlich zu machen, wenn die drei gehen. Mit öffentlich meinen sie: an Eisenberg. Ich brauche eine Antwort.Lukas las es zweimal.Sah Mia an.„Das ist kein Zufall," sagte er. „Eisenberg."„Vielleicht," sagte Mia. „Vielleicht auch nur Angst, die einen Ausweg sucht."Sie stand auf.Der Hochzeitstag war vorbei.Das Leben war schon wieder da.---Sie riefen Reiter um halb acht zurück.Mia sprach, Lukas hörte zu, beide im Bett noch, die Decke um sie, die Aprilkäl

  • Vom Alpha Erwählt – Doch Verflucht   KAPITEL 111: DER TAG

    Der Morgen der Hochzeit kam grau.Nicht der freundliche Grau des frühen Morgens, der sich in Blau verwandelte, wenn die Sonne aufging. Ein echter Grau, der blieb. Die Wolken, die tief hingen und keine Absicht zeigten, sich zu bewegen.Mia stand am Fenster und sah hinaus.Der Garten. Der Apfelbaum, dessen Blüten im windstillen Grau anders leuchteten als im Sonnenlicht. Weicher. Echter.Das war in Ordnung.---Hedda kam kurz nach sechs.Das war früher als sonst.Sie trat durch die Hintertür, hängte den Mantel auf, sah Mia am Küchentisch.Sagte nichts.Setzte Wasser auf.Machte Kaffee.Stellte die Tasse vor Mia hin.Dann setzte sie sich.Auch das war ungewöhnlich. Hedda saß selten, wenn andere saßen.„Wie geht es dir?" fragte Hedda.Mia sah sie an.Die echte Frage. Nicht die höfliche.„Ich weiß es nicht," sagte Mia ehrlich.Hedda nickte.Das Nicken von jemandem, die das erwartet hatte.„Das ist richtig," sagte Hedda.„Warum?"„Weil jemand, der weiß, wie er sich an seinem Hochzeitstag füh

  • Vom Alpha Erwählt – Doch Verflucht   KAPITEL 110: APRIL KOMMT

    Klaus kam am zwanzigsten.Wie angekündigt.Mit Bello, der aus dem Taxi sprang und sofort zur Auffahrt lief, als wäre er nie weg gewesen, als wäre das Anwesen sein Territorium, das er kannte und das er begrüßte.Klaus stieg aus.Sah das Anwesen an.Dann sah er den Apfelbaum, der jetzt vollständig blühte, das Weiß der Blüten, das im Aprilmorgen leuchtete.„Ich bin pünktlich," sagte Klaus.„Ja," sagte Mia. „Der Baum auch."---Die Woche vor der Hochzeit war voll.Nicht mit Vorbereitung im aufwendigen Sinn. Mit dem Ankommen der Menschen. Mit dem Füllen des Anwesens, das sich anders anfühlte, wenn viele da waren.Alva kam am zweiundzwanzigsten.Lars holte sie vom Bahnhof.Sie trat durch die Haustür und blieb einen Moment stehen, den Geruch des Anwesens in sich aufnehmend, den sie kannte, weil sie jetzt öfter hier war.Dann sah sie Klaus.Die zwei kannten sich nicht.Aber das Kribbeln von Alva erkannte Klaus auf eine Art, die Mia interessant fand.Nicht das Mondwächterwissen.Das Blut.Alva

  • Vom Alpha Erwählt – Doch Verflucht   KAPITEL 109: WAS LUKAS NICHT SAGT

    Es begann mit einem Telefonat.Mia hörte es nicht. Sie war im Garten, der Apfelbaum, die Blüten, die täglich mehr wurden. Lukas war drin, im Arbeitszimmer, die Tür geschlossen.Das war nicht ungewöhnlich.Lukas führte viele Gespräche, als Alpha, als Mensch, als jemand, der Verantwortung trug, die nicht aufhörte, nur weil Eisenberg gegangen war.Was ungewöhnlich war, war sein Gesicht, als er rauskam.Mia sah ihn durch das Küchenfenster kommen.Das Kribbeln registrierte ihn, wie es ihn immer registrierte, die vertraute Frequenz.Aber die Frequenz war anders.Nicht alarm. Nicht gefährlich.Schwerer.---Sie wartete.Das hatte sie gelernt. Nicht sofort fragen. Ihm Zeit geben, das zu sagen, wenn er bereit war.Lukas setzte sich.Hedda brachte Kaffee, ohne gefragt zu werden, weil Hedda das tat.Er trank.Schwieg.Dann: „Das war Eisenberg."Mia sah ihn an.„Er hat dich angerufen?"„Ja."„Was wollte er?"Lukas sah auf die Tasse.Das war das Zeichen. Wenn Lukas auf die Tasse sah, war das, was

  • Vom Alpha Erwählt – Doch Verflucht   KAPITEL 108: ZWEI WOCHEN VOR APRIL

    Die Knospen am Apfelbaum öffneten sich langsam.Mia sah sie jeden Morgen an, wenn sie den Kaffee holte und kurz durch das Küchenfenster schaute. Nicht lange. Nur kurz genug, um zu sehen, ob sich etwas verändert hatte.Jeden Morgen ein bisschen mehr.Das war gut.---Das Leben hatte nach Eisenbergs Besuch seinen Rhythmus zurückgefunden.Nicht denselben wie davor, das war nie so, wenn etwas Wichtiges passiert war. Aber einen stabilen Rhythmus.Das Rudel arbeitete.Felix koordinierte.Britta schrieb.Hedda kochte.Gregor las die Zeitung und legte sie manchmal hin.Das Gewöhnliche, das das Fundament war.---Jana kam an einem Dienstag.Sie klopfte an die Hintertür.Das war jetzt ihr Muster.Sie setzte sich, trank den Kaffee, den Mia hinstellte, und sah Mia an.„Ich möchte etwas fragen," sagte Jana.„Frag."„Die Hochzeit," sagte Jana. „Ich habe gehört, dass sie bald ist."„Ende April," sagte Mia.Jana schwieg einen Moment.Das Kribbeln von ihr, das Mia kannte, war anders als sonst. Nicht ä

  • Vom Alpha Erwählt – Doch Verflucht   KAPITEL 3: LENAS ERSTER ZUG

    Here is Chapter 3:---**KAPITEL 3: LENAS ERSTER ZUG**Mia schlief nicht.Sie lag auf ihrer schmalen Matratze, starrte an die Decke und hörte dem Regen zu, der langsam schwächer wurde – von einem Sturm zu einem Flüstern, von einem Flüstern zu nichts. Irgendwann hörte er ganz auf. Das Anwesen wurde

  • Vom Alpha Erwählt – Doch Verflucht   KAPITEL 6: DIE WORTE IHRER MUTTER

    Der Brief war zwei Seiten lang. Mia las ihn langsam. Dann noch einmal. Und ein drittes Mal, weil ihre Augen beim ersten Durchgang über Wörter hinweggeglitten waren, die zu schwer waren, um sofort zu landen. Die Handschrift ihrer Mutter war so, wie sie sie in Erinnerung hatte. Rund und gleichmäßi

  • Vom Alpha Erwählt – Doch Verflucht   KAPITEL 5: DAS ZIMMER UNTER DEM DACH

    Mia kam kurz vor dem Abendessen zurück.Sie benutzte die Hintertür, wie immer, und stieg die enge Treppe hinauf, die zum Dachgeschoss führte. Jede Stufe kannte sie auswendig. Die dritte quietschte. Die siebte war einen halben Zentimeter höher als die anderen und man stolperte, wenn man nicht aufpas

  • Vom Alpha Erwählt – Doch Verflucht   KAPITEL 4: WAS SIE NICHT WUSSTE

    Wer ich wirklich bin?Mia wiederholte die Worte langsam, als würde sie sie in einer fremden Sprache sprechen. Der Wald war still um sie herum. Irgendwo zwitscherte ein Vogel, weit oben in den Ästen. Der Boden unter ihren Füßen war noch feucht vom Regen der letzten Nacht, und die Luft roch nach nass

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status