LOGINSERAPHINA
Meine erste Nacht an der Lupine-Akademie war alles andere als ruhig. Ich verbrachte die ganze Nacht steif am Rand meines Bettes liegend. Noch nie in meinem Leben hatte ich mir ein Zimmer mit jemandem geteilt, geschweige denn inmitten von Menschen geschlafen. Und nicht irgendeine Gruppe von Menschen, sondern Alpha-Männer. Die Ohren meines Wolfes spitzten sich beim geringsten Geräusch: dem Verlagern des Gewichts auf den Matratzen, dem Kratzen von Fingernägeln oder sogar einem gedämpften Husten. Jede noch so kleine Bewegung ließ meine Muskeln anspannen, besonders da ich wusste, dass Alpha Ronan einer von ihnen war.
Er war nach dem Licht aus in das Zimmer zurückgekehrt, als ich bereits im Bett lag. Ich tat so, als würde ich schlafen, und drehte ihm den Rücken zu, doch aus irgendeinem Grund spürte ich, wie sein Blick in der Dunkelheit auf mir ruhte. Ich zog meine Decke fester um mich. Bildete ich mir das nur ein, weil er mich den ganzen Tag über angestarrt hatte? Ich wagte es nicht, mich umzudrehen, um mich zu vergewissern. Besser, es unbeantwortet zu lassen – Gewissheit hätte mir das wenige Schlaf geraubt, das ich mir erhaschen konnte.
Der Morgen kam mit dem unverkennbaren Geräusch von Reed und Cassius, die sich stritten, fluchten und sich spielerisch Schläge versetzten. Es war unnötig laut und nervtötend. Resigniert setzte ich mich im Bett auf und blinzelte meine schläfrigen Augen auf – nur um erstarrt zu verharren, als Ronan den Raum betrat, frisch gebadet und mit nichts als einem Handtuch bekleidet, das tief um seine Hüften geschlungen war.
Mir stockte der Atem und meine Augen weiteten sich, als ich fast aus dem Bett kippte, völlig überrascht von diesem unerwarteten Anblick von fast völliger Nacktheit. Warum zum Teufel lief er so herum? Sein Blick war bereits auf mich gerichtet, also nahm ich schnell meine Fassung wieder und zwang meine Gesichtszüge in eine Maske der Gleichgültigkeit, während ich vom Bett aufstand. Doch mein Herz raste immer noch wie ein wilder Hengst in meiner Brust.
Natürlich war es ein reines Männerwohnheim. Solch ungezwungene Nacktheit war hier wahrscheinlich normal. Reed war halbnackt, und Cassius … nun, sein Zustand der Entkleidung war kaum zu beschreiben. Doch keiner von ihnen konnte sich mit Ronan messen. Sein Körper war tödliche Perfektion – jeder Zentimeter von ihm bestand aus harten, gestählten Muskeln. Während ich mir die Schuhe zuband, konnte ich nicht verhindern, dass meine Augen einen verstohlenen Blick auf ihn warfen. Wassertropfen rollten über sein nasses Haar und glitten über seinen Acht-Pack-Bauch, hinunter zu dem Handtuch, das gefährlich tief um seine Hüften hing. Seine breite, einschüchternde, 6’3” große Statur schien den Raum mühelos zu beherrschen.
Im Gegensatz zu den anderen war Ronans Rücken nicht makellos. Er war von Narben gezeichnet – alten, gezackten Spuren, die sich kreuz und quer über seine Haut zogen. Nicht die Art, die man sich bei Sparringskämpfen oder Akademieübungen zuzieht. Nein, diese Narben erzählten eine andere Geschichte. Eine Geschichte brutaler Schlachten. Echter, blutiger Kriege. Unwillkürlich verweilte mein Blick dort, angezogen von einer Neugier, die ich nicht benennen konnte.
Dann, als hätte er meinen prüfenden Blick gespürt, schob er beiläufig einen Finger unter den Rand seines Handtuchs, und mir stockte der Atem, als es sich leicht lockerte. Sofort riss ich meinen Blick weg, mein Herz pochte wie wild. Scheiße. Ich hatte schon oft nackte Männer gesehen, unzählige Male beim Training und auf dem Schlachtfeld. Aber aus irgendeinem Grund brachte es mich bei ihm völlig aus der Fassung.
Reiß dich zusammen, Sera, schimpfte ich leise mit mir selbst und machte mich auf den Weg zu meinem Schrank.
Der Raum leerte sich allmählich, als die anderen Alphas begannen, sich in ihre Uniformen zu werfen, und ich blieb zurück, um mir eine frische Uniform zu holen. Ich griff gerade danach, als Ronans Stimme direkt hinter mir erklang.
„Hast du in deiner Uniform geschlafen?“
Ich erstarrte, meine Hand umklammerte den Stoff fester. Er stand ganz nah, viel zu nah. Ich hatte nicht vor, voll bekleidet zu schlafen. Ich wollte mich in etwas Bequemeres umziehen, aber jedes Mal, wenn ich darüber nachdachte, tauchte einer von ihnen auf, sodass es unmöglich war, mich auszuziehen, ohne mich zu entblößen. Und ich durfte niemanden die Verbände um meine Brust sehen lassen.
„Ich war zu faul, mich umzuziehen“, antwortete ich beiläufig und zwang mich, mich umzudrehen und seinem Blick zu begegnen.
Eine dunkle Augenbraue hob sich. „Und was dann? Zu faul zum Duschen?“
Ich biss mir auf die Innenseite der Wange. Die Wahrheit war, dass ich es gemieden hatte. Aus Angst, das Wasser könnte den verbergenden Duft des Parfüms wegwaschen, mit dem ich meine wahre Identität verschleierte. Ich hatte vor, zu baden, sobald das Zimmer leer war, aber warum zum Teufel interessierte er sich so sehr für meine Hygiene?
„Ich liebe es, schmutzig zu sein“, gab ich zurück, während ein verschmitztes Grinsen über meine Lippen huschte, als sich sein Gesichtsausdruck verdüsterte. Auf der anderen Seite des Raums erstarrte Finn, der meine Bemerkung offensichtlich mitbekommen hatte. Ich fuhr fort, nur um den Ausdruck auf Ronans Gesicht zu sehen. „Manchmal dusche ich wochenlang nicht. Sogar monatelang.“
Ich wollte gerade etwas noch Unverschämteres hinzufügen, um ihn hoffentlich endgültig abzuschrecken, als Cassius in den Raum stürmte und einen Arm um meine Schultern legte, als wären wir alte Freunde. Mein Wolf spannte sich bei dieser unerwünschten, viel zu nahen Berührung augenblicklich an. Es kostete mich alle Selbstbeherrschung, seinen Arm nicht zu verdrehen und ihn zu Boden zu schleudern.
„Seth! Du hast dich noch nicht gewaschen, oder?“, grinste er, völlig ahnungslos. „Lass uns unter die Dusche, bevor es klingelt.“
Mir sank das Herz. Gemeinschaftsduschen? Keine privaten Kabinen? Mein Puls hämmerte gegen meine Rippen.
Bevor ich reagieren konnte, hallte ein tiefes, leises Knurren durch den Raum. Alle erstarrten.
Ronans scharfer Blick heftete sich auf Cassius, wobei sein Blick demonstrativ auf den Arm wanderte, der um meine Schultern gelegt war. „Siehst du nicht, dass ich mit ihm rede?“ Seine Stimme war eine tödliche, schwelende Drohung. „Verschwinde.“
SERAPHINA„Spreiz deine Beine für mich.“Dieser eine Befehl allein war schon so anzüglich, dass das Verlangen zwischen meinen Schenkeln unerträglich pochte. Ich lag nur mit meinem Höschen bekleidet unter ihm, mein Körper seinem durchdringenden Blick ausgesetzt, mein Herz hämmerte so laut, dass ich sicher war, er könne es hören. Mein Blick verharrte auf dem Anblick vor mir: seinen vernarbten, wie aus Stein gemeißelten Acht-Pack-Bauchmuskeln und der gefährlichen, prallen Beule, die drohte, sich aus seiner Hose zu befreien. Ich schluckte schwer, mein Mund war trocken. Es schien … zu groß, zu überwältigend.„Wenn du mich weiterhin so ansiehst, Seraphina, werde ich mich nicht mehr zurückhalten können. Ich werde dich ficken, noch bevor ich dich überhaupt vorbereitet habe“, sagte Ronan mit schleppender Stimme, sein Grinsen dunkel und spöttisch, während seine Hand gegen seine Erregung drückte, als wäre er versucht, sie zu befreien.Hitze brannte auf meinen Wangen. Ich riss meinen Blick los, b
SERAPHINA„Liebling …“ Phinas Stimme zitterte in meinem Kopf, ein Flüstern voller Ehrfurcht, als sie die Wahrheit erkannte.Die Wahrheit über den Mann, mit dem ich die letzten drei Monate verbracht hatte.Der Mann, der mich seit dem ersten Moment, als sich unsere Blicke trafen, unerbittlich verfolgt hatte.Der Mann, der mich nun in seinen Armen hielt, die Lippen zu einem kaum wahrnehmbaren Lächeln geformt, als hätte er das alles schon die ganze Zeit gewusst.Mein Seelenverwandter.Mir stockte der Atem, meine Lungen weigerten sich zu arbeiten, während sich meine Augen vor Schreck weiteten.Wir stürzten gemeinsam in die verschlingende Dunkelheit, als sich unter uns eine Tür aufgoss. Unsere Blicke schwankten nicht, verbunden, als könne uns nichts auf der Welt, nicht einmal die Leere, auseinanderreißen. Doch im nächsten Herzschlag erschien eine weitere Tür, hinter der sich weiß leuchtende Federn entfalteten. Sie riss mich aus Ronans Armen, zog mich rückwärts in ihren Sog, während er in se
RONANMeine Hand brannte, als wäre geschmolzenes Feuer unter meiner Haut ausgebrochen, meine Adern entflammten, bis es sich anfühlte, als hätten sich die Flammen in mir gegen mich gewandt. Sie wärmten nicht, sie verzehrten mich. Mein Atem ging stockend, gebrochen, und jedes Zittern in meinem Körper verriet, wie nah ich daran war, mich selbst zu verlieren. Die Brunst hatte mich an der Kehle gepackt und riss sich durch Fleisch und Knochen, bis die Instinkte meines Wolfes an jede Grenze meiner verbleibenden Selbstbeherrschung stießen.„Was für ein verdammtes Geburtstagsgeschenk.“Ein bitteres Lachen entfuhr mir, noch während sich meine Lippen zu einem Knurren verzerrten. Fünfundzwanzig. Von allen verfluchten Tagen, an denen die Brunst ihre Krallen in mich versenken konnte, musste es ausgerechnet heute sein – mein Geburtstag. Genau in dem Moment, in dem sich die heiligen weißen Federtüren öffnen sollten.Die Hitze schwoll noch stärker an, kratzte rau über meine Rippen und verlangte nach B
PERSPEKTIVE DER DRITTEN PERSON„LAUFT! LAUFT!! LAUFT!!!“ Alpha Gideons Stimme donnerte immer noch durch die Gedankenverbindung und befahl den Alphas zu fliehen, bevor die Flüche sie verschlingen würden. Da brach die Verbindung plötzlich ab.Die Gedankenverbindung, die er nach so viel Mühe endlich hergestellt hatte, zerfiel wie ein ausgefranstes Seil und hinterließ bei Alpha Gideon nur Stille, wo eigentlich Dutzende von Gedanken hätten sein sollen.„Scheiße!!!“ Er knirschte mit den Zähnen, Wut blitzte in seinen Augen auf. Sie hatten den letzten Befehl nicht gehört. Die eine Anweisung, die sie vor ihrer eigenen Unwissenheit hätte retten können.„Sie wissen nicht, dass sie niemals durch diese Türen zurückkehren dürfen, sobald sie sie einmal betreten haben.“Wut und Panik durchströmten ihn zugleich. Zuvor war Hugo mit der Nachricht zu ihm gekommen, dass jemand ihren Fluch gebrochen hatte, doch als sie ihre kurze Untersuchung durchgeführt hatten, stellten sie fest, dass alle Mitglieder der
SERAPHINAWas hat die Verbindung gerade gesagt?Ryker hielt meinen Blick noch einen Moment lang fest, bevor er widerwillig an mir vorbeirannte. Auch meine Beine rannten, aber mein Kopf war völlig leer. Ich war bereits zutiefst verunsichert, als die Verbindung enthüllte, dass ich Finns erste Liebe gewesen war, und Ashers Schwärmerei lastete immer noch schwer auf mir, aber meine Verbindung zu Ryker erschütterte mich bis ins Mark. Sogar Phina schwieg, zu fassungslos, um etwas zu sagen. Denn ……ich hatte meinen Namen als meinen Alpha eingetragen. Phina knurrte heftig in mir. Niemand … niemand bedeutet, dass niemand mein Alpha sein darf!In diesem Moment tauchten zwei Alphas in meinem Blickfeld auf, die sich gegenseitig erkannten.„Du bist mein Omega.“Der Wolf, der als Omega bezeichnet wurde, war absolut stinksauer, denn die Bindung besagte, dass der Wolf, der ihn Omega nannte, sein Alpha war. Aber sie mussten es wegen des Prozesses sagen. Als ich das beobachtete, fiel mir ein, dass wir u
ALPHA HUGOS BÜROAlpha Jude stürmte in Alpha Hugos Büro und drückte ein altes, abgenutztes Buch an seine Brust. Sein Gesicht war ernst, seine Augen wirbelten hektisch hin und her.„Alpha Hugo! Ich habe dieses Buch gefunden!“, keuchte er, eilte zum Schreibtisch und knallte es auf die Tischplatte. „Schau, hier steht, dass der Fluch gebrochen werden kann!“„Wirklich?“ Alpha Hugos Antwort war ruhig, fast desinteressiert, zu langsam, zu bedächtig für die Panik, die unter den Alpha-Ausbildern ausgebrochen war. Alle waren außer sich, und in der Akademie herrschte Chaos.„Ja!“, beharrte Jude und schob das Buch näher zu ihm heran. „Das könnte die Alphas vor ihren Flüchen retten. Sie müssen sich ihrem Fluch stellen und ihn innerhalb von zehn Sekunden besiegen.“Hugo atmete tief aus und drückte seine Zigarette in einem Aschenbecher aus, der bereits überquoll von den Kippen, die er aus dem Stress heraus angezündet hatte, unter dem er stand, seit die Alphas verschwunden waren.„Weißt du, was mit d







