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Kapitel 6 – Zähne und Feuer

Penulis: Quinn Montclair
last update Tanggal publikasi: 2026-09-07 20:45:19

Eli

Die Nacht ist klar und bitterkalt, als Jace mich wieder aus der Hütte stößt.

„Der Alpha will dich sehen“, sagt er. Keine Erklärung, kein Gefühl in der Stimme.

Ich bin zu müde, um zu widersprechen. Das Mal an meinem Hals pocht mit jedem Herzschlag. Mein Körper verlangt längst nach dem, was ich um keinen Preis wollen will.

Unter meinen Füßen knirscht der hart gefrorene Boden, während wir zwischen den Bäumen hindurchgehen.

Vor uns prasselt das Lagerfeuer des Rudels. Die Wölfe haben sich in einem lockeren Kreis versammelt, ihre geflüsterten Worte verlieren sich in der Nacht.

Und mitten darin steht Ronan.

Seine tätowierte Brust ist nackt und glänzt vor Schweiß, seine Augen glühen im Feuerschein wie flüssiges Gold. Seine Nähe legt sich wie ein Gewicht auf mich, erdrückend und unausweichlich.

Mein Wolf kauert wimmernd tief in meiner Brust, während sich alles Menschliche in mir mit jedem Muskel gegen ihn stemmt.

Jace stößt mich nach vorn, und die Menge teilt sich.

Ich stolpere in den Kreis. Unter dem Blick des Alphas geben meine Knie instinktiv nach. Mir wird der Mund trocken.

„Lauf“, sagt Ronan leise. Eiskalt.

Ich erstarre. „Was?“

„Lauf.“ Seine Augen blitzen auf. „Ich will sehen, ob du schnell genug bist.“

Ich rühre mich nicht.

Etwas Wildes, Hungriges lädt die Luft auf, macht sie dick wie Rauch und doppelt so erstickend.

Dann zucken seine Finger kaum merklich. Rings um uns knurren die Wölfe und rücken vor, bereit für die Jagd.

„Nein“, hauche ich. „Ich werde nicht –“

„LAUF!“

Sein Brüllen trifft mich wie ein Schlag. Mein Wolf jault in meiner Brust auf.

Meine Beine setzen sich von selbst in Bewegung. Rückwärts stolpere ich durch den Kreis und stürze zwischen die Bäume.

Äste peitschen mir ins Gesicht. Wurzeln greifen nach meinen Füßen. Hinter mir höre ich seine hämmernden Schritte und sein tiefes Knurren.

Er läuft nicht einmal mit voller Kraft. Er spielt mit mir.

Ich renne noch schneller, obwohl meine Lunge brennt.

Selbst auf der Flucht zieht das Band an mir, heiß und quälend, als wollte ein Teil von mir von ihm gefangen werden.

Meine Füße schlagen auf dem Waldboden auf. Mein Herz hämmert so heftig, dass ich es in der Kehle spüre. Die Bäume verschwimmen zu einem Labyrinth aus schwarzer Rinde und kahlen Ästen. In jedem Schatten könnte er lauern. Jedes Geräusch könnte den Tod bedeuten.

Oder Schlimmeres.

Links von mir zerreißt ein Knurren die Nacht. Viel zu nah.

Ich schlage einen Haken nach rechts und stolpere über einen umgestürzten Stamm. Als ich mich abfange, schrammt die Rinde meine Handflächen auf. Der Wald scheint sich um mich zusammenzuziehen, Äste greifen wie verkrümmte Finger nach mir.

Dann herrscht Stille.

Ich halte inne, ringe nach Luft und lausche. Nichts außer meinem eigenen abgehackten Atem und dem fernen Knistern des verlöschenden Lagerfeuers.

Habe ich ihn abgeschüttelt?

Hinter mir knackt ein Zweig.

Ich wirbele herum, doch da ist nichts. Nur Dunkelheit und blasses Mondlicht, das durch das Kronendach fällt.

Mein Wolf winselt und drängt sich gegen meine Rippen, als wollte er sich noch tiefer in mir verkriechen. Jeder Instinkt schreit, dass ich beobachtet werde. Gejagt. Dass er mit mir spielt.

„Komm raus!“, rufe ich und hasse das Zittern in meiner Stimme. „Hör auf, dich zu verstecken!“

Stille.

Dann weht ein leises Lachen aus den Schatten. Es scheint von überall zugleich zu kommen.

„Verstecken?“ Ronans Stimme klingt seidenweich, doch jedes Wort ist eine Drohung. „Ich verstecke mich nicht, Hündchen. Ich genieße jeden Augenblick.“

Ich renne wieder los, breche durchs Unterholz, während Äste an meiner Kleidung reißen. Hinter mir höre ich nichts. Keine Schritte, keinen Atem, keinen Verfolger.

Irgendwie ist das noch schlimmer.

Ich erreiche einen flachen, eiskalten Bach und stürme hindurch, ohne nachzudenken. Das eisige Wasser fährt mir in die Glieder, doch ich bleibe nicht stehen. Kann nicht stehen bleiben.

Am anderen Ufer halte ich erneut inne und suche den Waldrand ab.

Noch immer nichts.

Vielleicht habe ich ihn tatsächlich abgehängt. Vielleicht ist ihm sein krankes Spiel langweilig geworden.

Aus dem Augenwinkel sehe ich eine Bewegung und fahre herum. Nur ein Ast, den der Wind hin und her wiegt.

Meine Nerven liegen blank. In jedem Schatten sehe ich seine Silhouette. Jedes Geräusch könnte seine Rückkehr ankündigen.

Ich zwinge mich, langsamer zu gehen. Leise zu sein. Nachzudenken. Wenn ich tiefer zwischen die Bäume gelange, kann ich vielleicht –

„Du riechst nach Angst.“

Seine Stimme kommt direkt von oben.

Ich sehe hinauf. Nichts als Äste und Sterne, doch ich weiß, dass er dort ist. Beobachtet. Wartet.

„Was willst du?“, flüstere ich.

„Alles.“ Das Wort scheint zwischen den Bäumen widerzuhallen. „Deine Angst. Deinen Trotz. Deine Unterwerfung. Alles.“

Langsam weiche ich zurück und versuche, keine hastige Bewegung zu machen.

„Warum tust du das?“

„Weil du es begreifen musst.“ Seine Stimme wandert um mich herum wie ein lauerndes Tier.

„Du kannst vor mir davonlaufen, gegen mich kämpfen, mich hassen, so viel du willst. Am Ende kehrst du immer zu mir zurück. Dafür sorgt das Band.“

„Du hast dieses Band geschaffen“, fauche ich und weiche weiter zurück. „Es bedeutet gar nichts.“

Ein tiefes, gefährliches Lachen. „Redest du dir das auch ein, wenn du mit hartem Schwanz aufwachst, weil du von meinen Zähnen an deiner Kehle geträumt hast?“

Mir schießt das Blut ins Gesicht. Ich hasse es, dass er recht hat.

„Du bist krank.“

„Ich bin ehrlich.“ Eine Pause. „Lauf weiter, kleiner Wolf. Ich koste die Jagd noch ein wenig aus.“

Der Wald verstummt wieder. Diesmal warte ich nicht. Ich drehe mich um und renne los, breche wie ein wildes Tier durchs Unterholz.

Hinter mir höre ich nichts.

Und das macht mir mehr Angst, als es jedes Knurren könnte.

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