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Autor: Yuri-Violet
last update Fecha de publicación: 2026-09-25 05:28:58

Kapitel 2

Als Lyra die große Treppe hinabstieg, hallten Murmeln durch die Halle. Ihre Augen weiteten sich, als sie Rhys erblickte, der eine bewusstlose Frau in seinen starken Armen trug. Doch es war nicht irgendeine Frau, die ihre Aufmerksamkeit fesselte. Es war ihr auffälliges rotes Haar, das Lyras Blick sofort auf sich zog. Und als sich diese Smaragdaugen öffneten, jagte ein Schauer ihren Rücken hinunter und ließ sie wie angewurzelt stehen. Die Ähnlichkeit zwischen ihnen war unheimlich, sie spiegelten einander auf erschreckende Weise wider. Lyras Herz schlug schneller vor Angst, denn sie wusste, dass die alte Prophezeiung vorhergesagt hatte, eine Wölfin mit rotem Haar und Smaragdaugen würde dem Incarnadine-Rudel unermesslichen Reichtum und Macht bringen.

„R-Rhys“, stammelte Lyra und setzte ihre zögernden Schritte auf ihn zu fort. Sie versuchte, das wachsende Summen der Gespräche unter den Gästen zu ignorieren, deren Flüstern die Halle erfüllte. „Wer ist sie?“

Rhys begegnete ihrem Blick, seine Augen ohne jede Emotion, bevor er seine Aufmerksamkeit der Frau in seinen Armen zuwandte. Langsam setzte er sie behutsam auf die Füße, nun da sie bei Bewusstsein war. „Geht es dir gut? Wie fühlst du dich?“, fragte er mit zärtlicher, süßer Stimme. Es war eine Stimme, die Lyra immer geschätzt hatte, eine Stimme, die nur ihr vorbehalten gewesen war. Sie an jemand anderen gerichtet zu hören, jagte einen Stich der Eifersucht durch ihre Adern. Es war unerträglich, gelinde gesagt.

„J-ja, e-es tut mir leid, dass ich so ohnmächtig geworden bin. Mir geht es jetzt gut“, antwortete die Frau, ihre Stimme von Verlegenheit gefärbt, während sie ihr weißes Kleid glattstrich. Eine rosige Röte färbte ihre Wangen.

„Rhys, wer ist sie?“, wiederholte Lyra ihre Frage, obwohl sie bereits ihre Vermutungen hatte. Rhys seufzte, wissend, dass sie ein Recht darauf hatte, es zu erfahren. „Ihr Name ist Anya. Sie ist die Tochter eines Beta aus dem Silber-Rudel. Sie ist meine Gefährtin, die wahre Auserwählte der Prophezeiung.“ Die Worte kamen über seine Lippen und ließen Lyra hörbar nach Luft schnappen. Ihre Augen weiteten sich, ihre Hand krampfte sich in die Seite ihres Kleides. Die Murmeln in der Halle wurden lauter, Flüstern schwebte durch die Luft und stellte die Authentizität der Behauptung in Frage. Schließlich war die Prophezeiung des Incarnadine-Rudels weithin bekannt. Und sicherlich konnte es nur eine geben, die sie erfüllen würde.

„W-was meinst du damit, sie sei die wahre Auserwählte der Prophezeiung?“, Ihr Gesicht wurde blass, als sie die Frau vor sich anstarrte, ihr Geist ras’te vor Unglauben. „Was ist mit mir?“

„Sie ist meine schicksalhafte Gefährtin, Lyra. Ihr beide habt rotes Haar und grüne Augen, aber nur eine von euch kann die Prophezeiung erfüllen, und es ist klar, dass es Anya sein wird.“ Seine Worte hingen in der Luft, eine schwere Wahrheit, die Lyra schwer begreifen konnte. Während sie die beiden beobachtete, tauschten sie einen Blick voller Zuneigung aus, der weit über ihre Jahre hinauszureichen schien. Es war, als hätten sie ein Leben lang gemeinsame Erinnerungen geteilt, und es ließ Lyra wie eine Außenseiterin in ihrer eigenen Geschichte fühlen. Sie war seit ihrem zehnten Lebensjahr an Rhys’ Seite gewesen, ihre Liebe war erblüht, als sie beide im Erwachsenenalter keine Gefährten gefunden hatten. Nun, mit zweiundzwanzig, waren sie verlobt gewesen, ihre Verbindung scheinbar unzerbrechlich. Doch in diesem Moment konnte Lyra nicht anders, als sich wie die Überflüssige zu fühlen. Sie krallte sich in den Stoff ihres Kleides, ein Kloß bildete sich in ihrer Kehle, doch sie zwang sich, ihre Gefühle hinunterzuschlucken.

„Was geschieht jetzt? Du würdest doch nicht dein Versprechen brechen, oder?“, Ihre Stimme war klein und von einem Anflug von Angst erfüllt. Sie fürchtete, dass alles, was sie getan hatte, um die perfekte Luna für Rhys zu werden, umsonst gewesen sein würde. Fürchtete, dass sie alles verlieren würde, was ihr teuer war, nun da jemand anderes, jemand, der möglicherweise den Schlüssel zur Prophezeiung hielt, erschienen war.

„Ich kann sie nicht ablehnen“, gab er zu und stieß einen tiefen Seufzer aus. „Diese Verlobung muss gelöst werden. Anya wird die zukünftige Luna unseres Rudels sein.“

Lyras Herz sank, doch sie maskierte ihren Schmerz mit einer tapferen Miene. Sie hatte die Macht des Schicksals immer gekannt, doch es mit eigenen Augen zu erleben, war etwas völlig anderes. Ihre Augen brannten vor unvergossenen Tränen, doch sie weigerte sich, sie fallen zu lassen. Luna Viola hatte ihr streng beigebracht, dass eine wahre Luna nicht so leicht weinen sollte. Nein, sie würde nie Schwäche vor anderen zeigen; sie präsentierte sich immer als stark. Im Rudel war sie für ihre Widerstandskraft bekannt, und genau das hatte alle glauben lassen, sie würde eines Tages eine großartige Luna abgeben.

„Sehr wohl“, sagte sie, ihre Stimme zitterte leicht, während sie um Fassung rang. Sie kannte ihren Platz, schließlich. Sie war nur eine Waise, und Protest wäre sinnlos gewesen. Was hätte sie überhaupt tun können? Es war dumm von ihr gewesen zu glauben, Rhys würde seine Gefährtin für sie ablehnen, besonders da seine Gefährtin ebenfalls rotes Haar und grüne Augen hatte, genau wie die Prophezeiung es vorausgesagt hatte. „Wenn du diese Verlobung beenden willst, dann werde ich dir nicht im Weg stehen.“

Seit jener schicksalhaften Nacht hatte sich alles verändert. Die einst geliebte Lyra wurde zum Ziel von Spott und Misshandlungen, und es schnitt tief. Sie hatte weit Schlimmeres erlebt, als sie von Rudel zu Rudel weitergereicht worden war, doch der emotionale Schmerz, den ihr diejenigen zufügten, die sie als Familie betrachtet hatte, tat weit mehr weh als jede körperliche Wunde. Dennoch, trotz der Qual, entschied sie sich zu bleiben. Sie glaubte, es sei besser, als verbannt zu werden.

„Guten Tag, Alpha und Luna“, grüßte Lyra, als sie ihnen auf dem Weg in den Hinterhof begegnete, um die Wäsche zu erledigen. Das Paar blieb stehen und musterte sie, ihre Augen ohne jedes Mitgefühl, was ihr Herz durchbohrte. Sie hatte sie wie ihre eigenen Eltern behandelt, und nun war sie nichts weiter als eine Außenseiterin für sie. Es fühlte sich ungerecht an. Sie waren diejenigen gewesen, die sie als Schlüssel zur Prophezeiung beansprucht hatten, und doch behandelten sie sie, als hätte sie sie betrogen.

„Die Dienerinnenuniform steht dir gut“, sagte Luna Viola, und Lyra presste die Lippen vor Frustration zusammen. Es waren Wochen vergangen, seit man sie zur Magd degradiert und ihres Status als zukünftige Luna beraubt hatte. Es war demütigend, doch alle im Rudel schienen zu glauben, es passe zu einer Waise wie ihr. So sehr sie es auch nicht akzeptieren wollte, wurde klar, dass das Rudel sie nur geliebt hatte, weil sie dachten, sie würde Macht und Reichtum bringen. Nun, da offensichtlich war, dass sie es nicht würde, zeigten sie ihre wahren Farben und ihre Verachtung für eine Waise wie sie. Niemand stand auf ihrer Seite, nicht einmal Rhys oder ihre beste Freundin Lorena.

„Ach ja. Rhys möchte mit dir sprechen. Geh zu ihm in sein Arbeitszimmer“, fügte Alpha Aiden abweisend hinzu und warf einen Blick auf Lyras Schulter, bevor er wegsah. Ohne ein weiteres Wort gingen sie an ihr vorbei und ließen Lyra einen tiefen Seufzer ausstoßen, bevor sie sich auf den Weg zu Rhys’ Arbeitszimmer machte. Als sie den Raum erreichte, begann ihr Herz zu rasen, das Geräusch von Kichern und Stöhnen drang an ihre Ohren. Sie holte tief Luft, biss sich auf die Lippe und schloss die Augen, bevor sie den Mut aufbrachte zu klopfen.

„Ich bin’s, Rhys“, kündigte sie mit zitternder Stimme an. „Komm herein“, antwortete er, und sie betrat zögernd den Raum. Sobald die Tür hinter ihr geschlossen war, fiel ihr Blick auf Rhys, der hinter seinem Schreibtisch saß, mit Anya auf seinem Schoß. Es schmerzte, natürlich tat es das, doch das Fehlen einer Bindung milderte den Schlag.

„Der Alpha sagte, du wolltest mit mir sprechen“, sagte Lyra, ihre Augen fest auf Rhys gerichtet, entschlossen, ihre Gefühle nicht zu zeigen. „Das stimmt. Ich werde in zwei Monaten am Bankett des Alpha-Königs teilnehmen, und Anya wird mich begleiten. Sie braucht eine Magd, die sich um sie kümmert, also kommst du mit uns“, befahl Rhys. Lyra schwieg einen Moment, versuchte zu verarbeiten, was er gerade von ihr verlangt hatte. Sie hatte sich bereits damit abgefunden, dass ihre Beziehung vorbei war, dass die Jahre, die sie miteinander verbracht hatten, eine Farce gewesen waren. Doch dass er sie bat, die persönliche Magd seiner Gefährtin zu sein? Es war ein grausamer Schlag.

„Anya wollte, dass du ihre persönliche Magd wirst. Sie fühlt sich wegen allem schlecht und dachte, die Dienerin der zukünftigen Luna zu sein, wäre besser als jede andere Position“, fügte Rhys hinzu, und Lyra hätte beinahe gespottet, doch sie bewahrte die Fassung. Sie wusste, dass diejenigen, die sie verraten hatten, bald genug ihr Karma bekommen würden, und das war der einzige Grund, warum sie die lächerliche Behandlung ertrug, die sie erhielt.

„In Ordnung.“ Sie nickte, was Rhys die Stirn runzeln ließ. Es ärgerte ihn zunehmend, wie sie einfach alles ohne Klage akzeptierte. Selbst in der Nacht, als er Anya ins Rudelhaus gebracht hatte, hatte Lyra nicht gezögert, das Ende ihrer Verlobung anzunehmen. Sie bewahrte immer die Fassung, und das nährte nur seinen Wunsch, sie zerbrechen zu sehen.

„Es tut mir wirklich leid, dass ich plötzlich aufgetaucht bin und deinen Platz so eingenommen habe. Ich weiß, dass du mich hasst, aber bitte verstehe, dass es die Entscheidung der Mondgöttin war, und ich habe nichts gegen dich. Können wir zumindest Freunde sein?“, fragte Anya mit einem zuckersüßen Lächeln. Doch Lyra wusste es besser und war nicht bereit, Anya die Genugtuung zu gönnen, ihr Herz zu verspotten, wie es alle anderen getan hatten. „Natürlich.“ Lyra lächelte und reizte Anya damit. Sie hatte das Gefühl, Lyra sähe sie überhaupt nicht als Bedrohung oder Konkurrenz. Auch Rhys hatte dasselbe bemerkt, was ihn dazu veranlasste, Anyas Wange zu umfassen und seine Lippen vor Lyras Augen auf die ihren zu pressen. Sie wandte rasch den Blick ab und ballte die Fäuste.

„Du bist so gütig, Anya. Ich bin wirklich froh, dass du meine Gefährtin und die zukünftige Luna bist. Du weißt nicht, wie dankbar ich bin, dich getroffen zu haben, bevor ich eine Fälschung geheiratet hätte“, sagte er, löste den Kuss und blickte Lyra in die Augen, die vor Wut kochte. Er grinste und streichelte Anyas Rücken, während seine Augen auf Lyra gerichtet blieben. „Du kannst jetzt gehen.“

Lyra wollte schon gehen, doch Rhys sprach erneut. „Außerdem“, sagte er, „solltest du mich ordnungsgemäß ansprechen. Eine niedrige Dienerin wie du darf mich nicht mehr beim Namen nennen.“

„Ja, junger Herr.“ Lyra verneigte sich einfach und verließ gehorsam das Arbeitszimmer. Sobald die Tür geschlossen war, blickte sie zur hohen Decke des Korridors hinauf und kämpfte gegen den Drang an, aus vollem Hals zu schreien. Stattdessen ballte sie die Fäuste und tat ihr Bestes, um ihren Zorn und Schmerz zu verbergen.

„Hey, Fälschung“, rief eine Magd, und Lyra drehte den Kopf, um ein paar Mägde auf sich zukommen zu sehen. „Warum hängst du vor dem Arbeitszimmer des zukünftigen Alphas herum? Hast du keine Scham? Glaubst du ernsthaft, eine Fälschung wie du könnte immer noch die zukünftige Luna dieses Rudels sein?“ Die Mägde brachen in Kichern aus, doch Lyra blieb stoisch, bis eine scharfe Ohrfeige auf ihre Wange landete und sie vor Überraschung zusammenzucken ließ. Instinctiv berührte sie ihre brennende Wange und blickte die Magd an, die ein breites, zufriedenes Lächeln trug. „Katze hat dir die Zunge gestohlen?“, spottete die Magd.

Lyra stieß einen Seufzer aus und fuhr sich mit den Fingern durchs Haar. Sie schloss die Augen und versuchte, ihre Wut zu beruhigen. Doch es erwies sich als schwierig, besonders da ihre feurige Wölfin Stella sie drängte, zurückzuschlagen. Und so tat sie es. Sie hob die Hand und ohrfeigte die Magd zurück, was die anderen vor Unglauben keuchen ließ. „W-was glaubst du, was du da tust?“, stammelte eine von ihnen, unfähig zu begreifen, wie Lyra jemals die Hand gegen jemanden erheben konnte. „Bist du blind? Ich habe sie zurückgeschlagen. Willst du auch eine Ohrfeige?“, Lyra hob eine Augenbraue, und die Mägde verstummten. Sie fanden es merkwürdig. Lyra war nicht länger die zukünftige Luna, nur eine Magd wie sie, eine Waise mit unbekanntem Hintergrund. Doch aus irgendeinem unerklärlichen Grund besaß sie immer noch eine Ausstrahlung von Macht, die sie zweimal nachdenken ließ, ob sie ihr erneut in die Quere kommen sollten.

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Último capítulo

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