LOGINArias SichtWozu war ich wahrlich erschaffen worden?Ich dachte bei mir selbst. Ich hatte nie um solche Verantwortungen gebeten. Alles, was ich wollte, war ein gewöhnliches Leben, ohne gejagt zu werden für etwas, von dem ich bis eben nicht einmal wusste, dass ich es besaß.Mein Blick war auf die Wissensbewahrerin fixiert, ich konnte nicht von ihr wegsehen.Meine Blutlinie.Die Jäger.Die Prophezeiung.Dravens Fluch.Alles schien irgendwie miteinander verbunden, aber ich konnte nicht begreifen, wie.„Was sollen wir jetzt tun?“, fragte ich.Die Wissensbewahrerin sah mich an. „Jetzt müssen wir verstehen, wozu du tatsächlich fähig bist.“Ich runzelte die Stirn. „Ich weiß, was ich kann.“„Nein.“ Ihr Tonfall war vollkommen ruhig. „Du weißt, was du bereits tun konntest. Da liegt ein Unterschied.“Dravens Hand drückte die meine.Ich sah ihn an; er betrachtete die Wissensbewahrerin.„Wie stellen wir das an?“, fragte er.„Deine Kräfte basieren nicht nur auf der Absicht, sondern auch auf der Ber
Niemand sprach. Die Worte schienen wie eine Drohung über dem Kräuterraum zu hängen.Ich blickte die Wissensbewahrerin an. „Was meinst du damit?“Sie antwortete nicht sofort. Stattdessen sah sie Aria an. „Die Männer, die letzte Nacht wegen dir kamen.“„Sie wurden wegen meiner Blutlinie geschickt?“, fragte Aria.Wir waren alle zu diesem Schluss gekommen.„Sehr wahrscheinlich.“„Dann haben die Angriffe bereits begonnen“, sagte ich.Die Wissensbewahrerin nickte. „Die Prophezeiung besagt nicht, dass die Königreiche sofort bluten werden.“ Sie tippte auf die Seite. „Sie besagt, es wird geschehen, wenn jene, die die Eklipse fürchten, nach ihr kommen.“Ich sah Aria an. Sie studierte die Prophezeiung intensiv.„Ich weiß nicht, ob euch das bewusst ist, aber manche Flüche wurden genau deshalb platziert: um die Eklipsen-Blutlinie ins Visier zu nehmen. Hier ist, was ich meine...“ Sie sah uns kurz an. „Menschen, die mit solchen Flüchen belegt sind, rasten aus, wenn sie jemanden mit Eklipsen-Blut seh
Ein einziges Wort wollte mir nicht aus dem Kopf gehen.Eklipse.Es verfolgte mich aus dem Verlies. Es begleitete mich den Korridor entlang. Es folgte mir bis zurück in meine Gemächer.Ich hatte dieses Wort schon einmal gehört.Vor vielen Jahren.Lange vor Aria.Lange bevor ich etwas über die Nullifier oder Blutlinien wusste, oder darüber, wie mein Fluch auf ihre Anwesenheit reagierte.Ich hatte es einmal in einer Prophezeiung gehört.Einer Prophezeiung, die ich nie vollständig verstanden hatte. Ich öffnete die Tür zu meinen Gemächern, sobald ich sie erreichte.Aria saß am Fenster. Sie drehte sich sofort um. „Da bist du ja.“Ich nickte.Ihr Blick suchte mein Gesicht. „Es ist etwas passiert.“Es war keine Frage.Ich ging an ihr vorbei zum Bücherregal.„Wonach suchst du?“„Nach etwas Bestimmtem.“Sie runzelte die Stirn. „Sehr hilfreich.“Ich ignorierte sie.Meine Finger strichen über den Buchrücken im Regal.Aufzeichnungen aus alten Zeiten.Verträge zwischen verschiedenen Königreichen.B
Aria wachte früh auf.Das tat sie immer.Trotz allem, was in der Nacht zuvor geschehen war, beobachtete ich sie dabei, wie sie unter den Decken erwachte, während das erste Morgenlicht durch die Fenster schien.Sie blieb für einen Moment regungslos liegen. Dann öffneten sich ihre Augen, und ihr Blick traf den meinen. „Du bist wach.“„Ich war wach.“Ihre Augen verengten sich leicht. „Hast du geschlafen?“„Genug.“Hatte ich nicht.Und sie wusste es.Ich konnte es in ihrem Blick lesen. Doch sie sagte nichts. Stattdessen stand sie auf und hüllte sich in die Decke.„Wohin gehst du?“„In den Kerker.“Sie sah verwirrt aus. „Die Männer?“Ich nickte. „Ich brauche Antworten.“Sie wirkte unruhig.Ich ergriff ihre Hand. „Ich werde dich beschützen“, sagte ich und gab ihr mein Wort.„Ich weiß.“Ich küsste ihre Stirn. „Warte hier, bis ich zurückkomme.“Sie nickte.Ich verließ den Raum. Doch das Bild ihres verängstigten Gesichts begleitete mich den gesamten Weg hinab in die Verliese.Das Erste, was mi
Ich hatte nicht geschlafen.Wie hätte ich auch? Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, sah ich, wie Aria in die Dunkelheit gezerrt wurde. Ich sah die Hand des Mannes auf ihrer Taille.Ich hörte sie meinen Namen rufen.Das war der Teil, der sich immer wieder in mein Gedächtnis brannte.Nicht der Kampf.Nicht das Messer.Nicht einmal die Tatsache, dass sich drei Fremde ihr so nah hatten nähern können, ohne dass es jemand bemerkt hatte.Es war der Klang ihrer Stimme gewesen.Voller Angst.Die nach mir rief.Ich wollte diesen Klang nie wieder hören.Ich stand vor den Fenstern meiner Gemächer und blickte hinaus in die Dunkelheit jenseits des Schlosses.Hinter mir schlief Aria.Zumindest hoffte ich das.Ich hatte darauf bestanden, dass sie diese Nacht in meinem Zimmer verbrachte.Nicht, weil ich sie einsperren wollte.Sondern weil ich den Gedanken nicht ertragen konnte, sie noch einmal ungeschützt zu lassen.Die Tür öffnete sich leise.Mein Beta trat ein. „Mein König.“Ich drehte mich um. „
ÄngstlichEin tiefes Knurren erfüllte die Dunkelheit.Nicht menschlich.Nicht gewöhnlich.Mein Herz begann in meiner Brust zu hämmern. Der Mann, der mich festhielt, versteifte sich. Irgendwo hinter uns... erklangen Schritte.Langsam.Vorsichtig.Unerklärlich ruhig.Draven.Angesichts der plötzlichen Stille...Wussten sie es auch.Ich konnte mich nicht sofort umdrehen.Ich konnte es nicht. Ich war wie gelähmt, aber gleichzeitig unendlich erleichtert, dass er meine Stimme gehört und gespürt hatte, dass etwas nicht stimmte.Die Schritte stoppten.Dann hörte ich seine Stimme. „Hände weg von ihr“, donnerte er.Ein Windstoß begleitete sein Brüllen; die Bäume und Blätter erzitterten unter der Wucht seines Zorns.Dravens Stimme zitterte nicht. Sie musste nicht zittern. Es lag so viel rohe Kraft in ihr, dass die Luft förmlich schwer wurde.Endlich ließ der Mensch von mir ab, und ich stolperte nach vorne.Ich drehte mich um.Draven stand nur wenige Meter entfernt. Ich hatte Draven noch nie so g







