Share

Chapter 3

Author: Kjosh
last update publish date: 2026-08-13 15:40:30

Annas Perspektive

Meine Augen schnappten auf.

Für einen Moment vergaß ich, wo ich war. Dann kam alles zurück wie eine Welle, die gegen meine Brust krachte.

Der Verrat.

Der Unfall.

Der Verlust.

Mein Baby ist weg.

Tränen stiegen auf, aber ich blinzelte sie weg. Ich hatte genug geweint. Was ich jetzt fühlte, war nicht nur Trauer – es war etwas Kälteres. Schärferes.

Rache.

Ich wollte kein Mitgefühl.

Ich wollte keinen Trost.

Ich wollte Gerechtigkeit für den Schmerz, der mir in den Hals gezwungen worden war – für jede schlaflose Nacht, für jede Lüge, die Max mir ins Ohr geflüstert hatte, und für das Leben, das ich verloren hatte, bevor es überhaupt eine Chance hatte zu beginnen.

„Du bist wieder wach", durchbrach eine sanfte Stimme meine Gedanken.

Ich drehte langsam den Kopf. Hae-Jae stand im Türrahmen, das Morgenlicht hinter ihm warf einen weichen Schein um seine Gestalt. Er sah aus, als wäre er aus einer anderen Welt getreten – sein maßgeschneiderter schwarzer Anzug umhüllte seinen großen Körper perfekt, und sein dunkles Haar fiel mit mühelosem Charme leicht über seine Stirn.

Ich schluckte und stöhnte leise, während ich mich mühsam aufsetzte. „Ja… ich bin wach."

Er trat ein, ein Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus.

Dieses Lächeln – so warm, so aufrichtig – sah aus wie etwas, das ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Es erinnerte mich an Sonnenlicht durch die Risse eines dunklen Zimmers.

Seine weißen Zähne blitzten auf, perfekt und hell, und für einen kurzen Augenblick vergaß ich, wie gebrochen ich mich innen fühlte.

„Du solltest dich mehr ausruhen", sagte er sanft. „Aber ich dachte mir, dass du bald aufwachen würdest."

„Ich bin wohl nicht der Typ, der lange unten bleibt", murmelte ich und zwang mir ein kleines Lächeln ab.

Er lachte leise, dann rückte er die Manschetten seiner Ärmel zurecht. „Ich habe ein paar Leute im Herrenhaus arrangiert, die dir heute helfen. Was auch immer du brauchst – frag einfach. Ich fahre jetzt zur Arbeit." Er warf einen Blick auf seine Armbanduhr. „Eigentlich hätte ich vor zehn Minuten gehen sollen."

Ich nickte, unsicher, was ich sagen sollte. Niemand hatte sich seit so langer Zeit so um mich gekümmert – ohne Erwartung, ohne Bedingungen.

„Danke", sagte ich leise, die Worte fühlten sich klein an im Vergleich zu dem Gewicht in meiner Brust. „Für alles."

Er drehte sich um, hielt an der Tür inne. Seine Stimme war sanft, aber bestimmt. „Kein Problem, Anna. Du verdienst eine zweite Chance."

Dann war er weg, die Tür fiel mit einem leisen Klicken hinter ihm ins Schloss.

Ich saß in der Stille, umgeben von weichen Laken und Sonnenlicht.

Und zum ersten Mal seit einer Ewigkeit spürte ich, wie sich etwas in mir regte.

Keine Angst. Keine Traurigkeit.

Sondern Stärke.

---

Sobald er hinausgegangen war, fühlte sich die Stille im Zimmer anders an.

Nicht schwer.

Nicht erstickend.

Sondern voller etwas Neuem – Möglichkeiten.

Ich atmete tief durch und fuhr mit den Fingern über die Seidenlaken, versuchte mich zu erinnern, wann ich zuletzt etwas so Weiches berührt hatte, das nicht in Tränen getränkt war. Das Bett unter mir gehörte nicht mir. Das Zimmer gehörte nicht mir. Und doch hatte ich das erste Mal seit langer Zeit nicht das Gefühl zu ersticken.

Ich stand langsam auf und stützte mich am Rand des Bettes ab. Meine Beine fühlten sich noch schwach an, aber nicht nutzlos. Ich ging zum Fenster. Draußen fiel das Sonnenlicht über weitläufige Gärten und eine lange Auffahrt, die sich bis außer Sichtweite erstreckte.

Das ist nicht Maxs Welt.

Das ist jetzt meine.

Ein Klopfen unterbrach meine Gedanken.

„Herein", rief ich, meine Stimme stärker als erwartet.

Eine junge Frau trat ein. Sie hatte ein sanftes Gesicht, leuchtend braune Augen und trug eine hellblaue Uniform mit dem Wappen des Herrenhauses nahe dem Kragen eingestickt.

„Guten Morgen, Miss Anna", sagte sie mit einem sanften Lächeln. „Mr. Hae-Jae hat mir gesagt, ich soll Ihnen helfen, sich einzuleben. Mein Name ist Mira. Ich werde Ihre persönliche Assistentin sein, während Sie sich erholen."

Ich blinzelte. „Persönliche Assistentin?"

Sie nickte und trat näher. „Er hat ein ganzes Team engagiert, das sich um alles kümmert, was Sie brauchen könnten. Köchin, Arzt, Stylistin, sogar einen Trainer – wenn Sie interessiert sind. Er sagte, und ich zitiere: ‚Stellen Sie sicher, dass sie sich nie wieder hilflos fühlt.'"

Meine Brust zog sich zusammen.

Dieser Mann… er kannte mich kaum. Und doch tat er bereits mehr, als Max es in zehn Jahren je getan hatte.

Ich schluckte den Kloß in meinem Hals hinunter und schenkte Mira ein dankbares Lächeln. „Danke. Das ist… viel auf einmal."

„Ich verstehe", sagte sie freundlich. „Möchten Sie heute eine Führung durch das Haus? Oder vielleicht frische Luft in den Gärten? Oder ich kann Ihnen das Frühstück ans Bett bringen."

„Nein", sagte ich, etwas entschiedener als beabsichtigt. „Kein Liegenbleiben mehr im Bett. Das habe ich genug getan."

Mira nickte, Stolz in ihren Augen. „Dann fangen wir mit dem Garten an. Er ist zu dieser Morgenstunde wunderschön."

---

**Eine Stunde später – Gärten des Herrenhauses**

Die Sonne war warm auf meiner Haut, als ich langsam durch die gepflegten Wege ging und die blühenden Rosen und Brunnen bewunderte, die wie Kristall funkelten. Die Luft roch nach Jasmin und Honig.

Ich setzte mich auf eine Steinbank und beobachtete die Schmetterlinge, die träge um mich herumschwebten, während Mira mir eine Thermoskanne Kräutertee ließ.

Für einen Moment ließ ich mich einfach sein.

Nicht als Anna, die Ehefrau.

Nicht als Anna, das Opfer.

Einfach… Anna.

Doch unter der Stille brannten meine Gedanken.

Max.

Seine Geliebte.

Ihr Lachen.

Mein Baby…

Ein Teil von mir wollte noch immer zusammenbrechen. Aber ein lauterer Teil – der Teil, der aus der Dunkelheit aufgestiegen war – wollte mehr.

Ich würde nicht zurückgehen, um zu betteln.

Ich würde nicht vergeben.

Ich würde auferstehen – schön und gefährlich.

---

Ich kehrte ins Zimmer zurück, wo eine Notiz auf der Kommode auf mich wartete.

> Anna,

ich werde heute Abend spät nach Hause kommen. Morgen gibt es ein Abendessen mit jemandem Wichtigem – ich würde dich gerne dabeihaben.

Trag, was auch immer dich stark fühlen lässt.

—Hae-Jae

Meine Finger fuhren langsam über die Worte.

Stark.

Nicht schön.

Nicht hübsch.

Stark.

Ich legte die Notiz hin, ein Lächeln kräuselte sich auf meinen Lippen.

Er sah mich nicht als gebrochene Frau. Er sah mich nicht als Ballast.

Er sah mich als jemanden mit Feuer in den Knochen.

Und bald würde es die ganze Welt auch sehen.

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • Wiedergeburt der milliardenschweren Ex-Frau   31

    Annas SichtIn dem Moment, als ich auf Senden tippte, ließ ich mein Handy aufs Bett fallen, als hätte es meine Hand verbrannt.Was hatte ich mir überhaupt gedacht?Warum hatte ich Ja gesagt?Ich saß am Rand meines Bettes und starrte die Wand an, als schuldete sie mir Antworten. Meine Brust fühlte sich eng an, nicht vor Angst, sondern unter dem Gewicht alter Wunden, die sich wieder öffneten.Der Vogue & Vision Showcase.Zu meinen Ehren?Er muss denken, ich sei dumm.Ich rieb meine Handflächen aneinander und atmete langsam ein und aus. Aber selbst das half nicht. Meine Gedanken kehrten immer wieder zu ihm zurück – zu Hae-Jae.Nach allem, was er getan hatte… nach der Art, wie er alles zerstört hatte, was ich in mir aufbaute, hatte er mir Hoffnung gegeben, als klar war, dass es keine gab.Jetzt will er eine Show für mich veranstalten?Nein. Das ging nicht um Vergebung. Das ging um Kontrolle.Er wollte die Erzählung wieder schreiben, so aussehen lassen, als wäre er der Gute. Der, der versu

  • Wiedergeburt der milliardenschweren Ex-Frau   30

    **Hae-Jae’s Sicht**„Sie hasst mich!“, stöhnte ich und schritt im Raum auf und ab.Die Art, wie sie mit mir gesprochen hatte, ließ mich beinahe mich selbst hassen. Ich ließ mich in den Stuhl fallen, während die Erinnerungen an alles, was zwischen uns passiert war, über mich hereinbrachen.Wut wogte durch meine Brust.Die Tür flog auf und zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Es war Raymond – in einer weiten Hose und einem weißen Hemd. Wir waren beide wegen Business in dieses neue Land gekommen, aber ich hatte noch andere Pläne.„Gott, heute war großartig.“ Er lächelte mich an und ließ sich auf das Bett gegenüber von mir fallen.Aber sein Lächeln verblasste langsam, als er mich genauer ansah und merkte, dass etwas nicht stimmte.„Was ist los?“, fragte er.„Ich habe sie heute getroffen.“Sein einst lächelndes Gesicht verwandelte sich in eines voller sichtbarer Wut.Er mag sie nicht – aus Gründen, die nur er kennt. Ich habe alles versucht, um herauszufinden warum, aber es scheint alles

  • Wiedergeburt der milliardenschweren Ex-Frau   29

    **Annas Sicht**Meine Füße fühlten sich am Boden festgeklebt an. Unsere Augen trafen sich, und Spannung erfüllte den gesamten Raum.Er zuckte nicht zusammen – seine Augen musterten mich nur von Kopf bis Fuß.„Du hast dich kein bisschen verändert“, sagte er und durchbrach die dicke Stille.Ich zeigte nicht einmal einen freundlichen Ausdruck. Nur einen strengen, ernsten.„Was zum Teufel machst du hier? Wie hast du mich aufgespürt?“Er lächelte mich an und trat dann einen Schritt näher.„Du bist eine populäre Fashion-Queen. Es war ziemlich einfach herauszufinden, wo du bist.“Ich spürte, wie Wut und Zorn in mir kochten. Diese alten Erinnerungen kamen wie Wellen zurück.„Du musst verrückt sein, wenn du denkst, du könntest hier einfach auftauchen“, zischte ich und verschränkte die Arme eng vor der Brust.Er lachte, dasselbe arrogante Geräusch, das ich in Erinnerung hatte. „Immer noch so feurig wie früher, Anna.“Ich schüttelte den Kopf und versuchte, meinen Atem zu beruhigen. „Du gehörst n

  • Wiedergeburt der milliardenschweren Ex-Frau   28

    Annas POVIch beobachtete die Frau auf dem Fernseher vor mir. Sie sprach über Dinge, die mir viel zu vertraut vorkamen. Dinge, die mir in den letzten Monaten widerfahren waren.Ich blinzelte nicht.Ich bewegte mich nicht.Ich saß einfach nur da, hörte zu, dachte nach und war völlig in meinen Gedanken verloren.„Deine Augen kleben ja förmlich an diesem Bildschirm!“Sandras Stimme hallte durch das Wohnzimmer und riss mich zurück in die Realität.Ich drehte mich schnell um. Ihre plötzliche Stimme holte mich aus meinen Gedanken.Ein kleines Lächeln schlich sich auf mein Gesicht.„Was ist los?“ Meine Stimme klang ruhig. Vielleicht zu ruhig.Sandra hob eine Augenbraue. „Das sollte ich dich fragen. Alles okay?“Ich nickte.Eine Lüge.Sie wusste es. Aber sie drängte mich nicht.Stattdessen kam sie zu mir und setzte sich neben mich. Sie zog ihre Füße auf das Sofa.„Ich habe dir etwas mitgebracht.“Sie griff in ihre Tasche und holte einen Notizblock mit einem goldenen Stift heraus, der daran be

  • Wiedergeburt der milliardenschweren Ex-Frau   27

    Annas SichtEinen Monat nach der Fashion-ShowIch saß im obersten Stock unseres neu gemieteten Studios im Herzen der Stadt – hohe Glasfenster blickten auf blinkende Lichter und goldene Gebäude. Meine Hand zitterte leicht, während sie eine Tasse grünen Tee hielt, aber nicht, weil ich nervös war. Es war Unglaube. Die Zahlen waren da. Die E-Mails. Die Verträge. Es war real.Wir hatten offiziell über eine Million Dollar an kombinierten Deals angeboten bekommen. Von Luxus-Kaufhäusern bis hin zu internationalen Fashion-Ketten. Anna Designs war nicht mehr nur ein Traum – es war ein Name.Sandra kam herein und hielt einen roten Ordner. Ihre Absätze klickten leise auf dem polierten Boden. „Bist du bereit für die finalen Zahlen?“, fragte sie grinzend.Ich lächelte zurück, immer noch ein bisschen ehrfürchtig. „Sind sie größer als gestern?“Sie lachte. „Fünf Prozent mehr. Girl, wir wachsen nicht nur – wir fliegen.“Ich lehnte mich zurück und blinzelte zur Decke. „Erinnerst du dich, als ich hier

  • Wiedergeburt der milliardenschweren Ex-Frau   26

    Annas Sicht – Drei Monate späterIch konnte einen Moment lang nicht atmen. Nicht vor Panik. Sondern vor Stolz. Das … das war real. Es passierte endlich. Alles, was ich über die Monate geplant hatte, funktionierte endlich.Die Lichter dimmten und die Runway-Musik setzte ein. Ich stand hinter der Bühne mit Sandra und sah zu, wie unser erstes Model in einem unserer Signature-Gowns herauskam – handgenäht, bold und elegant. Der Stoff schimmerte unter dem Spotlight, der Schlitz glitt, während sie selbstbewusst strich, als wäre sie für diesen Moment geboren.Sandra drückte meine Hand. „Du träumst nicht.“„Ich fühle mich, als würde ich es“, flüsterte ich, die Brust schwer von Emotionen. Eine Träne rann meine Wange hinunter.Erst vor wenigen Monaten war ich weggelaufen. Kein Plan. Nur Instinkt und Verzweiflung. Ich hatte alles hinter mir gelassen – Max, Hae-Jae, meinen Job, meinen Ruf … sogar meinen Namen, in mancher Hinsicht. Jetzt stand ich hier, in einer neuen Stadt, und veranstaltete eine

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status