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10. Das alte Buch

Autor: Saphira
last update Data de publicação: 2026-09-16 18:32:01

Es war kurz nach halb sechs und die Bibliothek war um diese Uhrzeit fast leer.

Nur wenige Menschen saßen noch an den langen Tischen. Das leise Rascheln von Papier, das gelegentliche Tippen auf einer Tastatur und das gleichmäßige Summen der alten Lampen lagen über dem Raum.

Mara mochte diesen Ort. Vielleicht gerade deshalb, weil hier niemand von ihr erwartete, dass sie sprach. Hier konnte sie einfach sitzen und suchen. Sophie hatte inzwischen einen ganzen Stapel Bücher vor sich aufgebaut.

„Ich g
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  • Wenn der Wolf mich ruft    18. Die Spur im Blut

    Mara hatte in dieser Nacht kaum geschlafen. Immer wieder war sie aufgewacht, hatte nach ihrem Handy gegriffen und auf das Display gesehen, obwohl sie längst wusste, dass keine neue Nachricht gekommen war. Die wenigen Worte des unbekannten Absenders gingen ihr nicht aus dem Kopf: Frag nicht, wo er ist. Frag, warum er verschwunden ist. Es war eine dieser Nachrichten, die auf den ersten Blick eine Antwort zu geben schienen und bei genauerem nachdenken nur noch mehr Fragen hinterließen.Am Morgen lag ihr Notizbuch noch immer auf dem Schreibtisch. Die Seite vom Vorabend war inzwischen voller Pfeile und Namen. Ethan. Elena. Rowan. Isolde. Der 17. April 2006. Dazu der unbekannte Mann mit der Narbe, dessen goldene Augen Mara inzwischen ebenso wenig vergessen konnte wie Adrians silber-graue. Zwei Männer, die offenbar etwas mit ihrer Vergangenheit zu tun hatten, und von denen sie bei keinem sicher wusste, ob sie ihm vertrauen konnte.Sie strich mit den Fingern über den Namen ihres Vaters.„Waru

  • Wenn der Wolf mich ruft    17. Der Name aus der Vergangenheit

    Mara wachte am nächsten Morgen mit dem Gefühl auf, als hätte sie die ganze Nacht versucht, ein Puzzle zusammenzusetzen, bei dem einige der wichtigsten Teile fehlten. Noch bevor sie die Augen vollständig geöffnet hatte, waren die Gedanken wieder da: Elenas Handschrift, die alten Aufzeichnungen ihrer Großmutter, das Datum des 17. April 2006 und die Frage, was an diesem Tag geschehen war. Dazu kam das Bild des dunklen Wagens, der am Abend vor Sophies Haus gestanden hatte, und die Gestalt auf der anderen Straßenseite, deren Gesicht sie nicht hatte erkennen können.Es war zu viel für einen einzigen Morgen.Mara blieb noch einen Moment liegen und starrte an die Decke. Früher hatte sie ihre Tage danach eingeteilt, was von ihr erwartet wurde. Schule, Hausarbeit, Einkäufe, Marcus' Anweisungen, die wenigen Stunden, in denen sie sich zurückziehen konnte. Es hatte eine gewisse Sicherheit darin gelegen, auch wenn sie diese Sicherheit nie als Freiheit empfunden hatte. Jetzt war jeder neue Tag eine

  • Wenn der Wolf mich ruft    16. Die Frau, die alles wusste

    Am nächsten Morgen fühlte sich alles anders an, obwohl sich auf den ersten Blick nichts verändert hatte. Die Straßen waren dieselben, die Menschen gingen denselben Weg zur Arbeit, vor dem kleinen Café an der Ecke standen wie jeden Morgen zwei Tische draußen, obwohl es dafür eigentlich noch zu kühl war, und Mara saß mit Sophie im Bus, während sie beide schweigend aus dem Fenster sahen. Trotzdem hatte Mara das Gefühl, als wäre in den vergangenen Tagen eine Tür aufgegangen, hinter der sich ein Raum befand, von dessen Existenz sie bisher nicht einmal gewusst hatte. Die Worte von Sophies Mutter gingen ihr nicht aus dem Kopf. Elena hatte gewusst, dass Mara versteckt werden musste. Elena hatte Ethan erwähnt. Sie hatte Menschen vertraut, um ihre Tochter zu schützen, und gleichzeitig dafür gesorgt, dass Mara selbst entscheiden konnte, wann sie nach der Wahrheit suchen wollte.Dieser Gedanke ließ Mara nicht los.Zum ersten Mal fragte sie sich nicht nur, was ihre Mutter vor ihr verborgen hatte,

  • Wenn der Wolf mich ruft    15. Die erste Spur

    Der Name ihres Vaters stand noch immer auf dem Bildschirm ihres Handys.Ethan Blackwood.Mara ließ den Blick über die beiden Wörter wandern. Ein Name, mehr nicht – und trotzdem hatte er inzwischen ein Gewicht bekommen, das sie kaum beschreiben konnte. Vor wenigen Wochen hätte sie nicht einmal gewusst, dass dieser Mann existierte. Jetzt führte beinahe jede Spur, die sie und Sophie fanden, ein Stück weiter in seine Vergangenheit. Gleichzeitig schien mit jeder neuen Information etwas anderes aufzubrechen: die Erinnerungen an Elenas Briefe, das alte Buch in der Bibliothek, der geheimnisvolle 17. April 2006 und schließlich Adrian, der Ethan kannte und dennoch nicht sagen konnte, was aus ihm geworden war.Mara legte das Handy neben den Laptop und griff nach einem der Ausdrucke. Darauf war ein Bericht über ein Projekt der Vale Foundation aus dem Jahr 2006 zu sehen. Ethan war nicht besonders hervorgehoben, sein Name stand zwischen zahlreichen anderen Beteiligten, doch allein seine Anwesenheit

  • Wenn der Wolf mich ruft    14. Ein Name, den sie nicht kannte

    Mara blieb noch lange stehen, nachdem Adrian zwischen den Bäumen verschwunden war. So lange das sie seine Schritte nicht mehr hörte.Nur der Wind bewegte die Äste über ihr, und irgendwo in der Ferne rief ein Vogel. Trotzdem konnte sie sich nicht dazu bringen, sofort zurückzugehen. Sie starrte in die Richtung, in der er verschwunden war.Adrian.Der Name fühlte sich fremd an. Und gleichzeitig viel zu vertraut. Mara legte eine Hand auf ihre Brust. Ihr Herz schlug noch immer schneller als normal.„Warum?“, flüsterte sie.Sie wusste selbst nicht, an wen die Frage gerichtet war.An Adrian.An Nyx.An ihre Mutter.Vielleicht sogar an ihren Vater.Warum tauchte ausgerechnet jetzt jemand auf, der Ethan kannte? Warum hatte Adrian nach ihr gesucht? Und warum hatte er sie angesehen, als würde er sie bereits kennen?Mara schloss die Augen. Sofort sah sie wieder sein Gesicht vor sich. Die silbergrauen Augen. Hörte die ruhige Stimme.Ich habe nach dir gesucht.Sie öffnete die Augen wieder.„Was sol

  • Wenn der Wolf mich ruft    13. Der Mann im Wald

    Mara hatte in dieser Nacht nicht mehr geschlafen.Sie hatte es versucht. Mehrmals. Sie hatte das Licht ausgeschaltet, sich unter die Decke gelegt und die Augen geschlossen. Doch sobald es still wurde, war das Wort wieder da.Mate.Es war nur ein Wort. Und trotzdem fühlte es sich an, als hätte es etwas in ihr verändert.Mara wusste nicht einmal, was es bedeutete. Vielleicht war es eine Erinnerung. Vielleicht ein Teil des Traums. Vielleicht nur etwas, das ihr Verstand erfunden hatte, weil die letzten Tage zu viel geworden waren.Aber dann war da das Fenster gewesen. Der feuchte Abdruck auf der Fensterbank. Das Zeichen.Und Nyx' Worte.Er war hier.Mara drehte sich auf die andere Seite.„Wer?“, hatte sie gefragt.Nyx hatte nicht geantwortet.Zumindest nicht direkt. Nur dieses Gefühl war geblieben. Dass jemand sie gehört hatte. Dass jemand wusste, dass sie existierte. Und dass dieser Jemand nicht zufällig in ihrer Nähe war.Als der Wecker klingelte, fühlte Mara sich schwer und erschöpft.

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