LOGINMara Bennett hat gelernt, nicht zu viele Fragen zu stellen. Seit sie denken kann, fühlt sie sich in ihrem eigenen Leben ein wenig wie eine Fremde. Deshalb hat sie sich daran gewöhnt, still zu sein, sich anzupassen und auf den Tag zu warten, an dem sie endlich selbst über ihre Zukunft bestimmen kann. Doch kurz vor ihrem achtzehnten Geburtstag beginnt etwas in ihr zu erwachen, das sich nicht länger verstecken lässt. Ein Wolf ruft nach ihr. Zuerst sind es nur Träume. Dann verschwinden Verletzungen innerhalb von Sekunden, fremde Zeichen reagieren auf ihre Berührung und Erinnerungen tauchen auf, die eigentlich nicht ihre sein dürften. Gemeinsam mit ihrer Freundin Sophie beginnt Mara nach Antworten zu suchen und stößt dabei auf ein altes Buch, geheimnisvolle Symbole und Spuren, die weit in die Vergangenheit ihrer Familie führen. Denn ihre Mutter hat ihr mehr hinterlassen als ein paar alte Briefe. Dann begegnet Mara ihm. Adrian Blackwood ist fünfundzwanzig und der zukünftige Alpha eines mächtigen Rudels. Er weiß, dass es Dinge gibt, von denen Mara noch nichts ahnt. Und als sein Wolf sie erkennt, steht für ihn sofort fest: Sie ist seine Mate. Doch ein Band, das im Blut geboren wurde, bedeutet nicht automatisch Vertrauen. Mara will selbst entscheiden, wem sie ihr Herz schenkt. Sie will Antworten, bevor sie jemandem glaubt. Und sie weigert sich, sich von einer Verbindung bestimmen zu lassen, die sie weder gewählt noch verstanden hat. Während ihre Suche sie immer tiefer in eine verborgene Welt aus Wölfen, Hexen und alter Magie führt, beginnt Mara zu erkennen, dass auch ihre eigene Vergangenheit Teil eines Geheimnisses ist, das seit Jahren geschützt wird. Ein Geheimnis über ihre Mutter, Vater und Blut. Und über einen Ruf, den jemand bereits gehört hat. Denn Mara Bennett ist nicht das Mädchen, für das sie sich immer gehalten hat.
View MoreMara hatte in dieser Nacht kaum geschlafen. Immer wieder war sie aufgewacht, hatte nach ihrem Handy gegriffen und auf das Display gesehen, obwohl sie längst wusste, dass keine neue Nachricht gekommen war. Die wenigen Worte des unbekannten Absenders gingen ihr nicht aus dem Kopf: Frag nicht, wo er ist. Frag, warum er verschwunden ist. Es war eine dieser Nachrichten, die auf den ersten Blick eine Antwort zu geben schienen und bei genauerem nachdenken nur noch mehr Fragen hinterließen.Am Morgen lag ihr Notizbuch noch immer auf dem Schreibtisch. Die Seite vom Vorabend war inzwischen voller Pfeile und Namen. Ethan. Elena. Rowan. Isolde. Der 17. April 2006. Dazu der unbekannte Mann mit der Narbe, dessen goldene Augen Mara inzwischen ebenso wenig vergessen konnte wie Adrians silber-graue. Zwei Männer, die offenbar etwas mit ihrer Vergangenheit zu tun hatten, und von denen sie bei keinem sicher wusste, ob sie ihm vertrauen konnte.Sie strich mit den Fingern über den Namen ihres Vaters.„Waru
Mara wachte am nächsten Morgen mit dem Gefühl auf, als hätte sie die ganze Nacht versucht, ein Puzzle zusammenzusetzen, bei dem einige der wichtigsten Teile fehlten. Noch bevor sie die Augen vollständig geöffnet hatte, waren die Gedanken wieder da: Elenas Handschrift, die alten Aufzeichnungen ihrer Großmutter, das Datum des 17. April 2006 und die Frage, was an diesem Tag geschehen war. Dazu kam das Bild des dunklen Wagens, der am Abend vor Sophies Haus gestanden hatte, und die Gestalt auf der anderen Straßenseite, deren Gesicht sie nicht hatte erkennen können.Es war zu viel für einen einzigen Morgen.Mara blieb noch einen Moment liegen und starrte an die Decke. Früher hatte sie ihre Tage danach eingeteilt, was von ihr erwartet wurde. Schule, Hausarbeit, Einkäufe, Marcus' Anweisungen, die wenigen Stunden, in denen sie sich zurückziehen konnte. Es hatte eine gewisse Sicherheit darin gelegen, auch wenn sie diese Sicherheit nie als Freiheit empfunden hatte. Jetzt war jeder neue Tag eine
Am nächsten Morgen fühlte sich alles anders an, obwohl sich auf den ersten Blick nichts verändert hatte. Die Straßen waren dieselben, die Menschen gingen denselben Weg zur Arbeit, vor dem kleinen Café an der Ecke standen wie jeden Morgen zwei Tische draußen, obwohl es dafür eigentlich noch zu kühl war, und Mara saß mit Sophie im Bus, während sie beide schweigend aus dem Fenster sahen. Trotzdem hatte Mara das Gefühl, als wäre in den vergangenen Tagen eine Tür aufgegangen, hinter der sich ein Raum befand, von dessen Existenz sie bisher nicht einmal gewusst hatte. Die Worte von Sophies Mutter gingen ihr nicht aus dem Kopf. Elena hatte gewusst, dass Mara versteckt werden musste. Elena hatte Ethan erwähnt. Sie hatte Menschen vertraut, um ihre Tochter zu schützen, und gleichzeitig dafür gesorgt, dass Mara selbst entscheiden konnte, wann sie nach der Wahrheit suchen wollte.Dieser Gedanke ließ Mara nicht los.Zum ersten Mal fragte sie sich nicht nur, was ihre Mutter vor ihr verborgen hatte,
Der Name ihres Vaters stand noch immer auf dem Bildschirm ihres Handys.Ethan Blackwood.Mara ließ den Blick über die beiden Wörter wandern. Ein Name, mehr nicht – und trotzdem hatte er inzwischen ein Gewicht bekommen, das sie kaum beschreiben konnte. Vor wenigen Wochen hätte sie nicht einmal gewusst, dass dieser Mann existierte. Jetzt führte beinahe jede Spur, die sie und Sophie fanden, ein Stück weiter in seine Vergangenheit. Gleichzeitig schien mit jeder neuen Information etwas anderes aufzubrechen: die Erinnerungen an Elenas Briefe, das alte Buch in der Bibliothek, der geheimnisvolle 17. April 2006 und schließlich Adrian, der Ethan kannte und dennoch nicht sagen konnte, was aus ihm geworden war.Mara legte das Handy neben den Laptop und griff nach einem der Ausdrucke. Darauf war ein Bericht über ein Projekt der Vale Foundation aus dem Jahr 2006 zu sehen. Ethan war nicht besonders hervorgehoben, sein Name stand zwischen zahlreichen anderen Beteiligten, doch allein seine Anwesenheit











