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Kapitel 3

Author: BergMeer123
3

Der Arzt, der meine Wunden versorgte, war Jonas Becker, ein Kollege aus meiner Abteilung.

Als er mein Gesicht erkannte.

Hielt seine Hand mitten in der Bewegung inne.

Seine Pupillen verengten sich.

Jonas platzte heraus: „Frau Doktor Hartmann? Sie – wie können Sie hier sein? Sollten Sie nicht gerade im OP sein und einen Patienten versorgen?!“

Kaum hatte er das gesagt, erklärte der Polizist neben ihm sofort:

„Ach? Sie ist Ärztin in Ihrem Krankenhaus? Sie ist unglücklich in einen tiefen Schacht gestürzt, wir haben sie gerade geborgen.“

Jonas erstarrte, sein Blick blieb auf meinem Gesicht hängen.

Er öffnete den Mund.

Mehrmals wollte er etwas sagen und hielt dann doch inne.

Offenbar wusste er Bescheid.

Aber in Gegenwart des Polizisten.

Wagte er kein weiteres Wort und griff schweigend zu seinen Instrumenten, um vorsichtig meine Wunden zu versorgen.

Das Reinigen und Nähen der Wunde war klar spürbar und quälend.

Die Wunde an meiner Stirn musste mit ganzen drei Stichen genäht werden.

Auch mein rechtes Bein wurde wegen eines Bruchs eingegipst.

Anschließend wurde ich in den Untersuchungsraum für ein Kopf-CT gefahren.

Zum Glück zeigte das Ergebnis nur eine leichte Gehirnerschütterung, nichts weiter.

Als ich wieder etwas klarer bei Bewusstsein war.

Kamen zwei Polizisten mit einem Notizblock ins Beobachtungszimmer.

Sie nahmen routinemäßig den Unfallhergang auf.

„Frau Doktor Hartmann, könnten Sie uns bitte den genauen Hergang Ihres Sturzes schildern?“

Ich lehnte mich zurück und tat, als würde ich mich angestrengt erinnern:

„Ich hatte gerade meine Nachtschicht beendet und war kaum aus dem Krankenhaus getreten, als mich ein Kollege anrief. Er bat mich, sofort zurückzukommen und an einer Notoperation teilzunehmen.“

„In meiner Eile war ich wohl völlig durcheinander. Ich habe den offenen Schacht auf dem Weg nicht bemerkt, bin mit einem Fuß ins Leere getreten und hineingestürzt.“

Die Polizisten hörten zu und nickten wiederholt.

Kurz darauf traf ein Mitarbeiter der Überwachungszentrale eilig ein.

In der Hand hielt er die komplette Aufnahme der Straßenüberwachung, die er den Polizisten sofort zur Prüfung übergab.

Das Bildmaterial war klar und lückenlos und stimmte haargenau mit meiner Schilderung überein.

Nach der Sichtung bestätigten die Polizisten, dass es sich um einen bloßen Unfall handelte.

In diesem Moment rief ich auf einmal laut auf.

Ich tat, als wäre ich in heller Aufregung:

„Oh nein! Oh nein! Man wartet doch auf mich, ich soll doch bei der Operation helfen! Wie konnte ich hier nur so lange aufgehalten werden!“

Ich bemühte mich, die Reaktion zu zeigen, die man von einer Ärztin der Notaufnahme erwarten würde.

Ohne Rücksicht auf meine Verletzungen.

Und trotz der Proteste der Polizisten versuchte ich mühsam, mich aufzurichten.

„Bringen Sie mich schnell dorthin! Ich muss zurück in den OP!“

Die Polizisten versuchten mich zu beruhigen:

„Frau Doktor Hartmann, bleiben Sie ruhig, Sie sind im Moment nicht in der Verfassung für eine Operation.“

Ich tat, als wäre ich vor Sorge außer mir, stemmte mich mit aller Kraft hoch und bestand darauf, in den Rollstuhl zu steigen:

„Nein! Ich mache mir Sorgen, ich muss selbst nachsehen!“

Alle gaben schließlich nach.

Allerdings herrschte, als ich endlich vor dem OP ankam.

Bereits eine erdrückende, tödliche Stille.

Dicht gedrängt standen dort die Angehörigen, weinend, am Boden zerstört.

Die Lampe über der OP-Tür war erloschen.

Die lebensrettenden Maßnahmen waren bereits beendet.

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