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Kapitel 7 – Gefangen

last update publish date: 2026-09-07 20:45:54

Eli

Ich renne, bis meine Lunge in Flammen steht und meine Beine vor Erschöpfung zittern. Alle paar Minuten halte ich an und lausche, doch da ist nichts. Kein Zeichen von ihm.

Vielleicht hat er wirklich aufgegeben. Oder das hier ist nur ein weiteres Spiel mit meinem Kopf, eine weitere Art, mir zu zeigen, wie machtlos ich bin.

Ich gelange auf eine kleine Lichtung. Durch eine Lücke im Kronendach strömt Mondlicht herab. Zum ersten Mal seit Beginn dieses Albtraums glaube ich, wieder atmen zu können.

Ich lehne mich gegen einen Baum, schnappe nach Luft und versuche, mich zu orientieren.

Wenn ich herausfinde, in welcher Richtung die Grenze liegt, schaffe ich es vielleicht hinüber und –

Über mir knarrt ein Ast.

Ich sehe gerade noch rechtzeitig hoch, um einen Schatten aus den Bäumen stürzen zu sehen.

Ronan landet mit der Geschmeidigkeit eines Raubtiers vor mir. Seine Augen glimmen im Mondlicht, helles Wolfsgold. Er lächelt, doch in seinem Gesicht liegt nur kalte Grausamkeit.

„Hast du wirklich geglaubt, du könntest mir in meinem eigenen Revier entkommen?“ Seine Stimme klingt trügerisch sanft.

Ich weiche zurück, bis sich die raue Rinde eines Baumes in meinen Rücken drückt. „Wie lange folgst du mir schon?“

„Folgen?“ Er lächelt spöttisch. „Ich habe dich nie aus den Augen gelassen. Ich habe dich nur glauben lassen, du wärst allein. Du solltest dich einfach … ein wenig müde laufen.“

Diese beiläufige Grausamkeit trifft mich wie eine Ohrfeige. Die ganze Zeit, während ich voller Angst gerannt bin und wirklich glaubte, ich könnte entkommen, hat er mich beobachtet. Mit mir gespielt.

„Du Schwein.“

„Na, na.“ Er kommt einen Schritt näher, und sein Geruch trifft mich – Rauch, Zedernholz und Eisen, durchzogen von etwas Wildem, das meinen Wolf winseln lässt. „Spricht man so mit seinem Alpha?“

„Du bist nicht mein Alpha.“

Er zeigt die Zähne. „Nicht?“

Ich versuche, an ihm vorbeizukommen, doch er ist schneller. Seine Hand schließt sich um mein Handgelenk, wirbelt mich herum und schleudert mich mit dem Rücken gegen den Baum. Der Aufprall presst mir die Luft aus der Lunge.

„Lass mich los“, keuche ich. Meine Stimme klingt schwach und atemlos.

„Nein.“ Er drängt mich mit seinem Körper gegen den Stamm. „Das werde ich wohl nicht.“

Mit der freien Hand streicht er mir über den Hals. Seine Fingerspitzen tasten kaum spürbar über die Stelle, an der er mich schon einmal gebissen hat. Das Band flammt auf und jagt Hitze durch meine Adern.

„Du spürst es, nicht wahr?“, murmelt er und beugt sich vor, bis sein Atem über meine Haut streicht. „Den Sog. Das Verlangen. Dein Körper weiß, wem er gehört, auch wenn dein Verstand es noch nicht akzeptiert hat.“

„Ich gehöre niemandem“, knurre ich, doch meine Stimme zittert.

„Lügner.“ Sein Daumen drückt auf die Stelle, unter der mein Puls rast. Ich kann nicht verbergen, wie schnell mein Herz schlägt. „Dein Körper erzählt eine andere Geschichte.“

Ich versuche, ihn wegzustoßen. Er fängt beide Handgelenke ab und drückt sie über meinem Kopf gegen die raue Rinde.

„Bitte“, flüstere ich und hasse mich dafür, wie verzweifelt es klingt.

„Bitte was?“ Er sucht meinen Blick. In seinem Gesicht liegt beinahe etwas Sanftes. „Soll ich dich gehen lassen? Soll ich aufhören, Gefühle in dir zu wecken, die du nicht empfinden willst?“

Ich kann nicht antworten. Kann nicht zugeben, dass ein Teil von mir, der mit jeder Sekunde stärker wird, gar nicht will, dass er aufhört.

„Oder“, fährt er flüsternd fort, „willst du mich bitten, nicht aufzuhören?“

Das Band pulsiert heiß und fordernd zwischen uns. Ohne es zu wollen, wölbe ich mich ihm entgegen. Unsere Körper pressen sich aneinander, und als er hörbar die Luft einzieht, weiß ich, dass er es ebenfalls spürt.

„Du bist ein Monster“, hauche ich.

„Ja.“ Seine Pupillen sind geweitet, seine Augen wild. „Und du gehörst mir.“

Er senkt den Kopf zu meinem Hals. Ich weiß, was kommt. Ich sollte kämpfen. Mich wehren. Alles tun, nur nicht den Kopf zur Seite legen und ihm noch mehr Platz bieten.

Doch genau das tue ich.

Seine Zähne versinken an derselben Stelle wie zuvor in meinem Hals. Diesmal ist der Schmerz schärfer. Tiefer. Endgültiger.

Ich schreie auf. Der Laut hallt über die Lichtung, doch er kommt nicht nur vom Schmerz. Das Band explodiert zwischen uns und schickt Wellen aus Hitze und Verlangen durch meinen Körper.

Mein Wolf heult in mir auf – Unterwerfung und Inbesitznahme in einem einzigen Laut.

Als Ronan sich zurückzieht, klebt mein Blut an seinen Lippen und seine Augen brennen wie flüssiges Gold.

„Du gehörst mir“, sagt er mit rauer Befriedigung in der Stimme. „Wer das vergisst, wird nicht lange genug leben, um es zu bereuen.“

„Du bist –“ Meine Stimme versagt. „Du gehörst weggesperrt.“

Sein Daumen streicht über das frische Bissmal. Ich erschauere. „Und du bist der Gefährte eines Monsters.“

Unter seiner Berührung zittere ich. Ein Teil von mir will ihn zerreißen, der andere ihn näher an mich ziehen. Das Band ist jetzt stärker, fordernder, und rauscht wie eine Droge durch mein Blut.

„Verachte mich ruhig“, murmelt er und küsst die Wunde so sanft, dass ich nach Luft schnappe. „Wenn ich rufe, kommst du trotzdem.“

Plötzlich tritt er zurück. Ich sacke mit zitternden Beinen gegen den Baum, während das Bissmal im Takt meines Herzschlags pocht.

Das Rudel löst sich aus den Schatten. Sie haben die ganze Zeit zugesehen. Ihre Augen spiegeln das Mondlicht wie Sterne, und in ihren Blicken liegen Ehrfurcht und Angst.

Ronan sieht auf mich hinab, als würde er erobertes Land begutachten.

„Nehmt ihn mit“, befiehlt er. Seine Stimme duldet keinen Widerspruch. „Er gehört jetzt mir.“

Raue Hände zerren mich vom Boden hoch, und mit einem Mal wird mir mit widerlicher Gewissheit klar, dass er recht hat.

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