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Chapter 2

last update Veröffentlichungsdatum: 13.08.2026 15:40:05

Annas Perspektive

Ich lief die Straße entlang wie ein Geist – taub und hohl, ohne Hoffnung und ohne einen Ort, an den ich gehen konnte.

Mein Mann – mein Ex-Mann jetzt – und seine schwangere Geliebte hatten mich aus dem Haus geworfen, das ich einst mein Zuhause nannte. Das Zuhause, das ich mit zehn Jahren Opfer, Liebe und stillem Leiden aufgebaut hatte. Ein Zuhause, das meine Träume hätte beherbergen sollen.

Aber Träume, so lernte ich, konnten gestohlen werden.

Seine Worte verfolgten mich wie ein Fluch.

„Mir ist das Baby egal. Mir liegt nur dein Glück am Herzen."

Lügen. Alles davon.

Jedes Lächeln. Jedes Versprechen. Jeder Moment, den wir geteilt hatten – alles war falsch gewesen. Nur Worte, um mich unter seinen Füßen zu gefangen zu halten, damit ich bettelte, während er ohne Schuldgefühle weiterzog.

Ich lief weiter, kaum der Welt um mich herum bewusst. Meine Beine zitterten, mein Körper schwach, mein Herz in Stücken. Tränen strömten über meine Wangen, warm und endlos.

Ich konnte das Baby in mir spüren – mein einziger Grund, durchzuhalten – aber selbst das fühlte sich fern an durch den Nebel des Verrats.

„Warum?" Ich schluchzte, meine Stimme brach in die Nacht.

Dann schrie ich – laut und roh.

„AHHH!"

Der Schmerz war nicht mehr nur innen.

Ein Aufblitzen von Scheinwerfern.

Ein gellender Hupenlaut.

Und dann – der Aufprall.

Die Welt drehte sich.

Das scharfe, metallische Quietschen von Reifen erfüllte meine Ohren, kurz bevor das Auto mich erfasste – direkt in meinen Bauch.

Mein Körper flog, traf den Boden hart.

Die Luft verließ meine Lungen auf einmal.

Ich konnte mich nicht bewegen.

Ich konnte nicht sprechen.

Schmerz explodierte durch jede Ader meines Körpers.

Ich lag auf dem kalten Asphalt, keuchend, blinzelnd hinauf zum Nachthimmel, der über mir verschwamm und tanzte.

Blut sammelte sich unter mir.

Etwas Warmes und Feuchtes glitt an meinen Oberschenkeln herunter.

Menschen schrien im Hintergrund, aber sie klangen weit weg – wie Echos unter Wasser.

Meine Hände bewegten sich instinktiv zu meinem Bauch, und ich wimmerte.

„Nein… nein, bitte – mein Baby…"

Ich blinzelte langsam, kämpfte darum, wach zu bleiben. Kämpfte darum, zu atmen. Mein Herz verlangsamte sich. Mein Körper schwand dahin.

War das das Ende?

War das, wie alles endete?

Weggeworfen… verraten… und jetzt blutend auf der Straße eines Fremden?

Eine Träne glitt über meine Wange, als alles um mich herum ins Schwarz versank.

Aber kurz bevor die Dunkelheit mich nahm, regte sich ein Flüstern in meinem Geist – nicht meine Stimme, sondern etwas Uraltes, etwas Tiefes.

„Du wirst wieder auferstehen."

Dunkelheit.

Kalt, still, endlos.

Ich konnte meinen Körper nicht mehr spüren. Kein Schmerz. Kein Gewicht. Nur Schweben – zwischen Zeit und Raum aufgehängt.

Also… das war der Tod?

Nach allem, was ich gegeben, was ich ertragen hatte – war ich einfach weg?

Dann, ein Flackern.

Eine kleine goldene Flamme durchbohrte die Dunkelheit.

Sie trieb auf mich zu, sanft, aber pulsierend mit etwas Mächtigem. Uralt. Lebendig.

„Anna Storm…"

Eine sanfte Stimme hallte von überall und nirgendwo wider. Männlich. Tief. Ruhig.

„Du wurdest verraten. Gebrochen. Getötet mit Kummer noch in deiner Seele. Aber deine Geschichte soll hier nicht enden."

Meine Lippen zitterten. „Ich habe alles verloren… alles, wofür ich je gekämpft habe…"

„Nein. Dir wurde das falsche Leben gegeben."

Das goldene Licht umgab mich nun, hob mich in seiner Wärme. Ich spürte, wie mein Schmerz sich ablöste wie alte Haut. Mein Herz fühlte sich… leichter an.

„Dir wird ein seltenes Geschenk angeboten: eine zweite Chance. Ein neuer Anfang."

Ich zögerte. „Mein Baby – was ist mit meinem Kind?"

Die Stimme schwieg einen langen Moment, bevor sie antwortete.

„Das Kind war eine Seele, die durch Leid gebunden war. Sie ist jetzt frei. Genau wie du es sein wirst. Aber wenn du zurückkehrst, kehrst du als du zurück. Nicht als Maxs Frau. Nicht als der Schatten von irgendjemandem."

Tränen glitten über meine Wangen – nicht vor Schmerz, sondern aus Befreiung.

„Nimmst du dieses Geschenk an, Anna?"

Ich flüsterte: „Ja."

Und dann – blendendes Licht.

Ein Schock durchfuhr meinen Körper wie Donner, und ich keuchte – meine Lungen füllten sich mit Luft, schwer und real.

---

**Irgendwo Unbekannt – Gegenwart**

Meine Augen flogen auf.

Ich war nicht mehr auf der Straße. Nicht mehr gebrochen. Nicht mehr blutend.

Ich war in einem stillen Zimmer, in warme Laken gehüllt, meine Haut ohne Wunden, mein Bauch flach. Ich blinzelte schnell und versuchte, es zu verstehen.

War das ein Traum?

Die Tür quietschte auf.

Ein Mann trat ein, groß und elegant, mit pechschwarzem Haar und Augen wie Stahl in Seide gehüllt.

„Ah. Du bist wach", sagte er leise.

Ich spannte mich an. „Wo… wo bin ich?"

„Du wurdest am Rand des Geisterflusses gefunden", sagte er und stellte eine Tasse Tee neben mich. „Du hast nicht mehr geatmet, als ich dich fand."

Meine Hände zitterten. „Wie… lebe ich noch?"

Der Mann neigte den Kopf leicht und betrachtete mich mit Neugier. „Weil du auserwählt wurdest", sagte er. „Und weil ich dich hierher getragen habe."

Er machte einen Schritt näher, dann hielt er inne. „Mein Name ist Hae-Jae."

Ich setzte mich langsam auf, noch immer benommen. „Warum würdest du mir helfen?"

Er lächelte schwach, nicht unfreundlich. „Weil du nicht die Frau bist, die in jener Nacht gestorben ist. Du bist jetzt etwas anderes."

„Was meinst du damit?", fragte ich.

Er sah mir in die Augen. „Dir wurde dein Leben zurückgegeben, Anna. Aber nicht, um in die Vergangenheit zurückzukehren. Du sollst deine Zukunft neu schreiben. Eine, die dir gehört – nicht dem Mann, der dich weggeworfen hat. Nicht dem Schmerz, der dich definiert hat."

Ich blinzelte, mein Herz raste.

Keine Schwangerschaft.

Kein Max.

Nur ich.

Anna.

Wieder lebendig.

Aber anders.

Dieses Mal… würde ich meinen eigenen Weg wählen.

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