MasukDie Luft in der Schlafkammer schmeckte nach Kupfer und kaltem Staub.
Ich saß am Rand der Matratze, meine Hände zitterten heftig, während ich Elena an meine Brust drückte. Ihre Haut – einst so warm, einst nach Kiefer und frischem Regen duftend – verlor ihre Wärme. Jeder Atemzug, den sie hineinholte, klang wie trockene Blätter, die über Stein schabten.
„Lucian…“, krächzte sie. Ihre goldenen Augen, die sonst so hell waren, dass sie die Dunkelheit durchschneiden konnten, waren trüb. Sie verblassten.
„Ich bin hier. Ich bin genau hier, meine Liebe“, würgte ich hervor und drückte meine Lippen auf ihre schweißfeuchte Stirn. Ich drückte ihre Hand, versuchte mit jeder Unze meiner Alpha-Kraft, meine eigene Lebenskraft, mein eigenes Leben durch unsere Bindung in sie zu schieben – aber die Bindung löste sich. Es fühlte sich an wie ein Faden, der Strang für Strang riss. „Rede nicht. Spar deine Kraft. Bitte.“
Ein winziges, herzzerreißendes Lächeln berührte ihre blassen Lippen. „Du… du versuchst immer, alles zu befehlen, mein Alpha.“
Ein Schluchzen riss aus meiner Kehle, roh und hässlich. „Ich kann das nicht befehlen. Ich will, dass du bleibst. Ich will dir befehlen zu bleiben.“
„Hör mir zu“, flüsterte sie, ihre schwachen Finger zogen sich schwach um mein Handgelenk. „Sieh mich an, Lucian.“
Ich zwang mich, in ihre Augen zu sehen, obwohl es sich anfühlte, als würde mein Herz mit einer stumpfen Klinge in Stücke gehackt.
„Du musst leben“, krächzte sie, eine Träne glitt ihre Wange hinab. „Das Rudel… sie brauchen dich. Lass deine Mutter nicht… lass sie dein Herz nicht verhärten. Versprich es mir. Versprich mir, dass du mir nicht in die Dunkelheit folgst.“
„Bitte mich nicht darum“, weinte ich und vergrub mein Gesicht in ihrem Hals. „Ich kann nicht in einer Welt ohne dich leben. Ich weiß nicht, wie ich ohne dich ein Alpha sein soll.“
„Du… du wirst es lernen“, hauchte sie, ihre Stimme sank zu einem schwachen, luftigen Flüstern. Ihr Körper zitterte, ein langes, schreckliches Beben, das von ihrem Kopf bis zu den Zehen lief. „Danke… dass du mich geliebt hast, Lucian. Mein Herz… gehört dir…“
Ihre Hand glitt von meinem Handgelenk. Ihre Brust wurde still.
„Elena?“ flüsterte ich. Ich hörte keine Antwort. Nichts. Nein. Nein. Mein Herzschlag hämmerte in meinen Ohren.
„Elena, bitte.“ Ich schüttelte sie sanft. Ihr Kopf kippte zurück, leblos und schwer gegen meinen Arm. Die Bindung in meinem Kopf brach nicht einfach – sie zersplitterte. Eine scharfe, betäubende Explosion reiner, quälender Leere riss durch meinen Geist und hinterließ einen kalten, schwarzen Krater. Meine Luna war tot. „NEIN!“
Ich warf den Kopf zurück und Brüllen platzten aus meiner Brust – ein Laut so voller Qual und gebrochener Wolfskraft, dass die schweren Buntglasfenster in ihren Bleirahmen vibrierten. Das Heulen riss an meiner Kehle vorbei, hallte aus dem Turm, strömte die Steinwände des Rudelhauses hinab und fegte über das ganze Tal.
Unten im Hof hörte das Rudel es.
Zuerst kamen die fernen, trauernden Heuler der Wachen. Dann der Beta. Dann die Ältesten. Innerhalb von Sekunden schlossen sich Hunderte von Wölfen dem Chor der Trauer an – eine Wand aus reinem, quälendem Kummer, die zum Himmel aufstieg. Das ganze Territorium weinte mit mir. Es war mir egal. Sie alle heulten, und ich wusste, dass einiges davon falsch war. Manche von ihnen hatten sie weghaben wollen. Sie hatten gewollt, dass sie starb, damit ihre Töchter ihren Platz einnehmen konnten. Ihre Wünsche waren wahr geworden. Sie war gestorben und hatte mich verlassen.
Ich hielt ihren Leichnam, was sich wie Stunden anfühlte, wiegte sie hin und her, schluchzte in ihr kaltes silbernes Haar, bis ich keine Tränen mehr hatte, bis meine Brust völlig taub war.
Schließlich öffnete sich die Tür leise. Mein Beta stand da, das Gesicht bleich, die Augen gerötet.
„Alpha…“, flüsterte er, seine Stimme zitterte. „Der Rat… sie müssen ihren Körper für die Bestattungsriten vorbereiten. Bitte, Lucian. Geh nur einen Moment hinaus.“
Ich wollte sie nicht verlassen, aber ich konnte mich nicht bewegen. Mein Kopf fühlte sich leicht an, meine Beine wie Blei. Ich ließ mich von ihm hochziehen. Stolpernd wie ein Betrunkener ging ich hinaus in den Korridor, lehnte mich schwer an die Steinwand und starrte leer auf die Dielen, während die weiblichen Ältesten hineingingen, um sie zu reinigen und in ihre Bestattungsgewänder zu kleiden.
Mein Geist war ein völliger Nebel. Wie soll ich sie begraben? Wie soll ich sie in die Erde legen?
Nach zwanzig Minuten traten die Ältesten heraus, neigten die Köpfe in stillem Mitgefühl und gingen die Treppe hinunter. Ich ging in mein Zimmer, weil ich sie nicht in weißen Kleidern sehen wollte. Ich ging in den Raum, in dem wir nächtliche Gespräche geteilt, morgendliche Übungen gemacht, hier Liebe gemacht, zusammen geweint hatten – und jetzt war ich allein. Meine Mutter kam herein und rieb meine Schultern, während ich auf dem Boden kniete.
„Lucian, das ist das Beste. Finde die Kraft in dir, weiterzugehen. Du bist ein Alpha. Du hast die Kraft, mein Junge.“ Sie streichelte meinen Rücken und ließ mich auf dem Boden kniend zurück. Das Geräusch ihrer Absätze hallte nach, als sie aus meinem Zimmer ging.
Ich wollte sterben, aber ein Werwolf-Alpha starb nicht so leicht, und ich erinnerte mich daran, was Elena mich angefleht hatte. Ich konnte ihr nicht in die Dunkelheit folgen. Ich stand wieder auf und machte mich auf den Weg zurück zu ihrem Zimmer. Ich stieß die Tür auf.
Die schweren Vorhänge waren zugezogen. Elena lag auf dem Bett, gekleidet in ein weißes Leinenkleid, und als ich näherkam, runzelte ich die Stirn in einem Moment dumpfer, trauernder Verwirrung.
Das ist seltsam. Ich hätte schwören können, dass die Ältesten sie flach hingelegt hätten, die Hände über der Brust verschränkt, den Kopf zur Decke gerichtet – aber jetzt war sie leicht zur Seite gerutscht. Ihr rechtes Bein war in der Nähe ihrer Hüfte hochgezogen, und eine Hand lag ungeschickt über ihrem Gesicht, als würde jemand versuchen, ein helles Licht abzuschirmen.
Mein Geist, so schwer vor Schmerz, machte sich keinen Reim darauf. Vielleicht hatten ihre Muskeln gezuckt. Der Tod macht seltsame Dinge mit Körpern – oder vielleicht hatten die Ältesten sie so liegen lassen, um mich zu verspotten. Ich schluckte den Kloß in meiner Kehle hinunter und näherte mich dem Bett, kniete ein letztes Mal daneben. Ich nahm ihre Hand und erwartete die steife, eiskalte Kälte des Todes. Sie war nicht steif. Sie war warm?
Plötzlich zuckten die langen, blassen Finger in meiner Handfläche. Ich erstarrte, mein Atem stockte in meiner Kehle.
Die Frau auf dem Bett stieß einen tiefen, rauen Keuchlaut aus, eine tiefe, volle Einatmung von Luft, die ihre Brust aufblähte. Ihre Augen rissen sich auf.
Sie waren nicht mehr trüb. Sie waren hell, brennend golden und huschten wild über die Holzbalken der Decke – verängstigt und chaotisch.
Mein Herz traf meine Rippen wie ein Vorschlaghammer. Konnte das ein Schock sein, ein postmortaler Krampf? Es ist unmöglich—
Sie krabbelte so schnell rückwärts, dass sie beinahe auf der anderen Seite des Bettes hinunterfiel und sich in den Samtlaken verhedderte. Sie presste das weiße Kleid an ihre Brust, ihre Brust hob und senkte sich heftig, sie keuchte nach Luft wie ein Ertrinkender, der plötzlich an die Oberfläche gezogen wird.
Ich stand wie gelähmt und starrte meine tote Frau an, die aufrecht saß, atmete und mich mit weit aufgerissenen, panischen Augen anstarrte.
„E-Elena…?“ würgte ich hervor und machte einen zitternden Schritt vorwärts.
Sie wich vor mir zurück, als wäre ich ein Monster, das ihr die Kehle herausreißen wollte.
Ihr Rücken traf mit einem dumpfen Schlag das geschnitzte hölzerne Kopfteil, ihre kleinen, glatten Hände pressten das weiße Leinenkleid an ihr Schlüsselbein. Ihr Atem kam in kurzen, heftigen Stößen – keuchend, verängstigt, wie ein in die Enge getriebenes Tier, das versucht, Luft zu schlucken, nachdem es unter Wasser gehalten wurde.
Was geschieht hier? Göttin im Himmel, was geschieht hier?
Mein Geist drehte sich außer Kontrolle. Wölfe kamen nicht einfach von der Silberfäule zurück. Es war ein Urteil in Stein gemeißelt. Sobald das Herz stillstand, sobald die Bindung zu Asche zersplitterte, war es vorbei – aber ihr Puls… ich konnte ihn jetzt hören. Es war nicht das langsame, sterbende Flackern von vor einer Stunde. Er hämmerte gegen ihre Rippen wie ein gefangener Vogel – schnell, hektisch, lebendig.
„Elena…?“ Meine Stimme brach, dick von den Tränen, die ich gerade vergossen hatte.
Ich machte einen weiteren kleinen, langsamen Schritt zum Bett, hielt die Hände erhoben, Handflächen nach außen, so wie ich mich einem Abtrünnigen an der Grenze nähern würde. Ich wollte sie nicht erschrecken. Ich wollte nicht aus welchem Wunder oder welcher grausamen Täuschung auch immer erwachen.
In dem Moment, als ich mich bewegte, schnappten ihre goldenen Augen zu mir.
Es war keine Wärme in ihnen. Kein weicher, erkennender Blick. Keine Wiedererkennung. Nur pure, unverfälschte Angst.
Sie presste sich noch flacher gegen das Kopfteil, sah sich die schweren Steinwände, das Buntglasfenster, den Samt-Baldachin an, ihre Augen huschten mit wilder, hektischer, chaotischer Panik über jedes Detail. Sie sah auf ihre Hände hinab, beugte ihre langen, blassen Finger und starrte sie an, als hätte sie sie in ihrem ganzen Leben noch nie gesehen. Sie griff eine Handvoll ihres silbernen Haares, zog es in ihr Sichtfeld, und ihr Kiefer fiel vor absolutem Entsetzen herunter.
War es die Fäule in ihrem Gehirn? Hatte das Fieber etwas in ihrem Kopf zerbrochen?
„Liebe, bitte… sieh mich an“, flehte ich leise und kniete direkt neben der Matratze, damit ich nicht über sie ragte. Meine Brust schmerzte, eine wilde, gefährliche Hoffnung drohte, aus meinen Rippen zu platzen. „Es ist Lucian. Du bist in Sicherheit. Du bist in unserem Zimmer.“
Ich streckte die Hand aus und versuchte vorsichtig, eine Handfläche über die Decke auf ihr Knie zu legen.
In dem Moment, als meine Haut den Stoff berührte, zuckte sie heftig zusammen, stieß einen scharfen, erstickten Keuchlaut aus und krabbelte noch weiter zurück – nur dass es nirgendwo mehr hinzugehen gab. Sie versuchte praktisch, sich durch die massive Holzwand zu krallen.
„Fass mich nicht an! Fass mich nicht an!“ keuchte sie hervor.
Der Klang ihrer Stimme traf mich wie ein Schwall Eiswasser.
Es war Elenas Stimme – glatt, reich, mit dieser tiefen Melodie – aber der Ton war völlig falsch. Der Rhythmus war gebrochen, hart, panisch. Sie klang wie eine Fremde, die die Stimmbänder meiner Frau trug – und die Bindung… ich lauschte in meinem Kopf, griff in diesen tiefen, dunklen Krater, wo unsere Verbindung einst gebrannt hatte. Die Gefährtenbindung war völlig weg. Tot.
Warum verbindet sich die Bindung nicht wieder, wenn sie am Leben ist? Warum riecht sie mich nicht? Warum beruhigt mein Wolf sie nicht?
„Elena, es ist in Ordnung“, krächzte ich und zwang mich, völlig still zu bleiben, die Hände in der Luft schwebend. „Ich weiß, du bist verwirrt. Ich weiß, du warst krank. Der Arzt sagte… wir dachten, wir hätten dich verloren. Ich dachte, du wärst in meinen Armen gestorben.“
Sie hörte mir nicht einmal zu. Ihr Blick war auf mein Gesicht geheftet, verfolgte meine breiten Schultern, mein dunkles Haar, die Rudeltattoos, die meinen Hals hinaufliefen. Sie sah mich nicht an wie ihren Ehemann, nicht wie ihren Alpha, sondern wie eine hilflose Dienerin, die einen König anstarrt, der gerade im Begriff ist, ihre Hinrichtung zu befehlen. Sie zitterte so heftig, dass das gesamte Kopfteil vibrierte.
„Wo…“ Sie schluckte schwer, ihre Brust hob und senkte sich heftig, während sie das weiße Kleid eng um ihre Kehle zog, ihre Stimme zitterte, hohl und völlig verloren. „…Wo bin ich?“
Okay. Nachdenken. Einfach... nachdenken.Ich lehnte mich gegen den massiven, bergähnlichen Stapel aus Daunenkissen zurück und starrte geradewegs an die hochgewölbte Holzdecke. Die dunklen Holzbalken wölbten sich über mir wie die freigelegten Rippen eines alten Riesen und wurden vom warmen, flackernden Licht der eisernen Wandlampen an den schweren Steinwänden erleuchtet.Direkt am Fußende des Bettes stand der massive, finstere Kerl—Lucian. Er starrte mich immer noch an, als wäre ich ein Geist, der gerade aus dem Nichts aufgetaucht war und ihn um zwanzig Dollar gebeten hätte.Ich machte mir schnell und still ein Bild meiner Lage:* Erstens, ich war nicht tot. (Wahrscheinlich. Es sei denn, der Himmel hätte wirklich einen seltsam spezifischen Geschmack für Inneneinrichtungen.) * Zweitens sah mein linker Fuß nicht mehr wie eine zerdrückte, violette Rübe aus. Unter der Decke ließ ich meine Zehen heimlich wackeln. Sie waren völlig gerade, völlig schmerzfrei und völlig unversehrt. * Dritten
„Wo... wo bin ich?“ Meine Stimme zitterte und war für meine eigenen Ohren völlig fremd.Der riesige Mann kniete neben dem Bett, seine dunklen, bernsteinfarbenen Augen weiteten sich in einer erschreckenden Mischung aus Erleichterung, Verzweiflung und Trauer. Er streckte erneut eine massive, schwielige Hand nach mir aus und sah aus, als wollte er mich hochheben, aber er hielt inne, als ich zurückschreckte.„Elena, bitte“, krächzte er mit brüchiger Stimme. „Ich bin es. Ich bin Lucian. Du bist zu Hause. Du bist im Rudelhaus.“Elena? Wer zum Teufel ist Elena?„Wer... wer bist du?“ „Forderte ich und meine Hände schlossen sich fester um den schweren weißen Stoff des Kleides.Er sah aus, als wäre er gerade vom Blitz getroffen worden. Sein Kiefer klappte herunter, ein rauer, verletzter Ausdruck huschte über seine scharfen Gesichtszüge. „Wer bin ich? Elena, ich bin... ich bin dein Ehemann. Dein Alpha. Dein Gefährte.“Ich zuckte so sehr zusammen, dass meine Schultern praktisch meine Ohren berühr
Die Luft in der Schlafkammer schmeckte nach Kupfer und kaltem Staub.Ich saß am Rand der Matratze, meine Hände zitterten heftig, während ich Elena an meine Brust drückte. Ihre Haut – einst so warm, einst nach Kiefer und frischem Regen duftend – verlor ihre Wärme. Jeder Atemzug, den sie hineinholte, klang wie trockene Blätter, die über Stein schabten.„Lucian…“, krächzte sie. Ihre goldenen Augen, die sonst so hell waren, dass sie die Dunkelheit durchschneiden konnten, waren trüb. Sie verblassten.„Ich bin hier. Ich bin genau hier, meine Liebe“, würgte ich hervor und drückte meine Lippen auf ihre schweißfeuchte Stirn. Ich drückte ihre Hand, versuchte mit jeder Unze meiner Alpha-Kraft, meine eigene Lebenskraft, mein eigenes Leben durch unsere Bindung in sie zu schieben – aber die Bindung löste sich. Es fühlte sich an wie ein Faden, der Strang für Strang riss. „Rede nicht. Spar deine Kraft. Bitte.“ Ein winziges, herzzerreißendes Lächeln berührte ihre blassen Lippen. „Du… du versuchst im
Ich hatte sie tausendmal angeschaut und wusste immer, dass ich nie genug von ihr bekommen würde.Sie saß am hohen Fenster, das blasse Nachmittagslicht fing das Silber und Weiß in ihrem Haar ein und machte sie zu etwas beinahe Ätherischem.Es war ein Jahr her, seit sie erkrankt war – und selbst jetzt, mit ihrer viel zu blassen Haut und den dunklen Schatten unter ihren Augen, sah Elena aus, als wäre sie von der Mondgöttin selbst gemeißelt worden. Ich lehnte mich an den schweren Eichenrahmen unserer Schlafkammer und beobachtete einfach, wie sie atmete. Jedes Heben und Senken ihrer Brust fühlte sich an wie eine Countdown-Uhr, die im Hinterkopf meines Schädels tickte, aber ich zwang meinen Kiefer, sich zu entspannen. Ich zwang ein Lächeln auf mein Gesicht, bevor ich einen Schritt in den Raum tat.Wenn sie meine Angst roch, würde sie sich nur noch mehr Sorgen machen. Und sie trug bereits zu viel. „Du starrst, Lucian“, murmelte sie, ohne sich umzudrehen. Ein schwaches, sanftes Lächeln zupf
Die Stille in unserem Schlafgemach war eine seltene, schwere Sache. Draußen heulte der Herbstwind durch die steinernen Zinnen des Rudelhauses, aber hier drinnen war das einzige Geräusch das leise Knistern des Kamins und der Rhythmus unseres Atems. Ich saß am Rand des massiven geschnitzten Bettes und beobachtete, wie Elena ihr langes, silbrig-weißes Haar kämmte. Jeder Strich war langsam, fließend, hypnotisch. Meine Brust zog sich zusammen – dieser vertraute, heftige Schmerz der Gefährtenbindung, der unter meiner Haut aufstieg.Elena war meine Luna. Sie war meine ganze Welt.Ich stand auf und überquerte den plüschigen Teppich, ohne ein Geräusch zu machen. Als ich sie erreichte, nahm ich den silbernen Kamm behutsam aus ihrer Hand und legte ihn auf den Schminktisch. Sie sah mich durch den Spiegel an, ihre goldenen Augen hell und erfüllt von einer Wärme, die mich jedes einzelne Mal völlig aus der Fassung brachte.„Lucian“, flüsterte sie und drehte sich auf ihrem Sitz zu mir um. „Du starr
An dem Tag, an dem sie Lily wegnahmen, starb etwas in mir, lange bevor mein Herz jemals aufhörte zu schlagen.Es war mein Geburtstag, ich wurde zwanzig, und an diesem Tag beschloss meine Tante, meine Welt in Stücke zu reißen.Ich konnte immer noch ihre kleinen, zitternden Finger spüren, die aus meinen glitten. Ich erinnere mich an das scharfe, metallische Klicken der Tür des schwarzen SUVs, die zuschnappte und uns trennte. Tante Sarah hatte sie an irgendeine entfernte Familie verkauft, und ich wusste nicht wohin – „eine Steuerabschreibung“, hatte sie es genannt, aber ich kannte die Wahrheit. Es war nur eine weitere Möglichkeit, mich auszunehmen, mir das einzige Stück Licht zu entreißen, das ich in diesem elenden Haus noch hatte.Ich hatte heftig gebettelt, ich war auf die kalten Kieselsteine niedergekniet, hatte geweint, bis meine Rippen schmerzten, mich an den Saum von Tante Sarahs Mantel geklammert und geschrien, dass ich doppelt so viel arbeiten würde, nichts essen würde, niemals w







