MasukSERAPHINA
Was für eine grausame Fügung des Schicksals war das? Wie konnte es sein, dass Alpha Ronan einer meiner Mitbewohner wurde? Ich hatte mich damit abgefunden, das Zimmer mit den anderen drei Alphas zu teilen, aber bei ihm war das etwas ganz anderes. Er versuchte nicht einmal, das raubtierhafte Funkeln in seinen Augen zu verbergen. Ich ballte die Fäuste an den Seiten und fragte mich, warum ausgerechnet er es sein musste. Mit ihm zusammenzuleben würde so sein, als würde man bei einem hungrigen Löwen wohnen.
Ich biss mir unauffällig auf die Wange, trat ihm aus dem Weg und ging zu meinem Bett, um meine Sachen auszupacken. Glücklicherweise hatten neue Schüler einen freien Tag, um sich einzuleben, sodass ich nirgendwo anders sein musste.
„Ronan, wir hatten nicht erwartet, dass du heute schon hier sein würdest“, bemerkte Reed mit einem zögerlichen, panischen Lächeln, das in krassem Gegensatz zu dem selbstgefälligen Gesichtsausdruck stand, den er zuvor gezeigt hatte.
Was meinten sie damit, dass sie ihn nicht erwartet hatten? Ich packte weiter meine Sachen aus und beschloss, sie zu ignorieren, bis Ronan antwortete: „Etwas Interessantes ist mir ins Auge gefallen, also bin ich gekommen, um zu spielen.“
Meine Hand erstarrte mitten in der Bewegung, als ich spürte, wie Ronans Blick auf meinen Rücken gerichtet war.
In diesem Moment läutete eine Glocke.
Cassius stöhnte: „Oh, nach dem Morgentraining bin ich am Verhungern. Los geht’s.“ Reed folgte ihm fast sofort.
Ich sah den beiden nach, wie sie sich entfernten. War es Zeit fürs Frühstück? Finn blieb stehen, begegnete meinem verwirrten Blick und erklärte mir: „Es ist Frühstückszeit, und die Cafeteria befindet sich im Erdgeschoss. Wenn du nicht rechtzeitig da bist, ist nichts mehr für dich übrig.“ Seine Stimme war sanfter als die der anderen, fast schon gentlemanhaft.
Ich blinzelte. Hatte er mir gerade geholfen? „Danke“, antwortete ich.
Er nickte und verließ den Raum. Anscheinend waren nicht alle Alphas bösartig; manche, wie Finn, wirkten freundlich. Ein kleines Lächeln huschte über meine Lippen, doch schon bald spürte ich es wieder – einen intensiven Blick, der mich durchbohrte.
Ich blickte langsam zur Seite, wo Alpha Ronan auf dem Kingsize-Bett saß, die Beine übereinandergeschlagen, den Rücken gerade, seine violetten Augen starrten mich ununterbrochen an. Warum war er nicht mit den anderen gegangen? Und warum starrte er mich so eindringlich an? Ich wandte den Blick ab und packte weiter meine Sachen aus, in der Hoffnung, dass er bald gehen würde. Ich sehnte mich nach etwas Zeit allein, um meine persönlichen Sachen ohne Zuschauer zu ordnen, doch er zeigte keine Anstalten, zu gehen. Mit jeder Sekunde wuchs mein Unbehagen, während sein Blick immer intensiver wurde.
Da ich es nicht länger aushalten konnte, hörte ich auf auszupacken und verließ das Zimmer, ohne mich umzusehen. Als ich den Flur entlangging, warf ich einen Blick über die Schulter. Was hatte er nur vor? Er blieb im Zimmer zurück, aber nun musste ich zur Cafeteria gehen, obwohl ich nicht besonders hungrig war.
Als ich jedoch das Erdgeschoss erreichte, nahm mein Wolf den köstlichen Duft von Essen wahr. Ohne Wegbeschreibung fand ich die Cafeteria. Beim Betreten war ich von Hunderten von Alphas in Akademieuniformen umgeben. Ich bahnte mir leise einen Weg zum Ausgabebereich und begann, meinen Teller zu füllen, doch meine kleine Statur zog dennoch Aufmerksamkeit auf sich. Unbeeindruckt von ihren spöttischen Blicken bediente ich mich und suchte nach einem freien Platz, der jedoch unmöglich zu finden schien. Alle saßen in ihren eigenen Gruppen, und sich zu zufälligen Alphas zu setzen, konnte in vielerlei Hinsicht riskant sein. Neuankömmlinge waren oft unwillkommen, besonders wenn sie als schwach wahrgenommen wurden.
„Seth!“, rief jemand.
Ich neigte den Kopf nach rechts und sah, dass Cassius mir zuwinkte. „Komm, setz dich zu uns“, bot er mir an.
Reed und Finn waren bei ihm. Ich zögerte. Sie waren immer noch Fremde, und unsere erste Begegnung war nicht gerade angenehm verlaufen. Warum lud er mich also zu sich ein? Ich suchte den Raum nach einer anderen Möglichkeit ab, fand aber keine freien Plätze.
„Worauf wartest du noch? Komm schon. Hier ist ein freier Platz“, rief Cassius erneut.
Da ich keine andere Wahl hatte, nickte ich und machte mich mit meinem Teller in der Hand auf den Weg zu ihrem Tisch. Doch Finns Blick schien eine Warnung zu sein. Meine Schritte wurden langsamer, als mir klar wurde, dass er mir davon abriet, mich zu ihnen zu setzen. Irgendetwas fühlte sich seltsam an – Reeds Lächeln, Cassius’ plötzliche Freundlichkeit. Nichts in dieser Welt war umsonst, und das kam mir verdächtig vor. Also beschloss ich, mich ihnen nicht zu nähern. Stattdessen drehte ich mich um und bemerkte, wie Reed unmerklich die Zähne zusammenbiss, als sein Plan scheiterte.
Gerade als ich einen freien Platz gefunden hatte und mich hinsetzen wollte, in der Annahme, unerwünschten Ärger vermieden zu haben, stieß mich jemand heftig an, sodass ich nach vorne stolperte. In dem Versuch, mein Essen und mich selbst zu retten, bemerkte ich nicht, dass jemand direkt vor mir stand, und mein gesamter Teller ergoss sich über seine Uniform.
Ich schnappte nach Luft, als in der gesamten Kantine Totenstille eintrat. Den Teller noch immer in der Hand haltend, spürte ich die Aura des Alphas vor mir – geheimnisvoll und scharf wie eine Klinge –, die mich mit wütender Energie umhüllte.
Als ich mich wieder gefasst hatte und aufblickte, stand ich der imposanten Gestalt eines atemberaubend gutaussehenden Alphas gegenüber. Sein dunkles, welliges Haar umrahmte ein markantes Gesicht, das von hohen Wangenknochen und einer kräftigen Kinnlinie geprägt war. Seine durchdringenden blauen Augen erinnerten an ein stürmisches Meer und ruhten mit einer Intensität auf meinen, die mich erstarren ließ.
Flüstereien verbreiteten sich wie ein Lauffeuer durch die Cafeteria.
„Er hat Dantes Uniform ruiniert!“
„Schon am allerersten Tag hat er sich mit der falschen Person angelegt!“
Meine Hand umklammerte den Teller fester. Hatte ich gerade gehört, wie sie diesen Alpha … Dante nannten? Dante Blackwood?!
Seine große, muskulöse Statur ragte über mir auf, die Akademieuniform spannte sich leicht über breite Schultern und eine Brust, die wie aus Stein gemeißelt schien. Jeder Zentimeter von ihm strahlte Kraft und Präzision aus, als wäre er für den Kampf geformt worden. Sein Gesicht bestand aus scharfen Konturen und unerreichbarer Schönheit – hohe Wangenknochen, ein kantiges Kinn mit einem Hauch von Bartstoppeln und ein Mund, der zu einer gefährlichen, undurchschaubaren Linie geformt war. Doch es waren seine Augen, die mich wie angewurzelt stehen ließen – eisblau, funkelnd vor Wut und etwas weitaus Tödlicherem. Kein Wunder, dass er unter den Alphas auf Platz zwei stand.
Scheiße. Das war eine Katastrophe. Er sah extrem sauer aus.
Um eine Eskalation zu vermeiden, beschloss ich schnell, mich zu entschuldigen. „Es tut mir leid …“
Bevor ich zu Ende sprechen konnte, überbrückte er die Distanz zwischen uns, seine Präsenz überwältigend, als er mir tief ins Gesicht knurrte: „Du kleines Arschloch, wie kannst du es wagen, dich mit mir anzulegen?“
Ich sah ihm mit erzwungener Ruhe in die Augen, obwohl seine Aura wie ein Schraubstock auf mich drückte. „Jemand ist gegen mich gestoßen. Das war keine Absicht“, stellte ich mit fester Stimme klar.
„Ach ja?“ Ein kaltes Grinsen breitete sich auf seinen Lippen aus. „Dann lass mich eines klarstellen – was auch immer ich dir von nun an antue, wird sehr, sehr absichtlich sein.“ Seine Stimme war ein leises, gefährliches Murmeln, seine Augen huschten über mein Gesicht, als würde er es sich einprägen. „Pass auf dich auf.“
Damit schritt er an mir vorbei.
In der Cafeteria kehrte langsam wieder der gewohnte Lärm ein, doch ich stand wie angewurzelt da und hielt immer noch den Teller fest umklammert.
Erst Ronan, jetzt Dante.
An meinem allerersten Tag hatte ich es geschafft, die beiden ranghöchsten Alphas zu verärgern. Warum gerade sie? Warum gerade ich?
Leise fluchend stellte ich den Teller ab und verließ die Cafeteria, ohne mich umzusehen – ohne zu ahnen, dass Ronan vom anderen Ende aus alles gesehen hatte. Und er hatte seinen Blick kein einziges Mal von meinem Rücken abgewendet.
SERAPHINA„Spreiz deine Beine für mich.“Dieser eine Befehl allein war schon so anzüglich, dass das Verlangen zwischen meinen Schenkeln unerträglich pochte. Ich lag nur mit meinem Höschen bekleidet unter ihm, mein Körper seinem durchdringenden Blick ausgesetzt, mein Herz hämmerte so laut, dass ich sicher war, er könne es hören. Mein Blick verharrte auf dem Anblick vor mir: seinen vernarbten, wie aus Stein gemeißelten Acht-Pack-Bauchmuskeln und der gefährlichen, prallen Beule, die drohte, sich aus seiner Hose zu befreien. Ich schluckte schwer, mein Mund war trocken. Es schien … zu groß, zu überwältigend.„Wenn du mich weiterhin so ansiehst, Seraphina, werde ich mich nicht mehr zurückhalten können. Ich werde dich ficken, noch bevor ich dich überhaupt vorbereitet habe“, sagte Ronan mit schleppender Stimme, sein Grinsen dunkel und spöttisch, während seine Hand gegen seine Erregung drückte, als wäre er versucht, sie zu befreien.Hitze brannte auf meinen Wangen. Ich riss meinen Blick los, b
SERAPHINA„Liebling …“ Phinas Stimme zitterte in meinem Kopf, ein Flüstern voller Ehrfurcht, als sie die Wahrheit erkannte.Die Wahrheit über den Mann, mit dem ich die letzten drei Monate verbracht hatte.Der Mann, der mich seit dem ersten Moment, als sich unsere Blicke trafen, unerbittlich verfolgt hatte.Der Mann, der mich nun in seinen Armen hielt, die Lippen zu einem kaum wahrnehmbaren Lächeln geformt, als hätte er das alles schon die ganze Zeit gewusst.Mein Seelenverwandter.Mir stockte der Atem, meine Lungen weigerten sich zu arbeiten, während sich meine Augen vor Schreck weiteten.Wir stürzten gemeinsam in die verschlingende Dunkelheit, als sich unter uns eine Tür aufgoss. Unsere Blicke schwankten nicht, verbunden, als könne uns nichts auf der Welt, nicht einmal die Leere, auseinanderreißen. Doch im nächsten Herzschlag erschien eine weitere Tür, hinter der sich weiß leuchtende Federn entfalteten. Sie riss mich aus Ronans Armen, zog mich rückwärts in ihren Sog, während er in se
RONANMeine Hand brannte, als wäre geschmolzenes Feuer unter meiner Haut ausgebrochen, meine Adern entflammten, bis es sich anfühlte, als hätten sich die Flammen in mir gegen mich gewandt. Sie wärmten nicht, sie verzehrten mich. Mein Atem ging stockend, gebrochen, und jedes Zittern in meinem Körper verriet, wie nah ich daran war, mich selbst zu verlieren. Die Brunst hatte mich an der Kehle gepackt und riss sich durch Fleisch und Knochen, bis die Instinkte meines Wolfes an jede Grenze meiner verbleibenden Selbstbeherrschung stießen.„Was für ein verdammtes Geburtstagsgeschenk.“Ein bitteres Lachen entfuhr mir, noch während sich meine Lippen zu einem Knurren verzerrten. Fünfundzwanzig. Von allen verfluchten Tagen, an denen die Brunst ihre Krallen in mich versenken konnte, musste es ausgerechnet heute sein – mein Geburtstag. Genau in dem Moment, in dem sich die heiligen weißen Federtüren öffnen sollten.Die Hitze schwoll noch stärker an, kratzte rau über meine Rippen und verlangte nach B
PERSPEKTIVE DER DRITTEN PERSON„LAUFT! LAUFT!! LAUFT!!!“ Alpha Gideons Stimme donnerte immer noch durch die Gedankenverbindung und befahl den Alphas zu fliehen, bevor die Flüche sie verschlingen würden. Da brach die Verbindung plötzlich ab.Die Gedankenverbindung, die er nach so viel Mühe endlich hergestellt hatte, zerfiel wie ein ausgefranstes Seil und hinterließ bei Alpha Gideon nur Stille, wo eigentlich Dutzende von Gedanken hätten sein sollen.„Scheiße!!!“ Er knirschte mit den Zähnen, Wut blitzte in seinen Augen auf. Sie hatten den letzten Befehl nicht gehört. Die eine Anweisung, die sie vor ihrer eigenen Unwissenheit hätte retten können.„Sie wissen nicht, dass sie niemals durch diese Türen zurückkehren dürfen, sobald sie sie einmal betreten haben.“Wut und Panik durchströmten ihn zugleich. Zuvor war Hugo mit der Nachricht zu ihm gekommen, dass jemand ihren Fluch gebrochen hatte, doch als sie ihre kurze Untersuchung durchgeführt hatten, stellten sie fest, dass alle Mitglieder der
SERAPHINAWas hat die Verbindung gerade gesagt?Ryker hielt meinen Blick noch einen Moment lang fest, bevor er widerwillig an mir vorbeirannte. Auch meine Beine rannten, aber mein Kopf war völlig leer. Ich war bereits zutiefst verunsichert, als die Verbindung enthüllte, dass ich Finns erste Liebe gewesen war, und Ashers Schwärmerei lastete immer noch schwer auf mir, aber meine Verbindung zu Ryker erschütterte mich bis ins Mark. Sogar Phina schwieg, zu fassungslos, um etwas zu sagen. Denn ……ich hatte meinen Namen als meinen Alpha eingetragen. Phina knurrte heftig in mir. Niemand … niemand bedeutet, dass niemand mein Alpha sein darf!In diesem Moment tauchten zwei Alphas in meinem Blickfeld auf, die sich gegenseitig erkannten.„Du bist mein Omega.“Der Wolf, der als Omega bezeichnet wurde, war absolut stinksauer, denn die Bindung besagte, dass der Wolf, der ihn Omega nannte, sein Alpha war. Aber sie mussten es wegen des Prozesses sagen. Als ich das beobachtete, fiel mir ein, dass wir u
ALPHA HUGOS BÜROAlpha Jude stürmte in Alpha Hugos Büro und drückte ein altes, abgenutztes Buch an seine Brust. Sein Gesicht war ernst, seine Augen wirbelten hektisch hin und her.„Alpha Hugo! Ich habe dieses Buch gefunden!“, keuchte er, eilte zum Schreibtisch und knallte es auf die Tischplatte. „Schau, hier steht, dass der Fluch gebrochen werden kann!“„Wirklich?“ Alpha Hugos Antwort war ruhig, fast desinteressiert, zu langsam, zu bedächtig für die Panik, die unter den Alpha-Ausbildern ausgebrochen war. Alle waren außer sich, und in der Akademie herrschte Chaos.„Ja!“, beharrte Jude und schob das Buch näher zu ihm heran. „Das könnte die Alphas vor ihren Flüchen retten. Sie müssen sich ihrem Fluch stellen und ihn innerhalb von zehn Sekunden besiegen.“Hugo atmete tief aus und drückte seine Zigarette in einem Aschenbecher aus, der bereits überquoll von den Kippen, die er aus dem Stress heraus angezündet hatte, unter dem er stand, seit die Alphas verschwunden waren.„Weißt du, was mit d







